Meine Ziele für den Unterricht – 2018

Wie sieht es aus – bist Du eher spontan oder voll durchgeplant? Ich gehöre definitiv zu den Planern. Heute berichte ich, was aus meinen Zielen des letzten Jahres geworden ist und welche ich mir für 2018 vorgenommen habe.

In unserem Beruf gibt es viele tolle Ideen und sinnvolle Bereiche, doch neben Unterricht und Familienalltag bleibt wenig Zeit davon auch etwas um zu setzten. Das Auswählen und Planen von Zielen hilft mir, die Zeit die ich habe auch sinnvoll zu nutzen. Ich möchte einen sehr guten Klavierunterricht anbieten und meine Schüler begeistern und motivieren, dazu gehört für mich Reflektion und Weiterbildung.

Rückblick auf 2017

Im Mai bin ich Mama geworden und habe bis September eine Babypause gemacht. In dieser Zeit haben einige Schüler Hausaufgaben bearbeitet, andere haben pausiert. Die einen sollten möglichst gut alleine klarkommen und die anderen wenig Verlust haben, deshalb drehten sich meine Ziele vor allem um grundsätzliche Fähigkeiten.

  1. Gutes Training in Rhythmus und Notenlesen

Die „One Minute Challenge“ hat allen Schülern sehr gut getan. Selbst nach fünfmonatiger Pause war das Notenlesen aller Schüler noch sicher! Als rhythmische Übungen habe ich Rhythm Menagerie von Wendy Stevens verwendet und die Stücke Klopfen lassen. Auch am laut Zählen ist keiner vorbeigekommen. Das hat super funktioniert.

  1. Selbständiges Üben

Ich habe zwei Kurse zu diesem Thema angeboten. Dort habe ich meinen Schülern ein System vorgestellt, mit dem sie zuerst die Phase ihres Stückes beurteilen und anschließend die passende Übe-Strategie für ihre Situation auswählen können. Ich bin mit dem Üben meiner Schüler sehr zufrieden. Aus dieser Strategie-Sammlung ist übrigens die Clever Üben-Serie entstanden.

  1. Mehr Fragen stellen

Ich wollte meine Schüler zum Mitdenken und zu mehr Selbständigkeit anregen. Am Anfang fand ich es komisch und hölzern vermehrt Fragen zu stellen. Auch die Schüler fühlten sich unsicher und wussten nicht, was ich da eigentlich von ihnen wollte.

Mir ist außerdem aufgefallen, dass Fragen Zeit kosten. Der Schüler soll ja Gelegenheit zum Nachdenken haben und teilweise bedarf es einiger Fragen, bis das er auf die Antwort kommt. Ich achte also darauf, dass die Fragerei im Rahmen bleibt, denn ansonsten ist die Stunde um und wir haben kaum gespielt. Auch soll es nicht in ein Verhör ausarten…

Nichtsdestotrotz ist diese Zeit sehr gut genutzt, denn schnell lässt sich erkennen was der Schüler verstanden oder eben noch nicht verstanden hat. Er wird seinem Spiel gegenüber aufmerksamer, denkt mit und kann auf eigen Lösungen kommen. Damit befindet er sich auf dem Weg in die Selbständigkeit!

Unterrichtsziele für 2018

Auch in diesem Jahr wird es die One Minute Challenge wieder geben. Ich werde diese Aktion jedes Jahr machen, es ist wie ein jährlicher Fitness-Check. Alle Töne werden wiederholt und neue kommen mit jedem Level dazu.

Auch das Clever-Üben-System werden wir noch einmal besprechen. Lernen geschieht durch Wiederholung und je älter die Schüler werden desto mehr werden sie die Übe-Strategien zu schätzen wissen.

Für dieses Jahr habe ich zwei Ziele ausgesucht:

  1. MUSIK machen

Bitte nicht wundern, natürlich weiß ich, dass es im Instrumentalunterricht um Musik geht…. Doch die Gefahr besteht immer wieder, dass es mit den richtigen Tönen endet. Oder das die Stücke für mich als Lehrer wertvoll, aber nicht so spannend für den Schüler sind.

Es gibt unzählige Stücke für die Fortgeschrittenen, da fällt die Auswahl sehr schwer und als Lehrer greift man gern auf das Vertraute zurück. Doch ist das auch wirklich ein Stück, das Lust auf Üben macht? Das die Faszination für Musik nährt? Ich möchte Schülerliteratur aussuchen, die nicht nur aus didaktischer Sicht sinnvoll, sondern auch für Schülerohren ansprechend und motivierend ist. Im Prinzip suche ich „Hits“…

Um den Fokus mehr auf die Musik zu lenken, werde ich außerdem das Improvisieren nutzen. Es ist wirklich nicht schwer, dies zu unterrichten und mir gefällt richtig gut, was meine Schüler spielen. Ich möchte mir eine Auswahl an unterschiedlichen Stilen und Stimmungen zusammenstellen um eine möglichst breites Musikerlebnis zu bieten.

2. Theorie und Technik

Das zweite Ziel „Theorie und Technik“ baut die grundsätzlichen Fähigkeiten aus 2017 weiter aus. Lange habe ich diese Lernfelder vermieden, da ich nicht genau wusste wie ich es anstellen sollte. Und ob es wirklich sein muss… Doch wenn unsere Schüler mal etwas anspruchsvollere Literatur spielen sollen, sind beide Bereiche sehr wichtig. Sie fördern das Spielgefühl, das Musikverständnis und beschleunigen das Lernen. Momentan spielen schon viele Schüler Fingerübungen, Tonleitern oder Übungen des Technik Trainers von Jackie Sharp. Diesen Plan möchte ich ausbauen und verfeinern.

Nächstes Jahr werde ich an dieser Stelle von unseren Fortschritten und Erkenntnissen berichten.

Was Du dieses Jahr auf Klavierpaedagogikentdecken.de lesen kannst:

Hier auf dem Blog wird es um die oben erwähnte Technik gehen. Zum Beispiel wie Du eine gute Fingerhaltung und pianistische Bewegungen einführen kannst. Ich werde beschreiben wann, wie und warum ich Fingerübungen verwende.

Schon mal mit Videokamera im Unterricht gearbeitet?  Sie kann wertvolle Erinnerungen für die Schüler schaffen, doch besonders spannend finde ich, dass Du sie wunderbar für deine Weiterentwicklung als Lehrer einsetzten kannst. Da habe ich ein paar Anregungen für Dich.

Ich möchte außerdem auf die geschäftliche Seite unseres Berufes eingehen, denn es ist nicht immer einfach mit unserer Leidenschaft Geld zu verdienen. Ich stelle eine sehr faire Abrechnung vor, die mit einem geringen Aufwand für ein höheres Jahreseinkommen sorgt. Der Frust mit Nachholstunden oder Verluste durch abgesagte Stunden sind dann übrigens Geschichte! Klingt gut, oder?

Außerdem werde ich weitere Übe-Strategien in der Clever Üben-Serie vorstellen.

In welcher Situation Du auch gerade steckst oder welche Themen unseres Berufes Dich gerade beschäftigen – ich wünsche Dir ein gutes Unterrichtsjahr und freue mich, dass Du da bist!

Frohe Weihnachten!

So sieht es gerade auf meinem Flügel aus – das Dorf vom Weihnachtsmann!

Ich wünsche Dir ein wunderschönes Weihnachtsfest und alles Gute für 2018! Genieße die Zeit mit Deinen Lieben und erhole Dich gut.

Das werde ich nun auch tun und mich im Januar mit meinem Jahresrückblick und neuen Zielen zurückmelden. Außerdem wird es natürlich mit der Clever Üben-Serie und weiteren interessanten Artikeln rund um einen modernen Instrumentalunterricht weitergehen.

Herzliche Grüße und vielen Dank fürs Lesen!

Carina

Clever Üben # 2: Das Rhythmus-Klopfen

In der Clever Üben-Serie möchte ich effektive Übe-Strategien mit Blick auf unsere aktuelle Schülergeneration vorstellen. Das Ziel meines Unterrichts ist die langfristige Selbständigkeit des Schülers und eine lebenslange Freude am Klavierspielen. Zu diesem Zweck sind das aktive Mitdenken und ein wirkungsvolles Üben sehr wichtig. Um dies zu fördern, übe ich mit meinem Schüler gut verständliche Strategien im Unterricht .

Hier geht es zum einführenden Artikel und den 1. Teil von Clever Üben: „Die Übe-Phasen eines Stückes“.

Das Rhythmus-Klopfen

Das Klopfen nutze ich gern in der ersten Übephase „Kennen-Lernen“. Dies ist eine einfache, aber sehr effektive Übung, da es den unbekannten Rhythmus schnell verstehen und erleben lässt. Oft ist dies der erste Kontakt mit dem neuen Stück, denn ich spiele selten als erstes vor.

Da wir uns zuerst auf den Rhythmus konzentrieren und Noten, Fingersätze oder Artikulation außer Acht lassen können ist es eine gut zu bewältigende Aufgabe. Ich staune immer wieder, dass damit eine ganze Reihe möglicher Fehler von vornhinein ausgeschlossen werden kann. Es ist ein positiver und damit motivierender Start in das neue Stück.

Wie funktioniert das Klopfen?

Vor dem ersten Spielen wird der Rhythmus jeder Stimme geklopft. Die rechte Hand schlägt ihren auf das rechte Bein und der Schüler zählt laut mit. Die linke Hand übt ihre Stimme genauso. Oft wird dies auch „patschen“ genannt, doch ich mag „klopfen“ lieber. Falls der Schüler noch Melodien spielt, die auf beide Hände aufgeteilt sind, werden die Hände sofort abwechselnd eingesetzt.

Wenn der Schüler die einzelnen Stimmen gut verstanden hat, erfolgt das gemeinsame Klopfen beider Hände. Ein spannender Moment, denn hier kann er das erste Mal fühlen, wie die Koordination beider Hände abläuft. Als Lehrer kann ich oft schon sehen, ob mein Schüler wenig oder viel Hilfe beim Zusammenspiel brauchen wird.

Lautes Zählen – unbeliebt aber wirkungsvoll

Egal ob Du die Rhythmussprache nach Kodaly oder das metrische Zählen verwendest, entscheidend ist, dass das Zählen laut erfolgt. Ich weiß – kein Schüler ist davon begeistert… Doch ich erkläre, dass ich ihm nur helfen kann, wenn ich sein Zählen (und seine Fehler) höre. Und er dadurch besonders schnell den Rhythmus verstehen und lernen wird. Wenn ich ihn noch verstehen kann, darf der Schüler auch flüstern.

In der Regel klopfe und zähle ich zuerst mit, Bei Schülern, die sich auf mich verlassen und verstummen, höre ich auch mit dem lauten Zählen auf. Wenn sie darauf nicht reagieren, unterbreche ich sie. Falls ich eine Wiederholung sinnvoll finde, lasse ich es den Schüler allein versuchen und helfe nur nach Bedarf.

Das laute Zählen ist unbeliebt, doch wird mit der Zeit zu einer Gewohnheit. Ich erinnere einfach immer wieder daran, falls es die Schüler „vergessen“. Meine Schüler im 3. Jahr können inzwischen oft darauf verzichten, da sie bei einem neuen Stück sofort die richtige Rhythmusvorstellung haben.

Varianten

Es gibt weitere Klopf-Varianten – natürlich alle mit lautem Zählen:

  1. Eine Hand klopft den Rhythmus der Melodie und die andere übernimmt den Puls.
  2. Unterschiedliche Gesten verdeutlichen die Unterschiede von Notenwerten und machen sie fühlbar. Diese Übung nutze ich oft um das Verhältnis von Viertel- und Achtelnote erfahrbar zu machen. Die Viertel klopfen wir und die Achtelnoten werden geklatscht.

Literaturtipp

Das Rhythmus-Klopfen kannst Du auch unabhängig von der Unterrichtsliteratur einsetzten. Die amerikanische Pädagogin und Komponistin Wendy Stevens hat zum Thema Rhythmus wirklich tolle Materialien zusammengestellt.

Rhythm Menagerie behandelt die Notenwerte von Ganzer Note bis zur Achtel, die entsprechenden Pausen, die punktierte Viertelnote und den Haltebogen.

Im Folgeheft Rhythm Manipulations werden Sechzehntel, Triolen, punktierte Achtel, Alle-Breve und Taktartänderungen geübt.

Die Rhythm Cups Explorations sind eine witzige Ergänzung, da sie unterschiedliche Bewegungen mit einem ganz normalen Trinkbecher einführen.

Alle Hefte sind in Form einer Studio License erhältlich, dies bedeutet, dass sie einmal gekauft so oft vervielfältigt werden dürfen wie gewünscht.

Diese Materialien eignen sich prima zum Einführen neuer Notenwerte oder zur separaten Übung eines Notenwertes oder Rhythmus. Das erste Heft nutze ich regelmäßig um neue oder unsichere Notenwerte zu üben, die Rhythm Cups setzte ich für den Gruppenunterricht ein.

Vorteile des Klopfens

  1. Der Schüler erlebt einen positiven Start in ein neues Stück, da es zuerst nur um den Rhythmus geht.
  2. Es verhindert von Anfang an viele unnötige Fehler.
  3. Das Rhythmusgefühl und das laute Zählen werden trainiert. Diese Klopf-Übung ist DER Tipp für Schüler, die sich gerne vor dem lauten Zählen drücken wollen. Das schaffen sie bestimmt!
  4. Du kannst es von Anfang an einsetzten, Anfänger, die oft noch Probleme mit dem Auseinanderhalten von rechter und linker Hand haben, profitieren sehr davon.
  5. Die Koordination wird bei dem gemeinsamen Klopfen beider Hände sofort geübt. Dies erleichtert später das Zusammenspiel.
  6. Zu einem späteren Zeitpunkt eingesetzt, kann es eine optimale Lösung für eine Stelle mit rhythmischen oder koordinativen Schwierigkeiten sein.

Wie Du gut in das neue Schuljahr kommst

Das geht Dir bestimmt auch so: In den Sommerferien schalte ich richtig ab. Mal nicht unter der Dusche stehen und über Schüler nachdenken. Kein „Ach, ich muss noch …  vorbereiten!“

Wenn ich mich dann gut erholt auf die ersten Unterrichtsstunden vorbereiten möchte, beginne ich mit einem Überblick über die gesamte Klasse.  Dies mache ich bereits seit vielen Jahren und zu Beginn meiner Unterrichtstätigkeit war es sogar meine einzige Planung. Zu Spitzenzeiten hatte ich 46 Schüler im Einzelunterricht und ohne diesen Zettel mit allen Schülernamen, Heften und aktuellen Stücken wäre ich absolut verloren gewesen.

Egal wie viele Schüler Du hast, die „Literaturplanung für das Schuljahr“ kann eine wichtige Stütze für Deinen Unterricht sein. Durch sie kannst Du alles im Blick behalten und besonders nach den Ferien hilft sie, dass Du mit den Schülern da einsteigen kannst, wo ihr aufgehört habt. So geht keine Unterrichtszeit mit hektischem Suchen, Blättern und Raten verloren.

Entspannter Unterrichtsbeginn

Der Überblick über die Literaturplanung hilft außerdem, dass Du Dich nicht vor lauter Ideen verzettelst. Du hast die Bedürfnisse Deiner Klasse vor Augen und kannst gezielt die Ideen auswählen, die gerade für sie interessant sind. Neue Literatur lässt sich in aller Ruhe im Voraus recherchieren und aussuchen. Das entspannt spürbar die ersten Wochen nach den Ferien und lässt viel weniger Zeitdruck entstehen.

Mir gibt es immer das gute Gefühl, dass ich alles „im Griff“ habe und ich mich pädagogisch entwickle. Ich möchte ein Leben lang lernen, deshalb ist dieser Klassenüberblick quasi die Schnittstelle zwischen Wünschen und Realität…

In der folgenden Anleitung beschreibe ich mein Vorgehen Schritt für Schritt. Falls Du es einmal ausprobieren möchtest, benötigst Du dafür etwas Notizpapier und etwa zwei bis drei Ausdrucke der PDF „Literaturplanung für das Schuljahr„, welches Du Dir sofort herunterladen kannst. Pro Seite ist dort Platz für zehn Schüler.

Ok, dann geht´s los!

Der Überblick über die Klasse

  1. Nehme den Notizzettel quer und notiere die am häufigsten im Unterricht verwendeten Hefte als Überschriften. Anschließend sortierst Du die Namen Deiner Schüler, die in diesen Heften spielen darunter. Vermerke ebenfalls, ob sie im Heft am Anfang, Mitte oder Ende sind. Es reicht eine grobe Einschätzung.
  2. Sortiere die Schüler mit dem gleichen Heft in eine Reihenfolge, indem Du ihren Fortschritt im Heft (Anfang, Mitte oder Ende) berücksichtigst.
  3. Übertrage diese Schülergruppen in die Tabelle „Literaturplanung für das Schuljahr“ (Download). Jede Gruppe untereinander und den Schwierigkeitsgrad der Hefte von leicht bis schwer. Die Schülernamen in die erste Spalte, in die zweite Spalte vermerkst Du oben die Hefte. Darunter lasse noch etwas Platz.
  4. Gehe Deine Unterrichtsnotizen durch und notiere nun in den frei gelassenen Platz der zweiten Spalte, welches letzte Stück der Schüler im Heft gespielt hat. So weißt Du genau, wie weit jeder Schüler gerade ist.
  5. In der dritten Spalte kannst Du das Stück eintragen, das Du als nächstes mit Deinem Schüler spielen möchtest. Vielleicht steht dies bereits fest oder Du siehst, dass hier noch Planungsbedarf besteht.
  6. Die vierte Spalte „Notizen/Ideen“ ist meine Lieblingsspalte! Hier ist Platz für neue Ziele, die Du in Deinen Unterricht integrieren möchtest. Das können ganz individuelle Ziele sein, welche die unsicheren Bereiche der Schüler fördern sollen. Ebenso kannst Du auch ein bestimmtes Thema, dass Du Dir für das Schuljahr und die ganze Klasse vorgenommen hast, notieren. Vermerke dazu den Umfang oder den Schwierigkeitsgrad, den der Schüler bewältigen kann.

Das wäre es schon. Ich mache dies regelmäßig am Ende der Ferien, prinzipiell lässt sich dieser Überblick aber jederzeit erstellen.

Mein Fokus im neuen Schuljahr: Technik und Improvisation

Für dieses Schuljahr habe ich mir vorgenommen, dass jeder Schüler kleine technische Übungen spielt. Das habe ich schon lange im Kopf und hier und da bereits ausprobiert. Mit einigen Schülern verwende ich den großartigen Technik Trainer von Jackie Sharp, doch zusätzlich möchte ich eine Reihe von Übungen entwickeln, die relevant und nützlich sind.

Zum anderen möchte ich über meinen Schatten springen und im Unterricht Anleitungen zum Improvisieren geben. Theoretisch weiß ich wie es geht. Ich habe es auch schon selber getestet und festgestellt, wie schnell und einfach etwas gut Klingendes entstehen kann. Jetzt muss ich es nur noch wagen… Das wird meinen Schülern bestimmt Spaß machen!

Beide Bereiche bereichern sich gegenseitig. Die Übungen trainieren das Spielen von Mustern, die dann wiederum im Improvisieren genutzt und variiert werden. So können zum Beispiel Tonleitern und Dreiklänge sofort angewendet werden.

Und Du?

Hast Du einen bestimmten Ablauf, mit dem Du Dich auf ein neues Schuljahr vorbereitest? Oder ein besonderes Thema für die nächsten Monate? Teile es doch mit uns in den Kommentaren.

Ich wünsche Dir ein tolles und inspiriertes Schuljahr!

 

 

Clever Üben – # 1: Welche Übe-Phasen durchläuft ein Stück?

Herzlich willkommen zum ersten Teil von „Clever Üben“ auf Klavierpaedagogikentdecken.de!

In dieser Serie möchte ich effektive Übe-Strategien mit Blick auf unsere aktuelle Schülergeneration vorstellen. Sie wird „Generation Z“ genannt. Dies bedeutet, dass sie von klein auf mit digitalen Medien vertraut sind. Sie wissen, wo sie schnell an Informationen kommen und kommunizieren rege miteinander. Sie wirken sehr selbständig, sind ein hohes Tempo gewohnt und äußern offen was sie interessiert oder was ihnen nicht passt.

Wir sind ganz anders aufgewachsen, oder? Um unsere heutigen Schüler anzusprechen und motivieren zu können, benötigen wir einen anderen Unterricht als den, den wir selber erlebt haben.

Doch wie können wir das Lernen eines Musikinstrumentes weiterhin attraktiv gestalten?

Ist Popmusik die ultimative und einzige Lösung?

Brauchen unsere Schüler vor allem schnelle Erfolge, in dem wir Lernhürden stark vereinfachen? (Und unsere eigenen Ansprüche zurückschrauben?)

Was darf von unserem gewohnten Unterricht bleiben?

In welchen Bereichen sollten wir neue Wege gehen?

Ich mache die Erfahrung, dass ein partnerschaftlicher, aufgeschlossener Unterricht heute einen optimaler Rahmen für erfolgreichen Unterricht setzt. Das Ziel meines Unterrichts ist die langfristige Selbständigkeit des Schülers und eine lebenslange Freude am Klavierspielen.

Zu diesem Zweck sind das aktive Mitdenken und die Effektivität des Übens sehr wichtig. Dadurch wird ein gutes Lerntempo erreicht und der Schüler ist für das weitere Üben und eventuell auftretende Hürden motiviert.

Wir sind gewohnt, dem Schüler die nächsten Aufgaben für sein Üben zu geben. Damit bleiben die Schüler aber von uns abhängig und kommen kaum auf die Idee, sich eigene Gedanken zu machen.

Um dies zu ändern, übe ich mit meinem Schüler sehr viel gemeinsam im Unterricht. Ich erkläre warum eine Stelle Schwierigkeiten macht und mit welcher Strategie er sie meistern kann.

Je mehr Übe-Strategien er kennt und anwenden kann, desto mehr darf er selbst entscheiden wie er die Stelle zu Hause üben möchte. Bis das es soweit ist, stehe ich ihm „beratend“ zur Seite.

Im letzten Halbjahr habe ich erprobte und bewährte Übe-Strategien für meine Schüler zusammengestellt. Ich dachte es wäre eine gute Idee, diese auch mit dir zu teilen. So ist die Idee zu meiner „Clever Üben“ – Serie entstanden. Ich nutze diese Strategien ab Grundschulalter und dem Beginn des Zusammenspiels.

Eine ausführliche Einführung der Serie findest du hier.

 

Die drei Übe-Phasen eines Stückes

Im heutigen Artikel geht es um die aufeinander aufbauenden Übe-Phasen, die jedes Stück nacheinander durchläuft. Ich habe diese Phasen „(Kennen)Lernen“,  „Üben“ und „Spielen“ genannt.

Diese Einteilung hilft dabei, den Übeprozess besser zu verstehen. Wenn unser Schüler weiß, in welcher Phase sich sein Stück befindet, kennt er das aktuelle Ziel seines Übens. Anschließend kann er sich die passenden Übe-Strategien heraussuchen.

So würde ich die Phasen charakterisieren und erarbeiten:

  1. Phase: Das (Kennen)Lernen

Das Kennenlernen eines Stückes beginnt mit den Informationen, die wir auf den ersten Blicken den Noten entnehmen können. Wenn wir über Titel, Komponist, Epoche, Tempo, Ton- und Taktart sprechen, entsteht schon vor dem ersten Spielen bzw. Hören eine Vorstellung des Stückes.

Dieses Besprechen findet immer gemeinsam im Unterricht statt. Ich lasse diese Punkte entdecken oder frage sie gezielt ab. Diese Entdeckungstour kann jetzt bereits Fehler ausschließen, bevor sie aufgetreten sind und nimmt die erste Angst vor einem neuen Stück.

Schnell geht es dann um die verwendeten Rhythmen, Artikulationen und Positionen der Hände. Alles kann bereits vor dem ersten Spiel im Einzelnen geübt werden. Damit sind wir dann schon bei den ersten Übe-Strategien, die ich in den nächsten Artikeln vorstellen möchte.

Ist das neue Stück auf diese Weise entdeckt worden, beginnt in der Regel das Spielen der einzelnen Hände. Bei den ersten Durchgängen, die im Unterricht stattfinden, wird natürlich nicht alles gelingen, doch der Schüler macht weniger Fehler und kann sich Korrekturen schneller merken.  Vieles ist schon jetzt eine Wiederholung, da alles bereits vorab kennengelernt wurde. Dies ist viel effektiver, da auch Zuhause weniger Fehler auftauchen und diese nicht erst eine Woche lang falsch abgespeichert werden.

Generell gilt: Je gründlicher diese Phase genutzt wird, umso weniger Startschwierigkeiten und Fehler wird der Schüler mit diesem Stück erleben.

  1. Phase: Das Üben

Das Üben ist die Phase, welche die meiste Zeit, Arbeitseinsatz und Geduld erfordert. Während in der Kennenlern-Phase viele Aspekte zuerst einzeln geübt oder besprochen wurden, werden diese nun zusammengefügt und koordiniert. Es beginnt nun das beidhändige Spiel.

Im Laufe des Übens kristallisieren sich schwere Stellen heraus, die besonders von den Übe-Strategien profitieren können. Wir überlegen gemeinsam was hier Schwierigkeiten macht und wählen dann die passende Strategie aus. Je mehr Erfahrungen der Schüler hat, umso selbständiger kann er dies später allein entscheiden.

Bei der Anwendung einer Strategie achte ich darauf, dass der Schüler sie in der Stunde versteht und merkt, dass sie wirklich etwas bringt. Mit den ersten Erfolgen hat er oft die schwierigste Hürde bereits im Unterricht überwunden und fühlt sich kompetent genug, auf diese Weise auch Zuhause weiter zu üben.

Eine wichtige Stütze ist hier das möglichst genaue Notieren der Hausaufgaben. Dazu gehören die Stelle, die Übe-Strategie, die Anzahl der Wiederholungen und die zu beachtenden Details. Näheres zu meiner Übe-Liste findest du im Artikel über Unterrichtsplanung.

  1. Phase: Das Spielen

In dieser letzten Phase des Übens geht es nun um ein möglichst fehlerfreies, aber vor allem auch um ein musikalisches Spiel. Jetzt  steht der Charakter des Stückes im Vordergrund. Es kann mit dem Ausdruck gespielt werden, zum Beispiel Tempo oder Dynamik können zu allen Seiten ausgetestet werden, bis das die Interpretation stimmig ist. Deshalb heißt diese Phase auch „Spielen“.

Dieses Herumfeilen am Ausdruck macht mir persönlich immer besonders viel Spaß und es erfüllt mich mit großem Stolz, meine Schüler so schön spielen zu sehen und zu hören. Das immer tiefere Eintauchen in eine Komposition bis das man sie sich zu Eigen gemacht hat, ist eine wunderschöne Belohnung für die vorhergegangenen Mühen. Diese Erlebnisse und Erfolge möchte ich meinen Schülern ermöglichen.

Steht ein Konzert an, wünschen sich Lehrer und Schüler ein sicheres und fehlerfreies Spiel. Dieses „Training“ findet ebenfalls in dieser Phase statt. Das Stück des Schülers sollte sich auf jeden Fall in der dritten Phase befinden, damit er möglichst erfolgreich im Konzert glänzen kann.

Übrigens kann auf diese dritte Phase auch verzichtet werden. Nicht jedes Stück muss perfekt werden. Manches dient vielleicht nur zur Vermittlung einer bestimmten Technik oder Erfahrung. Oder dem Schüler gefällt das Stück einfach nicht. In diesem Fall kann es im Verlauf der 2. Phase abgeschlossen werden.

Zusammenfassung der drei Lern-Phasen:

  1. Phase: Das (Kennen-) Lernen

  • erster Eindruck über den Charakter/ Ausdruck
  • unterschiedliche Bausteine (Titel, Komponist, …) werden besprochen und separat kennengelernt
  • die Hände spielen einzeln

   Ziel: Kennenlernen der Töne und Eigenheiten des neuen Stückes

 

  1. Phase: Das Üben

  • längste und aufwändigste Phase
  • beidhändiges Spiel (Koordination)
  • schwere Stellen üben

   Ziel: Einüben und Absichern von Tönen, Rhythmus und Artikulation

 

  1. Phase: Das Spielen

  • Interpretation und Absichern
  • Konzertvorbereitung

     Ziel: Musikalisches Spielen des Stückes mit Dynamik und im richtigen Tempo

 

Ausblick

Wir Lehrer können gewiss nur einen Teil für den Erfolg am Instrument beitragen, ohne Interesse und Mitarbeit der Schüler und der Unterstützung der Eltern geht es nicht. Doch den Bereich, den wir beeinflussen können, sollten wir so gut wie möglich nutzen.

Je mehr wir unsere Schüler am Unterricht beteiligen, umso mehr profitieren sie davon und wachsen zu selbständigen Pianisten heran. Je mehr Selbständigkeit und Verständnis die Kinder der Generation Z erfahren, desto größer sind ihr Interesse und ihre Motivation.

Die drei Übe-Phasen bilden das Gerüst für einen selbständigen Übe-Prozess. In den nächsten Artikeln werde ich die einzelnen Übe-Strategien vorstellen und den Phasen zuordnen.

Ich würde mich sehr über deine Gedanken und Erfahrungen zum heutigen Thema „Lern-Phasen eines Stückes“ freuen. Hinterlasse sie als Kommentar oder schreibe mir eine E-Mail an carina(at)klavierpaedagogikentdecken.de.

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Vielen Dank fürs Lesen und einen schönen Unterrichtstag!