Wie Du gut in das neue Schuljahr kommst

Das geht Dir bestimmt auch so: In den Sommerferien schalte ich richtig ab. Mal nicht unter der Dusche stehen und über Schüler nachdenken. Kein „Ach, ich muss noch …  vorbereiten!“

Wenn ich mich dann gut erholt auf die ersten Unterrichtsstunden vorbereiten möchte, beginne ich mit einem Überblick über die gesamte Klasse.  Dies mache ich bereits seit vielen Jahren und zu Beginn meiner Unterrichtstätigkeit war es sogar meine einzige Planung. Zu Spitzenzeiten hatte ich 46 Schüler im Einzelunterricht und ohne diesen Zettel mit allen Schülernamen, Heften und aktuellen Stücken wäre ich absolut verloren gewesen.

Egal wie viele Schüler Du hast, die „Literaturplanung für das Schuljahr“ kann eine wichtige Stütze für Deinen Unterricht sein. Durch sie kannst Du alles im Blick behalten und besonders nach den Ferien hilft sie, dass Du mit den Schülern da einsteigen kannst, wo ihr aufgehört habt. So geht keine Unterrichtszeit mit hektischem Suchen, Blättern und Raten verloren.

Entspannter Unterrichtsbeginn

Der Überblick über die Literaturplanung hilft außerdem, dass Du Dich nicht vor lauter Ideen verzettelst. Du hast die Bedürfnisse Deiner Klasse vor Augen und kannst gezielt die Ideen auswählen, die gerade für sie interessant sind. Neue Literatur lässt sich in aller Ruhe im Voraus recherchieren und aussuchen. Das entspannt spürbar die ersten Wochen nach den Ferien und lässt viel weniger Zeitdruck entstehen.

Mir gibt es immer das gute Gefühl, dass ich alles „im Griff“ habe und ich mich pädagogisch entwickle. Ich möchte ein Leben lang lernen, deshalb ist dieser Klassenüberblick quasi die Schnittstelle zwischen Wünschen und Realität…

In der folgenden Anleitung beschreibe ich mein Vorgehen Schritt für Schritt. Falls Du es einmal ausprobieren möchtest, benötigst Du dafür etwas Notizpapier und etwa zwei bis drei Ausdrucke der PDF „Literaturplanung für das Schuljahr„, welches Du Dir sofort herunterladen kannst. Pro Seite ist dort Platz für zehn Schüler.

Ok, dann geht´s los!

Der Überblick über die Klasse

  1. Nehme den Notizzettel quer und notiere die am häufigsten im Unterricht verwendeten Hefte als Überschriften. Anschließend sortierst Du die Namen Deiner Schüler, die in diesen Heften spielen darunter. Vermerke ebenfalls, ob sie im Heft am Anfang, Mitte oder Ende sind. Es reicht eine grobe Einschätzung.
  2. Sortiere die Schüler mit dem gleichen Heft in eine Reihenfolge, indem Du ihren Fortschritt im Heft (Anfang, Mitte oder Ende) berücksichtigst.
  3. Übertrage diese Schülergruppen in die Tabelle „Literaturplanung für das Schuljahr“ (Download). Jede Gruppe untereinander und den Schwierigkeitsgrad der Hefte von leicht bis schwer. Die Schülernamen in die erste Spalte, in die zweite Spalte vermerkst Du oben die Hefte. Darunter lasse noch etwas Platz.
  4. Gehe Deine Unterrichtsnotizen durch und notiere nun in den frei gelassenen Platz der zweiten Spalte, welches letzte Stück der Schüler im Heft gespielt hat. So weißt Du genau, wie weit jeder Schüler gerade ist.
  5. In der dritten Spalte kannst Du das Stück eintragen, das Du als nächstes mit Deinem Schüler spielen möchtest. Vielleicht steht dies bereits fest oder Du siehst, dass hier noch Planungsbedarf besteht.
  6. Die vierte Spalte „Notizen/Ideen“ ist meine Lieblingsspalte! Hier ist Platz für neue Ziele, die Du in Deinen Unterricht integrieren möchtest. Das können ganz individuelle Ziele sein, welche die unsicheren Bereiche der Schüler fördern sollen. Ebenso kannst Du auch ein bestimmtes Thema, dass Du Dir für das Schuljahr und die ganze Klasse vorgenommen hast, notieren. Vermerke dazu den Umfang oder den Schwierigkeitsgrad, den der Schüler bewältigen kann.

Das wäre es schon. Ich mache dies regelmäßig am Ende der Ferien, prinzipiell lässt sich dieser Überblick aber jederzeit erstellen.

Mein Fokus im neuen Schuljahr: Technik und Improvisation

Für dieses Schuljahr habe ich mir vorgenommen, dass jeder Schüler kleine technische Übungen spielt. Das habe ich schon lange im Kopf und hier und da bereits ausprobiert. Mit einigen Schülern verwende ich den großartigen Technik Trainer von Jackie Sharp, doch zusätzlich möchte ich eine Reihe von Übungen entwickeln, die relevant und nützlich sind.

Zum anderen möchte ich über meinen Schatten springen und im Unterricht Anleitungen zum Improvisieren geben. Theoretisch weiß ich wie es geht. Ich habe es auch schon selber getestet und festgestellt, wie schnell und einfach etwas gut Klingendes entstehen kann. Jetzt muss ich es nur noch wagen… Das wird meinen Schülern bestimmt Spaß machen!

Beide Bereiche bereichern sich gegenseitig. Die Übungen trainieren das Spielen von Mustern, die dann wiederum im Improvisieren genutzt und variiert werden. So können zum Beispiel Tonleitern und Dreiklänge sofort angewendet werden.

Und Du?

Hast Du einen bestimmten Ablauf, mit dem Du Dich auf ein neues Schuljahr vorbereitest? Oder ein besonderes Thema für die nächsten Monate? Teile es doch mit uns in den Kommentaren.

Ich wünsche Dir ein tolles und inspiriertes Schuljahr!

 

 

Clever Üben – Teil 1: Welche Übe-Phasen durchläuft ein Stück?

Herzlich willkommen zum ersten Teil von „Clever Üben“ auf Klavierpaedagogikentdecken.de!

In dieser Serie möchte ich effektive Übe-Strategien mit Blick auf unsere aktuelle Schülergeneration vorstellen. Sie wird „Generation Z“ genannt. Dies bedeutet, dass sie von klein auf mit digitalen Medien vertraut sind. Sie wissen, wo sie schnell an Informationen kommen und kommunizieren rege miteinander. Sie wirken sehr selbständig, sind ein hohes Tempo gewohnt und äußern offen was sie interessiert oder was ihnen nicht passt.

Wir sind ganz anders aufgewachsen, oder? Um unsere heutigen Schüler anzusprechen und motivieren zu können, benötigen wir einen anderen Unterricht als den, den wir selber erlebt haben.

Doch wie können wir das Lernen eines Musikinstrumentes weiterhin attraktiv gestalten?

Ist Popmusik die ultimative und einzige Lösung?

Brauchen unsere Schüler vor allem schnelle Erfolge, in dem wir Lernhürden stark vereinfachen? (Und unsere eigenen Ansprüche zurückschrauben?)

Was darf von unserem gewohnten Unterricht bleiben?

In welchen Bereichen sollten wir neue Wege gehen?

Ich mache die Erfahrung, dass ein partnerschaftlicher, aufgeschlossener Unterricht heute einen optimaler Rahmen für erfolgreichen Unterricht setzt. Das Ziel meines Unterrichts ist die langfristige Selbständigkeit des Schülers und eine lebenslange Freude am Klavierspielen.

Zu diesem Zweck sind das aktive Mitdenken und die Effektivität des Übens sehr wichtig. Dadurch wird ein gutes Lerntempo erreicht und der Schüler ist für das weitere Üben und eventuell auftretende Hürden motiviert.

Wir sind gewohnt, dem Schüler die nächsten Aufgaben für sein Üben zu geben. Damit bleiben die Schüler aber von uns abhängig und kommen kaum auf die Idee, sich eigene Gedanken zu machen.

Um dies zu ändern, übe ich mit meinem Schüler sehr viel gemeinsam im Unterricht. Ich erkläre warum eine Stelle Schwierigkeiten macht und mit welcher Strategie er sie meistern kann.

Je mehr Übe-Strategien er kennt und anwenden kann, desto mehr darf er selbst entscheiden wie er die Stelle zu Hause üben möchte. Bis das es soweit ist, stehe ich ihm „beratend“ zur Seite.

Im letzten Halbjahr habe ich erprobte und bewährte Übe-Strategien für meine Schüler zusammengestellt. Ich dachte es wäre eine gute Idee, diese auch mit dir zu teilen. So ist die Idee zu meiner „Clever Üben“ – Serie entstanden. Ich nutze diese Strategien ab Grundschulalter und dem Beginn des Zusammenspiels.

Eine ausführliche Einführung der Serie findest du hier.

 

Die drei Übe-Phasen eines Stückes

Im heutigen Artikel geht es um die aufeinander aufbauenden Übe-Phasen, die jedes Stück nacheinander durchläuft. Ich habe diese Phasen „(Kennen)Lernen“,  „Üben“ und „Spielen“ genannt.

Diese Einteilung hilft dabei, den Übeprozess besser zu verstehen. Wenn unser Schüler weiß, in welcher Phase sich sein Stück befindet, kennt er das aktuelle Ziel seines Übens. Anschließend kann er sich die passenden Übe-Strategien heraussuchen.

So würde ich die Phasen charakterisieren und erarbeiten:

  1. Phase: Das (Kennen)Lernen

Das Kennenlernen eines Stückes beginnt mit den Informationen, die wir auf den ersten Blicken den Noten entnehmen können. Wenn wir über Titel, Komponist, Epoche, Tempo, Ton- und Taktart sprechen, entsteht schon vor dem ersten Spielen bzw. Hören eine Vorstellung des Stückes.

Dieses Besprechen findet immer gemeinsam im Unterricht statt. Ich lasse diese Punkte entdecken oder frage sie gezielt ab. Diese Entdeckungstour kann jetzt bereits Fehler ausschließen, bevor sie aufgetreten sind und nimmt die erste Angst vor einem neuen Stück.

Schnell geht es dann um die verwendeten Rhythmen, Artikulationen und Positionen der Hände. Alles kann bereits vor dem ersten Spiel im Einzelnen geübt werden. Damit sind wir dann schon bei den ersten Übe-Strategien, die ich in den nächsten Artikeln vorstellen möchte.

Ist das neue Stück auf diese Weise entdeckt worden, beginnt in der Regel das Spielen der einzelnen Hände. Bei den ersten Durchgängen, die im Unterricht stattfinden, wird natürlich nicht alles gelingen, doch der Schüler macht weniger Fehler und kann sich Korrekturen schneller merken.  Vieles ist schon jetzt eine Wiederholung, da alles bereits vorab kennengelernt wurde. Dies ist viel effektiver, da auch Zuhause weniger Fehler auftauchen und diese nicht erst eine Woche lang falsch abgespeichert werden.

Generell gilt: Je gründlicher diese Phase genutzt wird, umso weniger Startschwierigkeiten und Fehler wird der Schüler mit diesem Stück erleben.

  1. Phase: Das Üben

Das Üben ist die Phase, welche die meiste Zeit, Arbeitseinsatz und Geduld erfordert. Während in der Kennenlern-Phase viele Aspekte zuerst einzeln geübt oder besprochen wurden, werden diese nun zusammengefügt und koordiniert. Es beginnt nun das beidhändige Spiel.

Im Laufe des Übens kristallisieren sich schwere Stellen heraus, die besonders von den Übe-Strategien profitieren können. Wir überlegen gemeinsam was hier Schwierigkeiten macht und wählen dann die passende Strategie aus. Je mehr Erfahrungen der Schüler hat, umso selbständiger kann er dies später allein entscheiden.

Bei der Anwendung einer Strategie achte ich darauf, dass der Schüler sie in der Stunde versteht und merkt, dass sie wirklich etwas bringt. Mit den ersten Erfolgen hat er oft die schwierigste Hürde bereits im Unterricht überwunden und fühlt sich kompetent genug, auf diese Weise auch Zuhause weiter zu üben.

Eine wichtige Stütze ist hier das möglichst genaue Notieren der Hausaufgaben. Dazu gehören die Stelle, die Übe-Strategie, die Anzahl der Wiederholungen und die zu beachtenden Details. Näheres zu meiner Übe-Liste findest du im Artikel über Unterrichtsplanung.

  1. Phase: Das Spielen

In dieser letzten Phase des Übens geht es nun um ein möglichst fehlerfreies, aber vor allem auch um ein musikalisches Spiel. Jetzt  steht der Charakter des Stückes im Vordergrund. Es kann mit dem Ausdruck gespielt werden, zum Beispiel Tempo oder Dynamik können zu allen Seiten ausgetestet werden, bis das die Interpretation stimmig ist. Deshalb heißt diese Phase auch „Spielen“.

Dieses Herumfeilen am Ausdruck macht mir persönlich immer besonders viel Spaß und es erfüllt mich mit großem Stolz, meine Schüler so schön spielen zu sehen und zu hören. Das immer tiefere Eintauchen in eine Komposition bis das man sie sich zu Eigen gemacht hat, ist eine wunderschöne Belohnung für die vorhergegangenen Mühen. Diese Erlebnisse und Erfolge möchte ich meinen Schülern ermöglichen.

Steht ein Konzert an, wünschen sich Lehrer und Schüler ein sicheres und fehlerfreies Spiel. Dieses „Training“ findet ebenfalls in dieser Phase statt. Das Stück des Schülers sollte sich auf jeden Fall in der dritten Phase befinden, damit er möglichst erfolgreich im Konzert glänzen kann.

Übrigens kann auf diese dritte Phase auch verzichtet werden. Nicht jedes Stück muss perfekt werden. Manches dient vielleicht nur zur Vermittlung einer bestimmten Technik oder Erfahrung. Oder dem Schüler gefällt das Stück einfach nicht. In diesem Fall kann es im Verlauf der 2. Phase abgeschlossen werden.

Zusammenfassung der drei Lern-Phasen:

  1. Phase: Das (Kennen-) Lernen

  • erster Eindruck über den Charakter/ Ausdruck
  • unterschiedliche Bausteine (Titel, Komponist, …) werden besprochen und separat kennengelernt
  • die Hände spielen einzeln

   Ziel: Kennenlernen der Töne und Eigenheiten des neuen Stückes

 

  1. Phase: Das Üben

  • längste und aufwändigste Phase
  • beidhändiges Spiel (Koordination)
  • schwere Stellen üben

   Ziel: Einüben und Absichern von Tönen, Rhythmus und Artikulation

 

  1. Phase: Das Spielen

  • Interpretation und Absichern
  • Konzertvorbereitung

     Ziel: Musikalisches Spielen des Stückes mit Dynamik und im richtigen Tempo

 

Ausblick

Wir Lehrer können gewiss nur einen Teil für den Erfolg am Instrument beitragen, ohne Interesse und Mitarbeit der Schüler und der Unterstützung der Eltern geht es nicht. Doch den Bereich, den wir beeinflussen können, sollten wir so gut wie möglich nutzen.

Je mehr wir unsere Schüler am Unterricht beteiligen, umso mehr profitieren sie davon und wachsen zu selbständigen Pianisten heran. Je mehr Selbständigkeit und Verständnis die Kinder der Generation Z erfahren, desto größer sind ihr Interesse und ihre Motivation.

Die drei Übe-Phasen bilden das Gerüst für einen selbständigen Übe-Prozess. In den nächsten Artikeln werde ich die einzelnen Übe-Strategien vorstellen und den Phasen zuordnen.

Ich würde mich sehr über deine Gedanken und Erfahrungen zum heutigen Thema „Lern-Phasen eines Stückes“ freuen. Hinterlasse sie als Kommentar oder schreibe mir eine E-Mail an carina(at)klavierpaedagogikentdecken.de.

Wenn Dir dieser Artikel gefallen hat, kannst Du dich für meinen Newsletter anmelden. Als Abonnent wirst Du automatisch über das Erscheinen des nächsten Artikels informiert werden.

Vielen Dank fürs Lesen und einen schönen Unterrichtstag!

Neue Serie: „Clever Üben – Übe-Strategien für Generation Z“

„Meine Schüler üben nicht genug! Sie müssen so viel für die Schule machen und die restliche Zeit spielen sie am Handy rum.“ Kommt Dir dieser Ausspruch bekannt vor? Hast Du ihn schon einmal gehört oder selber gesagt? Ja, durch das Turbo-Abi und die vielen Ablenkungen der digitalen Welt ist im Leben unserer Schüler so einiges los.

Dies ist eine Entwicklung, die unaufhaltsam ist und die alle, auch uns Instrumentallehrer, zu neuen Ansätzen in unserem Unterricht anregen sollte. Einer der wichtigsten Hebel in unserem Unterricht ist das Üben. Deshalb geht es in „Clever Üben“ um die Vermittlung und das Einüben von effektiven Strategien, um weiterhin zu guten Unterrichtsergebnissen zu kommen.

Generation Z

Die Generation Z sind laut Wikipedia alle, die nach 2000 geboren sind. Sie wachsen ganz selbstverständlich mit digitalen Technologien auf, während wir uns nach und nach damit konfrontiert sehen – und uns darauf einlassen oder ausweichen. Welche genauen Auswirkungen dies noch haben – und was in Zukunft noch kommen wird…. – ist noch nicht abzusehen.

Wenn ich versuche, die Situation meiner Schüler mit meiner eigenen Kindheit zu vergleichen, finde ich schon, dass die heutige Generation flexibler, direkter, selbständiger und ungeduldiger sind als ich damals.

Wie wirkt sich das auf unseren Unterricht aus?

Müssen wir unsere Ansprüche herunter schrauben?

Ist Pop-Musik die ultimative Lösung?

Tippen wir hinterher mehr am Tablet als auf der Klaviatur?

Vor allem:

Wird aus dem „klassischen“ Klavierunterricht also mehr und mehr eine musikalische Bespaßung?

Ich hoffe nicht!

Meiner Meinung nach wird Musik immer faszinieren! Musik berührt jeden Menschen und begleitet ihn ein Leben lang. Und ich glaube, dass eigenes Musizieren auch weiterhin interessant für die heranwachsenden Kinder sein wird.

Es sind ganz besondere Momente, wenn wir allein oder mit anderen schöne Kompositionen genießen können. Wenn wir der Interpretation nahe kommen oder endlich eine schwierige Stelle meistern.

Das eigene Musizieren ist Ausdruck von Individualität, dies wird genossen, entschleunigt und tut einfach gut.

Ich denke, dass wir weiterhin jede Menge im Instrumentalunterricht erreichen können – vorausgesetzt wir nehmen den Wandel um uns herum an und denken intensiv über unsere Wege der Vermittlung nach. Anders gesagt, wenn wir…

Anders als unsere Lehrer unterrichten

Dies soll nicht respektlos klingen, unsere Lebenssituation ist heute einfach eine andere als gestern. Die Pädagogik hat sich weiter entwickelt, doch manches hält sich unbewusst. Wovon lösen wir uns und an was sollten wir festhalten?

Wenn ich an mein eigenes Üben zurückdenke, schien es nur um die Dauer zu gehen. Je länger ich spielte, umso besser wurde ich. Logisch. Oder…? Wenn ich mit einer schwierigen Stelle kämpfte, wurde sie 10.000-mal gespielt. Irgendwann würde es schon funktionieren. Ja, sie wurde besser. Doch sicher war ich dadurch nicht, ich habe regelmäßig mit sehr vielen unnötigen Fehlern vorgespielt. Das war angesichts von Aufwand und Ergebnis  für mich sehr demotivierend.

Unsere Schüler haben diese unzähligen (und überflüssigen) Übestunden heute nicht mehr zur Verfügung – und ehrlich gesagt – möchte ich ihnen dies auch ersparen.

„Work smart – not hard“

Das sage ich gern zu meinen Schülern und genau darum geht es in „Clever Üben“. Sinnvolle Strategien, die an das gewünschte Ziel führen.  Es sind keine Zaubertricks sondern Gewohnheiten, die eingeübt und verinnerlicht werden. Leichter wird das Üben dadurch nicht – aber erfolgreicher. Fleiß und Konzentration lassen sich nicht ersetzten. Nur so funktioniert Lernen.

Sinnvolles Üben erfordert Geduld. Gar nicht einfach, wenn jede Information nur ein paar Klicks entfernt scheint, Online-Bestellungen teilweise schon am nächsten Tag ankommen oder nicht sofort eine Antwort auf die WhatsApp oder E-Mail kommt. Es droht schnell die Gefahr von Frustration.

Deshalb ist es wichtig, dass unsere Schüler den Sinn hinter den Strategien verstehen. Ich bin ein Lernpartner und informiere meine Schüler umfassend, in dem ich einen Überblick über die unterschiedlichen Strategien gebe und diese mit ihnen einübe. Im Unterricht – damit sie dort bereits positive Erfahrungen damit machen.

Ziele von „Clever Üben“:

  1. Verstehen des Lernprozesses
  2. Realistische Erwartungen an sich selbst
  3. aktives Mitdenken

Alle drei Fähigkeiten finde ich für unsere heutigen Schüler und zukünftige „Pianisten“ sehr wichtig. Pianisten im Sinne von Klavierspielern, die ein Leben lang gern spielen und sich für Musik interessieren.

Ebenso werden diese Punkte ihnen aber auch in vielen anderen Lebensbereichen von Nutzen sein.

Ausblick

Einmal pro Monat möchte ich einen „Clever Üben“-Baustein hier vorstellen. Ich bin sehr zufrieden mit dem Üben meiner eigenen Schüler und halte die seit Jahren in meinem Unterricht erprobten Strategien maßgeblich dafür verantwortlich.

Ich möchte Dir zeigen, wie du damit deine Schüler möglichst gut aktivieren und motivieren kannst  und ihr gemeinsam viele erfolgreiche und motivierende Klavierstunden erleben könnt.

Meine Unterrichtsziele 2017

Ein frohes und gesegnetes neues Jahr!

Zu Beginn eines neuen Jahres bin ich immer sehr gespannt, was mir in den kommenden Monaten so begegnen und mich beschäftigen wird. Ich mache jedes Mal einen Jahresrückblick und anschließend finde ich es recht leicht, Ziele für das neue Jahr zu formulieren. Egal ob du ein Planer bist oder es auf dich zukommen lässt – bestimmt habe ich ein paar interessante Anregungen für dich! Los geht´s…

Rückblick auf 2016

Mehr Selbständigkeit meiner Schüler durch Übe-Strategien und sicherem Notenlesen

In diesem Jahr haben wir einige wichtige Übe-Strategien so oft wiederholt, dass sie inzwischen (fast) Routine geworden sind. Bis zur Selbständigkeit ist es wohl noch ein Stück, doch der Grundstein ist gelegt.  Es ist so unglaublich süß, wenn sich meine kleinen Schüler ganz ernsthaft und konzentriert nach einem Fehler selbst unterbrechen und korrigieren! Was ich unter Übe-Strategien verstehe, werde ich in einem meiner nächsten Artikel ausführlich beschreiben.

Das sichere Notenlesen haben wir durch die „One Minute Challenge“ trainiert. Nicht jeder Schüler hat sie geschafft, doch alle haben davon profitiert. Da es eine Aktion des gesamten Studios war, begann jede Stunde mit Leseübungen und ich konnte es so auch nicht vergessen. Früher habe ich mir das Training zwar vorgenommen, doch es selten umgesetzt. Wie diese Challenge genau funktioniert, findest du hier.

Meinen Unterricht durch Videoaufzeichnungen verbessern

Zu diesem Zweck habe ich meine Videokamera die ganze Stunde mitlaufen lassen und das Video hinterher nach bestimmten Kriterien ausgewertet. Dies habe ich dreimal im Laufe des Jahres gemacht. Es ist komisch sich selbst zu sehen, doch durch die relativ objektive Beobachtung habe ich folgendes bemerkt.

  •  Es herrscht eine positive und angenehme Stimmung. Es wird gelacht und die Schüler erzählen mir gern von ihren Alltagserlebnissen.
  •  Ich rede zu viel und der Schüler spielt zu wenig Klavier. Arg… In diesen Situationen ist gut sichtbar, an welcher Stelle der Schüler abschaltet.
  •  Meine Zeitorganisation ist nicht optimal, oft arbeiten wir viel zu lange an einem Stück und haben dann für die anderen nur wenig Zeit. Dies mag teilweise effektiv sein, doch es ermüdet den Schüler und stoppt ihn insgesamt in seinem Fortschritt.
  •  Ich habe den Eindruck, dass meine Schüler am Ende der Stunde wissen, was sie wie üben können und mit einem positiven Gefühl aus der Stunde gehen.

Auch zum Thema „Eigene Unterrichtsbeobachtungen“  wird demnächst ein Artikel erscheinen.

Besseres Zeitmanagement in der Stunde

Ich bin die Königin des Überziehens… Ich verliere häufig das Zeitgefühl und widme all meine Konzentration dem Schüler neben mir. Inzwischen habe ich mir eine große Wanduhr gekauft, die quasi über dem Kopf meines Schülers, und damit in meinem Blickfeld liegt. Trotzdem gucke ich nicht immer darauf. Außerdem ist es mir trotz abgelaufener Stunde manchmal einfach wichtiger, dass der Schüler dieses oder jenes nochmal durchspielen kann. Dann verrutschen zum Leidwesen der nachfolgenden Familien alle Stunden um fünf (oder zehn….) Minuten nach hinten. Etwas bewussteres Zeitmanagement würde echt nicht schaden.

Durch die Videoaufzeichnungen meines Unterrichts habe ich übrigens einen weiteren Grund für meine Verspätung entdecken können: Ich versuche, den Stoff einer 45-Minuten-Stunde in eine 30 Minuten Stunde zu pressen. Klar, dass dies nicht gelingen kann…

Metronom- und Rhythmustraining

Tja, das Metronom. Freund oder Feind? Geht es um Geläufigkeit und Gleichmäßigkeit, ist es für mich ein Freund. Die Realität sieht wohl so aus, dass seine Verwendung im Unterricht so lange wie möglich aufgeschoben wird und wenn es dann gebraucht wird, fehlt dem Schüler die Erfahrung. Also empfindet er das permanente Klicken als sehr unangenehm und störend. Hier wollte ich mit einem behutsamen Training gegenwirken, doch das konnte ich (noch) nicht setzen.

Besser hat es mit dem Rhythmustraining geklappt! Hier gab es folgende zwei Maßnahmen:

  1.  Die jüngeren Schüler lasse ich nun alle mit der Rhythmussprache beginnen, die ich von Sandra Labsch übernommen habe. Durch die Verwendung unterschiedlicher Silben werden die Tonlängen viel bewusster und schneller verstanden. Es ist deutlich leichter als das metrische Zählen und deshalb nutzen es meine Schüler auch eher. Wirklich gern zählen wohl die wenigsten Schüler…
  2. Zu Beginn eines neuen Stückes lasse ich meine Schüler den Rhythmus auf den Beinen klopfen (patschen) und laut zählen. Im Prinzip ist dies schon eine grobmotorische Anschlags-Bewegung, die beim Empfinden des Rhythmus und der Koordination beider Hände hilft. Erst klopft jede Hand für sich auf das entsprechende Bein, später dann beide Hände zusammen. Dieser Schritt erleichtert das erste Zusammenspiel ungemein. Meine jüngeren Schüler klopfen oft sehr enthusiastisch auf ihr Bein (Aua!) und haben ihren Spaß dabei. Wenn ich vom „Zählen“ schreibe, meine ich das metrische, als auch das syllabische (Rhythmussprache) Zählen.

Sehr nützlich haben sich die Übungen aus „Rhythm Menagerie“ von Wendy Stevens erwiesen. Diese können zu Unterrichtsbeginn, aber auch später zur Wiederholung von Notenwerten oder Rhythmen verwendet werden. Diese werden ausschließlich geklopft und laut gezählt. Es gibt darin auch einige lustige Aufgaben, in denen man Tierlaute auf bestimmten Zählzeiten macht. Oft begrüßen mich die Schüler dann in der Folgestunde mit der Frage: „Können wir heute wieder das mit dem Klopfen machen?“ Aber sicher!

Alle Schüler spielen Technik

Ich bin mir nicht sicher, ob wirklich alle Schüler technische Übungen hatten, doch ich habe mit vielen in diesem Bereich gearbeitet. Die Kleinsten haben Fingerübungen mit drei Tönen gespielt, um das Spielen mit runden Fingern und lockerem Handgelenk zu lernen. Vielen Schülern spielten Fünfton-Lagen in Dur und Moll, teilweise waren auch Tonleitern dabei.

Mit meinen fortgeschrittenen Schülern habe ich den Technique Trainer von Jackie Sharp begonnen – ein Heft, über das ich mich immer wieder freuen kann. Es sind kurze Übungen, die das Wesentliche behandeln und dem Schüler die richtigen Bewegungen für den gewünschten Klang vermitteln. Es entsteht ein ganz anderes Bewusstsein für das Instrument, einfach fantastisch!

Ziele für 2017

Dieses Jahr wird sehr spannend für mich – ich werde Mama! Meine Tochter wird zwischen den Oster- und Sommerferien kommen und ich plane, im Herbst weiter zu unterrichten. Vorausgesetzt ich finde für diese Zeit eine Betreuung und meine Tochter macht mit.

Damit meine Schüler durch die Babypause nicht total raus kommen, werde ich für alle, die es möchten, Hausaufgaben vorbereiten. Zu jedem Stück möchte ich einen Kommentar vorbereiten und ein Video aufnehmen. Falls nicht bereits ein geeignetes existiert. So wissen sie, worauf im Stück besonders zu achten ist und wie sich ihr Stück anhört. Die Mütter (oder sie selber) können mir zwischendurch Videos von ihrem Spiel schicken und ich werde Tipps und Hilfestellungen zurück senden. So wie es meine Situation zulässt und es ist deshalb auch ein kostenloser Service von mir.

Für diese Herausforderung müssen sie natürlich gewappnet sein und dies beeinflusst meine Ziele…

Gutes Training in Rhythmus und Notenlesen

Damit sie ihre Stücke selbständig erarbeiten können, müssen sie ganz sicher im Notenlesen. Aus diesem Grund läuft seit dieser Woche wieder die „One Minute Challenge“. Außerdem möchte ich einige rhythmische Übungen vorbereiten. Diese sollen praktisch, als auch schriftlich sein.

Selbständiges Üben

Ebenso wichtig ist, dass sie die bereits gelernten Übe-Strategien anwenden können. Welche Strategie wann genutzt wird, hängt von der Erarbeitungs-Phase des Stückes ab. Ich trenne hier zwischen (Kennen) Lernen, Üben und Spielen. Unsere Schüler sind gewohnt, dass wir sie führen und entscheiden, wann sie für den nächsten Schritt bereit sind. Da verlassen sie sich oft auf uns und denken selber nicht weiter. In dieser Zeit müssen sie aber nun einiges selber entscheiden und dafür möchte ich ihnen klare Entscheidungshilfen geben. Dies möchte ich mit meinen Schülern in Form eines „Clever Üben“-Kurses besprechen, den ich an mehreren Samstagen anbieten werde.

Mehr Fragen stellen

Besonders wenn die Zeit knapp wird, erkläre ich viel und „serviere“ die wichtigsten Details, ohne das der Schüler selber Zeit zum Nachdenken hatte. In den nächsten Wochen möchte ich ganz bewusst Zeit einräumen und viele Fragen stellen, damit meine Schüler aktiver mitarbeiten. So kann ich auch nochmal schauen, was wirklich schon bei ihnen angekommen ist.

Weitere Ideen

Es gibt so viele interessante und erstrebenswerte Ziele in unserem Bereich…  Hier noch ein paar Beispiele von Kollegen für dich:

  • Neue Literatur entdecken, damit immer etwas Geeignetes zur Hand ist. das ist ein wunderbarer Vorsatz. Es bedarf einiger Zeit, doch es macht auch als Lehrer viel Spaß neue Stücke zu spielen!
  • Öfter vier- und sechshändige Stücke im Unterricht spielen. Dies ist die einfachste Art für uns Pianisten Kammermusik zu machen – und es macht Schüler und Lehrer oft gleichermaßen viel Spaß! Ich spiele zum Beispiel gern mit meinen Schülern vierhändige Stücke in unseren Konzerten. Da das Lesen der Notation aber oft anders und ungewohnt sein kann, wäre es eine gute Übung, solche Stücke generell in den Unterricht einzubringen. Auch das Hören und aufeinander eingehen ist eine tolle Wahrnehmungsschulung.
  • Eine bestimmte Anzahl von Stücken lernen. Das hat sich meine Freundin Sandra Labsch von „mein-klavier-unterricht.de“ mit ihren Schülern vorgenommen. Diese Idee kommt von der australischen Klavierpädagogin Elissa Milne. Auf diese Art lernen die Schüler viele unterschiedliche Stücke kennen. Die Schwierigkeitsgrade variieren, neue Genres oder ungewöhnliche Taktarten werden entdeckt, es kann transponiert werden – hier bieten sich sehr viele Möglichkeiten! Vor allem aber werden die Schüler dadurch flexibler, sammeln deutlich mehr Erfahrungen und entwickeln ein schnelleres Verständnis für ein neues Stück.
  • Die Wahrnehmung der Schüler anregen. Toll finde ich auch Sandras Idee, den Schüler nach einem schönen Erlebnis der letzten Woche zu fragen. In unserem Beruf geht es nicht nur um die Vermittlung von musikalischen Fähigkeiten, sondern wir dürfen auch an dem persönlichen Leben unserer Schüler teilnehmen. Und können sie auf diesem Wege besser verstehen und erreichen.

Sandras ganzen Artikel findet ihr hier – es sind sehr schöne Gedanken darin!

Jetzt frage ich Dich – welche Ziele hast Du Dir für 2017 vorgenommen? Es wäre toll, wenn du das mit uns in den Kommentaren teilen würdest.

Meine Unterrichtsplanung Teil 3: Protokoll und Übe-Liste

In den ersten beiden Teilen von „Meine Unterrichtsplanung“ habe ich die Evaluation und die  Block-Planung vorgestellt. Im letzten Artikel geht es heute um das dritte Puzzlestück meiner Planung, das dir vielleicht am vertrautesten ist: Das Protokoll der Unterrichtsstunde.

Den Überblick behalten

Ein Protokoll – muss das sein? Es geht bestimmt auch ohne, doch ich habe die Erfahrung gemacht, dass mein Unterricht davon sehr profitiert.

Zu Beginn meiner Unterrichtstätigkeit hatte ich sehr viele Klavier-Anfänger. Oft begannen sie zur gleichen Zeit und lernten die gleichen Stücke. Da war ich sehr froh, das Protokoll zu haben, denn ohne Notizen hätte ich wohl den Überblick verloren oder hätte unsicher gewirkt. Da ich genau wusste was ich mit wem wie weit besprochen hatte, merkten meine Schüler, dass ich ihre Fortschritte richtig einordnen konnte. Das hat unseren Stunden gut getan.

Abstand und Planung

Inzwischen unterrichte ich eine bunt gemischte Klasse in allen Leistungsstufen. Doch ich habe viele Schüler (40) und könnte mir aus diesem Grund meine Stunden auch nicht ohne Protokoll vorstellen. Da würden Ereignisse, Schwierigkeiten, Wünsche und Ideen schnell verloren gehen. In der Unterrichtsstunde bin ich genauso beteiligt wie der Schüler, deshalb hilft mir das Schreiben oder Ergänzen des Protokolls am nächsten Morgen, die Stunde mit etwas Abstand zu betrachten. Dann habe ich auch Zeit, über die nächsten Schritte nachzudenken und diese vorzubereiten.

Was kann in einem Protokoll stehen?

  1. Name, Alter und Entwicklungsstand des Schülers
  2. Datum
  3. Titel der Stücke. Dahinter notiere ich, was besprochen wurde.
  4. Dauer der Erarbeitung. Hinter dem Titel halte ich in einer Klammer die aktuelle Anzahl der Wochen fest, z.B. Menuett (3). Daran lässt sich ablesen, wie lange der Schüler für seine Stücke braucht, ob das ausgewählte Stück den richtigen Schwierigkeitsgrad hat, ob es den Schüler anspricht und der Schüler richtig und ausreichend übt.
  5. Anzahl der Übetage in der letzten Woche geübt hat. Ich nutze seit über 10 Jahren diese Übe-Liste (s.unten).
  6. Grundsätzliche Themen/Problematiken der Stunde. Handhaltung, Schwierigkeiten bei Spielbewegungen, unsicheres Lesen etc. Dies gibt mir die Möglichkeit, eine geeignete Übung oder ein Spiel für die Folgestunden vorzubereiten.

Übe-Liste

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In der ersten Spalte „Aufgabe/Stück“ trage ich das Stück und die Anzahl der Wiederholungen ein. Oft erinnere ich mit kurzen Stichworten an die besprochenen Details, die der Schüler bei seinem Üben beachten sollte.  Im Laufe der Woche trägt der Schüler dann in der entsprechenden Spalte des Tages ein wie viel er geübt hat. Besonders jüngere Schüler können den Zeitraum von einer Woche noch gar nicht erfassen. Die Liste hilft ihnen die verbleibenden Tage zu sehen und wie oft sie bereits geübt haben. So kann ich den Schüler für sein Üben entsprechend loben, ermuntern und Tipps für das häusliche Üben geben. Ich habe immer wieder positive Rückmeldungen von den Eltern bekommen und ich bin recht zufrieden, wie gut meine Schüler üben.

Unterschiedliche Protokollarten

Je nach Entwicklungsstand des Schülers eignen sich unterschiedliche Protokoll-Vorlagen. Möchte ich die Stunde eines Anfängers festhalten, brauche ich ausreichend Platz für die vielen kleinen Stückchen, die er spielt. Ein erfahrener Schüler spielt mehrere Wochen die gleichen zwei bis drei Stücke, da ist weniger Platz für das Festhalten der Entwicklungsschritte nötig.

Meine Vordrucke für Anfänger (prot-anfaenger-neu) und Fortgeschrittene (protokoll-fortgeschrittene) kannst du dir gern anschauen und  herunterladen. Beide habe ich bis vor den Sommerferien genutzt.

Als Unterlagen hatte ich also eine Block-Planung (s. Artikel) und ein Protokoll für jeden Schüler ausgedruckt zur Hand. Während des Unterrichtstages befanden sich alle Zettel auf einem Klemmbrett und wenn die Protokolle vollständig waren, wurden alle Unterlagen des Tages in den entsprechenden Hängeordnern abgelegt.

Dies hat für mich viele Jahre sehr gut funktioniert. Manche Tage waren aber so wuselig, dass das Protokollieren zu kurz kam. Schon die Hausaufgaben der Schüler habe ich im letzten Moment hin gekritzelt. Und wenn ich nicht spätestens am nächsten Morgen nachgetragen hatte, gab es durchaus auch mal Erinnerungslücken.

Es war Multitasking und die Anzahl meiner Schüler machte es nicht immer einfach. Deshalb notiere ich nun – wenn möglich während der Stunde – meine Protokolle in Excel. Dort kann ich den Platz für meine Notizen jederzeit problemlos anpassen.

Außerdem muss ich weniger schreiben, da ich die Übe-Liste bereits VOR der Stunde entwerfe. Diese Idee habe ich auf dem Blog der New School of Music Study entdeckt.

Frances Clark und die New School of Music

Die amerikanische Klavierpädagogin  Frances Clark hat 1960 die „New School of Music Study“ als  Forschungs- und Ausbildungszentrum gegründet. Dort werden bis heute die Lehrmethoden bezüglich ihrer Effektivität evaluiert und weiterentwickelt und Lehrer können sich nach dem Abschluss weiter ausbilden lassen. Ihr haben wir u.a. die Vornotation und das Spielen auf schwarzen Tasten zu verdanken. Außerdem die Nutzung der kompletten Tastatur von Anfang an, das intervallische Lesen und das Lesen mit Hilfe von Ankernoten (alle C´s, aber auch F´s und G´s).

Schau doch mal auf die Homepage des Frances Clark Center, dort kannst du das digitale Abo des „Clavier Companion“ (12,99$/ Jahr) bestellen. Ich kenne kein vergleichbares Fachmagazin, das so aktuell, gut verständlich und praxisorientiert ist – Englischkenntnisse vorausgesetzt.

Die vorbereitete, doppelte Übe-Liste

Die Übe-Liste wird von den Lehrern der New School während der Planung zur nächsten Stunde geschrieben. So sind die Ziele der Stunde klar und es bleibt mehr Zeit für den Unterricht. Es gibt zwei Möglichkeiten, entweder wird die Liste in doppelter Ausführung vor der Stunde ausgedruckt oder sie wird mit Hilfe eines PC´s in der Stunde angepasst und dann ausgedruckt. Schließlich kann nicht jede Übeanweisung vorhergesagt werden und die eine oder andere Erinnerung kann noch ergänzt werden.

Ich nutze die erste Variante und lege Karbonpapier zwischen die Duplikate, gut befestigt auf einem Klemmbrett. Während der Stunde wird nach Bedarf ergänzt und diese Änderungen landen durch das Karbonpapier auf meiner Kopie. So schreibe ich nur einmal, habe aber nach der Stunde das Original für den Schüler und ein Duplikat für mich. Die Kopie der Übe-Liste erinnert mich sehr gut an die Stunde, falls ich das Protokoll noch ergänzen muss. Außerdem kann ich so die nächsten Lernschritte planen und vorbereiten – und natürlich die nächste Übe-Liste schreiben.

Meine größten Bedenken waren, ob ich vormittags immer Zeit für die Vorbereitung haben würde und ob noch genügend Flexibilität in der Hausaufgabenstellung vorhanden wäre. Manchmal war es knapp, doch bisher ist mir das Erstellen und Drucken der Übe-Listen immer gelungen. Für den Notfall hätte ich ein paar Blankovorlagen im Schrank. Oder den PC an meiner Seite.

Es ist eine richtige Erleichterung, dort schon etwas stehen zu haben. Läuft uns mal in der Stunde die Zeit weg, gibt es bereits klare Übeanweisungen und ich kann den Schüler bitten, etwas Neues auch einmal allein zu probieren.

Der große Vorteil ist, dass ich mir oft viel mehr Gedanken über die nächsten Lernschritte mache, wie ich sie einführe oder umsetze. Dies lässt mich etwas weiter nach vorne schauen. Ansonsten warte ich immer nur auf den Schüler und seine Fortschritte der letzten Woche. Er bestimmt selbstverständlich das Lerntempo, doch sehe ich es als meine Aufgabe ihn mithilfe meiner Vision vorwärts zu führen.

Hier kannst du dir zwei Versionen herunter laden, die ich mittlerweile für die doppelte Übe-Liste nutze. Die erste ist für Anfänger (uebe-liste-elementary), bzw. die ersten Jahre. Dort habe ich die oben erwähnte, alte Übe-Liste integriert. Die andere ist für Fortgeschrittene (uebe-liste-intermediate), die das Zeitfenster einer Woche besser überschauen können. Auf der DinA4-Seite ist neben den Hausaufgaben genügend Platz für technische Übungen und das Repertoire (Wiederholungsstücke). Dies sind bereits abgeschlossene Stücke, die der Schüler weiterhin gerne spielt und die seine Übezeit noch ein bisschen verlängert.

Abschließende Gedanken

Dies war der letzte Teil von „Meine Unterrichtsplanung“. Mein Ansatz wirkt auf den ersten Blick vielleicht etwas aufwändig, doch ich empfinde ihn auf lange Sicht zeitsparend. Für mich geht es vor allem um die folgenden Fragen:

Was wünscht sich der Schüler von unserem Unterricht?

Welche Fähigkeiten sind mir für einen Klavierschüler wichtig zu erreichen?

Wie kann ich ihn an diese Ziele bringen?

Wie viele Jahre habe ich mit dem Schüler?

Mit einer Unterrichtsplanung habe ich Ziele und Entwicklung im Blick. Das ist für mich  „zielstrebiges, planmäßiges, ökonomisches, systematisches Handeln.“ (A. Ernst: Was ist guter Instrumentalunterricht, S. 22) Die für den Schüler interessanten Lernfelder kann ich so berücksichtigen und fördern.

Ganz allgemein gefasst ist für mich das Ziel erreicht, wenn mein Schüler fähig ist,  innerhalb seiner Möglichkeiten Musik zu verstehen und zu lesen. Kann er sich eine Komposition mit cleveren Übestrategien erarbeiten und mit seinen erworbenen Fähigkeiten umsetzten, bin ich sehr zufrieden. Letztendlich geht es darum, dass der Schüler sein Leben lang Freude am Klavierspielen haben kann.

Während ich diesen Artikel fertig stelle, entdecke ich zwei englischsprachige , aktuelle Beiträge, die das gleiche Thema behandeln. Bei den „Curious Piano Teachers“ geht es hier um inspirierendes Unterrichten, das eine gründliche Unterrichtsplanung voraussetzt und im Folgeartikel um eine 5-Schritte-Formel für eine einfache Unterrichtsplanung.

Ich bin sehr gespannt, was du über Unterrichtsplanung denkst. Wie schreibst du deine Protokolle oder die Hausaufgaben deiner Schüler auf? Vielleicht magst du es in den Kommentaren mit uns teilen. Falls du weitere Fragen zu diesem Thema hast, helfe ich dir gerne weiter.