Wie du die Preise für deinen Klavierunterricht erhöhen kannst

Bist du selbständiger Klavierlehrer und möchtest die Preise deiner Unterrichtsstunden erhöhen, doch zögerst noch? Überlegst du, wie deine Schüler reagieren werden, wenn der Klavierunterricht „noch teurer“ wird? Werden sie wohl kündigen? Ob sich ihr Verhalten dir gegenüber ändern wird? Was sollst du sagen, wenn sie diskutieren wollen?

Ich kenne diese Gedanken sehr gut und ich habe sie bis heute. Doch regelmäßig das Honorar zu erhöhen, finde ich unumgänglich. In diesem Artikel möchte dir einige Impulse für die Preiserhöhung mitgeben – und dir vor allem Mut machen!

Bevor ich starte möchte ich darauf hinweisen, dass ich diesem Artikel für selbständige Klavier- und Instrumentallehrer schreibe. Falls du nebenberuflich unterrichtest, weitere Einnahmen hast und anders abgesichert bist, darfst du meiner Meinung nach auch tiefere Preise als die hier erwähnten (Honorarstandards vom DTKV) nehmen. Ich freue mich über jeden Kollegen, der mit Herz und Leidenschaft unterrichtet.

Ein Klavierlehrer, der selbständig arbeitet, ist für sich selbst verantwortlich.

Seit dem Moment, in dem du selbständiger Klavierlehrer wurdest, hast du die Verantwortung für dein Leben in die Hand genommen. Du triffst sämtliche Entscheidungen selber und für dich und deine Familie. Du kannst dir überlegen WEN und WAS und WANN du unterrichtest. Und auch wieviel du für deinen Unterricht nimmst.

Neben den inhaltlichen Entscheidungen triffst du aber auch jene, die für dich persönlich wichtig sind. Wie willst du leben und wohnen? Möchtest du dir gute Lebensmittel in Bioqualität kaufen können? Möchtest du nur eine bestimmt Anzahl Schüler annehmen, so dass du auch Zeit für deine Kinder hast? Oder damit du auch andere Dinge machen kannst, die dich als Lehrer bereichern? Möchtest du vielleicht sogar entspannt in Richtung Rente gucken können?

Was ich damit sagen will – du musst für dich sorgen! Kein anderer wird es tun.

Inflation existiert – und du wirst sie nicht verhindern!

„Alles wird immer teurer, unser Gehalt steigt aber nicht“ versuchen die Eltern zu argumentieren. Nun ja, es gibt aber auch einige Berufe, in denen sich das Gehalt zum Beispiel automatisch alle zwei Jahre erhöht. Doch ganz generell möchte ich sagen, dass Angestellte sich nicht gut in das Leben eines Selbständigen einfühlen können. Und das sich beide Situationen auch nicht gut vergleichen lassen. Jede hat ihre eigenen Vor- und Nachteile. Und jeder darf in seinem Sinne Entscheidungen treffen.

Doch selbst wenn du deine Preise nicht erhöhst – die Inflation kannst du damit nicht verhindern. Du musst dich einschränken oder eben mehr arbeiten. Das kann nicht die Lösung sein. In der Regel spricht man von 2-4% Inflation pro Jahr, also sollte mindestens alle zwei Jahre eine Preisanpassung erfolgen.

Ich nehme mir aber auch die Freiheit zwei Jahre in Folge die Preise anzupassen, wenn es die Situation wie die aktuelle Inflation von etwa 7% (Stand Juni 2022) erfordert.

Du hast weniger Zeit deinen Lebensunterhalt zu erarbeiten.

Zwölf Wochen Urlaub im Jahr sind toll. Diese Auszeiten tun auch echt gut, wenn man konzentriert und intensiv mit vielen Schülern arbeitet. Doch unterm Strich müssen wir in neun Monaten unser Geld für ein ganzes Jahr verdienen.

Dazu kommt noch, dass unser Arbeitstag vielleicht acht Stunden haben mag, doch in den seltensten Fällen können wir diese auch abrechnen. Egal ob wir üben, Stunden vorbereiten oder gerade ein Schülerkonzert planen, abrechnen können wir nur die Unterrichtsstunde mit dem Schüler. Am Nachmittag – unsere Hauptarbeitszeit – können wir etwa vier bis sechs Schüler unterrichten.

Egal wie beschäftigt wir sind – wir haben wenig abrechenbare Arbeitszeit. In dieser Situation zu günstige Preise zu machen halte ich für sehr bedenklich.

Was fällt alles in das Unterrichtshonorar?

Das Unterrichten bedeutet mehr, als nur 45 Minuten neben dem Schüler zu sitzen. Jede Stunde möchte etwas vorbereitet werden. Regelmäßig benötigt der Schüler neue Literatur. Diese muss recherchiert, bestellt, gesichtet und ausgewählt werden.

Schülervorspiele wollen organisiert und (in der Freizeit) durchgeführt werden. Dazu gehören Terminabsprachen, Literaturauswahl, das Programm schreiben und drucken und das Einspielen der Schüler. Neben dem Druck, dass es ein schönes Konzert mit klingenden und gut vorbereiteten Stücken werden soll.

Dann bastelst du vielleicht noch eine schöne Übersicht oder ein Spiel, damit ein Schüler einen bestimmten Theorieinhalt besser versteht.

Und deine Buchführung gehört auch dazu. Wer hat bezahlt – wen muss ich nochmal erinnern? Die Rechnungen müssen für die Steuererklärung zusammengesucht, ausgedruckt und abgeheftet werden.

Dies alles wird „unproduktive Zeit“ genannt. Diese Tätigkeiten kann man nicht abrechnen, doch du musst sie machen, da du sonst deine eigentliche Arbeit nicht ausführen könntest. Und sie lassen sich in jedem Beruf finden und werden einkalkuliert.

Dazu kommen deine Versicherungen und Steuerabgaben. All das steckt – unsichtbar für Schüler – auch im Stundenhonorar.

Möchte unser Kind weiter Klavier spielen?

Eine Erhöhung ist eine gute Möglichkeit, dass sich deine Schüler bewusst Gedanken machen ob der Klavierunterricht noch Freude und Bereicherung für das Kind bedeutet. Ein klares JA könnte vielleicht sogar mit mehr Engagement von Seiten der Eltern verbunden sein. Schließlich kostet der Unterricht ja jetzt noch mehr Geld…

Natürlich ist dies auch ein Moment, in der sich Schüler zu einem NEIN zum Unterricht entschließen können. Doch ist das nicht auch ok? So sparst du viel Energie, die du sonst in die Motivation eines gelangweilten Schülers gesteckt hättest. Vielleicht sogar noch mit einem Groll, dass du deinen Honorar aus Vorsicht nicht erhöht hast?

Aber ich verstehe mich doch so gut mit meinen Schülern!

Wir begleiten unsere Schüler oft eine sehr lange Zeit. Gern von der Grundschule, über die Pubertät bis hin zum Abitur. Das kann zu schönen Verbindungen führen, die uns bereichern und auch sehr glücklich machen.

Ich verstehe, dass du Angst hast diese nette Bindung könnte Schaden nehmen. Vermutlich jeder selbständige Kollege, ich eingeschlossen, hat schon frostige Begrüßungen oder unverschämte Sprüche zu hören bekommen.

Aber ich hoffe, dass dir nach meinem Plädoyer für eine Honorarerhöhung klar ist, dass du für dich sorgen musst. Nicht nur an deine Schüler denken und dich in musikpädagogischen Problemen vergraben. Der Unterricht findet nur mit dir statt und du solltest als Selbständiger für dein Leben einstehen. Zur Erinnerung – es tut kein anderer!

Wahre Wertschätzung findet dann statt, wenn deine Arbeit zu deinen Preisen akzeptiert wird!

Sämtliche Blumen und Merci-Schokoladen ersetzten das nicht – auch wenn wir uns sehr über diese Gesten freuen.

Und was soll ich nun nehmen?

Jetzt kommen wir zu der Stelle an der ich Vergleichshonorare von anderen Branchen nennen könnte. Aber ich bin der Meinung, das Vergleichen nur unzufrieden macht. Und wie gut lässt es sich überhaupt vergleichen?

Oft schauen wir auch, was denn die Kollegen nehmen. Das kann richtig frustrierend sein… Der eine nimmt einen Preis, den deine Schüler nie zahlen würden! Der nächste hat seine Preise so niedrig gewählt, dass du dich fragst, wie er davon leben kann. Und? Hilft dir das weiter?

Ich möchte dir einen anderen Weg vorschlagen: Gehe von dir aus!

Was brauchst DU um „gut“ leben zu können? Dieses „gut“ ist sehr subjektiv, ich weiß. Doch beginne mit deinen fixen und variablen Kosten. Deckt dein monatliches Einkommen deine Ausgaben? Wie viel Luft bleibt dir? Wie viel du bei deinen Ausgaben eigentlich nehmen solltest kann dir ein Rechner des DTKV verraten. Du findest den Link dazu ein Stückchen weiter unten.

Je nach Region variieren die Fixkosten – besonders das Wohnen – nämlich gewaltig. Deshalb sind pauschale Preise schwer zu nennen. Jeder hat andere Lebensumstände.

Ich habe eine sehr große Bitte: Bitte nimm deutlich mehr als die hochsubventionierte städtische Musikschule! Das Honorar dort ist nicht kostendeckend! Möglichst jedes Kind, dass Interesse hat, soll den Zugang zur Musik bekommen. Dafür sind diese Musikschulen da und werden von den Städten unterstützt. Du darfst und solltest an dich, deine Familie und deine Altersvorsorge denken!

Bei den folgenden Links findest du einige wertvolle Anhaltspunkte:

  • Der Tonkünstlerverband Baden-Württemberg E.V. hat „Honorarstandards 5. Auflage 2021“ veröffentlicht. Neben den Unterrichtshonoraren findest du auch Informationen zu Chor- und Ensembleleitung und Konzerttätigkeiten.
  • Beim Deutscher Tonkünstlerverband findest du einen sehr hilfreichen Honorar-/Stundensatzrechner: musiker-honorare.de

Und soll ich dir etwas verraten? Meine Preise liegen trotz mehrmaliger Erhöhung noch etwas darunter. Und deine?

Abschließend habe ich noch ein paar Tipps zusammengestellt, die bisher gut bei meinen Preiserhöhungen geholfen haben.

Tipps für die Ankündigung deiner Honorarerhöhung

  1. Achte darauf, dass du eine Honorarerhöhung in deinem Vertrag stehen hast. Dies hier steht zum Beispiel in meinem: Zu Beginn eines Schuljahres ist eine Erhöhung des Honorars nach den Grundsätzen der Billigkeit möglich. Eine solche Erhöhung wird mindestens zwei Monate vorher schriftlich angekündigt.
  2. Erhöhe regelmäßig deine Preise. Deine Schüler gewöhnen sich daran und akzeptieren es besser, als wenn du fünf Jahre lang oder länger das gleiche Honorar nimmst. Ich passe meine Preise mindestens alle zwei Jahre an.
  3. Schreibe einen hochoffiziellen Brief und schicke ihn per Post. Die Briefe landen automatisch in den richtigen Händen und werden nicht in Schülermappen oder zwischen Notenheften vergessen. Außerdem ersparst du dir komische Momente.
  4. Erkläre oder entschuldige dich nicht. Schreibe eine einfache Information wie „ab dem ____ gelten die folgenden neuen Preise: …“. Das reicht, denn du darfst das entscheiden.
  5. Sollten Schüler mit dir feilschen wollen: Treffe keine Entscheidung in dem Moment. Sag, dass du es dir überlegen möchtest und ihr in der nächsten Woche darüber reden könnt. Du gewinnst Zeit und Klarheit und ärgerst dich hinterher nicht, dass du nachgegeben hast.

Dieses Jahr habe ich schon vorab in Gesprächen erwähnt, dass ich erhöhen werde. Ich habe versucht den Eltern fest in die Augen zu sehen… und die Briefe habe ich oft auch persönlich übergeben. Preise erhöhen kann man üben!

Bitte – sorge für dich und erhöhe regelmäßig deine Preise! Unsere Gesellschaft braucht uns voller Energie und Ideen, nicht abgearbeitet und gestresst.

Schreibe in den Kommentaren wann du zuletzt deine Preise erhöht hast. Und auch, wann du die nächste Honorarerhöhung planst! Oder hast du noch einen Tipp, wie dies bei dir gut funktioniert? Deine Kollegen freuen sich über deinen Kommentar.

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2 Kommentare

  1. Seit vielen Jahren erhöhe ich jedes Jahr meine Honorare. Ich werde es auch in diesem Jahr tun. Ich dachte früher immer, dass die Schüler bzw. deren Eltern nicht bereit wären, höhere Honorare zu zahlen. Das Gegenteil ist der Fall. Ich habe genügend Anfragen und sogar eine Warteliste. Seit ich die Honorare immer mehr in Richtung der empfohlenen Honorare erhöht habe, ist mir zudem aufgefallen, dass ich bessere Schüler bekomme, dass die Eltern mehr dahinter stehen und ihre Kinder fördern. Meine Arbeit wird auch mehr geschätzt. Ich kann allen Lehrern nur raten, angemessene Honorare zu nehmen.

    Meine Honorare liegen derzeit etwas unter den empfohlenen Honorarstandards. Aber sie liegen deutlich höher als die der städtischen Musikschule.

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