Notenlesen üben – effektiv und motivierend

Notenlesen üben, effektiv und motivierend auf klavierpaedagogikentdecken.de

Hand aufs Herz – wie sicher sind deine Schüler im Notenlesen?

Und wann habt ihr es das letzte Mal trainiert?

Wenn ich ehrlich bin, bleiben meine schön laminierten Notenkärtchen oft unangetastet. Lieber spielen wir Stücke… Doch nach den Osterferien habe ich sie endlich herausgeholt und bemerkt, dass meine Schüler die Noten zwar erkennen, doch oft viel Zeit zum Überlegen brauchen. Viel zu viel Zeit…

Da musste eine Lösung her! Die

One Minute Challenge

Ein regelmäßiges und effektives Notenlese-Training.

Alle Informationen und Materialien findest du dazu in diesem Artikel.

Absolutes und relatives Notenlesen

Beginnen wir aber von vorn. Im Leseprozess spielen viele Dinge zusammen. Die Notenkärtchen trainieren das absolute Lesen, dies ist z.B. für das Erkennen des ersten Tons und bei Lagenwechseln hilfreich.

Doch in einem Stück stehen die Töne in Bezug zu einander, so dass nicht jeder Ton gelesen, sondern oft durch die Verbindung mit einem anderen Ton erkannt wird. Dies ist das relative oder das intervallische Lesen, das z.B. oft innerhalb einer Phrase genutzt wird.

Beide Lesevorgänge sind wichtig – im heutigen Artikel geht es um das absolute Lesen.

Das effektive Training zum sicheren Notenlesen

Wenn du diese Aktion einmal jährlich mit allen Schülern machst, profitierensie das restliche Jahr davon!

Die One Minute Challenge oder „Eine Minute Herausforderung“ ist, dass deine Schüler ihre Töne innerhalb von einer Minute benennen und am Klavier anschlagen.

Wer es dreimal schafft, hat die Challenge gewonnen und bekommt als Bestätigung eine Urkunde.

 

Die Anfänger profitieren von diesem Training, da sie den Überblick  über den immer weiter wachsenden Tonraum behalten und recht schnell ein Erfolgserlebnis haben.

Die Schüler in der Mittelstufe befinden sich in einer anderen Situation: Sie üben mehrere Wochen an ihren Stücken, also sehen sie längere Zeit keine „frischen“ Noten und einige Töne werden nach und nach vergessen. Die Notenkärtchen graben diese wieder hervor und alle Töne sind dann wieder sicher.

Unsichere Schüler, die durch den Zeitdruck völlig aus dem Konzept kommen sollten erst bei großer Sicherheit getestet oder vielleicht ganz ausgenommen werden. Auf der anderen Seite denke ich, dass sie hier im geschützten Raum ihre Belastungsfähigkeit trainieren können.

Wirklich fortgeschrittene Schüler der Oberstufe benötigen die Challenge natürlich nicht, die kennen alle Töne!

Einteilung der Stufen

Ich habe mir folgende Stufen überlegt:

  • Stufe 1: f bis g1 (mittlere C-Lage)
  • Stufe 2: c bis c2 (außerdem die „Hilfslinientöne“ d1 im Bass- und h im Violinschlüssel)
  • Stufe 3: F bis g2 (Hilfslinientöne d1 und e1 im Bass- und h und a im Violinschlüssel)
  • Stufe 4: C bis c3 (Hilfslinientöne d1, e1 und f1 im Bass- und h, a und g im Violinschlüssel, da es sehr viele Karten sind, nehme ich einige Töne aus der kleinen und eingestrichenen Oktave heraus, maximal sind es 30 Karten)

Vorbereitung

Ein paar Worte zur Organisation: Teile deine Schüler in die passende Stufe ein. Falls du unschlüssig bist, wähle besser die leichtere Stufe.

Kündige die One Minute Challenge vorab an und lasse deine Schüler zwischen den klassischen Notenkarten oder einer kostenpflichtigen App entscheiden.

Ich habe für das Üben zu Hause sowohl ein Bastelset für die Karten ( siehe unten) als auch eine Anleitung für die App vorbereitet und ausgeteilt. Die Bedienung der NoteWorks-App haben wir in der Stunde geübt.

Welche Töne abgefragt werden, markierst du dann auf einer Übersicht, die du ebenfalls austeilst.

Dann benötigst du noch ein paar Ausdrucke der Ergebniss-Tabellen, so dass jede Stufe ihre eigene hat.

One Minute Challenge in Aktion

Beginne nun am besten jede Stunde mit  den Notenlesekärtchen. Dann vergisst du es nicht – ich spreche aus Erfahrung…

Zuerst gibt es eine Aufwärmrunde, in der du noch etwas Hilfestellung geben kannst.

In der 2. Runde läuft dann die Stoppuhr mit und du hilft nicht mehr, sondern meldest dich nur, wenn der Schüler über seine Antwort nochmal nachdenken sollte.

Die erreichte Zeit trägst du dann in die entsprechende Tabelle ein. Alle Tabellen sollten für alle einsehbar sein. Meine hängen an einem Magnetboard und oft gucken die Schüler als allererstes dort nach den neuesten Ergebnissen.

Oh ja, hier entsteht ein bisschen  Konkurrenzkampf unter den Schülern. Genauso gut  fordert es aber jeden heraus, die eigene Zeit zu schlagen. Beides hilft dabei das Notenlesen auch wirklich zu üben.

Bewährt und bekannt

Diese Challenge habe ich auf dem Blogg der amerikanischen Klavierpädagogin Susan Paradis entdeckt. Die Idee ist von der ebenfalls amerikanischen Pädagogin und Autorin Jane Smisor Bastien.

Sie hat mit ihrem Mann James einige Klavierschulen und Ergänzungshefte in den 60er bis 80er Jahren herausgegeben. Ich habe bei sheetmusicplus.com die originalen „One Minute Club“ -Karten entdeckt. Hat man die Challenge gewonnen, ist man nämlich im Club!

Mein Fazit

Das Notenlesen ist es definitiv wert, immer wieder trainiert zu werden. Ich wünsche mir einfach, dass meine Schüler neue Stücke neugierig erlernen und erobern können.

Die studioweite One Minute Challenge gibt dem Notenlesen neuen Schwung!

Hier geht es zu den originalen Notenkärtchen auf der Seite von Susan Paradis. Dort findet ihr übrigens sehr viel Materialien und Spiele, schaut euch mal um.

Dazu kommen die passenden One Minute Challenge-Rückseiten (deutsch), die Bastelanleitung Notenkarten mit Stufeneinteilung und welche Töne dazu gehören, die One Minute Challenge-Tabelle und eine OMC Urkunde.

Viel Freude im Unterricht!

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