Ankertöne für sicheres Notenlesen

Um das Notenlesen abzusichern und zu beschleunigen führe ich an einem gewissen Zeitpunkt die Ankertöne ein. Welche Töne das sind, warum sie den Schülern helfen, wann und wie ich sie einführe erfährst du in diesem Artikel.

Die Ankertöne bestehen aus c, f und g. Das eingestrichene g wird vom Violinschlüssel umschlossen und das kleine f markiert der Bassschlüssel. Dazu kommen noch alle C´s und die beiden „äußeren“ Linientöne, also das große G und das zweigestrichene f.

Auf der folgenden Grafik siehst du, wie die Ankertöne angeordnet sind.

Abbildung 1: alle Ankertöne

Im Englischen heißen sie „landmark notes“, also Orientierungspunkte. Der Begriff „Ankerton“ bezieht sich auf einen Anker, der das Schiff vor dem Abtreiben durch Meeresströmungen sichert. Diese Töne sichern das Lesen ab und helfen dem Schüler bei der Orientierung.

Wie oft hast du schon erlebt, dass dein Schüler das eingestrichene a vom eingestrichenen C abgezählt hat und sich vertan hat? Schon sehr oft, oder?

Es ist ein weiter Weg, dein Schüler vertut sich schnell beim Aufsagen der Tonleiter oder sein Finger verrutscht während des Abzählens der Linien und Zwischenräume.

Kennt dein Schüler nun die Ankertöne, zählt er ab dem eingestrichenen g aufwärts oder ab dem zweigestrichenen c abwärts. Fertig! Der Weg ist viel kürzer und hat den Vorteil, dass er schneller ist und weniger Fehlerpotential birgt.

Abbildung 2: kurze Wege durch Ankertöne

Ein weiterer Vorteil: Falls deinem Schüler mal ein Ankerton nicht einfällt ist der zweite nicht weit entfernt! Die Wahrscheinlichkeit ist einfach größer, dass er sich an irgendeinen Ton sicher erinnert.

Ganz spannend ist auch die symmetrische Anordnung, die vor allem visuell Lernenden hilft. Wenn du die rechte Seite mit den Notenschlüsseln nach oben oder unten drehst und dir eine Linie durch das mittlere c vorstellst, werden alle Töne vom Violinschlüssel im Bass gespiegelt.

Abbildung 3: gespiegelte Ansicht

Wann und wie können die Ankertöne eingeführt werden?

Wenn dein Schüler das erste Mal die Position seiner Hand verändert.

In meinem Unterricht ist es die rechte Hand, die in die F-Lage gelegt wird. Hier entsteht oft etwas Verwirrung, doch wenn dann das eingestrichene g und das zweigestrichene c farbig markiert werden erleichtert es deinem Schüler die Umorientierung.

Den Begriff „Ankerton“ führe ich aber noch nicht ein. Der Schüler soll sich zuerst voll auf die neue Lage konzentrieren können.

Zuvor solltest du einmal für deinen gesamten Unterricht jedem Ton eine Farbe zugeordnet haben. Eine Farbkarte zum Herunterladen und Anmalen findest du in meinem Artikel “Etwas Musiktheorie zum Auffrischen“.

Das Aufsagen der Tonleiter in beide Richtungen würde ich an dieser Stelle wiederholen.

Ein guter Zeitpunkt für die „offizielle“ Einführung ist gekommen, wenn dein Schüler alle Töne der mittleren zwei Oktaven kennt und darüber hinaus zu expandieren beginnt. Du erklärst ihm den Begriff „Ankerton“ und zeigst ihm die folgende Abbildung.

Abbildung 4: Ankertöne innerhalb der zwei Oktaven

Jetzt kann er die Ankertöne in seinem aktuellen Stück suchen und farbig markieren.

Ich setzte sehr gerne Farbe ein, doch achte darauf, dass der Schüler nicht davon abhängig wird. Das heißt wir markieren jetzt nicht alle Stücke, wahrscheinlich nur eines. Dieser Prozess passiert auch nur bei etwa drei Stücken hintereinander. Wenn er es überhaupt so lange benötigt…

Neben dem Markieren der Noten kannst du deinen Schüler auch die Übersicht aufschreiben lassen. Entweder nur die Ankertöne über zwei Oktaven oder alle Töne.

Ich nutze gern meine Tafel dafür, doch du kannst auch einfach ein Notenblatt in einen DinA4-Bilderrahmen legen oder das Blatt laminieren. In beiden Varianten kann der Schüler mit einem abwischbaren Stift schreiben.

Eine weitere Übung ist es, dass dein Schüler die Ankertöne aus einem Stapel Notenkärtchen heraussucht.

Wenn ich zwischendurch mal das Gefühl habe, dass mein Schüler etwas unsicher beim Notenlesen wird, wiederhole ich die Ankertöne.

Ebenfalls wiederhole ich sie als Vorbereitung für die One Minute Challenge.

Es ist ein tolles System um schnell und sicher den richtigen Ton zu finden.

Hast du schon einmal von Ankertönen gehört? Wie ist deine Erfahrung mit ihnen?

2 Kommentare

  1. Hallo Carina,

    die Ankertöne sind eine gute Idee. Ich arbeite auch damit. Bei den die C-Noten und die Schlüsselnoten (f und g1) verwende ich die gleichen Ankertöne wie du. Doch bei den Noten am Rand des Systems verwende ich im Basschlüssel das F und im Violinschlüssel das g2. Ich finde, es ist leichter zu merken:
    F-Schlüssel >> Schlüsselnote f und Randnote F
    G-Schlüssel >> Schlüsselnote g1 und Randnote g2

    Liebe Grüße
    Susanne

    1. Liebe Susanne,

      die von dir beschriebenen Ankertöne hatte ich zuerst auch. Ich denke sie sind auch genau so sinnvoll und logisch wie die im Artikel erwähnten.

      Entweder man merkt sich F im Bass- und G im Violinschlüssel. Oder eben, dass in jedem Schlüssel F und G je einmal vorkommen.

      Ich bin in der Vibrant Music Teaching Community von Nicola Cantan und die Spiele, die sie dort bereitstellt, verwenden die “jeder Ton einmal im Schlüssel”-Version. Dort habe ich mich also angepasst.

      Liebe Grüße und danke für deine berechtigte Frage!
      Carina

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