Clever Üben – Strategien für Generation Z

Klavier unterrichten: Uebe-Tipps auf klavierpaedagogikentdecken.de

Unsere Schüler sind von klein auf mit digitalen Medien vertraut. Sie wissen, wo sie schnell an Informationen kommen und kommunizieren rege miteinander. Sie wirken sehr selbständig, sind ein hohes Tempo gewohnt und äußern offen was sie interessiert oder was ihnen nicht passt. Die Generation Z.

Dies ist eine Entwicklung, die unaufhaltsam ist und die alle, auch uns Instrumentallehrer, zu neuen Ansätzen in unserem Unterricht anregen sollte. Um unsere heutigen Schüler anzusprechen und zum Üben zu motivieren, benötigen wir einen anderen Unterricht als den, den wir selber erlebt haben.

Das Üben ist ein zentraler Punkt im Erlernen eines Instrumentes. Deshalb möchte ich dir in der „Clever Üben“- Serie ein System mit Strategien vorstellen, die für deine Schüler gut nachvollziehbar und effektiv sind.

Unterricht mit Generation Z

Die Generation Z sind laut Wikipedia alle, die nach 2000 geboren sind. Sie wachsen ganz selbstverständlich mit digitalen Technologien auf, während wir uns nach und nach damit konfrontiert sehen – und uns darauf einlassen oder ausweichen. Welche genauen Auswirkungen dies noch haben – und was in Zukunft noch kommen wird – ist nicht abzusehen.

Wenn ich versuche, die Situation meiner Schüler mit meiner eigenen Kindheit zu vergleichen, finde ich schon, dass die heutige Generation flexibler, direkter, selbständiger und ungeduldiger geworden ist.

Wie wirkt sich das auf unseren Unterricht aus?

Müssen wir unsere Ansprüche herunter schrauben?

Ist Pop-Musik die ultimative Lösung?

Tippen wir hinterher mehr am Tablet als auf der Klaviatur?

Vor allem:

Wird aus dem „klassischen“ Klavierunterricht also mehr und mehr eine musikalische Bespaßung?

Ich hoffe nicht!

Meiner Meinung nach wird Musik immer faszinieren! Musik berührt jeden Menschen und begleitet ihn ein Leben lang. Und ich glaube, dass eigenes Musizieren auch weiterhin interessant für die heranwachsenden Kinder sein wird.

Ich denke, dass wir weiterhin sehr viel Freude und Erfüllung im Instrumentalunterricht erfahren können – vorausgesetzt wir nehmen den Wandel um uns herum an und denken intensiv über unsere Wege der Vermittlung nach.

Anders als unsere Lehrer unterrichten

Dies soll keine Respektlosigkeit bedeuten, doch nicht nur die Technik, sondern auch die Pädagogik hat sich weiter entwickelt!

Doch manches hält sich noch unbewusst oder wurde noch nicht hinterfragt.

Welche Methoden und Strategien sind nicht mehr zeitgemäß?

An welchen sollten wir festhalten?

Auf das Üben bezogen denke ich, dass es bei mir in der Kindheit vor allem um die Dauer ging. Je länger ich spielte, umso besser wurde ich. Logisch. Oder…?

Eine schwierige Stelle wurde tausendmal gespielt. Irgendwann würde es schon funktionieren. Ja, sie wurde besser. Doch meine Unsicherheit blieb und in den Konzerten spielte ich weiterhin mit vielen Fehlern. Angesichts von Aufwand und Ergebnis sank meine Motivation.

Unsere Schüler haben diese unzähligen (und überflüssigen) Übestunden heute nicht mehr zur Verfügung – und ehrlich gesagt – möchte ich ihnen dies auch ersparen.

„Work smart – not hard“

Genau darum geht es in „Clever Üben“. Sinnvolle Strategien und Gewohnheiten, die an das gewünschte Ziel führen.

Leichter wird das Üben dadurch nicht – aber erfolgreicher. Fleiß und Konzentration lassen sich nicht ersetzten. Nur so funktioniert Lernen.

Sinnvolles Üben erfordert Geduld. Gar nicht einfach, wenn jede Information nur ein paar Klicks entfernt scheint, Online-Bestellungen teilweise schon am nächsten Tag ankommen oder nicht sofort eine Antwort auf die WhatsApp oder E-Mail kommt. Es droht schnell die Gefahr von Frustration.

Deshalb ist es wichtig, dass unsere Schüler den Sinn hinter den Strategien verstehen und anfangen mitzudenken.

Früher habe ich mich total auf meinen Lehrer verlassen und brav getan, was er sagte. Die Generation Z sollte viel aktiver in den Unterricht einbezogen werden.

Klavier unterrichten: Uebe-Tipps auf klavierpaedagogikentdecken.de

Ziele von „Clever Üben“:

  1. Verstehen des Lernprozesses
  2. Realistische Erwartungen an sich selbst
  3. aktives Mitdenken
  4. gute Übeergebnisse

Diese Ziele finde ich für unsere heutigen Schüler und zukünftige Pianisten sehr wichtig. (Pianisten im Sinne von Klavierspielern, die ein Leben lang gern spielen und sich für Musik interessieren.)

Diese Einstellungen und Verhaltensweisen werden unseren Schülern übrigens auch in vielen anderen Lebensbereichen von Nutzen sein.

Ausblick

Nach und nach werde ich die „Clever Üben“-Bausteine hier vorstellen. Alle Strategien nutze ich täglich mit meinen Schülern.

Ich möchte dir helfen, bekannte Techniken in einen sinnvollen Zusammenhang zu bringen. Damit unsere selbständigen und neugierigen Schüler sie gut verstehen und anwenden können.

Ich wünsche dir viel Freude und schöne Unterrichtsstunden!

Meine Unterrichtsziele 2017

Ein frohes und gesegnetes neues Jahr!

Zu Beginn eines neuen Jahres bin ich immer sehr gespannt, was mir in den kommenden Monaten so begegnen und mich beschäftigen wird. Ich mache jedes Mal einen Jahresrückblick und anschließend finde ich es recht leicht, Ziele für das neue Jahr zu formulieren. Egal ob du ein Planer bist oder es auf dich zukommen lässt – bestimmt habe ich ein paar interessante Anregungen für dich! Los geht´s…

Rückblick auf 2016

Mehr Selbständigkeit meiner Schüler durch Übe-Strategien und sicherem Notenlesen

In diesem Jahr haben wir einige wichtige Übe-Strategien so oft wiederholt, dass sie inzwischen (fast) Routine geworden sind. Bis zur Selbständigkeit ist es wohl noch ein Stück, doch der Grundstein ist gelegt.  Es ist so unglaublich süß, wenn sich meine kleinen Schüler ganz ernsthaft und konzentriert nach einem Fehler selbst unterbrechen und korrigieren! Was ich unter Übe-Strategien verstehe, werde ich in einem meiner nächsten Artikel ausführlich beschreiben.

Das sichere Notenlesen haben wir durch die „One Minute Challenge“ trainiert. Nicht jeder Schüler hat sie geschafft, doch alle haben davon profitiert. Da es eine Aktion des gesamten Studios war, begann jede Stunde mit Leseübungen und ich konnte es so auch nicht vergessen. Früher habe ich mir das Training zwar vorgenommen, doch es selten umgesetzt. Wie diese Challenge genau funktioniert, findest du hier.

Meinen Unterricht durch Videoaufzeichnungen verbessern

Zu diesem Zweck habe ich meine Videokamera die ganze Stunde mitlaufen lassen und das Video hinterher nach bestimmten Kriterien ausgewertet. Dies habe ich dreimal im Laufe des Jahres gemacht. Es ist komisch sich selbst zu sehen, doch durch die relativ objektive Beobachtung habe ich folgendes bemerkt.

  •  Es herrscht eine positive und angenehme Stimmung. Es wird gelacht und die Schüler erzählen mir gern von ihren Alltagserlebnissen.
  •  Ich rede zu viel und der Schüler spielt zu wenig Klavier. Arg… In diesen Situationen ist gut sichtbar, an welcher Stelle der Schüler abschaltet.
  •  Meine Zeitorganisation ist nicht optimal, oft arbeiten wir viel zu lange an einem Stück und haben dann für die anderen nur wenig Zeit. Dies mag teilweise effektiv sein, doch es ermüdet den Schüler und stoppt ihn insgesamt in seinem Fortschritt.
  •  Ich habe den Eindruck, dass meine Schüler am Ende der Stunde wissen, was sie wie üben können und mit einem positiven Gefühl aus der Stunde gehen.

Auch zum Thema „Eigene Unterrichtsbeobachtungen“  wird demnächst ein Artikel erscheinen.

Besseres Zeitmanagement in der Stunde

Ich bin die Königin des Überziehens… Ich verliere häufig das Zeitgefühl und widme all meine Konzentration dem Schüler neben mir. Inzwischen habe ich mir eine große Wanduhr gekauft, die quasi über dem Kopf meines Schülers, und damit in meinem Blickfeld liegt. Trotzdem gucke ich nicht immer darauf. Außerdem ist es mir trotz abgelaufener Stunde manchmal einfach wichtiger, dass der Schüler dieses oder jenes nochmal durchspielen kann. Dann verrutschen zum Leidwesen der nachfolgenden Familien alle Stunden um fünf (oder zehn….) Minuten nach hinten. Etwas bewussteres Zeitmanagement würde echt nicht schaden.

Durch die Videoaufzeichnungen meines Unterrichts habe ich übrigens einen weiteren Grund für meine Verspätung entdecken können: Ich versuche, den Stoff einer 45-Minuten-Stunde in eine 30 Minuten Stunde zu pressen. Klar, dass dies nicht gelingen kann…

Metronom- und Rhythmustraining

Tja, das Metronom. Freund oder Feind? Geht es um Geläufigkeit und Gleichmäßigkeit, ist es für mich ein Freund. Die Realität sieht wohl so aus, dass seine Verwendung im Unterricht so lange wie möglich aufgeschoben wird und wenn es dann gebraucht wird, fehlt dem Schüler die Erfahrung. Also empfindet er das permanente Klicken als sehr unangenehm und störend. Hier wollte ich mit einem behutsamen Training gegenwirken, doch das konnte ich (noch) nicht setzen.

Besser hat es mit dem Rhythmustraining geklappt! Hier gab es folgende zwei Maßnahmen:

  1.  Die jüngeren Schüler lasse ich nun alle mit der Rhythmussprache beginnen, die ich von Sandra Labsch übernommen habe. Durch die Verwendung unterschiedlicher Silben werden die Tonlängen viel bewusster und schneller verstanden. Es ist deutlich leichter als das metrische Zählen und deshalb nutzen es meine Schüler auch eher. Wirklich gern zählen wohl die wenigsten Schüler…
  2. Zu Beginn eines neuen Stückes lasse ich meine Schüler den Rhythmus auf den Beinen klopfen (patschen) und laut zählen. Im Prinzip ist dies schon eine grobmotorische Anschlags-Bewegung, die beim Empfinden des Rhythmus und der Koordination beider Hände hilft. Erst klopft jede Hand für sich auf das entsprechende Bein, später dann beide Hände zusammen. Dieser Schritt erleichtert das erste Zusammenspiel ungemein. Meine jüngeren Schüler klopfen oft sehr enthusiastisch auf ihr Bein (Aua!) und haben ihren Spaß dabei. Wenn ich vom „Zählen“ schreibe, meine ich das metrische, als auch das syllabische (Rhythmussprache) Zählen.

Sehr nützlich haben sich die Übungen aus „Rhythm Menagerie“ von Wendy Stevens erwiesen. Diese können zu Unterrichtsbeginn, aber auch später zur Wiederholung von Notenwerten oder Rhythmen verwendet werden. Diese werden ausschließlich geklopft und laut gezählt. Es gibt darin auch einige lustige Aufgaben, in denen man Tierlaute auf bestimmten Zählzeiten macht. Oft begrüßen mich die Schüler dann in der Folgestunde mit der Frage: „Können wir heute wieder das mit dem Klopfen machen?“ Aber sicher!

Alle Schüler spielen Technik

Ich bin mir nicht sicher, ob wirklich alle Schüler technische Übungen hatten, doch ich habe mit vielen in diesem Bereich gearbeitet. Die Kleinsten haben Fingerübungen mit drei Tönen gespielt, um das Spielen mit runden Fingern und lockerem Handgelenk zu lernen. Vielen Schülern spielten Fünfton-Lagen in Dur und Moll, teilweise waren auch Tonleitern dabei.

Mit meinen fortgeschrittenen Schülern habe ich den Technique Trainer von Jackie Sharp begonnen – ein Heft, über das ich mich immer wieder freuen kann. Es sind kurze Übungen, die das Wesentliche behandeln und dem Schüler die richtigen Bewegungen für den gewünschten Klang vermitteln. Es entsteht ein ganz anderes Bewusstsein für das Instrument, einfach fantastisch!

Ziele für 2017

Dieses Jahr wird sehr spannend für mich – ich werde Mama! Meine Tochter wird zwischen den Oster- und Sommerferien kommen und ich plane, im Herbst weiter zu unterrichten. Vorausgesetzt ich finde für diese Zeit eine Betreuung und meine Tochter macht mit.

Damit meine Schüler durch die Babypause nicht total raus kommen, werde ich für alle, die es möchten, Hausaufgaben vorbereiten. Zu jedem Stück möchte ich einen Kommentar vorbereiten und ein Video aufnehmen. Falls nicht bereits ein geeignetes existiert. So wissen sie, worauf im Stück besonders zu achten ist und wie sich ihr Stück anhört. Die Mütter (oder sie selber) können mir zwischendurch Videos von ihrem Spiel schicken und ich werde Tipps und Hilfestellungen zurück senden. So wie es meine Situation zulässt und es ist deshalb auch ein kostenloser Service von mir.

Für diese Herausforderung müssen sie natürlich gewappnet sein und dies beeinflusst meine Ziele…

Gutes Training in Rhythmus und Notenlesen

Damit sie ihre Stücke selbständig erarbeiten können, müssen sie ganz sicher im Notenlesen. Aus diesem Grund läuft seit dieser Woche wieder die „One Minute Challenge“. Außerdem möchte ich einige rhythmische Übungen vorbereiten. Diese sollen praktisch, als auch schriftlich sein.

Selbständiges Üben

Ebenso wichtig ist, dass sie die bereits gelernten Übe-Strategien anwenden können. Welche Strategie wann genutzt wird, hängt von der Erarbeitungs-Phase des Stückes ab. Ich trenne hier zwischen (Kennen) Lernen, Üben und Spielen. Unsere Schüler sind gewohnt, dass wir sie führen und entscheiden, wann sie für den nächsten Schritt bereit sind. Da verlassen sie sich oft auf uns und denken selber nicht weiter. In dieser Zeit müssen sie aber nun einiges selber entscheiden und dafür möchte ich ihnen klare Entscheidungshilfen geben. Dies möchte ich mit meinen Schülern in Form eines „Clever Üben“-Kurses besprechen, den ich an mehreren Samstagen anbieten werde.

Mehr Fragen stellen

Besonders wenn die Zeit knapp wird, erkläre ich viel und „serviere“ die wichtigsten Details, ohne das der Schüler selber Zeit zum Nachdenken hatte. In den nächsten Wochen möchte ich ganz bewusst Zeit einräumen und viele Fragen stellen, damit meine Schüler aktiver mitarbeiten. So kann ich auch nochmal schauen, was wirklich schon bei ihnen angekommen ist.

Weitere Ideen

Es gibt so viele interessante und erstrebenswerte Ziele in unserem Bereich…  Hier noch ein paar Beispiele von Kollegen für dich:

  • Neue Literatur entdecken, damit immer etwas Geeignetes zur Hand ist. das ist ein wunderbarer Vorsatz. Es bedarf einiger Zeit, doch es macht auch als Lehrer viel Spaß neue Stücke zu spielen!
  • Öfter vier- und sechshändige Stücke im Unterricht spielen. Dies ist die einfachste Art für uns Pianisten Kammermusik zu machen – und es macht Schüler und Lehrer oft gleichermaßen viel Spaß! Ich spiele zum Beispiel gern mit meinen Schülern vierhändige Stücke in unseren Konzerten. Da das Lesen der Notation aber oft anders und ungewohnt sein kann, wäre es eine gute Übung, solche Stücke generell in den Unterricht einzubringen. Auch das Hören und aufeinander eingehen ist eine tolle Wahrnehmungsschulung.
  • Eine bestimmte Anzahl von Stücken lernen. Das hat sich meine Freundin Sandra Labsch von „mein-klavier-unterricht.de“ mit ihren Schülern vorgenommen. Diese Idee kommt von der australischen Klavierpädagogin Elissa Milne. Auf diese Art lernen die Schüler viele unterschiedliche Stücke kennen. Die Schwierigkeitsgrade variieren, neue Genres oder ungewöhnliche Taktarten werden entdeckt, es kann transponiert werden – hier bieten sich sehr viele Möglichkeiten! Vor allem aber werden die Schüler dadurch flexibler, sammeln deutlich mehr Erfahrungen und entwickeln ein schnelleres Verständnis für ein neues Stück.
  • Die Wahrnehmung der Schüler anregen. Toll finde ich auch Sandras Idee, den Schüler nach einem schönen Erlebnis der letzten Woche zu fragen. In unserem Beruf geht es nicht nur um die Vermittlung von musikalischen Fähigkeiten, sondern wir dürfen auch an dem persönlichen Leben unserer Schüler teilnehmen. Und können sie auf diesem Wege besser verstehen und erreichen.

Sandras ganzen Artikel findet ihr hier – es sind sehr schöne Gedanken darin!

Jetzt frage ich Dich – welche Ziele hast Du Dir für 2017 vorgenommen? Es wäre toll, wenn du das mit uns in den Kommentaren teilen würdest.

Instrumentalunterricht richtig vorbereiten – Teil 3: Die Hausaufgaben für deine Schüler

Klavier unterrichten: richtig gute Hausaufgaben aufschreiben, das Ueben gelingt mit klavierpaedagogikentdecken.de

Ich habe heute noch die kleinen Oktavhefte, in die meine erste Lehrerin meine Hausaufgaben notierte. Da steht kaum was auf den Seiten… Wie mag ich damit wohl geübt haben? Das Datum, meine Stücke, vielleicht noch eine Tonleiter – fertig!

Heute geht es um ein super wichtiges Hilfsmittel für deinen erfolgreichen Unterricht. Also – es kommt darauf an, was du damit machst!

Noch mehr Hausaufgaben (stöhn!)

So klingt das, wenn ich in der Stunde von „Hausaufgaben“ rede…

Nach deiner Evaluation und der Planung ist nun dein Schüler am Zug. Doch wie gelingt es ihm gut zu Üben? (Zu meiner Clever Üben-Serie geht es übrigens hier entlang…)

Ganz kurz, je genauer du ihm alles aufschreibst, umso besser weiß er was zu üben ist.

Jetzt bist du mit dem Stöhnen an der Reihe. Wann sollst du das alles denn aufschreiben?

Ganz einfach:

Schreibe die Hausaufgaben VOR der Stunde!

Genau! Diese Idee ist nicht von mir, sondern ich habe sie auf dem Blog der New School of Music Study entdeckt.

Frances Clark und die New School of Music

Kleiner Exkurs: Die amerikanische Klavierpädagogin  Frances Clark hat 1960 die „New School of Music Study“ als  Forschungs- und Ausbildungszentrum gegründet. Dort werden bis heute die Lehrmethoden bezüglich ihrer Effektivität evaluiert und weiterentwickelt und Lehrer können sich nach dem Abschluss weiter ausbilden lassen. Ihr haben wir u.a. die Vornotation und das Spielen auf schwarzen Tasten zu verdanken. Außerdem die Nutzung der kompletten Tastatur von Anfang an, das intervallische Lesen und das Lesen mit Hilfe von Ankernoten (alle C´s, aber auch F´s und G´s).

Schau doch mal auf die Homepage des Frances Clark Center, dort kannst du auch das digitale Abo des „Clavier Companion“ (12,99$/ Jahr) bestellen. Ich kenne kein vergleichbares Fachmagazin, das so aktuell, gut verständlich und praxisorientiert ist.  Das Englisch ist recht gut zu verstehen.

Ok, was passiert nun vor dem Unterricht?

Die vorbereitete, doppelte Übe-Liste

Die Übe-Liste wird von den Lehrern der New School während der Planung zur nächsten Stunde geschrieben. So sind die Ziele der Stunde klar und es bleibt mehr Zeit für den Unterricht.

Entweder wird die Liste in doppelter Ausführung vor der Stunde ausgedruckt oder sie wird mit Hilfe eines PC´s in der Stunde angepasst und ausgedruckt.

Ich nutze die erste Variante und lege Karbonpapier zwischen die Duplikate, alles gut befestigt auf einem Klemmbrett. Während der Stunde ergänze ich nach Bedarf meine Hausaufgaben und diese Änderungen landen durch das Karbonpapier auf meiner Kopie.

Genial, oder? Ich schreibe nur einmal, habe aber nach der Stunde das Original für den Schüler und ein Duplikat für mich.

Das Duplikat hilft mir beim Protokoll ergänzen, da steht alles drauf und es geht viel schneller. Und die nächste Übe-Liste ist auch ratzfatz fertig.

Klavier unterrichten: mit der Liste gelingt das Ueben!

Für das Schreiben einer Übe-Liste benötigst du nur drei Minuten!

Ist es dir aufgefallen? Ich nenne die Hausaufgaben lieber Übe-Liste. „Hausaufgaben“ klingen so nach Schule und Pflicht. Natürlich ist das Üben in unserem Unterricht auch Pflicht, doch es ist freiwillig und macht – wenn es gut läuft – richtig Spaß.

Warum solltest du vorher Zeit für die Übe-Liste opfern?

Du notierst die Übeanweisungen viel genauer als in der Stunde, wo Multitasking angesagt ist. Denke daran, dein Schüler übt sechs Tage lang allein. Ok, vielleicht auch nur viermal… aber wenn er übt, sollte er auch wissen wie.

Es ist einfach entspannter und erleichternd schon irgendwo etwas stehen zu haben. Eine Unterrichtsstunde dauert ja nicht ewig. Das Ergänzen geht super schnell.

Du hast immer ein Exemplar der letzten Übe-Liste da. Egal ob dein Schüler die mal vergessen hat, der Hund sie zerfetzt hat oder sie hinters Klavier gerutscht ist – du bist vorbereitet!

Wenn die Zeit nicht reicht, kannst du deinen Schüler bitten ein neues Stück zu Hause allein zu beginnen. Es steht bereits mit den ersten Schritten auf der Übe-Liste.

Die Übe-Liste sorgt für dein Vorwärts denken. Du hast auf der Übe-Liste quasi deine Planung stehen und möchtest sie auch umsetzten.  Dein Schüler darf in seinem Tempo Fortschritte machen, doch DU führst die Stunde. Mich motiviert die Liste ganz deutlich dazu, die Unterrichtszeit noch besser auszunutzen und damit auch mehr zu schaffen.

Hier kannst du dir zwei Versionen herunterladen:

Auf der DinA4-Seite ist außerdem noch ausreichend Platz für technische Übungen und Wiederholungsstücke. Dies sind bereits abgeschlossene Stücke, die dein Schüler gerne spielt und die seine Übezeit noch ein bisschen verlängert.

Kleiner Rückblick

Erinnerst du dich? Im ersten Teil (Evaluationen) habe ich Anselm Ernst zitiert.

Mit dem Planungskreislauf aus Evaluation, Planung, Protokoll und Übe-Liste hast du alle Ziele und die Entwicklung deines Schülers im Blick. Das ist für mich  „zielstrebiges, planmäßiges, ökonomisches, systematisches Handeln.“ (A. Ernst: Was ist guter Instrumentalunterricht, S. 22)

Und für meine Schüler nehme ich mir gerne etwas Zeit.

Ich bin sehr gespannt, was du nun über Unterrichtsplanung denkst. Magst du deine Gedanken vielleicht mitteilen? Für alle in den Kommentaren oder auch ganz privat an mich direkt per E-Mail? Ich würde mich freuen!

Fragen sind ebenfalls immer willkommen!

Instrumentalunterricht richtig planen – Teil 2: Planung und Protokoll

Klavier unterrichten mit dem richtigen Plan auf klavierpaedagogikentdecken.de

Ich weiß, klingt nicht so spannend…

Wie wäre es denn mit Zeit sparen?

Die Planung des Unterrichts und das Protokolle schreiben erleichtern dir deinen Alltag ungemein. Mit etwas Routine lässt sich ganz einfach der Unterricht für alle Schüler planen. An einem Tag!

Du hast in deinem Unterrichtsalltag viel mehr Ruhe, bist zufriedener und wirkst auf jeden Fall ganz schön professionell und organisiert.

Heute geht es also um die Umsetzung deiner Ziele. Die Vorbereitung der nächsten Stücke, ein bestimmtes Lernfeld einführen oder die Arbeit an Schwächen des Schülers. Falls du die Evaluationen gemacht hast, wirst du genügend Ideen haben…

Kurz zur Erinnerung:

Der Planungs-Kreislauf

  1. Evaluation: Beurteile den aktuellen Entwicklungsstand des Schülers
  2. Planung: Überlege dir Ziele und einzelne Schritte mit passenden Strategien, um diese zu erreichen.
  3. Protokoll: Notiere die folgenden Wochen die Entwicklung und Ereignisse der Stunden.
  4. Evaluation: Werte aus, ob die Ziele erreicht wurden. Formuliere einen neuen Entwicklungsstand.

Dann legen wir mal los…

Deine Unterrichtsplanung

1. Entscheide WIE du deine Planung notieren möchtest.

Handschriftlich in einem Heft, auf einem Zettel oder am PC, Planung und Protokoll zusammen oder getrennt – alles ist möglich und sehr individuell. Ich habe schon sehr viele Versionen von Protokollen und Listen probiert… Such dir das aus, was du am besten findest und entwickle nach und nach deine eigene Art der Planung.

Aktuell nutze ich Excel von Microsoft. Pro Unterrichtstag habe ich eine Datei angelegt und jeder Schüler hat darin seine eigene Tabelle. So muss ich nicht sechs Dateien pro Tag öffnen, sondern nur eine.

Hier habe ich ein Beispiel für dich:

Klavier unterrichten: wie du mit etwas Planung und einem Protokoll deine Schueler optimal foerdern kannst

So fasse ich Planung und Protokoll zusammen. Auf der linken Seite protokolliere ich die Stunden und rechts ist Platz für geplante Literatur und Ziele.

2. Plane deinen Unterricht blockweise.

Einen Block bilden die zusammenhängenden Unterrichtsstunden zwischen zwei Ferien. Jedes Schuljahr besteht aus vier Blöcken, zwischen den Sommer- und Herbstferien, zwischen den Herbst- und Weihnachtsferien, usw.

Die Unterrichtsblöcke sind unterschiedlich lang, doch das kannst du ja berücksichtigen. Die Ferien sind eine gute Zäsur und du hast Zeit zum Planen. An einem Tag kannst du schon viel schaffen und hast dann erstmal wieder lange Ruhe.

Außerdem ist es sinnvoll dir viermal im Jahr Gedanken zu machen. Planst du nur am Anfang des Schuljahres, sind deine Vorhaben früher oder später nicht mehr für den Schüler relevant. Dann hast du deine Zeit und Energie verschenkt.

3. Breche deine Ziele in einzelne Schritte herunter und überlege besonders gut wie du das Thema einführen möchtest.

Der erste Kontakt sollte für den Schüler immer positiv und machbar sein. Lieber zu einfach als zu schwer!

 

4. Notiere die nächsten Stücke und ihre Reihenfolge.

Entscheide wieder WIE du jedes Stück einführen möchtest. Die Eigenheiten des Stückes und des Schülers helfen dir. Das kann über den Rhythmus sein, über die Akkorde, den Charakter oder den Höreindruck, usw. sein.

Extra-Tipp für die Planung am PC:

Erstelle dir Literaturlisten.

Du willst ja Zeit sparen! Nimm das gleiche Dateiformat wir deine Planung hat und notiere dort die Stücke deiner Unterrichtshefte untereinander. In der Reihenfolge wie du sie für optimal findest.  Rechts neben dem Titel kannst du notieren welche Elemente zum Beispiel neu oder ungewohnt ist.

Diese Liste kopierst du dann in die jeweilige Schülerdatei und fertig.

 

Ein Protokoll – muss das wirklich sein?

Naja, es geht bestimmt auch ohne Protokoll, doch mit ist es einfach besser und professioneller.

Hast du dich schon mal gefragt, ob du genau das Gleiche nicht schon in der letzten Stunde erklärt und geübt hast? Im Protokoll kannst du nachsehen, den Schüler kurz daran erinnern und dann einen Schritt weiter gehen.

Oder kennst du diese Situation? Dein Schüler hat wieder zu wenig geübt und liefert dir eine gute Begründung. Du nickst verständnisvoll… aber Moment! Wie viele Wochen dümpelt der Unterricht schon dahin? Im Protokoll kannst du nachsehen und deutlich entschiedener auftreten – oder bei den Eltern nachfragen was los ist.

Dies hast du vielleicht auch schon mal erlebt: Es kommt die Frage auf, ob du auch genug Unterrichtsstunden gegeben hast. Manche Eltern ziehen gerne mal die von ihnen abgesagten Stunden ab. Im Protokoll kannst du nachsehen wie viele Stunden du dieses Schuljahr unterrichtet hast und aus welchen Gründen manche abgesagt wurden. Ja, das schreibe ich mir auf. Sicher ist sicher…

Habe ich dich überzeugt?

Was steht in einem Protokoll?

Oben stehen Name und Alter deines Schülers. Außerdem:

  1. Datum der Unterrichtsstunde
  2. Titel der Stücke. Dahinter notierst du, was besprochen wurde und den aktuellen Stand. Dafür kannst du Kürzel verwenden, zum Beispiel FS für Fingersatz RHY für Rhythmus oder ru Fi für runde Finger.
  3. Lerndauer in Wochen. Hinter dem Titel steht in einer Klammer die aktuelle Anzahl der Wochen. Daran lässt sich ablesen, wie lange dein Schüler für seine Stücke braucht, ob das ausgewählte Stück den richtigen Schwierigkeitsgrad hat, ob es ihm gefällt und er richtig und ausreichend übt.
  4. Anzahl der Übetage. Meine Schüler bekommen ihre Hausaufgaben jede Woche in Form einer hilfreichen Übe-Liste, als Gegenleistung bitte ich sie genau festzuhalten wann und wie oft sie geübt haben. Hier lässt sich wieder einiges ablesen – und dich vor allem reagieren, wenn es einfach zu wenig ist.
  5. Notizen zu allem was dir auffällt. Dies hilft dir bei der Vorbereitung und der Evaluation.  (Zum Beispiel schlechte Handhaltung, Schwierigkeiten bei Spielbewegungen, unsicheres Lesen etc.)

So schnell wie möglich!

Versuche möglichst viel in der Stunde zu protokollieren. Zum Beispiel wenn der Schüler gerade spielt oder am Ende der Stunde seine Sachen einpackt.

Vervollständige deine Notizen spätestens am folgenden Vormittag, sonst vergisst man einfach zu viel und nachmittags kommen ja schon die nächsten Schüler…

Eine ganz große Hilfe kann ist die vorbereitete Übe-Liste, die ich dir im nächsten Artikel vorstellen möchte.

 

Und? Was denkst du jetzt über die Unterrichtsplanung und das Protokollieren? Gar nicht so aufwändig, oder?

Instrumentalunterricht richtig planen – Teil 1: Evaluationen

Welche Ziele hast du im Klavierunterricht? Tipps zur Unterrichtplanung im Klavierunterricht auf klavierpaedagogikentdecken.de

Kennst du das auch?

Du liest ein Fachbuch und sprudelst vor Ideen. Die ein oder andere versuchst du sofort um zusetzten, doch irgendwie gerät sie doch wieder in Vergessenheit.

Oder du möchtest mehr Technik oder Improvisation in deinen Unterricht einbauen und weißt nicht wie.

Du möchtest deinen Unterricht weiterentwickeln, damit deine Schüler den bestmöglichen Unterricht erhalten.

Um die Ziele und Bedürfnisse unserer Schüler im Blick zu haben, benötigen wir Weitsicht und Überblick. Oder anders formuliert: Eine gute Unterrichtsplanung.

Ok, ganz ruhig bleiben – klicke nicht weg! Ich helfe dir!

Ich gebe zu, dass ich eine leidenschaftliche Planerin bin. Aber das musst du gar nicht sein. Was heißt denn einen Plan zu haben?

Ein Plan bedeutet, dass du  einen Überblick hast und du dir einen Weg überlegt hast.

Es bedeutet nicht, dass deine Planung in Stein gemeißelt ist!

Mit etwas Planung kannst du neue Ideen umsetzten, auf die Wünsche und Bedürfnisse deiner Schüler besser eingehen, die Qualität deines Unterrichts steigern und vor allem musst du nicht mehr auf den letzten Drücker irgendein Stück aus dem Ärmel schütteln, das alle nur so halb begeistert.

Auch wenn du zwischendurch etwas Zeit investieren musst, spart es dich eine Menge Nerven und kannst kreativ über deinen Unterricht nachdenken.

Ich möchte dich einladen über deine Unterrichtsvorbereitung nachzudenken und dir mein System als Anregung vorstellen. Darum soll es in der dreiteiligen Serie „Meine Unterrichtsplanung“ gehen.

Fachbücher inspirieren – doch dann lassen sie uns allein

Was sagt die Fachliteratur zum Thema Unterrichtsplanung?

In „Was ist guter Instrumentalunterricht?“ beschreibt Anselm Ernst das Unterrichten als „zielstrebiges, planmäßiges, ökonomisches, systematisches Handeln.“ (S. 22)  Er wünscht sich (oder fordert fast schon) die Integration von unzähligen Lernfeldern in den Unterricht, die er in zwei Komplexe einteilt.

Im ersten Komplex geht es um das aktive Musizieren, also Zusammenspiel, Werkerarbeitung, Improvisieren, Blattspiel, Spieltechnik und Komponieren. Im zweiten Komplex nennt er die ergänzenden Bereiche wie Körperschulung, Rhythmusschulung, Musiklehre, Gehörbildung, Werkanalyse und Musikgeschichte. (S.17)

Er schreibt: „Manchem mag es erscheinen, dass die zwölf Lernfelder den Unterricht mit einer erdrückenden Inhaltsfülle bedrängen. Aber bedenken wir einmal, was eine geschickte Planung immer wieder zu Wege bringt.“ (S. 18)

Richtig – beim Lesen empfinde ich diese Fülle erdrückend. Es folgen Beispiele, die alle in der Praxis stattfinden, doch nirgendswo findet sich auch das WIE.

Für mich wirft es folgende Fragen auf:

  • Wie sieht eine „geschickte Planung“ aus?
  • Wie bereite ich als Lehrer die Stunde vor?
  • Wie erarbeite ich mir als Instrumentallehrer Strategien und Methoden um  Lernfelder einzuführen und zu vermitteln?
  • Wie behalte ich all diese erstrebenswerten kurz-, mittel- und langfristigen Ziele vor Augen?

„Der virtuose Lehrer“ von Paul Harris über proaktiven Unterricht hat mich sehr fasziniert. Proaktiver Unterricht bedeutet, dass der Lehrer den Schüler an einen neuen Lerninhalt von vielen Seiten heranführt. Alle Aktivitäten fügen sich zusammen und sind für den Schüler gut durchführbar, was ihn problemlos verstehen und positive Lernerfahrungen sammeln lässt.

Das Gegenteil ist der reaktive Unterricht, hier reagiert der Lehrer erst auf die auftretenden Probleme des Schülers und korrigiert diese. Dies gibt dem Schüler immer wieder das Gefühl von Inkompetenz und sorgt für einen wenig abwechslungsreichen Unterricht.

Wenn wir mal ehrlich sind, ist dies oft in unserem Unterricht zu finden, oder?

Aber das muss ja nicht so bleiben!

Für den proaktiven Ansatz von Paul Harris muss ich aber auch erstmal wissen wo der Schüler steht und wie ich ihn unterstützen und auf neue Lerninhalte vorbereiten kann. Dies bedarf Planung und Weitsicht – welche leider wieder nicht näher beschrieben wird.

Schade, denn ansonsten ist es ein richtig tolles Buch. Absolute Leseempfehlung!

Ein System aus Evaluation, Protokoll und Block-Planung

Ok, dann müssen wir uns da wohl selber etwas überlegen. Mit meinem System möchte ich dir dafür Anregungen geben.

Ich nutze ein System, das aus Evaluation, Block-Planung und Protokoll und  besteht. Zusätzlich hilft eine detaillierte Übe-Liste dem Schüler beim häuslichen Üben.

Als Startpunkt finde ich die Evaluation sehr hilfreich. Wo steht der Schüler und  -welche Ideen und Wünsche habe ich (und er) für seinen Unterricht?

Die Block-Planung ist eine Übersicht, welche die nächsten Ziele und Stücke des Schülers enthält. (Als Block bezeichne ich die Unterrichtsstunden zwischen zwei Ferien.)

Im Protokoll notiere ich Woche für Woche was in der Stunde passiert ist und in der  folgenden Evaluation werte ich seine Fortschritte aus und plane den nächsten Unterrichtsblock.

Die Block-Planung, das Protokoll und die Übe-Liste werde ich in den nächsten Teilen von „Instrumentalunterricht richtig planen“ vorstellen.

Mit deiner Unterrichtsplanung hast du Ziele und Bedürfnisse im Klavierunterricht im Blick

Was ist eine Evaluation?

In einer Evaluation werden Projekte oder Prozesse bewertet und begutachtet. Sie wird in vielen Bereichen von Bildung, Wirtschaft, Politik, etc. genutzt.

Im Prinzip wird ein Ziel formuliert und Strategien für den Erfolg überlegt. Während des Prozesses werden Daten erhoben und anschließend ausgewertet. Wurde das gewünschte Ergebnis erreicht und wenn nicht, welche Probleme oder Fehleinschätzungen traten auf? Die Ergebnisse sorgen dann für eine Änderung oder Optimierung.

Auf die Planung im Instrumentalunterricht übertragen bedeutet es den folgenden Kreislauf:

  1. Beurteile den aktuellen Entwicklungsstand des Schülers (Evaluation)
  2. Überlege dir  Ziele  und Strategien, um diese zu erreichen (Block-Planung)
  3. Notiere die folgenden Wochen die Entwicklung und Ereignisse der Stunden (Protokoll)
  4. Werte aus, ob die Ziele erreicht wurden.
  5. Formuliere einen neuen Entwicklungsstand werden nach einer bestimmten Zeit ausgewertet (Evaluation)

Anleitung für deine erste Evaluation

Ich freue mich, dass du bis hierhin gelesen hast! Jetzt geht es richtig los!

Beginne vielleicht erstmal mit drei bis fünf Schülern und gucke wie es dir gefällt und weiterhilft. Ich empfehle Anfänger oder aktuelle Sorgenkinder zu nehmen.

Für eine regelmäßige Evaluation nutze ich die letzte Woche vor den Ferien. Der Unterrichtsblock ist dann abgeschlossen und ich habe dann mehr Zeit für die Auswertung und Unterrichtsplanung.

Keine Angst, du wirst nicht die ganzen Ferien dafür brauchen! Dein Unterrichtsalltag wird dadurch ruhiger und dein Unterricht wird immer besser.

Im Prinzip kannst du es aber jederzeit machen.

Drucke dir den Download zur Evaluation, bzw. die zweite Seite davon, so oft wie benötigt  aus  und fülle sie in der Unterrichtsstunde des Schülers oder kurz danach aus. Manches wirst du beim ersten Mal vielleicht nur schätzen können.

In der PDF-Datei findest du eine detaillierte Ausfüllhilfe als Anregung, deshalb beschränke ich mich hier nur auf die Punkte, zu denen du dir stichpunktartig Notizen machen kannst.

  1. Üben
  2. Lesen
  3. Rhythmus
  4. Haltung
  5. Technik
  6. Musikalität
  7. Anzahl der Stücke 
  8. neue Ziele/Ideen

Ziele und Ideen

Nach der Bestandsaufnahme hast du bestimmt einige Ideen, in welchen Bereichen der Schüler gefördert werden könnte.

Übertreibe es nicht und wähle nur ein bis zwei Schwerpunkte. Das wird ausreichen.  Notiere sie in der Planung für den nächsten Unterrichtsblock und treffe die notwendigen Vorbereitungen.

Je nachdem welche Ideen du hast, können ältere Schüler natürlich auch in diese Entscheidung mit einbezogen werden.

Und? Ist es so schlimm und umfangreich wie du gedacht hast? Könnte es helfen deinen Unterricht noch besser zu gestalten?

Falls du Fragen hast – ich helfe dir gerne weiter! Unter carina(at)klavierpaedagogikentdecken.de kannst du mit schreiben.

Im zweiten Teil von „Instrumentalunterricht richtig planen“ werde ich dir die Block-Planung und das Protokoll vorstellen.