Wie zufrieden bist du mit den Klaviermethoden, die du aktuell in deinem Unterricht benutzt? Irgendetwas ist immer, dass uns stört. Um so richtig zufrieden zu sein, müssten wir alle wohl unsere eigene Methode konzipieren.
Doch da dies ein riesiger Berg an Arbeit wäre, gehen wir ein solches Projekt nicht an.
Nicht aber die Schweizer Pianistinnen, Klavierpädagoginnen und Komponistinnen Leana Krummenacher und Janina Schülin!
Sie haben im Sommer 2025 die eigene Klavierschule „PianOzean“ veröffentlicht, die aus den zwei Heften „PianOzean“ und TastAfrika“ besteht. Zusätzlich sind ein Musiktheorieheft „Klangpause“ und das Kartenspiel „Hallo Mozart“ erschienen.
Während Leana Krummenacher an den Musikschulen Muri bei Bern sowie am Konservatorium Zürich unterrichtet, arbeitet Janina Schülin an der Musikschule Luzern und gibt Eltern-Kind-Kurse in Beromünster.
Ich war neugierig, aus welcher Motivation heraus die beiden eine eigene Klaviermethode entwickelt haben und durfte sie dazu interviewen.
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Liebe Leana, liebe Janina, es gibt unzählige Klavierschulen auf dem Markt. Was habt ihr vermisst und wie kam es, dass ihr eure eigene Methode entwickelt habt?
Einerseits haben wir von Arbeitskollegen vernommen, dass sich viele gerne etwas Abwechslung zur „Tastenzauberei“ wünschen, welche seit Jahren das wohl am häufigsten verwendete Lehrmittel für Anfänger ist. Andererseits hatten wir Lust, etwas komplett Neues zu kreieren – wir wollten eine ganzheitliche Methode erschaffen, welche die Unterrichtsgestaltung noch farbiger und abwechslungsreicher macht und somit zu unserem Unterrichtsstil passt.
Komponiert ihr beide und wie seid ihr dazu gekommen?
Janina hat bereits als Teenager in der Schule unregelmäßig, aber sehr begeistert komponiert, jedoch selten jemandem etwas davon gezeigt. Seit über zehn Jahren schreibt sie Arrangements für verschiedene Besetzungen und veröffentlicht diese auch auf musicnotes.com. Seit etwa fünf Jahren schreibt sie vermehrt eigene Stücke und liebt diese neugewonnene Leidenschaft, welche direkt in ihren Unterricht sowie ihre Konzerttätigkeit einfließt.
Leana hat mit 18 Jahren beim schweizerischen Jugendmusikwettbewerb einen ersten Preis mit ihrer Eigenkomposition gewonnen.

Leana Krummenacher und Janina Schülin
Wie habt ihr beiden zusammengefunden?
Kennengelernt haben wir uns vor über zwanzig Jahren, als wir bei einem Musikwettbewerb das gleiche Stück gespielt und denselben Platz erreicht haben. Daraus ist eine tiefe Freundschaft entstanden und wir sind einige Jahre im Duo aufgetreten und haben in nationalen Wettbewerben mehrere Preise erzielt. Nun haben wir gemeinsam das Unternehmen PianOzean gegründet.

Habt ihr beiden euch die Arbeit an der Methode irgendwie aufgeteilt?
Bei PianOzean hat Janina (kleiner Musiktheorie-Nerd ;-)) die Musik geschrieben und Leana die Bilder gestaltet, für TastAfrika haben wir beide komponiert. Wir ergänzen uns optimal in unseren Stärken und Interessen.
Erzählt uns ein bisschen über euren Prozess. Wie lange haben Entwicklung und Umsetzung von PianOzean ungefähr gedauert?

Vom ersten Brainstorming bis zur Veröffentlichung sind zwei Jahre verstrichen. In dieser Zeit haben wir die Methode mit unserer Schülerschaft getestet, Feedback von anderen Lehrpersonen eingeholt, das Konzept mehrfach über den Haufen geworfen und optimiert, bis wir vollends überzeugt waren. Knapp ein Jahr nach der Veröffentlichung freuen wir uns sehr über den erzielten Erfolg, den großen Anklang in Musikgeschäften und im Unterricht sowie das positive Feedback zahlreicher motivierter Lehrpersonen und Schüler/innen.
Was ist an PianOzean besonders?
PianOzean bietet viele spielerische Elemente, auf jeder Seite gibt es Rätsel zur Wiederholung des Gelernten. Auch die Bereiche Gehörbildung und Rhythmus werden spielerisch eingeführt und vertieft.
Für welche Schülergruppen und welches Alter habt ihr PianOzean entwickelt?
PianOzean richtet sich an Anfänger/innen zwischen 6 und 10 Jahren.

Bitte erzählt uns etwas über den Inhalt. Wie sind beide Hefte aufgebaut? Gibt es Vornotation, Improvisationen und in welcher Position beginnt das Spiel nach Noten? Wo endet das zweite Heft?
In PianOzean entdecken die Kinder zunächst die Musik mit Vornotation, bevor im zweiten Kapitel nach und nach die einzelnen Töne mittels einer Geschichte eingeführt werden. Wir haben dabei eine andere Position als die meisten Lehrmittel gewählt, es scheint sich jedoch zu bewähren: linker Daumen auf a, rechter Daumen auf c. Relativ schnell wechseln wir jedoch in andere Positionen, um die Flexibilität der Kinder zu trainieren und ihnen noch mehr Möglichkeiten zum Musizieren zu bieten.
In TastAfrika werden die Stücke anspruchsvoller: Neben rhythmischen Eigenkompositionen finden sich nun auch erste Werke aus der klassischen Musik, welche den Kindern durch lustige Komponistenrätsel nähergebracht werden. Am Ende von Band 2 kennen die Lernenden den Unterschied zwischen Dur und Moll, können Tonleitern und Fingerübungen bis vier Vorzeichen lesen und spielen sowie akkordisch begleiten und darüber improvisieren.

Auf eurer Website gibt es zahlreiche Videos zu beiden Heften. Wie können sie eingesetzt werden?
Die Videos helfen den Kindern, ihre Töne zu überprüfen, falls sie unsicher sind. Zudem gibt es zu vielen Stücken eine hübsche Begleitung, zu welcher die Lernenden mitspielen können. Ebenfalls finden sich Audiodateien zu den innovativen Hörübungen „Mit den Ohren zeichnen“.

Sind das Theorieheft und das Kartenspiel auch ohne eure Methode verwendbar?
Ja auf jeden Fall! Beide sind, anders als unsere Klavierschule, alters- und instrumentenunabhängig einsetzbar und allseits beliebt.

Gibt es aktuell Pläne? Wird es ein weiteres Heft geben?
Wir planen eine neue Klavierschulreihe mit sechs etwas kürzeren Heften sowie einen bunten Übekalender zur Unterstützung zuhause. Gerne hören wir auch von der Leserschaft, was in der Musikpädagogikszene noch vermisst wird und möchten dabei eine möglichst breite Altersgruppe und auch den Gruppenunterricht ansprechen.

Kompositionen und Arrangements von Janina Schülin
Wie bereits erwähnt, sind die Kompositionen und Arrangements von Janina Schülin auf Musicnotes.com erhältlich und bei Jugendlichen und Erwachsenen im Klavierunterricht beliebt.
Die folgenden Kompositionen im New Age-Stil bieten einen ersten Eindruck:
Coming Home (Hörerfavorit) – Easy Intermediate: Video und Noten
Everyday Miracles – Intermediate: Video und Noten
When The Skies Listen – Advanced: Video und Noten
Liebe Janina, liebe Leana, vielen Dank für das Interview und die Einblicke, die ihr uns in eure Methode PianOzean geschenkt habt. Ich wünsche euch viele motivierte Nachwuchspianist*innen und begeisterte Klavierpädagog*innen!












