Ti und Ta – warum die Rhythmussprache so hilfreich ist

Zögerst du noch das syllabische Zählen einmal in deinem Unterricht zu testen? Warum sollte man überhaupt anders als „normal“ zählen? Oder hast du es versucht und die Rhythmussprache konnte dich nicht überzeugen?

In diesem Artikel findest du alle Tipps, die du für das syllabische Zählen mit deinen Schülern brauchst.

Die Rhythmussprache oder auch das syllabischen Zählen ist eine ganz natürliche und intuitive Art um den Rhythmus zu zählen. Der ungarische Komponist und Musikpädagoge Zoltan Kodaly hat diese erfunden.

Für das Rhythmusverständnis deiner Schüler

Warum ist die Rhythmussprache so toll? Der Rhythmus wird viel besser verstanden und verinnerlicht.

Ich kann deutlich sehen, dass meine syllabisch zählenden Schüler rhythmisch sicherer sind als die metrisch zählenden. (Ja, ich habe noch ein paar „normal“ zählende Schüler. Ich habe den Vergleich!)

Das metrische Zählen berücksichtigt die Position des Notenwertes innerhalb des Taktes. Viertelnoten werden dort also „eins-zwei-drei-vier“ statt „ta-ta-ta-ta“ gezählt. das alle „ta´s“ gleich lang sind ist völlig klar und es würde auch sofort auffallen wenn nicht. Doch ob die „Zwei“ länger als die „Drei“ gesprochen wird, fällt einfach nicht auf.

Selbst wenn meine Schüler brav „eins-und-zwei-und-…“ zählen – ich habe immer wieder das Gefühl, dass sie den Rhythmus gar nicht richtig verstanden und verinnerlicht haben. Und sie das auch nicht gut ohne meine Unterstützung schaffen.

Der Aufbau des Rhythmusgefühls ist doch ein großer Bestandteil unseres Unterrichts, oder? Warum also wollen wir es unseren Schülern schwerer machen als es sein muss?

Egal welche Silbe: es geht immer um die Tonlänge!

Rhythmussprache, Rhythmus zählen, Rhythmus Notenwerte

Dies sind die Rhythmussilben, die ich verwende. Vielleicht sind dir schon andere Silben für den gleichen Notenwert begegnet und du bist verunsichert wie es nun RICHTIG geht. Die Abweichungen können einfach sprachliche Ursachen haben, das sollte dich nicht abschrecken.

Ein Beispiel: „Ta-ja“ für die halbe Note wird „ta-two“ (also ta-2) im Englischen gezählt.

Ich behaupte, dass es egal ist welche Silben man verwendet, denn es geht um unterschiedliche Längen der Töne. Such dir eine Variante aus und teste sie, du wirst die für dich passende Lösung finden.

Wie kannst du die Rhythmussilben in deinem Unterricht testen?

Beginne mit einem Anfänger wenn du die Rhythmussprache ausprobieren möchtest. Er lernt das Zählen mit den Silben von Anfang an . (Ich sage übrigens immer „Zählen“ obwohl es eigentlich Sprechen ist.)

Du kannst aber auch einen Schüler wählen, der mit dem metrischen Zählen kämpft. Zu Beginn eines neuen Stückes schlägst du vor, einmal etwas anderes zu probieren. Dann führst die Rhythmussprache durch das Klopfen der einzelnen Stimmen (rechte und linke Hand getrennt) ein.

Suche einen jungen Schüler aus, die älteren kommen sich mit ti und ta etwas doof vor, wenn sie es nicht kennen.

Alle lieben lautes Zählen!

Nee, natürlich nicht! Aber ich bestehe darauf – und mache auch selber mit. Oft singen wir dann in unserer lustigen Sprache und finden es ganz schön.

Der Schüler zählt so lange laut bis er beide Hände sicher zusammen spielen kann. Dann reicht es die langen Notenwerten lautlos im Kopf mit zu zählen. Das ist besonders wichtig, wenn in der anderen Hand nichts passiert.

Ok, wenn du nun die Rhythmussprache testest ( Du bist super!) wirst du im Laufe der Zeit auf bestimmte Fragen und Situationen stoßen.

 Hier kommen die Antworten und Lösungen für die häufigsten Probleme:

Wie zähle ich die Pausen?

Du flüsterst die entsprechende Silbe. Für mich die einfachste Lösung und es funktioniert. Ganz einfach.

Wie wird gezählt, wenn beide Hände zusammenspielen?

Oh ja, das hier war meine Situation: Meine kleine Schülerin zählte brav ihre Liedchen mit und irgendwann saßen wir vor dem ersten beidhändigen Stück. Hm… und jetzt?

Wie wird gezählt wenn man zwei Hände, aber nur einen Mund hat?

Die Lösung: Es wird dort gezählt wo etwas passiert.

Am schnellsten verstehst du es bestimmt durch die folgende Grafik:

Rhythmussprache, Rhythmus zählen, Rhythmus Notenwerte

Wie wird im 6/8-Takt gezählt?

Am 6/8-Takt habe ich geknobelt. Ich hatte nichts zum Nachschlagen und habe mich für eine logische Variante entschieden.

Das Besondere am 6/8-Takt ist ja, dass hier die Achtel und mal nicht die Viertel die rhythmische Einheit ist. Aus diesem Grund fand ich das „ta“ für die Viertelnote unpassend und habe „ti-ja“ gewählt. Es sind ja zwei Pulsschläge und ich finde, dieser Unterschied sollte klar sein.

Dies sind die Rhythmussilben im 6/8-Takt:

Rhythmussprache, Rhythmus zählen, Rhythmus Notenwerte

Ich habe auch ein Beispiel für dich. Nach ein paar Wiederholungen lässt sich der folgende Rhythmus gut sprechen, oder?

Rhythmussprache, Rhythmus zählen, Rhythmus Notenwerte

Wann findet der Wechsel auf das „normale“ metrische Zählen statt?

Auf diese Antwort hast du wahrscheinlich schon seit Anfang des Artikels gewartet…

Es kommt drauf an. (DAS ist die Antwort.)

Ok, nicht sehr hilfreich. Ich probiere es ausführlicher:

Du kannst auf das metrische Zählen umstellen wenn der Schüler ein sicheres Rhythmusgefühl aufbaut hat.

Wann ist dein Schüler rhythmisch sicher? Ich würde sagen:

  • Wenn er den Unterschied zwischen ti und ta erfasst hat und ohne deine Korrektur spielen kann.
  • Wenn er den Rhythmus eines neuen Stückes von Anfang an selbständig verstehen kann.

Spätestens wenn der Rhythmus der Stücke immer komplexer wird und du quasi über deine Zunge stolperst wird es Zeit auf das metrische Zählen umzustellen.

Und jetzt das Wichtigste: Die Umstellung vom syllabischen auf das metrische Zählen funktioniert absolut problemlos!

Sag einfach, dass es noch eine andere Art zu Zählen gibt und diese vielleicht besser passen würde. Und dann probiert ihr es einfach aus. Dein Schüler kennt die unterschiedlichen Notenlängen und weiß wie sie sich anfühlen. Und er ist jetzt erfahren genug auch die Position innerhalb des Taktes wahrzunehmen.

Manche Schüler wollen nur noch metrisch Zählen, andere entscheiden je nach Rhythmus. Sie testen beide Zählarten und suchen sich die aus, die sie am einfachsten finden.

Und was ist mit den Sechzehnteln?

In meiner Tabelle fehlen die Sechzehntel, die „ti-ri-ti-ri“ oder „ti-ka-ti-ka“ gezählt werden. Ich verwende am liebsten die Eissorten-Rhythmen , die Sandra Labsch sehr schön erklärt hat. Auch größeren Schülern gefallen sie und sie merken selbst, dass die Eissorten ihnen helfen.

Die kompliziertesten Rhythmen inklusiv Haltebögen lassen sich so entschlüsseln und umsetzten. Und alle haben anschließend Lust auf Eis!

Was denkst du nun über die Rhythmussprache?

Viele Jahre habe ich mit metrischem Zählen unterrichtet, doch ich hatte irgendwann keine Lust mehr auf mathematische Erklärungen und unrhythmisch spielende Schüler.  

Ich bin meiner lieben Freundin und Kollegin Sandra Labsch sehr dankbar, dass sie mich zur Rhythmussprache ermutigt hat.

Und du? Konnte ich deine Fragen klären? Falls nicht, schreib mir einfach.

Hast du Lust „ti“ und „ta“ eine Chance zu geben? Du kannst es gern in die Kommentare schreiben.

Wie du neue Ideen in deinen Klavierunterricht umsetzt. Viele Lernfelder – eine Lösung: das Aktionsthema!

Kennst du das? Im Unterricht denkst du, dass dein Schüler gerade etwas zu unsicher im Notenlesen ist. Oder die Länge der Notenwerte nicht mehr so richtig klar sind.

Oder du surfst durchs Internet und stößt auf eine tolle neue Idee, die du mal gern im Klavierunterricht testen möchtest. Vielleicht möchtest du schon eine ganze Weile mehr Theorie und Technik in deine Stunden integrieren, doch du weißt einfach nicht wo du anfangen sollst.

All diese Situationen habe ich erlebt, doch nun habe ich dafür eine super Lösung gefunden:  

Das Aktionsthema

Was ist ein Aktionsthema?

Du wählst ein Thema (z.B. Akkorde, Improvisation) aus, dass du zeitgleich mit allen Schülern in ihren Einzelstunden behandelst.

Vielleicht möchtest du gern die Notenwerte oder das Notenlesen wiederholen. Die „Mutter aller Aktionsthemen“ ist die One Minute Challenge. Die hat mir in den letzten Jahren so gut gefallen, dass ich es jetzt einfach auf weitere Themen ausgeweitet habe.

Es kann aber auch eine Idee oder ein Lernfeld sein, dass du gern einmal testen möchtest. Improvisieren zum Beispiel. Oder Tonleitern.

Machen alle Schüler mit? Die blutigen Anfänger eher nicht, bei den Erwachsenen kommt es drauf an, doch ansonsten machen eigentlich alle mit.

Jedes Thema ist möglich!

Viele Lernfelder sind möglich: Rhythmus, Intervalle, Akkorde, Notenlesen, Blattspiel, Übestrategien, Tonleitern, Tonarten und Quintenzirkel, Musikbegriffe und Symbole, Musikgeschichte, Technik oder Instrumentenkunde.

Ebenso kreative Bereiche wie Improvisieren, Komponieren und Liedbegleitung.

Im Prinzip alles, was du unbedingt mal mit deinen Schülern absichern oder ausprobieren möchtest.

Wie du das Aktionsthema vorbereitest:

Wenn du dich für ein Thema entschieden hast, sammelst du alle Ideen und Übungen, die dir so einfallen.

Mögliche Materialien könnte sein:

  • Ein Merkblatt zum Thema. Meine Schüler haben inzwischen hinten in ihrem Notenordner einige Seiten zum Nachschlagen. Sie finden dort ihre selbst ausgefüllte Rhythmustabelle, eine Übersicht über Intervalle und Vorzeichen (bzw. den Namen der veränderten Töne) oder wie Dur und Moll gebildet werden.
  • Übungsblätter zum Ausfüllen. Im Rhythmusbereich wäre das zum Beispiel Taktstriche ziehen oder Notenwerte und Pausen addieren. Vorzeichen können vor Töne geschrieben werden und darunter benannt werden.
  • Praktische Übungen wie Rhythmen klopfen, Intervallkarten sortieren, Tonleitern oder Akkorde in Dur und Moll spielen oder hören. Soll es um Improvisation gehen, suche ich mir zum Beispiel vorab drei bis fünf Ideen aus.
  • Spiele: Ich bin seit 1,5 Jahren Mitglied bei Vibrant Music Teaching (Affiliate Link) und suche mir dort in der gut gefüllten Bibliothek passende Spiele aus. Die muss ich dann noch drucken, schneiden und laminieren. Doch diesen Aufwand habe ich nur einmal und die Kinder lieben diese Spiele!

Ich sammle immer alles was mir einfällt und sortiere die Aktionen dann in etwa drei Schwierigkeitsstufen. Einiges passt in alle, wie zum Beispiel ein Merkblatt, andere Übungen sind zu leicht oder zu schwer.

Je nach Dauer der Aktion wirst du gar nicht alle Ideen brauchen. Ich rechne eine Aufgabe pro Woche.

Einen passenden Zeitraum festlegen

Jetzt überlegst du dir den Zeitraum oder die Dauer der Aktion. Denkbar ist, dass du jeden Monat einen anderen Bereich nimmst. Mir persönlich ist das zu anstrengend, denn einiges an Material wie Merk- und Übungsblätter oder Spiele müssen noch produziert werden. Und wir haben auch nicht immer einen ganzen Monat, je nach Lage der Ferien.

Ich zähle die Wochen zwischen den Ferien und überlege dann was und wie lange ich etwas machen will. Letztes Jahr hatte ich zum Beispiel vier Themen und die Dauer variierte zwischen 4 und 10 Wochen.

Vielleicht gibt es viele Feiertage (Mai/ Juni) oder es läuft noch die Vorbereitung für ein Klassenkonzert. Das berücksichtige ich indem ich die Dauer der Aktion anpasse oder weniger Übungen plane.

Teile deine Schüler in Gruppen ein

Wenn du deine Aktionen ausgesucht und eingeteilt hast, nimmst du deine Schüler und sortierst sie in die passende Stufe. Im Zweifel lieber in die leichtere Stufe, denn du kannst jederzeit eine Übung aus der höheren Stufe dazu nehmen.

Materialien vorbereiten

Wenn du all diese Planungsarbeit geschafft hast, steht die Vorbereitung des Materials an. Mach dir eine Liste welche Blätter oder Spiele du noch vorbereiten musst und prüfe, ob du das bis zum geplanten Beginn auch wirklich schaffen kannst. Niemand wird sich daran stören, wenn es eine Woche später los geht.

Wahrscheinlich hast du gemerkt warum ich Aktionsthemen so toll finde…

Sie sind unglaublich flexibel!

Sie sparen außerdem auf längere Sicht viel Zeit, denn viele Themen wirst du regelmäßig wiederholen wollen.

Aber das Wichtigste ist: Du kannst deinen Schülern viel theoretisches und praktisches Wissen über Musik schenken!

Mit welchem Lernfeld möchtest du das Aktionsthema einmal testen?

Bitte schreib es doch in den Kommentaren. Falls du weitere Fragen hast oder ich dir helfen kann, schick mir einfach eine E-Mail.