Popmusik im Klavierunterricht

Es ist nicht so einfach mit der Popmusik im Unterricht, das gebe ich ehrlich zu.

Für uns klassisch trainierten Musiker kann dieser Musikstil im Unterricht unbequem sein… Wir (oder ich zumindest) haben es nie im eigenen Unterricht gemacht, es fehlen also eigene Erfahrungen.

Dann spielen natürlich auch die fachlichen Vorstellungen und persönliche Vorlieben eine Rolle.

Warum ich aber finde, dass Popmusik in den Klavierunterricht gehört und wie du dies umsetzten kannst, erfährst du in diesem Artikel.

Popmusik ist unseren Schülern vertraut

Im Unterricht geht es um unsere Schüler. SIE interessieren sich für die Musik und das Instrument.

Sie sind von Popmusik umgeben. Und sie horchen auf, wenn sie in diesen Songs irgendwo ein Klavier hören.

Sie sind oft auch auf YouTube unterwegs und sehen andere Jugendliche, die gerade ihren Lieblingssong auf dem Klavier covern.

Warum sollen unsere Schüler das nicht auch lernen dürfen?

Es ist egal ob du Popmusik magst oder nicht, deine Schüler freuen sich wahnsinnig über vertraute Songs. Das motiviert sie.

Also ich persönlich wünsche mir motivierte Schüler, die in ihrem Leben nach dem Unterricht die Musik spielen können, die ihnen gefällt. Und ich möchte sie grundlegend darauf vorbereiten, egal für welchen Musikstil sie sich einmal interessieren werden.

Popmusik ist eingängig, doch überhaupt nicht einfach.

Doch vielleicht ist es dir auch schon so ergangen. Du erfüllst den Schülerwunsch und erwartest einen eifrig übenden Schüler. Doch das Erarbeiten zieht und zieht sich. Dein Schüler verliert tatsächlich die Lust an seinem Song. Schlimmstenfalls generell die Motivation am Klavierspielen.

So ging es mir einige Jahre und ich hatte Bedenken auf die Schülerwünsche einzugehen.

Es ist so – unsere Schüler sind oft nicht gut auf diesen Musikstil vorbereitet. Popmusik klingt einfach, die linke Hand ist oft einfach gehalten, doch Rhythmik und Koordination sind oft sehr anspruchsvoll.

Meine Lösung dafür ist ein Mix aus Akkordspiel, Rhythmusschulung, Leadsheet-Spiel (Liedbegleitung) und Popsongs. Dazu kommt moderne Originalliteratur, ich verwende gerne die Hefte von Sandra Labsch und Daniel McFarlane aus dem Zauberklavier-Verlag.

Heute möchte ich mich auf die Suche nach passendem Notenmaterial von Popsongs konzentrieren. Und was du tun kannst, wenn es nichts gibt.

Kommen wir noch einmal zu der oben genannten Situation zurück. Dein Schüler hat dich gerade nach „Faded“ gefragt und schaut dich erwartungsvoll an.

Was kannst du tun?

Gemeinsame Recherche mit dem Schüler

Entweder du notierst dir seinen Wunsch und recherchierst später oder du gehst sofort in der Stunde mit ihm zusammen auf Notensuche.

Je nach Alter deines Schülers kannst ihm die besten Shops zeigen und wie er eine passende Version aussucht. Langfristig kann er dies dann eigenständig übernehmen.

Und wo findest du geeignete Noten? Musicnotes.com!

Meine erste Anlaufstelle zur Notensuche ist musicnotes.com. Einfach den Titel in das Suchfeld eingeben und schon werden dir im Idealfall mehrere Versionen angezeigt. Ich schaue immer bei den „Easy Piano“ – Ausgaben oder den Leadsheets. Es kann sein, dass es mehrere davon gibt, je nach Beliebtheit des Songs.

Das coole an diesem Shop ist, dass du viele Stücke transponieren kannst. Je nach Originaltonart kann das wirklich nützlich sein.

Außerdem gibt es die Möglichkeit, dass du alle Versionen des Stückes sehen kannst. Dafür gehst du auf „See other arrangements of this song“. Das ist richtig toll! Für Faded gibt es zum Beispiel drei Easy Piano Versionen.

Du recherchierst nach den Noten – der Schüler kauft sie

Ich schicke dem Schüler beziehungsweise den Eltern den Link des ausgesuchten Arrangements und bitte sie, den Notendownload zu kaufen und ausgedruckt mit zu bringen. Ein Paypal-Konto oder eine Kreditkarte sind nötig – falls dies eine Hürde ist, kaufe ich die Noten, doch ich bekomme das Geld von den Eltern wieder.

Die Alternative: Noviscore.de

Der zweite Downloadshop ist noviscore.de. Dort findest du oft ein und das selbe Stück in drei Leveln, mit oder ohne Lesehilfe. Letzteres bedeutet, dass dort Notennamen und Markierungen für den Rhythmus eingefügt werden. Dies habe ich bisher nicht genutzt, es ist vielleicht eher für das Selbststudium gedacht.

Um bei unserem Beispiel zu bleiben – du findest hier auch Faded – doch mein Eindruck ist, dass du auf Musicnotes.com einfachere Versionen finden kannst. Das kann aber auch anders herum sein, deshalb recherchiere ich gern in beiden Shops.

As letzte Anlaufstelle möchte ich die Serie „Easy Charts“ aus dem Schott Verlag erwähnen. Es ist die Frage ob sich der Kauf eines Heftes lohnt, außerdem können mich persönlich die Bearbeitungen nicht richtig überzeugen.

Die Lösung für schwierige Fälle: YouTube-Tutorials

Was aber, wenn es keine (passenden) Noten gibt? Oder der Rhythmus einfach viel zu schwer ist? Dann kannst du nach einem Tutorial auf Youtube.com suchen.

Du gibst „Faded Piano Tutorial“ ein und schaust dir ein paar vorgeschlagene Videos an. Die Qualität kann wirklich sehr unterschiedlich sein, versuch das Beste auszuwählen.

Es gibt Videotutorials, in denen die Töne über der Tastatur von oben nach unten als farbige Balken laufen. In anderen findest du teilweise endlose Erklärungen, diese passen nicht immer zum Lerntempo des Schülers. Für mich haben sie allerdings den Vorteil, dass hier das Zusammenspiel schneller zu verstehen ist als mit den Balken.

Es kann passieren, dass nicht alle Teile erklärt werden. Um das herauszufinden kannst du dir den Song auf ultimateguitar.com anschauen. Dort findest du auch den genauen Ablauf.

Es kann zum Beispiel die Bridge fehlen. Entweder dein Schüler lässt sie dann auch weg oder ihr hört die Harmonien aus dem Stück heraus. In der Regel sind die Akkorde ja bereits bekannt. Dann ist es nicht mehr schwer die Melodie zu finden.  

Wenn dein Schüler alles kann, überlegt ihr euch einen Ablauf, der wesentlich kürzer als der Originalsong sein darf und natürlich einen Schluss.

Das Videotutorial wird im Unterricht genutzt!

Ganz wichtig: Das Erarbeiten findet mit dem Schüler in seiner Stunde statt!

Du musst nicht das ganze Stück in deiner Freizeit vorbereiten. Ich schaue mir oft den Anfang an, doch den Rest machen wir gemeinsam im Unterricht.

Das Wichtigste kann ganz schnell auf einem einfachen Zettel notiert werden:

  • Welche Harmonien spielt die linke Hand? Als Akkordsymbole (Buchstaben) aufschreiben.
  • Mit welchen zwei Tönen beginnt die rechte Hand? Ebenfalls als Buchstaben notieren, dazu der Fingersatz.

Und dann werden die einzelnen Hände geübt, zuerst wird immer wieder in das Video geschaut und dazwischen selber ausprobiert. Später kann dein Schüler die Stimmen mit dem Video absichern.

Und ohne das Lesen funktioniert es auch mit dem Rhythmus ziemlich gut.

Zwei Tipps für die Nutzung eines YouTube-Tutorials

Falls das Tutorial zu schnell ist, kannst du das Abspieltempo verlangsamen. Du geht’s zuerst auf die Einstellungen (die drei Punkte) und dann auf Wiedergabegeschwindigkeit. Es klingt definitiv nicht gut, doch erstmal wird es deinem Schüler helfen.

Außerdem empfehle ich dir, die Zeiten wann Strophe, Refrain und die Bridge erklärt werden zu notieren. Das spart eine Menge Zeit bei der Suche danach.

Ich hoffe ich konnte dir ein paar Ideen für das Erarbeiten eines Popsongs schenken und wünsche viel Spaß!

Wirst du sie testen? Welche Erfahrungen hast du bisher mit dem Unterrichten von Pop gemacht?

Klavierunterricht mit einem Vierjährigen?

Klavierunterricht mit Vierjährigen, Blog Klavierunterricht

Der Unterricht mit Vorschulkindern ist ganz besonders süß! Doch ohne die richtige Methode und entsprechendes Material kommt man als Lehrer nicht weit. Die Kleinen zeigen schnell und sehr direkt ob dein Unterricht bei ihnen ankommt oder nicht.

Es kommt auch auf das Kind an, die Kinder im Alter von 3-5 Jahren sind sehr unterschiedlich weit entwickelt. In der Probestunde kannst du das Kind kennen lernen und einschätzen, ob es schon für den Unterricht bereit ist.

Auch solltest du dir klar sein was und wie du mit wie vielen machen möchtest. Soll es eher eine musikalische Früherziehung am Klavier oder Frühinstrumentalunterricht sein? Im Gruppen-, Partner- oder Einzelunterricht?

Ich mache sehr gern Frühinstrumentalunterricht mit einzelnen Kindern. Mir sind viereinhalbjährige Kinder am liebsten, doch auch gerade vierjährige waren schon dabei. Diese Form würde ich jedem Lehrer vorschlagen, der dieses Schüleralter erstmal testen möchte.

Damit du einen Eindruck bekommst was du mit einem Vorschulkind machen kannst und was du beobachten solltest, habe ich den Ablauf meiner Probestunde einmal aufgeschrieben. Ich plane 25-30 min Unterricht und anschließend ca. 10-15 min Gesprächszeit mit der Mutter ein.

Die Probestunde mit Vorschulkind

Eine Sache vorweg: Konzentriere dich als erstes auf das Kind und beginne mit der Probestunde. Es beginnt sich sonst zu langweilen oder verkriecht sich bei der Mutter. Das Gespräch mit der Mutter passiert danach.

Ist das Kind sehr schüchtern, kann vielleicht die Mutter helfen und das Kind zum Klavier begleiten. Ansonsten ist das Kind einfach noch nicht bereit und du schlägst einen neuen Termin in drei Monaten vor.

Die richtige Sitzhaltung. Richte die Klavierbank und den Fußhocker auf die Größe aus, erkläre kurz und kindgerecht warum du das tust und das dein Schüler zu Hause die gleichen Bedingungen braucht. Die Klavierbank muss oft ganz nach oben gedreht werden und mehrere gestapelte Fußhocker sorgen für die Möglichkeit bequem und richtig zu sitzen.

Das Klavier entdecken und dekorieren. Zuerst möchtest du deinen Schüler mit dem Instrument vertraut machen. Vielleicht klopft ihr mal hier und da um es zu wecken? Dann geht es an die Tastatur.  Noch wird nicht gespielt, sondern die Zwillinge und Drillinge werden markiert, zum Beispiel mit farbigen Pfeifenputzern und Flummis.

Klavierunterricht mit Vierjährigen, Blog Klavierunterricht

Zeige die ersten Drillinge (fis, gis und ais), lege einen farbigen Pfeifenputzer quer darauf und bitte  deinen Schüler die restlichen sechs Pfeifenputzer zu platzieren. Anschließend legt ihr die Flummis zwischen die Zwillinge.

Die Drillinge und Zwillinge anschlagen. Wenn die Tastatur so schön dekoriert ist, werden die Pfeifenputzer entfernt und du schlägst nun ein Drillingsgrüppchen mit den 2., 3. und 4. Finger an. Erkläre nicht welche Finger du nimmst, in der Regel versucht der Schüler es richtig nachzumachen. Hat er damit Probleme kannst du etwas helfen, doch es geht hier in erster Linie darum, dass seine Finger erstmal Kontakt mit dem Klavier bekommen.

Hier kannst du beobachten wie er sich bewegt, wie gut er mit dem Finger sortieren zurechtkommt und wie er die Aufgabe angeht.

Hell und dunkel am Klavier. Rechte und linke Hand. Wenn dein Schüler alle Drillinge gespielt hat frage ihn, ob er gehört hat wo sich die hellen und dunklen Töne am Klavier befinden. Spielt vielleicht noch ein paar weitere Töne zur Bestimmung. Anschließend bittest du deinen Schüler von dunkel nach hell mit der linken Hand zu spielen und für den umgekehrten Weg die rechte Hand zu nehmen.

Dann werden die Zwillinge mit dem 2. und 3. Finger gespielt. Da hier nur zwei Finger spielen ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass sich die Schüler hier mit dem „Fingersatz“ schwer tut. Deshalb beginne ich lieber mit den Drillingen.

Fingersatz einführen. Um etwas Abwechslung zu erreichen kannst du dich für den Fingersatz mit deinem Schüler auf den Boden. Du rufst zum Beispiel den 3. Finger von der rechten Hand und dein Schüler winkt dir mit dem entsprechenden Finger zu. Du kannst dann spiegelverkehrt zurück winken. Umgekehrt geht es auch, du winkst, dein Schüler winkt zurück und sagt welcher Finger das ist.

Klavierunterricht mit Vorschulkind, Blog Klavierunterricht

Nachdem der Schüler den Fingersatz verstanden hat, könnt ihr die Umrisse der Schülerhände auf ein Blatt zeichnen und die Fingernummern daran schreiben. Manchmal können sie schon ein paar Zahlen selbst schreiben, das finden sie toll. Du kannst dabei beobachten wie geschickt sie den Stift halten und damit umgehen.

Rhythmus klatschen. Hier kannst du sehen welches Rhythmusgefühl, aber auch welche Konzentration dein Schüler hat. Dies kann auch auf dem Boden passieren. Klatsche einfache, eintaktige Rhythmen aus Viertelnoten und Halben Noten vor und benutze die Rhythmussprache ohne näher darauf einzugehen.

Dein Schüler wird dies wahrscheinlich unbewusst übernehmen und erfährt den Unterschied zwischen Ta und Ta-ja. Dies ist eine kurze Aktion, ich würde maximal fünf Rhythmen klatschen und dann in die nächste wechseln.

Kleines Motiv mit dem 3. Finger spielen. Dies kann dir noch etwas zu schwierig scheinen, doch du solltest gucken wie weit die Fingermuskulatur des Kindes ist. Spiele ein kleines Motiv aus zwei Tönen vor (z.B. den Anfang von Schneck im Haus) und erkläre kurz die Rundung des Fingers. Ich mache das gern anhand der römischen Rundbogenbrücke. (Hier mehr dazu und warum ich mit dem 3. Finger beginne.)

Beobachte wie sich der Schüler und sein Finger verhalten. Zuerst geht es natürlich um die Töne, wie gut schafft er es und wie reagiert er bei Fehlern? Versucht er sie zu korrigieren oder bemerkt er sie gar nicht? Später erinnere ihn noch einmal an die Rundung des Fingers und beobachte ob er dies ungefähr schafft.

Eine runde Fingerhaltung muss in der Probestunde nicht da sein, doch teste ob er es wahrscheinlich in der 2. oder 3. Stunde schaffen wird oder nicht. Wenn dies möglich scheint, ist das für mich ein Zeichen, dass der Schüler für den Unterricht bereit ist.

Die richtige Fingerhaltung ist für mich persönlich ein absolutes Muss – egal wie alt der Schüler ist. Es formen sich Gewohnheiten und das Bewegungsgedächtnis ist eines der stärksten das wir haben. Ich halte nichts davon den Schüler zuerst mit flachen Fingern spielen zu lassen und später dann die Fingerhaltung einzuführen. Dies ist – auch für den Schüler – unglaublich mühsam, sehr langwierig und oft auch frustrierend.

Klavierunterricht mit Vierjährigen, Blog Klavierunterricht

Das Gespräch mit der Mutter

Hier gehst du noch einmal auf die Sitzhaltung ein. Zu Hause werden eine verstellbare Klavierbank und stapelbare Fußhocker benötigt.

Frage nach, ob die Mutter im Unterricht und beim häuslichen Üben dabei sein kann.

Geh mit ihr kurz deinen Unterrichtsvertrag durch, du ersparst dir späteren Ärger! Vor einiger Zeit habe ich außerdem ein Infoblatt erstellt, in dem ich wichtige Tipps und Regeln anspreche, die einen erfolgreichen Unterricht unterstützen.

Generell gebe ich den Familien in allen Probestunden etwas Zeit alle Eindrücke wirken zu lassen. Niemand muss sofort zusagen oder unterschreiben. Lieber sollen sie ihr Kind ein paar Tage beobachten wie und ob es über die Klavierstunde spricht. Fand er es nach ein paar Tagen immer noch toll und möchte wiederkommen?

Meine vier ausschlaggebenden Kriterien ob ich ein Vorschulkind annehme

  1. Das Interesse des Kindes. In der Regel rufen mich die Mütter an und erzählen, dass ihr Kind schon längere Zeit den Wusch äußert Klavier zu spielen. Hervorragend! Im Laufe der Probestunde bekomme ich mit, wie interessiert das Kind wirklich ist. Will es selber Klavier spielen? Wie sehr versucht es alles was ich zeige um zusetzten? Ist es bei der Sache oder teilnahmslos, gelangweilt oder zu schüchtern um einen Ton zu spielen?
  2. Die Fähigkeit einer Unterrichtssituation folgen zu können. Kann das Kind mir zuhören und versucht es meine Aufgaben um zusetzten? Oder fängt es an eigene Spiele am Klavier zu erfinden? Egal wie spielerisch ich den Unterricht gestalte, es ist Unterricht. Und ist das Kind dafür noch nicht bereit, dann sollte man ihm noch Zeit geben und mit dem Unterricht warten.
  3. Die Fingermuskulatur. Bekommen wir in den ersten Stunden eine runde Fingerhaltung hin oder nicht? Ich möchte keine falschen Gewohnheiten aufbauen, deshalb bitte ich den Schüler noch etwas zu warten, wenn es nicht gut klappt. Ich gebe die Empfehlung durch puzzeln, kneten, malen und Lego bauen die Fingermuskulatur zu stärken.
  4. Die Mutter! Jetzt wird’s interessant… Während der Probestunde habe ich auch die Mutter im Auge. Wir brauchen die Hilfe der Mutter, damit steht und fällt alles. Wie verhält sie sich? Kann sie sich zurückhalten, doch beobachtet genau? Kann sie bei jeder Stunde dabei sein? Wirkt sie organisiert genug das häusliche Üben zu regeln? In diesem Alter steht und fällt das Gelingen des Unterrichts mit der Mutter.

Und was ist mit der Konzentration?

Darüber habe ich noch nichts geschrieben…

Es ist ganz normal, dass ein Vorschulkind noch nicht hochkonzentriert 30 Minuten einem Unterricht folgen kann. Ich denke das ist auch überhaupt nicht nötig. Für den Unterricht ist es ausreichend, dass sich der Schüler ein paar Minuten auf etwas konzentrieren kann.

Du brauchst nicht lang an einer Sache bleiben, die Stücke sind klein und geben nicht viel her. Du korrigierst kurz etwas, lässt es den Schüler noch einmal probieren und dann geht es zum nächsten Stück.

Dazwischen kannst du andere Dinge wie ein Spiel oder eine Rhythmusaktion einzubauen. Schön fürs Kind ist, wenn du den Ort wechselst, also ihr euch auf den Boden setzt oder euch sogar im Raum bewegt.

Außerdem wird sich die Konzentration bei einem normalen Kind altersbedingt, aber auch durch den Unterricht weiter aufbauen.

Unterrichtest du gern Vorschulkinder? Warum? Was ist dabei dein größtes Problem?

12 erprobte Tipps und Tricks für ein sicheres Notenlesen

Klavier unterrichten Blog, Carina Busch, Notenlesen lernen

Ist es sinnvoll oder stupider Drill wenn das Notenlesen mit Kärtchen geübt wird? Meiner Erfahrung nach kann es Spaß machen und effektiv sein – es kommt darauf an WIE du es machst. Die Aktion „One Minute Challenge“, die ich dir heute vorstelle, kostet nur wenige Minuten Unterrichtszeit und kitzelt den Ehrgeiz deiner Schüler.

Was genau das ist? In der One Minute Challenge (challenge = Herausforderung) zeigst du deinen Schülern eine bestimmte Auswahl an Notenkarten, die sie dann benennen und am Klavier spielen. Ziel ist es, dass sie alle Karten innerhalb einer Minute schaffen.

Wie du wahrscheinlich weißt, läuft das Notenlesen auf zwei Arten ab, das absolute Lesen benennt einen einzelnen Ton, das relative Lesen entschlüsselt die Beziehung mindestens zweier Töne. Das können Intervalle sein oder Figuren und Motive. Da beide Vorgänge sich immer wieder beim Lesen abwechseln, finde ich es wichtig, dass beide Arten des Lesens trainiert werden. Die One Minute Challenge trainiert das absolute Notenlesen.

Diese Aktion mache ich einmal im Jahr und starte damit gerade in die dritte Runde. In diesem Zusammenhang möchte ich meine besten Tipps mit dir teilen, welche dir die Vorbereitung und Durchführung von Anfang an leichter machen. Meine erste One Minute Challenge fand ich nämlich etwas anstrengend…

Aber vorher vielleicht kurz noch dazu, warum genau ich die One Minute Challenge so toll finde.

Das restliche Jahr Ruhe ist, da alle sicher Notenlesen können! Alle haben die Noten wiederholt und können sie lesen. Einmal im Jahr wird das Notensystem quasi geradegerückt, da gerade am Anfang immer wieder neue Töne hinzu kommen. Auch die auditiven Schüler, die immer Probleme mit dem Notenlesen haben, profitieren sehr davon. Das Erlernen neuer Stücke läuft schneller und unkomplizierter. Und was mir besonders am Herzen liegt:  Dadurch sind die Schüler motiviert!

Mit „alle“ meine ich alle Schüler! Jeder macht die Challenge mit, ausgenommen sind nur ganz frische Anfänger und alte Hasen, die sicher sind.

Ein bisschen Wettkampfstimmung motiviert. Durch die Zeittabellen an meiner Magnetwand wird der Ehrgeiz gekitzelt, so dass sie ihre Notenkärtchen zu Hause üben. Und wenn die Schüler sehen, dass es andere schon geschafft haben signalisiert dies, dass auch sie die Challenge schaffen können.

Ein klar definiertes Ziel erreicht wird. Das haben wir selten im Instrumentalunterricht und tut einfach mal gut. Als Anerkennung gibt es dafür eine Urkunde.

Innerhalb der Stunde bereits eine Wiederholung stattfindet. Im aktuellen Stück werden plötzlich Töne entdeckt, die eben noch Probleme gemacht haben. Außerdem zeigt sie dem Schüler, dass die Challenge wirklich relevant ist und er durch ein sicheres Notenlesen schneller vorwärtskommt.

Unterschiedliche Oktaven werden trainiert. F ist nicht gleich F, ist es das ein- oder das zweigestrichene F? Viele Stücke der fortgeschrittenen Literatur arbeiten mit Lagenwechsel und Oktavierungen, da verliert ein Schüler schnell den Überblick. Die One Minute Challenge hilft!

Interessiert? Dann auf zu den Tipps…

Tipps für deine erste One Minute Challenge

1. Notenkarten für jedes Level basteln. Drucke dir für jedes Level die Karten auf andersfarbigem Papier aus und laminiere sie. Du wirst sie immer wieder in den Händen halten. Suche die Karten zusammen, die du im Level abfragen möchtest, den Rest tust du beiseite. Wer weiß, vielleicht willst du mal etwas ändern… Wenn du immer die richtigen Karten für jedes Level griffbereit hast ersparst du dir das nervige Sortieren in der Stunde und verlierst keine Zeit.

Du findest alle Materialien für deine One Minute Challenge zum kostenlosen Download am Ende dieses Artikels!

2. Erstelle eine Übersicht welche Töne in den einzelnen Leveln abgefragt werden. Bevor du startest überlege dir, welche Noten du in welchem Level abfragen solltest. Es soll immer machbar und motivierend sein. Es werden maximal 28 Karten abgefragt, dies bedeutet pro Karte zwei Sekunden – dafür muss man echt sicher sein. Plus vier Sekunden um mal etwas länger nachzudenken. Dies bedeutet, dass nicht nur Karten dazu kommen, sondern einfache auch herausgenommen werden.

Du kannst für den Start gerne meine Einteilung testen, diese habe ich bisher zweimal geändert und angepasst. Ich denke ich habe nun die richtigen Level gefunden. Du findest die Einteilung auf meiner Downloadseite in der Bastelanleitung für die Kärtchen.

3. Schüler in Level einteilen und dir eine Tabelle zum Nachschauen erstellen. Nachdem du die Level festgelegt hast, überlegst du nun welches für jeden deiner Schüler geeignet ist. Schreibe es dir auf, damit du auf einen Blick das Level weißt, das spart Zeit und Rumgesuche. Gruppiere die Schüler nach Alphabet oder in der Reihenfolge wie sie in deinen Unterricht kommen.

4. Bei Unsicherheit das Level testen. Eventuell bist du bei dem ein oder anderen Schüler nicht sicher welches Level das richtige ist. Vielleicht findest du beim Besprechen der Ankertöne (siehe Nr. 9) schon eine Antwort, ansonsten machst du vor Beginn der Challenge einen Probedurchgang mit dem leichteren Level.

Du kannst einen Schüler aber auch während der Aktion in ein unteres Level schieben, manch ein Kind kommen mit dem Zeitdruck nicht gut klar. Versuche diesen Schüler aber in der Challenge zu lassen wenn du denkst, dass er eine positive Erfahrung machen könnte. Unser Unterricht ist ein geschützter Raum in dem es um nichts geht, vielleicht kannst du ihm helfen sich in dieser Situation mit dem aufkommenden Stress auseinander zu setzten.

5. Für jeden Schüler vor dem Unterricht ein Bastelset ausdrucken, sortieren und verteilen. Die Notenkarten haben eine Rückseite mit Lösung, ich sortiere immer die Vorder- und Rückseite als Paar und beschrifte die entsprechenden Seitenzahlen, damit beim Basteln möglichst nichts schief geht. Dies mache ich persönlich lieber vor als in der Stunde.

Die Bastelanleitung dazulegen. Auf der Rückseite befindet sich die Übersicht der Level und ihre Töne. Kreuze das entsprechende Level an, damit zu Hause die entsprechenden Notenkarten zusammengestellt und mit dem Üben begonnen werden kann.

Bei Geschwistern solltest du überlegen ob du jedem Notenkarten gibst, sie werden vermutlich nicht im gleichen Level sein. Bei zwei Kartensets muss nicht immer wieder hin- und her sortiert werden.

Ich habe es übrigens auch mit einer App (Noteworks) probiert, doch festgestellt, dass dies nicht auf gleiche Art trainiert. Es geht nicht nur um das Benennen, sondern auch um das Spielen, also die Orientierung auf der Tastatur. Außerdem werden in der App alle Töne abgefragt, die im Level vielleicht nicht vorkommen. So findet unter Umständen weniger Wiederholung der relevanten Töne statt.  Die guten alten Notenkarten funktionieren für die Challenge einfach am besten.

6. Die Eltern informieren. Deine jüngeren Schüler können noch nicht allein die Notenkarten basteln, da ist es wichtig, dass die Eltern mit im Boot sind. Außerdem ist es sehr hilfreich wenn sie während der Challenge die Karten mit ihren Kindern üben. Es geht ja um Zeit und sich selbst die Karten umdrehen und dann die Töne spielen verringert das Tempo um einiges.

7. Die Ergebnistabellen sichtbar aufhängen. Für jedes Level druckst du vorab eine Seite aus und trägst die Namen der Schüler ein. Eine geschaffte Challenge, also maximal 60 Sekunden, wird mit einem Textmarker auffällig markiert. So wird der Ehrgeiz wachgekitzelt… 

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8. Die Challenge wird Teil der Hausaufgaben. Falls du ein Hausaufgabenheft verwendest, würde ich hier sowohl das Karten basteln als auch später das Üben aufschreiben. Während der ganzen Challenge empfehle ich, dass meine Schüler wie im Unterricht mit den Notenkarten ihr Üben beginnen. Am besten jedes Üben! Ich verwende eine vorbereitete Übeliste, dort ist ganz oben die One Minute Challenge und das Level vermerkt.

9. Vor Beginn der One Minute Challenge die Ankertöne besprechen. Dabei zeigst du (je nach Level) deinem Schüler alle C´s und zusätzlich die Töne F und G. Erzähle, dass der Violinschlüssel auch G-Schlüssel genannt werden kann, da die „Schnecke“ des Schlüssels die G-Linie umkreist und markiert. Im Bass ist es das kleine F. Dazu kommen das zweigestrichene F auf der 5. Linie im Violinschlüssel und das große G auf der 1. Linie im Bass. Die Töne spiegeln sich also am mittleren C und als Bild lassen sich die Ankertöne gut einprägen.

Wenn die Ankertöne sicher sind, kann der Schüler bei Bedarf von einem Ankerton zum gesuchten Ton abzählen. Viele machen dies von den C´s, doch das Hinzufügen von F und G macht die Wege kürzer und verringert das Verzählen.

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10. Beginne jede Stunde mit der One Minute Challenge. Ich weiß nicht wie es dir geht, doch im Trubel einer Unterrichtsstunde gehen mache Dinge schnell unter. In der Challenge-Zeit beginnt einfach jede Stunde mit den Notenkärtchen, so werden sie nicht vergessen.

11. Zwei Runden sind sinnvoll. Zuerst gibt es eine Aufwärmrunde in der du noch hilfst und erklärst. In der Challengerunde auf Zeit meldest du nur, wenn der Schüler einen Fehler machst.

12. Setze dir einen Start- und Endpunkt für die Challenge. Nimm dir für die erste Challenge viel Zeit und rechne mit mindestens 10-12 Wochen. Zuerst müssen die Schüler alle Noten können um sie anschließend schneller und schneller zu benennen und spielen. Dazu kommen Klassenarbeiten oder eine Erkältung… es dauert einfach etwas aber irgendwann sollte Ende sein.

Die erste One Minute Challenge braucht vor allem deine Überzeugung, dass es eine sinnvolle Aktion ist. Dazu etwas Geduld und Hartnäckigkeit. Wenn die Schüler erst einmal damit vertraut sind läuft die nächste Challenge schon viel einfacher.

Ende der One Minute Challenge

Die Challenge ist dann geschafft, wenn der Schüler seine Notenkarten dreimal in 60 Sekunden benannt und gespielt hat. Wenn möglich mit der entsprechenden Hand, das finde ich besonders bei den Hilfslinientönen wichtig.  Er bekommt eine Urkunde und hat die Challenge beendet.

Wenn ein Schüler am Ende der Aktion sein Level nicht geschafft hat, liegt es vor allem daran, dass der Schüler nicht genug die Kärtchen geübt hat. Aus welchen Gründen auch immer. Doch trotzdem hat er sich einige Wochen mit dem Notenlesen auseinandergesetzt, davon kann er nur profitieren! Im folgenden Jahr bekommt er einen neuen Versuch im gleichen Level und wird es dann bestimmt schaffen.

Materialien: Hier geht es zu den originalen Notenkärtchen auf der Seite von Susan Paradis. Dort findest du viele Materialien und Spiele.

Damit die Schüler zu Hause gut üben und sich überprüfen können habe ich passende Rückseiten für die Kärtchen erstellt. Hier kannst du die Bastelanleitung für die Notenkarten mit der Einteilung der Level und Tönen herunterladen. Außerdem für deinen Unterricht: die One Minute Challenge-Tabelle und eine Vorlage für die OMC Urkunde.

Übrigens handelte mein allererster Artikel hier auf dem Blog von dieser Challenge, vielleicht magst du ihn lesen und ein paar Hintergründe zu erfahren.

Könntest du dir vorstellen die One Minute Challenge mit deinen Schülern zu machen?  Ich würde mich sehr freuen mal von deinen Erfahrungen zu hören! Falls du noch Fragen hast, darfst du dich jederzeit bei mir melden.

Wie deine Schüler superschnell und motiviert ihr neues Stück lernen

Ein neuer Tipp fürs Klavier üben, Klavier unterrichten, Klavierblog von Carina Busch, Klavierpaedagogik entdecken.de

Als Schülerin musste ich die Stimmen jeder Hand perfekt beherrschen bevor ich beide Hände zusammenspielen durfte. Mich hat diese Methode unglaublich ausgebremst, zuerst fand ich es sehr langweilig so lange einzeln zu üben und habe für das Lernen ewig gebraucht. Später, als ich es dann endlich kombinieren durfte, war ich richtig deprimiert, da meine Finger plötzlich nicht mehr wussten  was sie tun sollten und ich eigentlich wieder ganz von vorne anfing.

Heute weiß ich, dass dieser Weg totaler Quatsch ist und es nichts bringt, wenn die einzelnen Hände bis zur Perfektion geübt werden. Für das Gehirn sind es völlig andere Informationen ob die Hände einzeln oder zusammen spielen.

Abgesehen davon – es macht wenig Spaß immer nur die Hälfte der Musik zu hören, das motiviert nicht.

Bei manchen Stücken kann sofort zusammengespielt werden, doch bei anderen ist ein Schüler ganz klar überfordert. Das ist nicht das Gefühl, dass wir im Unterricht erzeugen wollen.

Also doch länger einzeln üben?

Im heutigen Artikel geht es darum, wie du diese beiden Etappen des Übens motivierend und erfolgreich kombinieren kannst. Dein Schüler wird sein Stück sehr schnell lernen, da er früh die nötige Koordination aufbaut und die ganze Komposition hören kann.

Die Lösung:

Das Üben von zwei Seiten

Die Strategie „Üben von zwei Seiten“ bedeutet, dass dein Schüler sein neues Stück mit beiden Händen einzeln UND zusammenspielt. Damit gehört er in die zweite Phase des Lernens, dazu mehr in diesem Artikel.

Spielt er jede Hand einzeln, die erste „Seite“, dann sichert er Töne, Rhythmus und Fingersatz ab. Auf der anderen „Seite“, dem Zusammenspiel, baut er gleichzeitig schon die Koordination beider Hände auf und hat einen ersten Höreindruck von seinem neuen Stück.

Beide „Seiten“ haben also unterschiedliche Fokussierungen. Durch die Konzentration auf jeweils ein Ziel wachsen die Fähigkeiten (oder Seiten) schneller zusammen als wenn dein Schüler lange einzeln üben würde. Durch die zügigen Fortschritte und das Hören des kompletten Stückes ist diese Strategie  sehr motivierend.

Der grobe Zeitablauf:

1. Woche: jede Hand einzeln

2. Woche: von beiden Seiten üben

3. Woche: Hände zusammen

Das kommt auf den Schüler an, oft ist das Üben von zwei Seiten auch schon in der ersten Woche möglich.

Es gibt zwei denkbare Varianten, die für unterschiedliche Ziele hilfreich sind. Je nachdem wie gut dein Schüler seine Stimmen beherrscht, wählst du die passende aus. Ich beziehe auch gern meinen Schüler ein und frage ihn wie er das Stück üben möchte.

Noch recht wackelig: 2x rechts, 2x links, 1x zusammen

Ist der Schüler wackelig, doch hat er im Prinzip die Stimmen beider Hände verstanden empfehle ich „2x rechte Hand, 2x linke Hand und 1x beide Hände zusammen“. Einfach noch eine Runde sicherer werden, doch schon etwas mehr von der Musik schnuppern.

Absichern und/oder Details üben: 1x rechts, 1x links, 2x zusammen

Laufen die Hände einzeln gut, doch er könnte hier und da noch sicherer werden, kannst du ihm „1x jede Hand und 2x zusammen“ aufgeben. Er soll sich nicht langweilen, aber Unsicherheiten und Fehler ausbügeln.

Diese Variante hilft auch wunderbar um ein bestimmtes Detail, zum Beispiel eine Spielbewegung, die Dynamik oder Betonungen zu üben.

Wie war das bei dir?

Ich finde es im Rückblick erstaunlich, dass ich das als Schülerin so mitgemacht habe. Ich wusste ja was kommt und hätte das Spielen mit beiden Händen einfach heimlich probieren können. Von Typ war ich das wohl nicht. Wie war es früher bei dir im Unterricht – wie schnell durftest du beide Hände kombinieren? Und hast du dich an die Übeanweisungen deines Lehrers gehalten? Bitte sag mir, dass nicht nur ich so lammfromm war… 😉

Dieser Artikel ist Teil der „Clever Üben“-Serie. Hier erfährst du mehr darüber, außerdem gehören die Artikel über das Rhythmus Klopfen und die unterschiedlichen Übephasen eines Stückes.

8 schöne und einfache Pedalstücke, die du bestimmt noch nicht kennst

8 wunderschöne Pedalstücke für den Klavierunterricht, Klavierblog, Carina Busch

Auf der Suche nach neuen Stücken? Diese acht Pedalstücke für die frühe Mittelstufe sind aus meinem Unterricht und den Schülerkonzerten nicht mehr wegzudenken. Alles Stücke, die dem Schüler Spaß machen und ihn besser wirken lassen, als er eigentlich spielen kann.

Ich stelle sie dir alle einzeln vor, verrate wo du diese Stücke bestellen kannst und am Ende des Artikels findest du einen Link zu einer YouTube-Playlist mit allen Stücken um Anhören. Damit du besser Nachschlagen kannst, gibt es außerdem eine Übersicht zum Ausdrucken.  

Entwicklungssstufen

Bevor ich starte eine kurze Erklärung, was ich unter „Mittelstufe“ verstehe:

Alles nach den Klavierschulen und Anfängerheften und

alles vor den echten Klassikern wie Chopin Walzer und Bach Inventionen.

Die Entwicklungsstufe deckt also einen großen Literaturbereich ab und ist deshalb in frühe Mittelstufe, Mittelstufe und späte Mittelstufe eingeteilt.

Bitte beachten: Dies hat nichts mit der Einteilung in Unter-, Mittel- und Oberstufe des VdM (Verband deutscher Musikschulen) zu tun, allein der Begriff „Mittelstufe“ ist gleich.  

8 schöne, aber einfache Pedalstücke für die frühe Mittelstufe

Ich stelle einzelne Stücke vor, oft ist aber auch das ganze Heft oder die ganze Reihe empfehlenswert. Als Bezugsort gebe ich den Shop an, über den ich bestellt habe. Möglicherweise findest du eine Alternative, z.B. bei deinem Lieblingshändler.  

Mit „Einzelausgabe“ meine ich ein Stück, dass gedruckt ist und oft aus einer dickeren Doppelseite plus einem weiteren Blatt besteht. Dies ist kein Download! Falls du noch nie in den USA Noten gekauft hast, wird dir dieser Artikel von Sandra Labsch bestimmt weiterhelfen. Er ist etwas älter, doch es wird sich nicht viel geändert haben.

Nachdem wir das geklärt haben, können wir uns endlich die Stücke ansehen!

8 schöne Pedalstücke für den Klavierunterricht, Klavierblog, Carina Busch

1. Blue Waters von Herman Beeftink (1 Seite, 4-6 Takte pro Reihe)

aus Fun to play New Age, Book 1, bestellbar bei Amazon.de

2/2-Takt in a-moll. Flowing. ABA-Form. So einfach und doch so wirkungsvoll. Links ein Ostinato aus drei Tönen. Die rechte Hand spielt eine Mischung aus gebrochenen Dreiklangsumkehrungen und Tonschritten. Wenige wiederkehrende Lagenwechsel. Einfacher Rhythmus, maximal Viertelnoten. Gut zu lesen.

2. The Comets Tale von Melody Bober (4 Seiten, 2-3 Takte pro Reihe)

Einzelausgabe über sheetmusicplus.com

4/4-Takt, a-moll. Dreamily. Liedform, mit Text über den Kometen. Das Vor- und Zwischenspiel wird in unterschiedlichen Oktaven gespielt und klingt nach einem funkelnden, abwärts fliegenden Kometen im All. Strophe und Refrain sind gut lesbar und haben einen Rhythmus aus Viertel- und Achtelnoten. Die linke Hand unterstützt durch langsame Intervallbegleitung, nicht über eine Quinte hinaus.

3. Remember last summer von Timothy Brown (3 Seiten, 4 Takte pro Reihe)

aus Bravissimo!, Book 2, bestellbar bei pianodidact.de

4/4-Takt in C-Dur. With confidence. ABA-Form. Lässt sich dynamisch schön gestalten. Ritardando und a tempo. Einfacher Rhythmus, maximal Viertelnoten. Die linke Hand spielt überwiegend Ganze Noten, wechselt aber durchgehend die Lage.

8 wunderschöne Pedalstücke für den Klavierunterricht, Klavierblog, Carina Busch

4. White Stallion von Timothy Brown (3 Seiten, 4 Takte pro Reihe)

aus Bravissimo!, Book 2, bestellbar bei pianodidact.de

¾-Takt in a-moll. Roaming free. Funktioniert in unterschiedlichen Tempi. Toller Mittelteil mit sich verschiebenden Septklängen. Führungswechsel, Oktavierungen und Übergreifen. Grundrhythmus besteht aus einer Halben Note und einer Viertelnote. Gut lesbar, einige Lagenwechsel. Die Begleitung der linken Hand besteht größtenteils aus Quinten. Die Melodie rechts verläuft schrittweise. Wunderschön und stimmungsvoll!

5. Evening Tide von Jon George (2 Seiten, 4 Takte pro Reihe)

Aus Kaleidoscope Solos Book 2, bestellbar bei sheetmusicplus.com

2/4-Takt in a-moll. Flowing. Tolles Stück zum auswendig lernen! Beide Hände greifen übereinander und spielen viele gebrochene Quinten. Das ganze Stück fließt in Achtelnoten bis zum Ende durch. Viele Oktavierungen, die gut lesbar sind und ohne Oktavierungszeichen auskommen. Beide Hände erzeugen einen Klangteppich, dazwischen spielt die rechte Hand eine zauberhafte kleine Melodie, fast nur in Tonschritten.

6. Mashed Potato Clouds von Diane Hidy (2 Seiten, 5-6 Takte pro Reihe)

aus Attention Grabbers, Book 2, bestellbar bei Amazon.

4/4-Takt in F-Dur. Moving along, like a happy dream. Der Grundrhythmus besteht aus Achtel- und Viertelnoten. Träumerisch klingt es durch die hellen Glockentöne, welche die linke Hand regelmäßig durch Übergreifen anschlägt. Der Melodieverlauf ist überwiegend schrittweise. Die linke Hand begleitet durch Terzen, Quinten und Dreiklänge. Immer in ganzen Noten. Der B-Teil ist etwas schwerer.

8 wunderschöne Pedalstücke für den Klavierunterricht, Klavierblog, Carina Busch

7. Castle Days von Kathleen Massoud (3 Seiten, 2 Takte pro Reihe)

Einzelausgabe über sheetmusicplus.com

4/4-Takt in e-moll, Allegretto. ABA-Form. Die linke Hand spielt gebrochene Quinten, quasi als Ostinato. Die Melodie der rechten Hand beginnt mit einem Quintsprung, doch verläuft sonst in Tonschritten und -sprüngen. Viele Achtelnoten in der rechten Hand. Der B-Teil ist sehr interessant und herausfordernd, es gilt in einer Tremolo-Bewegung eine kleine Melodie herauszuarbeiten. Der 5. Finger spielt den gleichbleibenden, unbetonten „Zwischenton“. Die Melodien werden eine Oktave höher wiederholt.

8. Medieval Festival von Martha Mier (2 Seiten, 4-6 Takte pro Reihe)

Aus Romantic Sketches Book 1, über Amazon.de

¾-Takt, d-moll. Moderately, fast and smooth. Das Stück lebt von Bordunquinten, Oktavierungen und dem beschwingten ¾-Takt. Der Rhythmus ist einfach in Vierteln und punktierten halbe Noten gehalten. Die Notation ist gut lesbar. Die linke Hand bewegt sich in Quinten schrittweise auf- und abwärts. Das Stück lässt sich schön dynamisch aufbauen. Ritardando und a tempo.

YouTube-Playlist

Hier kommst du zu einer YouTube-Playlist mit allen Stücken. Auch wenn ich viele Stücke nur mäßig interpretiert finde, gewinnst du einen Eindruck. Außerdem kannst du dir die Übersicht mit meinen Kommentaren der Stücke herunterladen und ausdrucken.

Und? Kanntest du eines der Stücke? Ich hoffe, dass ich dir nicht zu viel versprochen habe…

Ich bin neugierig: Gibt es ein Stück, dass dir gut gefallen hat und das du schon für deinen Unterricht ausgesucht hast? Teile es doch in den Kommentaren!

Viel Spaß mit den neuen Stücken!