Ein Schüler kämpft mit dem Notenlesen, die nächste Schülerin weiß nicht mehr, wie lang sie eine punktierte Halbe Note zählen muss.
Wie gehst du jetzt mit diesen Wissenslücken um?
Erklärst du es jetzt oder sagst du die Lösung schnell vor, damit es weitergehen kann?
Ich versuche möglichst schnell, ab besten sofort und ohne Aufwand diese kleinen Lücken zu schließen.
Von allein wird in den nächsten Stunden keine magische Erleuchtung passieren. Allein die Beschäftigung mit dem Thema wird für neue Aufmerksamkeit sorgen.
In diesem Artikel findest du einige Sofortmaßnahmen, die du ohne viel Aufwand anhand des aktuellen Stückes umsetzen kannst. Du kannst sie einfach in deine Stunde einbauen und brauchst maximal einige Buntstifte dafür.
Eventuell noch den Download mit der Übersicht der Übungen und der Farbkarte.
Natürlich benötigen die Übungen auch ein paar Minuten Unterrichtszeit, doch die lohnen sich langfristig. Dann hörst du halt eben nicht alle geübten Stücke und gibst sie nochmal eine Woche auf. Das bearbeitete Stück wird dadurch definitiv Fortschritte machen und das Besprochene kann auf die folgenden Stücke übertragen werden.
Übungen für das Notenlesen
1. Ein oder mehrere Töne sind unsicher oder werden miteinander verwechselt. (für Anfänger)
In dieser Übung kannst du bestimmte Töne wiederholen, mit denen der oder die Schüler*in Probleme hat.
Wenn das totale Chaos herrscht und genügend Zeit ist, können ausnahmsweise einmal alle Töne eingefärbt werden. Je nach Länge das Stückes vielleicht auch nur ein Abschnitt.
In meinem Unterricht lernen die Anfänger*innen Töne mit Unterstützung von Farben. Dabei markieren wir allerdings nur NEUE Töne, nicht alle. In der Regel setze ich dies nur in den ersten zwei Stücken mit dem neuen Ton ein, so dass die Schüler*innen das Erkennen des Tones üben, nicht aber davon abhängig werden.
Jeder Ton hat in meinem Unterricht eine feste Farbe, das C ist zum Beispiel immer gelb. Überlege dir einmalig die Farben für die sieben Stammtöne und bleibe dabei. Es macht keinen Sinn dies Schüler*innen selbst entscheiden zu lassen, da du dir das ja auch irgendwie merken müsstest. Zur Erinnerung kannst du deine ausgewählten Farben auf der 2. Seite des Downloads vermerken.
Wenn nun zum Beispiel in der mittleren C-Lage das a links und das e1 rechts immer wieder miteinander verwechselt werden, kannst du diese beiden Töne nacheinander markieren lassen.
Dafür werden die Notenhälse mit Buntstift in der entsprechenden Farbe nachgezogen. Ganze Noten werden ausgemalt.

2. Das Notenlesen ist unsicher.
Wenn das Notenlesen insgesamt unsicher wirkt, würde ich die Ankertöne einführen oder wiederholen. Dies sind alle C´s, in der linken Hand das das große G und das kleine f und in der rechten Hand das das eingestrichene g und das zweigestrichene f.
Die Ankertöne geben Sicherheit und lassen den gesuchten Ton schneller und sicherer herausfinden. Es entstehen deutlich weniger Fehler, als wenn immer vom C aus abgezählt wird, denn die Wege sind kürzer.
Hier findest du meinen Artikel über die Einführung von Ankertönen. Einige meiner Schüler haben dadurch ENDLICH das Notenlesen verstanden!
Entscheide, welche Ankertöne du üben möchtest und lasse sie von den Schüler*innen suchen und farbig markieren. Natürlich nach den von dir festgelegten Farben.
3. Durch Vorzeichen veränderte Töne markieren
Die Schüler*innen kämpfen mit einem oder mehreren Vorzeichen. Oft ist es auch nur der Ton, der zuletzte alteriert wurde. Zum Beispiel sitzt in D-Dur das „fis“, doch das „cis“ wird immer wieder vergessen.
Die entsprechenden Töne werden im Stück gesucht und in der Farbe des Stammtones markiert. Der Notenname kann ausnahmsweise daran geschrieben werden, denn generell vermeide ich dies. Das beeinträchtigt das Notenlesen lernen enorm. Am liebsten schreibe ich die Namen der alterierten Töne an den Beginn des Stückes. Dort, wo sie das erste Mal erscheinen.
Besonders die Namen sitzen oft nicht so gut, und wenn sie ihr Stück anschließend weiter üben, können diese Bezeichnungen immer wieder gelesen und verinnerlicht werden.
Je nach Vorzeichen wiederhole ich noch ganz kurz die Namen der alterierten Stammtöne der Bchen oder der Kreuzchen.
Ganz wichtig: Den Schülerinnen erklären, dass dies eine Ausnahme zur Übung ist! Im Normalfall werden nicht alle veränderten Töne markiert.
Übungen für den Rhythmus
1. Bestimmte Notenwerte sind zu kurz oder zu lang (für Anfänger)
Wähle den Notenwert aus, mit dem deine Schülerin oder dein Schüler Probleme hat. Da die Viertelnote oft als „normal“ empfunden wird, werden es vermutlich eher die längeren Töne, die Achtel oder Pausenzeichen sein.
Bitte nun deinen Schüler oder deine Schülerin genau diesen Notenwert zu markieren, damit er sichtbarer ist. Beim anschließenden Spielen sollen diese Töne oder der ganze Rhythmus laut mitgezählt werden.
Eine kurze Übung mit Vor- und Nachklatschen kurzer Rhythmen ist auch eine gute Idee.
Für Notenwerte lege ich keine Farben fest, die dürfen von den Schüler*innen gewählt werden.
2. Ein rhythmisches Motiv üben
In der Regel haben Unterrichtsstücke ein rhythmisches Motiv, dass sich durch das gesamte Stück durchzieht. Vielleicht fällt es der Schülerin oder dem Schüler schwer, vielleicht ist es auch neu.
Entscheidet euch für ein Motiv, schreibt es auf und übt es zu klopfen und laut zu zählen. Die andere Hand kann dazu den Grundpuls schlagen. Dann werden die Hände getauscht.
Wenn noch Zeit vorhanden ist, kann das Motiv an einer Stelle rhythmisch verändert und wieder geklopft und gezählt werden. So wiederholen und üben deine Schüler*innen die Notenwerte.
3. Den Rhythmus beider Hände kombinieren
Wenn beide Hände zusammengespielt werden, entsteht aus den einzelnen Stimmen ein neuer, gemeinsamer Rhythmus. Dieser ist oft schwer zu erkennen, doch wenn man ihn verstanden hat, gar nicht mehr so wild.
Klopft und zählt das Motiv oder die schwierigen Takte und schreibt anschließend den zusammengefügten Rhythmus an den Rand oder zwischen die Systeme. Lies gern auch meinen Artikel über das Rhythmusklopfen.
Ich persönlich unterrichte seit über zehn Jahren ausschließlich die Rhythmussprache, angelehnt an Kodaly. Meinem Empfinden nach ist dies viel einfacher als das gängige metrische Zählen. Viele Infos findest du in Ti und ta – warum die Rhythmussprache so hilfreich ist.
Übungen für Intervalle
1. Schritt-Sprung-Wiederholung (für Anfänger)
Klavieranfänger haben oft Schwierigkeiten die Abstände zwischen der Töne zu erkennen. Selbst Tonwiederholungen können problematisch sein!
Entscheide, ob du Schritt, Sprung und Tonwiederholung üben möchtest. Auch zwei Abstände sind machbar, alle drei können allerdings zu neuer Verwirrung oder Verwechslung führen und dauern auch sehr lange.
Lasse die entsprechenden Tonschritte im aktuellen Stück mit Buntstiften markieren. Nutzt dazu die Farben, die du in der Farbkarte für Intervalle festgelegt hast.
Dies kann im ganzen Stück, aber auch nur abschnittsweise passieren. Je nach Stück und vorhandener Zeit.
Ihr könnt auch einige Schritte, Sprünge oder Wiederholungen auf dem Klavier spielen oder du machst eine kleine Gehörbildungsübung daraus.
2. Ein Intervall wiederholen
Deine Schülerin oder dein Schüler kennt die Intervalle ungefähr. Im aktuellen Stück sorgt ein melodisches oder harmonisches Intervall aber immer wieder für Unsicherheit und Verwechslung.
Dieses Intervall wird nun im Stück gesucht und entsprechend der Intervall-Farbkarte angemalt. Auch hier kannst du die Suche auf einen bestimmten Abschnitt begrenzen.
Wenn Zeit vorhanden ist, kann dieses Intervall noch in unterschiedlichen Lagen und mit verschieden Fingersätzen gespielt werden.
3. Zwei Intervalle gegenüberstellen
Immer wieder kann es passieren, dass Intervalle wie Quinte und Sexte, Septime und Oktave, aber auch manchmal Terz und Quinte vertauscht werden.
Auch diese können entsprechend der Farbkarte markiert und gespielt werden.

Wenig Aufwand – große Wirkung
Du siehst, dass du diese kleinen Übungen für Musiktheorie mit wenig Aufwand sofort umsetzten kannst. Trotzdem haben sie eine große Wirkung. Allein die Beschäftigung mit dem Thema und die oft visuellen Markierungen wiederholen immer wieder theoretische Inhalte, bis das sie gelernt sind.
Hier findest du den Download mit den Übungen und Farbkarten.
Schreib gern in die Kommentare welche Übung du schon genutzt hast. Teile auch gern eine weitere Idee von dir.
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