Meine Unterrichtsziele 2017

Ein frohes und gesegnetes neues Jahr!

Zu Beginn eines neuen Jahres bin ich immer sehr gespannt, was mir in den kommenden Monaten so begegnen und mich beschäftigen wird. Ich mache jedes Mal einen Jahresrückblick und anschließend finde ich es recht leicht, Ziele für das neue Jahr zu formulieren. Egal ob du ein Planer bist oder es auf dich zukommen lässt – bestimmt habe ich ein paar interessante Anregungen für dich! Los geht´s…

Rückblick auf 2016

Mehr Selbständigkeit meiner Schüler durch Übe-Strategien und sicherem Notenlesen

In diesem Jahr haben wir einige wichtige Übe-Strategien so oft wiederholt, dass sie inzwischen (fast) Routine geworden sind. Bis zur Selbständigkeit ist es wohl noch ein Stück, doch der Grundstein ist gelegt.  Es ist so unglaublich süß, wenn sich meine kleinen Schüler ganz ernsthaft und konzentriert nach einem Fehler selbst unterbrechen und korrigieren! Was ich unter Übe-Strategien verstehe, werde ich in einem meiner nächsten Artikel ausführlich beschreiben.

Das sichere Notenlesen haben wir durch die „One Minute Challenge“ trainiert. Nicht jeder Schüler hat sie geschafft, doch alle haben davon profitiert. Da es eine Aktion des gesamten Studios war, begann jede Stunde mit Leseübungen und ich konnte es so auch nicht vergessen. Früher habe ich mir das Training zwar vorgenommen, doch es selten umgesetzt. Wie diese Challenge genau funktioniert, findest du hier.

Meinen Unterricht durch Videoaufzeichnungen verbessern

Zu diesem Zweck habe ich meine Videokamera die ganze Stunde mitlaufen lassen und das Video hinterher nach bestimmten Kriterien ausgewertet. Dies habe ich dreimal im Laufe des Jahres gemacht. Es ist komisch sich selbst zu sehen, doch durch die relativ objektive Beobachtung habe ich folgendes bemerkt.

  •  Es herrscht eine positive und angenehme Stimmung. Es wird gelacht und die Schüler erzählen mir gern von ihren Alltagserlebnissen.
  •  Ich rede zu viel und der Schüler spielt zu wenig Klavier. Arg… In diesen Situationen ist gut sichtbar, an welcher Stelle der Schüler abschaltet.
  •  Meine Zeitorganisation ist nicht optimal, oft arbeiten wir viel zu lange an einem Stück und haben dann für die anderen nur wenig Zeit. Dies mag teilweise effektiv sein, doch es ermüdet den Schüler und stoppt ihn insgesamt in seinem Fortschritt.
  •  Ich habe den Eindruck, dass meine Schüler am Ende der Stunde wissen, was sie wie üben können und mit einem positiven Gefühl aus der Stunde gehen.

Auch zum Thema „Eigene Unterrichtsbeobachtungen“  wird demnächst ein Artikel erscheinen.

Besseres Zeitmanagement in der Stunde

Ich bin die Königin des Überziehens… Ich verliere häufig das Zeitgefühl und widme all meine Konzentration dem Schüler neben mir. Inzwischen habe ich mir eine große Wanduhr gekauft, die quasi über dem Kopf meines Schülers, und damit in meinem Blickfeld liegt. Trotzdem gucke ich nicht immer darauf. Außerdem ist es mir trotz abgelaufener Stunde manchmal einfach wichtiger, dass der Schüler dieses oder jenes nochmal durchspielen kann. Dann verrutschen zum Leidwesen der nachfolgenden Familien alle Stunden um fünf (oder zehn….) Minuten nach hinten. Etwas bewussteres Zeitmanagement würde echt nicht schaden.

Durch die Videoaufzeichnungen meines Unterrichts habe ich übrigens einen weiteren Grund für meine Verspätung entdecken können: Ich versuche, den Stoff einer 45-Minuten-Stunde in eine 30 Minuten Stunde zu pressen. Klar, dass dies nicht gelingen kann…

Metronom- und Rhythmustraining

Tja, das Metronom. Freund oder Feind? Geht es um Geläufigkeit und Gleichmäßigkeit, ist es für mich ein Freund. Die Realität sieht wohl so aus, dass seine Verwendung im Unterricht so lange wie möglich aufgeschoben wird und wenn es dann gebraucht wird, fehlt dem Schüler die Erfahrung. Also empfindet er das permanente Klicken als sehr unangenehm und störend. Hier wollte ich mit einem behutsamen Training gegenwirken, doch das konnte ich (noch) nicht setzen.

Besser hat es mit dem Rhythmustraining geklappt! Hier gab es folgende zwei Maßnahmen:

  1.  Die jüngeren Schüler lasse ich nun alle mit der Rhythmussprache beginnen, die ich von Sandra Labsch übernommen habe. Durch die Verwendung unterschiedlicher Silben werden die Tonlängen viel bewusster und schneller verstanden. Es ist deutlich leichter als das metrische Zählen und deshalb nutzen es meine Schüler auch eher. Wirklich gern zählen wohl die wenigsten Schüler…
  2. Zu Beginn eines neuen Stückes lasse ich meine Schüler den Rhythmus auf den Beinen klopfen (patschen) und laut zählen. Im Prinzip ist dies schon eine grobmotorische Anschlags-Bewegung, die beim Empfinden des Rhythmus und der Koordination beider Hände hilft. Erst klopft jede Hand für sich auf das entsprechende Bein, später dann beide Hände zusammen. Dieser Schritt erleichtert das erste Zusammenspiel ungemein. Meine jüngeren Schüler klopfen oft sehr enthusiastisch auf ihr Bein (Aua!) und haben ihren Spaß dabei. Wenn ich vom „Zählen“ schreibe, meine ich das metrische, als auch das syllabische (Rhythmussprache) Zählen.

Sehr nützlich haben sich die Übungen aus „Rhythm Menagerie“ von Wendy Stevens erwiesen. Diese können zu Unterrichtsbeginn, aber auch später zur Wiederholung von Notenwerten oder Rhythmen verwendet werden. Diese werden ausschließlich geklopft und laut gezählt. Es gibt darin auch einige lustige Aufgaben, in denen man Tierlaute auf bestimmten Zählzeiten macht. Oft begrüßen mich die Schüler dann in der Folgestunde mit der Frage: „Können wir heute wieder das mit dem Klopfen machen?“ Aber sicher!

Alle Schüler spielen Technik

Ich bin mir nicht sicher, ob wirklich alle Schüler technische Übungen hatten, doch ich habe mit vielen in diesem Bereich gearbeitet. Die Kleinsten haben Fingerübungen mit drei Tönen gespielt, um das Spielen mit runden Fingern und lockerem Handgelenk zu lernen. Vielen Schülern spielten Fünfton-Lagen in Dur und Moll, teilweise waren auch Tonleitern dabei.

Mit meinen fortgeschrittenen Schülern habe ich den Technique Trainer von Jackie Sharp begonnen – ein Heft, über das ich mich immer wieder freuen kann. Es sind kurze Übungen, die das Wesentliche behandeln und dem Schüler die richtigen Bewegungen für den gewünschten Klang vermitteln. Es entsteht ein ganz anderes Bewusstsein für das Instrument, einfach fantastisch!

Ziele für 2017

Dieses Jahr wird sehr spannend für mich – ich werde Mama! Meine Tochter wird zwischen den Oster- und Sommerferien kommen und ich plane, im Herbst weiter zu unterrichten. Vorausgesetzt ich finde für diese Zeit eine Betreuung und meine Tochter macht mit.

Damit meine Schüler durch die Babypause nicht total raus kommen, werde ich für alle, die es möchten, Hausaufgaben vorbereiten. Zu jedem Stück möchte ich einen Kommentar vorbereiten und ein Video aufnehmen. Falls nicht bereits ein geeignetes existiert. So wissen sie, worauf im Stück besonders zu achten ist und wie sich ihr Stück anhört. Die Mütter (oder sie selber) können mir zwischendurch Videos von ihrem Spiel schicken und ich werde Tipps und Hilfestellungen zurück senden. So wie es meine Situation zulässt und es ist deshalb auch ein kostenloser Service von mir.

Für diese Herausforderung müssen sie natürlich gewappnet sein und dies beeinflusst meine Ziele…

Gutes Training in Rhythmus und Notenlesen

Damit sie ihre Stücke selbständig erarbeiten können, müssen sie ganz sicher im Notenlesen. Aus diesem Grund läuft seit dieser Woche wieder die „One Minute Challenge“. Außerdem möchte ich einige rhythmische Übungen vorbereiten. Diese sollen praktisch, als auch schriftlich sein.

Selbständiges Üben

Ebenso wichtig ist, dass sie die bereits gelernten Übe-Strategien anwenden können. Welche Strategie wann genutzt wird, hängt von der Erarbeitungs-Phase des Stückes ab. Ich trenne hier zwischen (Kennen) Lernen, Üben und Spielen. Unsere Schüler sind gewohnt, dass wir sie führen und entscheiden, wann sie für den nächsten Schritt bereit sind. Da verlassen sie sich oft auf uns und denken selber nicht weiter. In dieser Zeit müssen sie aber nun einiges selber entscheiden und dafür möchte ich ihnen klare Entscheidungshilfen geben. Dies möchte ich mit meinen Schülern in Form eines „Clever Üben“-Kurses besprechen, den ich an mehreren Samstagen anbieten werde.

Mehr Fragen stellen

Besonders wenn die Zeit knapp wird, erkläre ich viel und „serviere“ die wichtigsten Details, ohne das der Schüler selber Zeit zum Nachdenken hatte. In den nächsten Wochen möchte ich ganz bewusst Zeit einräumen und viele Fragen stellen, damit meine Schüler aktiver mitarbeiten. So kann ich auch nochmal schauen, was wirklich schon bei ihnen angekommen ist.

Weitere Ideen

Es gibt so viele interessante und erstrebenswerte Ziele in unserem Bereich…  Hier noch ein paar Beispiele von Kollegen für dich:

  • Neue Literatur entdecken, damit immer etwas Geeignetes zur Hand ist. das ist ein wunderbarer Vorsatz. Es bedarf einiger Zeit, doch es macht auch als Lehrer viel Spaß neue Stücke zu spielen!
  • Öfter vier- und sechshändige Stücke im Unterricht spielen. Dies ist die einfachste Art für uns Pianisten Kammermusik zu machen – und es macht Schüler und Lehrer oft gleichermaßen viel Spaß! Ich spiele zum Beispiel gern mit meinen Schülern vierhändige Stücke in unseren Konzerten. Da das Lesen der Notation aber oft anders und ungewohnt sein kann, wäre es eine gute Übung, solche Stücke generell in den Unterricht einzubringen. Auch das Hören und aufeinander eingehen ist eine tolle Wahrnehmungsschulung.
  • Eine bestimmte Anzahl von Stücken lernen. Das hat sich meine Freundin Sandra Labsch von „mein-klavier-unterricht.de“ mit ihren Schülern vorgenommen. Diese Idee kommt von der australischen Klavierpädagogin Elissa Milne. Auf diese Art lernen die Schüler viele unterschiedliche Stücke kennen. Die Schwierigkeitsgrade variieren, neue Genres oder ungewöhnliche Taktarten werden entdeckt, es kann transponiert werden – hier bieten sich sehr viele Möglichkeiten! Vor allem aber werden die Schüler dadurch flexibler, sammeln deutlich mehr Erfahrungen und entwickeln ein schnelleres Verständnis für ein neues Stück.
  • Die Wahrnehmung der Schüler anregen. Toll finde ich auch Sandras Idee, den Schüler nach einem schönen Erlebnis der letzten Woche zu fragen. In unserem Beruf geht es nicht nur um die Vermittlung von musikalischen Fähigkeiten, sondern wir dürfen auch an dem persönlichen Leben unserer Schüler teilnehmen. Und können sie auf diesem Wege besser verstehen und erreichen.

Sandras ganzen Artikel findet ihr hier – es sind sehr schöne Gedanken darin!

Jetzt frage ich Dich – welche Ziele hast Du Dir für 2017 vorgenommen? Es wäre toll, wenn du das mit uns in den Kommentaren teilen würdest.

Meine Unterrichtsplanung Teil 3: Protokoll und Übe-Liste

In den ersten beiden Teilen von „Meine Unterrichtsplanung“ habe ich die Evaluation und die  Block-Planung vorgestellt. Im letzten Artikel geht es heute um das dritte Puzzlestück meiner Planung, das dir vielleicht am vertrautesten ist: Das Protokoll der Unterrichtsstunde.

Den Überblick behalten

Ein Protokoll – muss das sein? Es geht bestimmt auch ohne, doch ich habe die Erfahrung gemacht, dass mein Unterricht davon sehr profitiert.

Zu Beginn meiner Unterrichtstätigkeit hatte ich sehr viele Klavier-Anfänger. Oft begannen sie zur gleichen Zeit und lernten die gleichen Stücke. Da war ich sehr froh, das Protokoll zu haben, denn ohne Notizen hätte ich wohl den Überblick verloren oder hätte unsicher gewirkt. Da ich genau wusste was ich mit wem wie weit besprochen hatte, merkten meine Schüler, dass ich ihre Fortschritte richtig einordnen konnte. Das hat unseren Stunden gut getan.

Abstand und Planung

Inzwischen unterrichte ich eine bunt gemischte Klasse in allen Leistungsstufen. Doch ich habe viele Schüler (40) und könnte mir aus diesem Grund meine Stunden auch nicht ohne Protokoll vorstellen. Da würden Ereignisse, Schwierigkeiten, Wünsche und Ideen schnell verloren gehen. In der Unterrichtsstunde bin ich genauso beteiligt wie der Schüler, deshalb hilft mir das Schreiben oder Ergänzen des Protokolls am nächsten Morgen, die Stunde mit etwas Abstand zu betrachten. Dann habe ich auch Zeit, über die nächsten Schritte nachzudenken und diese vorzubereiten.

Was kann in einem Protokoll stehen?

  1. Name, Alter und Entwicklungsstand des Schülers
  2. Datum
  3. Titel der Stücke. Dahinter notiere ich, was besprochen wurde.
  4. Dauer der Erarbeitung. Hinter dem Titel halte ich in einer Klammer die aktuelle Anzahl der Wochen fest, z.B. Menuett (3). Daran lässt sich ablesen, wie lange der Schüler für seine Stücke braucht, ob das ausgewählte Stück den richtigen Schwierigkeitsgrad hat, ob es den Schüler anspricht und der Schüler richtig und ausreichend übt.
  5. Anzahl der Übetage in der letzten Woche geübt hat. Ich nutze seit über 10 Jahren diese Übe-Liste (s.unten).
  6. Grundsätzliche Themen/Problematiken der Stunde. Handhaltung, Schwierigkeiten bei Spielbewegungen, unsicheres Lesen etc. Dies gibt mir die Möglichkeit, eine geeignete Übung oder ein Spiel für die Folgestunden vorzubereiten.

Übe-Liste

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In der ersten Spalte „Aufgabe/Stück“ trage ich das Stück und die Anzahl der Wiederholungen ein. Oft erinnere ich mit kurzen Stichworten an die besprochenen Details, die der Schüler bei seinem Üben beachten sollte.  Im Laufe der Woche trägt der Schüler dann in der entsprechenden Spalte des Tages ein wie viel er geübt hat. Besonders jüngere Schüler können den Zeitraum von einer Woche noch gar nicht erfassen. Die Liste hilft ihnen die verbleibenden Tage zu sehen und wie oft sie bereits geübt haben. So kann ich den Schüler für sein Üben entsprechend loben, ermuntern und Tipps für das häusliche Üben geben. Ich habe immer wieder positive Rückmeldungen von den Eltern bekommen und ich bin recht zufrieden, wie gut meine Schüler üben.

Unterschiedliche Protokollarten

Je nach Entwicklungsstand des Schülers eignen sich unterschiedliche Protokoll-Vorlagen. Möchte ich die Stunde eines Anfängers festhalten, brauche ich ausreichend Platz für die vielen kleinen Stückchen, die er spielt. Ein erfahrener Schüler spielt mehrere Wochen die gleichen zwei bis drei Stücke, da ist weniger Platz für das Festhalten der Entwicklungsschritte nötig.

Meine Vordrucke für Anfänger (prot-anfaenger-neu) und Fortgeschrittene (protokoll-fortgeschrittene) kannst du dir gern anschauen und  herunterladen. Beide habe ich bis vor den Sommerferien genutzt.

Als Unterlagen hatte ich also eine Block-Planung (s. Artikel) und ein Protokoll für jeden Schüler ausgedruckt zur Hand. Während des Unterrichtstages befanden sich alle Zettel auf einem Klemmbrett und wenn die Protokolle vollständig waren, wurden alle Unterlagen des Tages in den entsprechenden Hängeordnern abgelegt.

Dies hat für mich viele Jahre sehr gut funktioniert. Manche Tage waren aber so wuselig, dass das Protokollieren zu kurz kam. Schon die Hausaufgaben der Schüler habe ich im letzten Moment hin gekritzelt. Und wenn ich nicht spätestens am nächsten Morgen nachgetragen hatte, gab es durchaus auch mal Erinnerungslücken.

Es war Multitasking und die Anzahl meiner Schüler machte es nicht immer einfach. Deshalb notiere ich nun – wenn möglich während der Stunde – meine Protokolle in Excel. Dort kann ich den Platz für meine Notizen jederzeit problemlos anpassen.

Außerdem muss ich weniger schreiben, da ich die Übe-Liste bereits VOR der Stunde entwerfe. Diese Idee habe ich auf dem Blog der New School of Music Study entdeckt.

Frances Clark und die New School of Music

Die amerikanische Klavierpädagogin  Frances Clark hat 1960 die „New School of Music Study“ als  Forschungs- und Ausbildungszentrum gegründet. Dort werden bis heute die Lehrmethoden bezüglich ihrer Effektivität evaluiert und weiterentwickelt und Lehrer können sich nach dem Abschluss weiter ausbilden lassen. Ihr haben wir u.a. die Vornotation und das Spielen auf schwarzen Tasten zu verdanken. Außerdem die Nutzung der kompletten Tastatur von Anfang an, das intervallische Lesen und das Lesen mit Hilfe von Ankernoten (alle C´s, aber auch F´s und G´s).

Schau doch mal auf die Homepage des Frances Clark Center, dort kannst du das digitale Abo des „Clavier Companion“ (12,99$/ Jahr) bestellen. Ich kenne kein vergleichbares Fachmagazin, das so aktuell, gut verständlich und praxisorientiert ist – Englischkenntnisse vorausgesetzt.

Die vorbereitete, doppelte Übe-Liste

Die Übe-Liste wird von den Lehrern der New School während der Planung zur nächsten Stunde geschrieben. So sind die Ziele der Stunde klar und es bleibt mehr Zeit für den Unterricht. Es gibt zwei Möglichkeiten, entweder wird die Liste in doppelter Ausführung vor der Stunde ausgedruckt oder sie wird mit Hilfe eines PC´s in der Stunde angepasst und dann ausgedruckt. Schließlich kann nicht jede Übeanweisung vorhergesagt werden und die eine oder andere Erinnerung kann noch ergänzt werden.

Ich nutze die erste Variante und lege Karbonpapier zwischen die Duplikate, gut befestigt auf einem Klemmbrett. Während der Stunde wird nach Bedarf ergänzt und diese Änderungen landen durch das Karbonpapier auf meiner Kopie. So schreibe ich nur einmal, habe aber nach der Stunde das Original für den Schüler und ein Duplikat für mich. Die Kopie der Übe-Liste erinnert mich sehr gut an die Stunde, falls ich das Protokoll noch ergänzen muss. Außerdem kann ich so die nächsten Lernschritte planen und vorbereiten – und natürlich die nächste Übe-Liste schreiben.

Meine größten Bedenken waren, ob ich vormittags immer Zeit für die Vorbereitung haben würde und ob noch genügend Flexibilität in der Hausaufgabenstellung vorhanden wäre. Manchmal war es knapp, doch bisher ist mir das Erstellen und Drucken der Übe-Listen immer gelungen. Für den Notfall hätte ich ein paar Blankovorlagen im Schrank. Oder den PC an meiner Seite.

Es ist eine richtige Erleichterung, dort schon etwas stehen zu haben. Läuft uns mal in der Stunde die Zeit weg, gibt es bereits klare Übeanweisungen und ich kann den Schüler bitten, etwas Neues auch einmal allein zu probieren.

Der große Vorteil ist, dass ich mir oft viel mehr Gedanken über die nächsten Lernschritte mache, wie ich sie einführe oder umsetze. Dies lässt mich etwas weiter nach vorne schauen. Ansonsten warte ich immer nur auf den Schüler und seine Fortschritte der letzten Woche. Er bestimmt selbstverständlich das Lerntempo, doch sehe ich es als meine Aufgabe ihn mithilfe meiner Vision vorwärts zu führen.

Hier kannst du dir zwei Versionen herunter laden, die ich mittlerweile für die doppelte Übe-Liste nutze. Die erste ist für Anfänger (uebe-liste-elementary), bzw. die ersten Jahre. Dort habe ich die oben erwähnte, alte Übe-Liste integriert. Die andere ist für Fortgeschrittene (uebe-liste-intermediate), die das Zeitfenster einer Woche besser überschauen können. Auf der DinA4-Seite ist neben den Hausaufgaben genügend Platz für technische Übungen und das Repertoire (Wiederholungsstücke). Dies sind bereits abgeschlossene Stücke, die der Schüler weiterhin gerne spielt und die seine Übezeit noch ein bisschen verlängert.

Abschließende Gedanken

Dies war der letzte Teil von „Meine Unterrichtsplanung“. Mein Ansatz wirkt auf den ersten Blick vielleicht etwas aufwändig, doch ich empfinde ihn auf lange Sicht zeitsparend. Für mich geht es vor allem um die folgenden Fragen:

Was wünscht sich der Schüler von unserem Unterricht?

Welche Fähigkeiten sind mir für einen Klavierschüler wichtig zu erreichen?

Wie kann ich ihn an diese Ziele bringen?

Wie viele Jahre habe ich mit dem Schüler?

Mit einer Unterrichtsplanung habe ich Ziele und Entwicklung im Blick. Das ist für mich  „zielstrebiges, planmäßiges, ökonomisches, systematisches Handeln.“ (A. Ernst: Was ist guter Instrumentalunterricht, S. 22) Die für den Schüler interessanten Lernfelder kann ich so berücksichtigen und fördern.

Ganz allgemein gefasst ist für mich das Ziel erreicht, wenn mein Schüler fähig ist,  innerhalb seiner Möglichkeiten Musik zu verstehen und zu lesen. Kann er sich eine Komposition mit cleveren Übestrategien erarbeiten und mit seinen erworbenen Fähigkeiten umsetzten, bin ich sehr zufrieden. Letztendlich geht es darum, dass der Schüler sein Leben lang Freude am Klavierspielen haben kann.

Während ich diesen Artikel fertig stelle, entdecke ich zwei englischsprachige , aktuelle Beiträge, die das gleiche Thema behandeln. Bei den „Curious Piano Teachers“ geht es hier um inspirierendes Unterrichten, das eine gründliche Unterrichtsplanung voraussetzt und im Folgeartikel um eine 5-Schritte-Formel für eine einfache Unterrichtsplanung.

Ich bin sehr gespannt, was du über Unterrichtsplanung denkst. Wie schreibst du deine Protokolle oder die Hausaufgaben deiner Schüler auf? Vielleicht magst du es in den Kommentaren mit uns teilen. Falls du weitere Fragen zu diesem Thema hast, helfe ich dir gerne weiter.

Meine Unterrichtsplanung Teil 2: Die Block-Planung

Im ersten Teil von „Meine Unterrichtsplanung“ habe ich dir die Evaluation vorgestellt. Damit nehme ich den aktuellen Entwicklungsstand meines Schülers unter die Lupe. Im zweiten Teil geht es heute um die Umsetzung der dort gesteckten Ziele und um die geplanten, nächsten Stücke des Schülers. Dies halte ich in der „Block-Planung“ fest.

Als Block bezeichne ich die Unterrichtsstunden zwischen zwei Ferien. Jedes Schuljahr besteht also aus vier Blöcken, zwischen den Sommer- und Herbstferien, zwischen den Herbst- und Weihnachtsferien, den Weihnachts- und Osterferien, sowie den Oster- und Sommerferien. In NRW sind dieses Jahr z.B. gute sieben Wochen zwischen den Sommer- und Herbstferien.

Ich finde es sinnvoller, viermal im Jahr als nur am Anfang des Schuljahres mir Gedanken zu machen. Die Planung entfernt sich dann zu sehr vom Schüler. Mache ich sie öfter, kann ich immer wieder schauen, was der Schüler gerade braucht und meine Literaturauswahl, die Ziele und Strategien entsprechend anpassen.

Hier noch einmal zur Erinnerung:

Mein Planungs-Kreislauf

  1. der aktuelle Entwicklungsstand des Schülers (Evaluation)
  2. Ziele werden formuliert und dafür Strategien oder Methoden überlegt, Auswahl der nächsten Stücke (Block-Planung)
  3. die Entwicklungen und Vorkommnisse der folgenden Wochen werden notiert (Protokoll)
  4. Ziele und Entwicklung werden nach einer bestimmten Zeit ausgewertet (Evaluation)

Die Art und Weise wie diese Planung aussehen kann ist ganz individuell. Handschriftlich in einem Heft oder am PC – vieles ist möglich. Ich habe in der Vergangenheit eine Zeit lang für jeden Schüler ein DinA5-Heft verwendet und später die unterschiedlichsten Vorlagen mit Word entwickelt und per Hand ausgefüllt bzw. ergänzt. Ich habe schon so viele Versionen von Protokollen und Listen probiert… und gerade bin ich wieder dabei etwas zu verändern: ich wechsle von Word auf Excel. Habt ihr im ersten Teil von „Meine Unterrichtsplanung“ den Kommentar von Susanne gelesen? Ich war begeistert von ihrer Idee!

Excel war für mich immer das Programm für meine Buchführung, doch es kann mehr! Es hat den großen Vorteil, dass alle Infos schneller greifbar sind. Mehrere Tabellen befinden sich in einem einzigen Dokument. Bei Word musste ich vor dem eigentlichen Arbeiten immer mehrere Dateien öffnen: für jeden Schüler die Datei aus dem Evaluations-Ordner, die Block-Planung, die Schülerinformationen plus Evaluation und oft auch die Literaturlisten (für die Block-Planung).

Bei Excel habe ich nun EINE Schülerdatei mit den drei Tabellen „Stunde“ (Protokoll und Block-Planung), „Repertoireliste“ und „Evaluation“ angelegt. Denkbar sind noch Blätter um technische Übungen oder andere Lernfelder zu notieren.  Des Weiteren sind in dieser Datei wirklich alle Details sofort greifbar und übersichtlich zu finden. Bisher habe ich die alten Block-Planungen immer abgeheftet und es kostete jedes Mal Zeit, bis das ich die entsprechende Information gefunden hatte. Zum Beispiel wenn ich wissen wollte, welche Stücke der Schüler jetzt schon aus seinem Heft gespielt hat und welche noch nicht.

Teste und verändere deine Planung bis das du weißt, welche Informationen und welches Format du nutzen möchtest. Jeder Lehrer ist anders und hat andere Bedürfnisse. Deshalb habe ich heute keine beispielhafte Datei zum Download.

Dafür folgen nun aber die Punkte, die in der Block-Planung stehen können.

Die Block-Planung

  1. Schülerdaten: Ist es eine separate Datei, sollte noch einmal Name, Alter, Stufe und das Datum vermerkt werden. Zusätzlich kann hier auch stehen, in welche Klasse der Schüler geht.
  2. Ziele: Die Tabelle der Ziele und Strategien, die ich mir nach der Evaluation (s. „Meine Unterrichtsplanung“ Teil 1) überlegt habe, füge mit „Copy & Paste“ ein. Damit sehe ich auf einen Blick, was ich auf welchem Weg im Unterricht behandeln möchte.
  3. Zukünftige Literatur: Hier vermerke ich das Notenheft und die Titel der Stücke. Oft habe ich dazu in meinen Literaturlisten (s.u.) einige Anmerkungen gesammelt. Das kann eine ungewohnte oder neue Lage sein, eine rhythmische Besonderheit oder generell etwas, dass für den Schüler eine neue Herausforderung darstellt. Manchmal notiere ich hier auch, wie ich das Stück einführen möchte oder ob es z.B. gut zum Auswendiglernen geeignet ist.

Literaturlisten

Um die einzelnen Titel nicht für jeden Schüler  neu schreiben zu müssen – ich möchte ja Zeit sparen und auf meine Erfahrungen zurückgreifen können – habe ich für meine Standarthefte  Literaturlisten angelegt. Die Liste besteht aus zwei  Spalten, in der ersten steht  der Titel des Stückes und in der zweiten die  Anmerkungen dazu. Habe ich diese Liste einmal vorbereitet, kann ich diese beiden Spalten bei jedem Schüler mit „Copy & Paste“ in die Block-Planung einfügen.

Ebenfalls kann ich so die optimale Reihenfolge der Stücke sehen und übernehmen. Je nach Bedarf  ergänze ich während der Block-Planung meine Anmerkungen und ändere die Reihenfolge der Stücke.

Repertoireliste

Die letzte Liste für heute – versprochen! 😉

Das Anlegen einer Repertoireliste lohnt sich. Dort kann ich auf einen Blick sehen, welche Stücke der Schüler bereits gespielt hat oder auch eben nicht. Das ist beim Planen der zukünftigen Literatur sehr hilfreich! Bei jedem Stück notiere ich das Datum wann der Schüler damit begonnen und wann er es abgeschlossen hat.

Zusätzlich notiere ich die Anzahl der Wochen daneben. Das ist zum Beispiel hilfreich bei der Planung eines Konzertes, denn so sehe ich direkt, wie lange der Schüler für ein Stück braucht oder wie lange die Erarbeitung des Stückes dauert. Außerdem gibt es mir einen Anhaltspunkt, ob der Schüler gute Fortschritte macht, motiviert ist oder ich vielleicht nach anderer Literatur schauen sollte. Vielleicht würde ihn ein anderer Stil motivieren oder es würde ihm hin und wieder ein leichteres Stück gut tun?

Ebenfalls könnte hier der Schwierigkeitsgrad festhalten werden, wie gut der Schüler das Stück gespielt hat oder ob davon ein Video aufgenommen wurde.

Wie planst du die zukünftige Literatur für deine Schüler? Vielleicht magst du uns das in den Kommentaren schreiben. Falls du weitere Fragen zu diesem Thema hast, helfe ich dir gerne weiter.

Im dritten und letzten Teil von „Meine Unterrichtsplanung“ wird es um das Unterrichtsprotokoll gehen. Und wie und warum ich die Hausaufgaben für die nächste Stunde bereits VOR der Stunde fertig habe. Klingt spannend, oder?

Bis bald und viel Freude im Unterricht!

Meine Unterrichstplanung Teil 1: Evaluationen

Vielleicht kennst du das auch: Du liest ein Fachbuch und sprudelst dann vor Ideen. Die ein oder andere versuchst du sofort um zusetzten, doch irgendwie gerät sie doch wieder in Vergessenheit. Oder du weißt nicht, wie du ein anderes, wichtiges Element in deinen Unterricht einbauen kannst. Ich war über diese Situationen schon oft frustriert – und habe mich dann gefragt, wie ich meinen Unterricht insgesamt verbessern kann.

Ich möchte sicherstellen, dass meine Schüler den bestmöglichen Unterricht von mir erhalten. Damit ich mögliche Ziele und ihre Bedürfnisse im Blick habe, brauche ich Weitsicht und Überblick. Ich gebe zu, dass ich eine leidenschaftliche Planerin bin. Trotzdem halte ich mich für flexibel genug, wenn es die Situation erfordert. Ein Plan bedeutet für mich den Überblick und eine Richtung zu haben.

Deshalb habe ich schon überall nach Literatur zum Thema Unterrichtsplanung gesucht, egal ob es im deutsch- oder englischsprachigen Raum war. Hier und da habe ich Anregungen gefunden, doch wirklich detaillierte Informationen habe ich vergeblich gesucht.

So habe ich nach und nach ein eigenes System für die Unterrichtsvorbereitung entwickelt. Dies  hilft mir sehr meinen Unterricht kontinuierlich zu verbessern, Zeit zu sparen und natürlich meine Schüler besser zu fördern. In der dreiteiligen Serie „Meine Unterrichtsplanung“ möchte ich dir dies vorstellen. Ich wünsche mir, dass Du einige Tipps für deinen Unterricht mitnehmen kannst, selbst wenn du ein anderes Instrument unterrichtest.

Fachbücher inspirieren – und werfen Fragen auf

Eines dieser inspirierenden Fachbücher ist zum Beispiel „Was ist guter Instrumentalunterricht?“ von Anselm Ernst. Er beschreibt das Unterrichten als  „zielstrebiges, planmäßiges, ökonomisches, systematisches Handeln.“ (S. 22) Leider erfahre ich als Leser nicht mehr darüber. Er wünscht sich (oder fordert fast schon) die Integration von unzähligen Lernfeldern in den Unterricht, doch nirgendswo findet sich dann auch das WIE.

Anselm Ernst teilt die Lernfelder in zwei Komplexe ein. Im ersten geht es um das aktive Musizieren, wie das Zusammenspiel, Werkerarbeitung, Improvisieren, Blattspiel, Spieltechnik und Komponieren. Im zweiten Komplex nennt er die ergänzenden Bereiche wie Körperschulung, Rhythmusschulung, Musiklehre, Gehörbildung, Werkanalyse und Musikgeschichte. (S.17)

Er schreibt: „Manchem mag es erscheinen, dass die zwölf Lernfelder den Unterricht mit einer erdrückenden Inhaltsfülle bedrängen. Aber bedenken wir einmal, was eine geschickte Planung immer wieder zu Wege bringt.“ (S. 18) Richtig – beim Lesen empfinde ich diese Fülle erdrückend. Es folgen Beispiele, die alle in der Praxis stattfinden, eine improvisierte Einspielübung, den Einsatz von Rhythmuskarten, etc.

Für mich wirft es immer wieder folgende Fragen auf:

  • Wie sieht eine „geschickte Planung“ aus?
  • Wie bereite ich als Lehrer die Stunde vor?
  • Wie erarbeite ich mir als Instrumentallehrer Strategien und Methoden um diese Lernfelder einzuführen und dem Schüler zu vermitteln?
  • Wie behalte ich all diese erstrebenswerten kurz-, mittel- und langfristigen Ziele vor Augen?

Ein weiteres Buch: „Der virtuose Lehrer“ von Paul Harris über proaktiven Unterricht hat mich sehr fasziniert. Proaktiver Unterricht bedeutet, dass der Lehrer den Schüler an einen neuen Lerninhalt von vielen Seiten heranführt. Alle Aktivitäten fügen sich zusammen und sind für den Schüler gut durchführbar, was ihn verstehen und positive Lernerfahrungen sammeln lässt.

Das Gegenteil ist der reaktive Unterricht, hier reagiert der Lehrer erst auf die auftretenden Probleme des Schülers und korrigiert diese. Dies gibt dem Schüler immer wieder das Gefühl von Inkompetenz und sorgt für einen wenig abwechslungsreichen Unterricht.

Den vorausschauenden, vorbereitenden Ansatz von Paul Harris finde ich einen Schüler sehr motivierend. Doch dafür muss ich erstmal wissen wo der Schüler steht und wie ich ihn unterstützen und auf neue Lerninhalte vorbereiten kann. Dies bedarf Planung und Weitsicht – und wird leider auch nicht näher beschrieben. Abgesehen davon beinhaltet dieses Buch sehr viele tolle Ideen, die hier den Rahmen sprengen würden. Ich kann es nur wärmsten empfehlen!

Hilfreiche Struktur

Gut strukturierten Unterricht finde ich besonders für Anfänger wichtig. Ich habe immer wieder die Erfahrung gemacht, dass der Schüler durch einen übersprungenen Lernschritt mehre Wochen mit Schwierigkeiten kämpft und unsicher wird. Um das zu vermeiden habe ich einen sehr klaren Aufbau der Lerninhalte, dem ich folge und den ich kontinuierlich verbessere.

Momentan ist es ein Kreislauf-System, das aus Block-Planung, Protokoll und Evaluation besteht. Als Block bezeichne ich die Unterrichtsstunden zwischen zwei Ferien. Die Block-Planung ist eine Übersicht, welche die nächsten Ziele und die nächsten Stücke des Schülers enthält. Im Protokoll notiere ich Woche für Woche was in der Stunde passiert ist und in der Evaluation werte ich seine Fortschritte aus und plane den nächsten Unterrichtsblock.

Im heutigen Artikel geht es um die Evaluation. Die Block-Planung und das Protokoll werde ich in den nächsten Teilen von „Meine Unterrichtsplanung“ vorstellen.

Was ist eine Evaluation?

In einer Evaluation werden Projekte oder Prozesse bewertet und begutachtet. Dieser Prozess erfolgt in vielen Bereichen von Bildung, Wirtschaft, Politik, etc. Dazu werden Daten erhoben und anschließend systematisch ausgewertet. So lässt sich ablesen, ob z.B. das Projekt das gewünschte Ergebnis gebracht hat oder nicht und deckt eventuelle Probleme oder Fehleinschätzungen auf. Die Ergebnisse der Evaluation sind die Grundlage für eine Änderung oder Optimierung des Prozesses.

Für eine Evaluation müssen zuerst Ziele definiert und ein Messinstrument entwickelt werden. Es werden anschließend Daten erhoben, die später dann ausgewertet werden. Daraus werden die Ergebnisse formuliert und Empfehlungen oder neue Maßnahmen erarbeitet, die dann wiederum evaluiert werden können.

Auf die Planung im Instrumentalunterricht übertragen bedeutet es:

  1. der aktuelle Entwicklungsstand des Schülers wird unter die Lupe genommen (Evaluation)
  2. Ziele werden formuliert und Strategien und Methoden überlegt, um diese Ziele zu erreichen (Block-Planung)
  3. die Entwicklungen und Vorkommnisse der folgenden Wochen werden notiert (Protokoll)
  4. Ziele und der neue Entwicklungsstand werden nach einer bestimmten Zeit ausgewertet (Evaluation)

Der Kreislauf aus Evaluation – Block-Planung –  Protokoll setzt sich in Gang.

Schülerdokumentation

Bevor es mit der Evaluation losgehen kann, sammle ich alle schülerrelevanten Daten. Wenn du diese Art der Planung einmal testen möchtest, wähle etwa 3-5 Schüler (Anfänger oder Sorgenkinder) aus. Eine beispielhafte Schülerdoku und Evaluation kannst du hier downloaden.

Du beginnst damit, für jeden Schüler ein Dokument mit unten genannten Punkten einzurichten. Ich nutze Word von Microsoft, doch ein anderes Textverarbeitungsprogramm wird sich ebenso gut eignen.

NACHTRAG: Inzwischen bin ich auf Microsoft Excel umgestiegen. Näheres kannst du den Kommentaren dieses Artikels und dem zweiten Teil von „Meine Unterrichtsplanung“ entnehmen.

Die folgenden Punkte habe ich mehr oder weniger von der amerikanischen Kollegin und Bloggerin Joy Morin übernommen. Sie macht ihre Dokumentation z.B. in Evernote (ein Online-Dienst auf den man jederzeit von überall Zugriff hat).

  1. Die Überschrift: Name, Geburtstag, Alter und Unterrichtsstufe. Es gibt unterschiedliche Einteilungen der Unterrichtsstufen. Ich nutze das amerikanische System von Primer, Early Elementary, Elementary, Late Elementary, Early Intermediate, Intermediate, Late Intermediate, Early Advanced, Advanced und Late Advanced. Ihr findet hier eine Erklärung auf Englisch.
  2. Der Unterrichtsbeginn (Monat und Jahr) sowie das Unterrichtsjahr. Eine Schülerin, die im März 2014 begonnen hat, befindet sich im 3. Unterrichtsjahr.
  3. Technik: welche technischen Übungen hat er von wann bis wann gespielt Das können Übungen im 5-Ton-Raum, Tonleitern, Akkorde etc. sein.
  4. Methodik/Hefte: welche Methode hat er zu Anfang gehabt, in welchen Heften der Schüler von wann bis wann gearbeitet hat.
  5. Events: an welchen Gruppenstunden, Schülerkonzerten, etc. der Schüler teilgenommen hat. Zum Konzerttermin notiere ich auch, was der Schüler gespielt hat.
  6. Evaluation: hier füge ich die Tabelle zum Evaluieren ein (s.u.) und vermerke, wie viele Wochen der Unterrichts-Block gehabt hat

Das Evaluieren

Als Zeitpunkt für die Evaluation nutze ich die letzte Woche vor den Ferien. Die Evaluationen mit den anschließenden Zielplanungen und der Literaturauswahl erstrecken sich dann meistens bis in die Ferien. Es ist etwas zeitaufwändig, doch habe ich die restliche Zeit kaum Vorbereitungen, sondern nur das Ausfüllen der Protokolle.

Nachdem ich die Schülerdokumentation aktualisiert habe, füge ich die Tabelle für die Evaluation (siehe Schülerdoku und Evaluation) mit „Copy & Paste“ unten ins gleiche Dokument ein und  fülle sie mithilfe der Protokolle aus.

Diese Tabelle nutzt du auch für die erste Evaluation/ Bestandsaufnahme. Du wirst merken, dass sich ohne Notizen vieles nur schätzen lässt. Die nächste Evaluation wird dir durch das Protokoll viel genauer gelingen.

Damit du dafür einige Anhaltspunkte hast, folgt nun meine Liste an möglichen Beurteilungskriterien, die ich als Hilfe auf dem Schreibtisch liegen habe. Je nach Fortschritt des Schülers wähle ich die passenden Kriterien aus, z.B. geht es bei einem Anfänger zuerst um eine gute Haltung und noch lange nicht um die Balance zwischen den Stimmen. Falls du ein anderes Instrument unterrichtest, kannst du anhand der Beispiele bestimmt ähnliche  Kriterien formulieren.

  1. Üben: Häufigkeit/ Motivation/ Lerntempo, besprochene Übetechniken: Takt korrigieren, Übeklammer (die Problemstelle 3x richtig), den ganzen Abschnitt ohne Fehler spielen, von hinten üben, …
  2. Lesen: welche Lage/ welche Töne, One Minute Challenge (welche Stufe in wieviel Wochen geschafft)
  3. Rhythmus: gleichmäßiges/ flüssiges Spiel möglich?, laut zählen (metrisch oder Rhythmussprache) sicher/ unsicher?, Rhythmusübungen (ich nutze diese hier von Wendy Stevens) bis Unit XY gemacht, ist das Spielen in unterschiedliche Tempi möglich? Wurde das Metronom schon eingesetzt oder wurden vorbereitende Übungen gemacht?
  4. Haltung: runde Finger?, Handgelenke gerade?, Sitz/ Körperhaltung, Körperspannung (zu locker/fest),
  5. Technik: lockeres/weiches Handgelenk, sauberes Ablösen der Finger, Anschlag mit den Fingern sicher oder wird das Gewicht des Unterarms (zu viel Aktion) genutzt?, gute Klangqualität, sichere Artikulation, Koordination beider Hände, Pedal, Balance (Melodie lauter als Begleitung),
  6. Musikalität: Umsetzung des Charakters, Dynamik, Phrasen trennen, Betonung auf 1, Ritardando, dynamische Gestaltung der Phrasen,
  7. neue Inhalte/ Schwerpunkte (der letzten 3-4 Wochen)
  8. wie viele Stücke wurden im Unterrichtsblock abgeschlossen?, wie viele Wochen wurden durchschnittlich dafür gebraucht (aus der Block-Planung ersichtlich und hilfreich bei der Planung eines Schülerkonzertes), bin ich damit zufrieden oder nicht?

Ziele und Strategien

Nach der Bestandsaufnahme siehst du sofort, in welchen Bereichen der Unterricht den Schüler besonders fördern sollte. Wähle hier die 4 bis max. 5 wichtigsten Ziele aus und überlege dir anschließend eine Strategie/Methodik. Dafür habe ich diese Tabelle, die ich unter der Evaluation einfüge, ausfülle  und anschließend in die neue Block-Planung für die kommenden Unterrichtsstunden kopiere.

In der Regel sind nicht alle Ziele zu schaffen.  Das kann an kurzen Unterrichtsblöcken liegen oder auch an besonderen Wünschen von Schülern und Eltern. Ich fange zuerst mit ein oder zwei Bereichen an und sehe dann weiter. Ich gehe gerne auf Wünsche ein, doch ich möchte nicht vergessen, dass ich studierte Musikpädagogin bin und für meine verantwortungsvolle Arbeit auch ein Honorar bekomme. Dieser Überblick hilft mir die Richtung zu behalten und die Stunden dezent zu führen und nicht nur geschehen zu lassen.

Was meinst du? Könnte dir die Evaluation helfen, deinen Unterricht gezielter aufzubauen? Oder fühlst du dich etwas erschlagen? Ich habe mein System über viele Jahre ausprobiert und immer wieder verändert. Nimm dir Zeit, nichts gelingt von heut auf morgen – so wie in unserem wunderschönen Beruf.

Ich würde mich freuen, wenn du dieses System mit einigen wenigen Schülern testen und für dich verändern würdest. Vielleicht hast du Lust in den Kommentaren von deiner Unterrichtsplanung zu schreiben. Falls etwas noch unklar ist, helfe ich dir gern weiter.

Im zweiten Teil von „Meine Unterrichtsplanung“ werde ich dir die Block-Planung vorstellen.

Bis bald und viel Freude im Unterricht!

Wichtige Informationen in der Probestunde

 

Die Arbeit als Klavierlehrerin  ist für mich der schönste Job der Welt! Den ganzen Tag darf ich mich mit Musik und lieben Menschen beschäftigen. Doch bestimmte Umstände können mich ganz schön ermüden und frustrieren. Das kennst du als Instrumentalpädagoge bestimmt auch. Im heutigen Artikel geht es um deine Zufriedenheit und Motivation im Unterrichtsalltag und was du dafür schon in der Probestunde tun kannst.

Ich denke an kleine Situationen mit einzelnen Schülern, die nach und nach zu einem dicken Knoten im Bauch werden. Den Ärger bemerkt man oft erst sehr spät. Das kann der Schüler sein, der Woche für Woche zu spät kommt, nur mit der Hälfte seiner Noten erscheint oder kaum geübt hat.  Bisher dachte ich immer, dass das Interesse des Schülers und die Qualität meiner pädagogischen  Arbeit die entscheidenden Punkte für einen erfolgreichen Klavierunterricht sind. Doch ich habe in der letzten Zeit über einzelne Schüler nachgedacht und festgestellt, dass der Unterricht auch von einigen äußeren Faktoren unterstützt oder gebremst wird. Auf diese haben wir nur begrenzten Einfluss, doch wir sollten uns darüber im Klaren sein und diesen zumindest nutzen.

Die Probestunde

Schauen wir uns die Probestunde mit einem potentiellen Schüler einmal näher an. Hier geht es darum, dass er das Klavierspielen ausprobieren kann und einen ersten Eindruck vom Unterricht bekommt. Ein erster Austausch (mit den Eltern) zeigt, ob wir ähnliche Vorstellungen und Ziele haben und ob man sich überhaupt sympathisch ist. Abschließend geht es um den Unterrichtsvertrag, die Konditionen und Organisatorisches.

Genau jetzt sind die Schüler (-Eltern) auch offen und dankbar für Alltags-Tipps. Wissen sie, was es bedeutet ein Instrument zu lernen? Warum möglichst jeden Tag geübt werden sollte? Hier kann ich informieren und so die elterliche Unterstützung aufbauen, die dem Unterricht zu Gute kommt.

Die Eltern tragen einen großen Teil zum Unterricht bei. Im Studium hast du vielleicht  vom pädagogischen Dreieck gehört, dass aus Schüler, Lehrer und Eltern besteht. Am besten kann der Instrumentalunterricht gelingen, wenn alle drei Parteien zusammen arbeiten. Es ist nicht immer einfach mit den Eltern, ich weiß… Doch wer organisiert den Alltag des Kindes? Wer erinnert an das Üben und sitzt oftmals daneben? Wer ist da, wenn es beim Üben mal nicht klappt? Wer hat im Unterricht zugehört und kann helfen? Wer fährt das Kind? Das sind in erster Linie die Mütter, deshalb sind sie so wichtig für uns!

Ich schaue mir inzwischen weniger das Kind, sondern mehr die Mutter an. Wie organisiert ist sie? Folgende Tipps habe ich als kleines Infoblatt zusammengestellt und gehe es zusammen mit den potentiellen Schülern durch.

Tipps zum Klavierstart

  • kurze Fingernägel (für die Fingerhaltung)
  • pünktlich und mit allen Noten plus Hausaufgabenheft
  • regelmäßiges Üben (mind. 4x pro Woche, am besten sofort am Tag nach der Stunde, nach Anleitung durch das Hausaufgabenheft)
  • Unterstützung der Eltern (die Eltern sind bis mind. bis zum 9. Lebensjahr im Unterricht dabei und können zu Hause helfen, generell sollten sie an das Üben erinnern, bei Schwierigkeiten ermutigen, Anteil nehmen und natürlich Gelungenes loben)
  • ausreichend Unterrichtszeit (Aufstocken von 30 auf 45 Minuten im Alter von 9 oder 10 Jahren, dann wenn auch die Schwierigkeit der Literatur zunimmt)
  • regelmäßiges Stimmen des Instrumentes (einmal jährlich)

Für uns als Instrumentalpädagogen sind diese Tipps nichts Besonderes, doch den neuen Schülern wird nicht alles bewusst sein. Für sie ist es ein ganz neues Feld – unter Umständen auch, wenn sie von einem anderen Lehrer kommen…

Natürlich wird es trotzdem nicht immer im Unterricht glatt laufen und du wirst hier und da gefordert sein. Doch sind die Rahmenbedingungen von vornherein bekannt, kann eine kleine Erinnerung reichen. Besser, als wenn du dich immer wieder ärgerst, ohne dass der Schüler/ die Eltern überhaupt wissen was sie falsch machen. Oder sich eine falsche Gewohnheit wochenlang gefestigt hat , die wir dann mit viel Mühe korrigieren müssen.

Unsere Schüler haben die bestmögliche Unterstützung verdient und dazu gehört auch die richtige Information über den Übealltag am Instrument. Dies sorgt für eine gute Unterrichtssituation.

Schreibe deine Tipps für den Unterricht auf!

Was nervt dich in deinem Unterricht? Was könnte runder laufen? Vielleicht möchtest du eine eigene Information für deine Probestunden zusammenstellen. Denn erst wenn du deine Empfehlungen aufschreibst und aussprichst, können sie gehört und umgesetzt werden. Du als Profi an deinem Instrument kannst schon in der Probestunde die richtigen Weichen stellen, dass erspart einiges an Stress und ermöglicht einen entspannten Unterricht für alle Seiten.

Motivierte Schüler + engagierte Eltern = glücklicher Lehrer! Dann ist es definitiv der schönsten Job der Welt!