Die beste Klavierschule der Welt

Die gibt es nicht! Oder doch…?

Du kannst aufhören zu suchen! Erfahre in diesem Artikel wie du deine Lieblingsmethode noch besser machen kannst. Dann hast du die beste Klavierschule der Welt!

Mit „Klavierschule“ meine ich die Methode, die du am häufigsten mit Anfängern im Grundschulalter verwendest. Es gibt sehr viele Klavierschulen, bekannte und unbekannte, bunt illustriert und schlicht gehalten, mit begleitenden Figuren, mit schönen oder eher nützlichen Stücken, mit Vornotation oder die mit der verpönten mittleren C-Lage starten. Nur um ein paar Eckpunkte zu nennen.

Auch wenn du es vielleicht gerne hättest, möchte ich hier keine Empfehlung aussprechen. Dafür sind wir als Lehrer viel zu individuell im Geschmack und geprägt von unseren Erfahrungen.

Ich möchte dir Schritt für Schritt zeigen, wie du die Methode, die du gerade am häufigsten verwendest, für dich besser machen kannst.

Die Klaviermethode ist eine wichtige Stütze im Anfängerunterricht.

Eine Klavierschule sollte einen Anfänger behutsam und motivierend Schritt für Schritt durch die Grundlagen führen. Anschließend kann er dann weitere Fähigkeiten in unterschiedlichen Notenheften sammeln.

Und dann versuche ich so schnell wie möglich aus ihr raus zu kommen. Mehr als zwei Bände nutze ich selten.

Zum einen geht es mir um die Schülermotivation, er soll einen deutlichen Fortschritt sehen und die Methode zeigt ihm immer wieder, dass er noch nicht wirklich weit gekommen ist.

Der andere Grund ist, dass ich immer wieder den Eindruck hatte, dass den Autoren etwas die Luft ausgegangen ist. Oder alle existierenden Themen einmal aufgegriffen haben wollten. Warum soll ein Schüler im dritten Band schon Sechzehntel oder Zwei gegen Drei lernen? Der hat doch gerade noch ganz andere Probleme, oder?

Warum muss der fünfte Band einer Klavierschule mit genauso vielen Bildchen illustriert sein wie der erste? Der Schüler wird nun etwa 10 Jahre oder älter sein. Er spielt Originalstücke – würde er sich da ohne niedliche Illustrationen nicht fortgeschrittener fühlen?

Ich bin mir sicher du kennst solche Gedanken auch…

Warum sollte die Klavierschule so logisch wie möglich aufgebaut sein?

Ich habe immer wieder erlebt wie eine Kleinigkeit den Schüler für mehrere Wochen aus dem Konzept bringen kann. Entweder kam ein neues Konzept zu früh, war nicht gut vorbereitet oder es waren zu viele neue Lerninformationen auf einmal. Dies kann ihn ordentlich verunsichern und beschäftigen.

Seit diesen Erfahrungen achte ich also sehr stark auf einen logischen Aufbau aller Lernschritte. Sobald ich merke, dass ein Schüler noch nicht bereit für etwas Neues ist, baue ich noch ein Stück ohne neues Konzept ein. Oft vermerke ich dies dann auch in meiner Excel-Tabelle in der jedes Stück in der richtigen Reihenfolge steht.  

Noch eine wichtige Anmerkung:

Du findest diesem Artikel viel eigene Meinung von mir. Ich teile dies mit dir um Anregungen zu geben und bin mir bewusst, dass du vielleicht ganz andere Erfahrungen und Beobachtungen gesammelt hast.

Und das ist ok. Deine und meine Persönlichkeit und Ausstrahlung sind immer ein großer Teil unserer Klaviermethode. Probiere Dinge aus, ändere sie, dass es für dich passt und gehe mit deinem Gefühl.

Nun legen wir aber mal los, bitte hole dir etwas zu Schreiben und natürlich deine Klavierschule, die du bearbeiten möchtest. Du kannst deine Standardschule nehmen oder du nimmst eine Schule, die du gern einmal ausprobieren möchtest.

So findest du die beste Klavierschule der Welt:

1. Aussehen der Schule:

Wie ist die Schule grafisch gestaltet? Sehr bunt oder schwarz/ weiß? Wirkt sie trist oder sind die Abbildungen so dominant, dass sie vom eigentlichen ablenken könnten? Wirken die Illustrationen modern oder altmodisch?

Egal ob bunt oder schwarz/weiß – beides kann funktionieren. Aber was würdest du lieber im Unterricht nutzen?

Ich persönlich bin sehr visuell und mich lenken bunte Bilder ab. Ich bin also für schlichte Schulen. Die Farbe kommt durch unsere Markierungen und die Aufkleber für ein abgeschlossenes Stück rein.

2. Wie gefallen dir die Stücke?

Spiele sie alle einmal durch. Gefallen dir die Kompositionen oder Arrangements? Kannst du dir vorstellen, dass sie auch deinen Schülern gefallen werden?

Gibt es Begleitungen? Die finde ich besonders wichtig für den erste Konzertauftritt. Aber auch im Unterricht ist es richtig schön, wenn man zusammen musizieren kann. Notfalls kannst du aber auch etwas Eigenes komponieren.

Falls du Texte verwenden möchtest, gefallen sie dir? Ich setzte eigentlich immer die Rhythmussprache ein, Texte sind daher nicht so wichtig für mich.

3. Gibt es ein bestimmtes Konzept, das sich durch die ganze Schule zieht? Gibt es Figuren, die durch das Heft führen?

Gefällt dir das? Findest du das Konzept logisch? Falls du es nicht sinnvoll findest – denkst du, dass du die Schule auch ohne diese Figuren, Farben oder Sonstigem einsetzten kannst?

4. Welchem Einstieg hat sie?

Beginnt sie mit Vornotation? Auf den schwarzen Tasten? Mit welchem Ton geht es los?

Findest du den Anfang gut und würdest du ihn übernehmen? Wir Lehrer sind kreativ und entwickeln mit der Zeit oft unseren ganz eigenen Einstieg.

Falls du lieber deinen Weg nutzen möchtest: Schaue, wo du dann einsteigen kannst. Oft ist dies bei der Einführung der ersten Töne ohne Probleme möglich.

4. Wie und in welcher Folge werden die Noten eingeführt?

Ist es die klassische mittlere C-Lage, die sich nach beiden Seiten ausdehnt? Oder spielt erstmal nur eine Hand? Oder beide Hände getrennt voneinander?

Wie werden die neuen Töne eingeführt? Gibt es Farben oder Figuren? Wie lange wird dies fortgeführt? Die Schüler gewöhnen sich schnell daran und achten dann nicht auf die Notation.

Gibt es langweilige Reime zu denen der Schüler den neuen Ton 20mal anschlagen soll?

Beispiel: „Weiß ist der Schnee, hier ist das E“.

Naja, das kann man ja ignorieren…

Sehr wichtig: Wie schnell folgt die Einführung der Töne aufeinander? Gibt es für den Schüler genug Zeit und Literatur um einen oder zwei neue Töne sicher abzuspeichern?  

Zähle die Stücke, bevor der nächste Ton vorgestellt wird und mache dir Notizen.

5. Wie viele Anmerkungen befinden sich im Notentext?

Wie viele Fingersätze gibt es? Ich beginne mit dem 3. Finger auf C. Da ist es hinderlich, wenn wir erst überall den Fingersatz ändern müssen.

Wo tauchen die ersten Legato-Bögen auf? Auch etwas, dass ich persönlich lieber selbst entscheide. Doch wenn das Legato gut eingeführt ist, warum nicht?

Einträge zur Dynamik finde ich nicht störend, die lassen sich gut ignorieren wenn man mag.

6. In welcher Reihenfolge werden neue Konzepte eingeführt?

Zum Beispiel verzögern manche Schulen die Achtelnoten sehr lang heraus, in anderen werden sie schnell eingeführt.

Wann und wie oft kommt die punktierte Viertel, der Dreiklang oder Ähnliches vor? Gibt es ausreichend Zeit dies zu festigen? Wird es wiederholt?

Teilweise werden diese Konzepte eingeführt, doch kaum vertieft oder wiederholt.

Mache dir dazu Notizen. Nach der Analyse der Schule kannst du auf der Suche nach ergänzenden Stücken gehen.

7. Welche Lagen oder Positionen werden vermittelt?

Wie geht es nach der mittleren C-Lage weiter? Ich finde es logisch, dass erst die rechte Hand in die F-Lage rutscht (Daumen auf F, die neuen Töne heißen dann a1,h1 und c2.) und dann die linke Hand in der C-Lage positioniert wird. (5. Finger auf c, neue Töne sind c,d und e.)

Warum erst die F- und nicht die C-Lage? In der Regel kommen Schüler etwas besser mit dem Lesen im Violinschlüssel klar, deshalb würde ich auch hier die erste Positionsänderung einführen. Das erste Verschieben ist ein Meilenstein für Schüler und sorgt oft für große Verwirrung am Anfang. Im Violinschlüssel wird er die neuen Töne schneller lernen können.

Wie viele Stücke gibt es in jeder Lage? Zähle die Stücke, die dir gefallen und nutzen willst. Pro Lage wären 3 Stücke sinnvoll. Dazu vielleicht noch zwei weitere in Reserve für langsame oder weiterhin unsichere Kinder. Die Schüler sollen sich nicht wieder in der neuen Lage festklammern, doch sie sollten es schon verstanden haben.

Wenn du merkst, dass die Klavierschule eine andere Reihenfolge hat – findest du den Aufbau logisch genug? Falls nicht, überlege dir eine eigene Abfolge und springe einfach im Heft.

Notiere dir wie viele Stücke du in jeder Lage findest, so kannst du später ergänzende Stücke suchen.

8. Was kann der Schüler am Ende des ersten Heftes? Reicht dies für die Grundlagen? Meistens nicht, also untersuchst du auch den 2. Band.

In der Regel sind Klavierschulen auf mehrere Bände aufgeteilt. Aber vielleicht brauchst du nur die ersten beiden Bände?

Schaue dir also auch den zweiten Band an und untersuchen ihn näher. Wieder schaust du wie dir die Stücke gefallen, wie der Aufbau ist, wie Konzepte vorgestellt und vertieft werden.

Und dann natürlich: Wie endet der 2. Band? Kann der Schüler nun in „normale“ Hefte wechseln?

Dies ist ein neuer Meilenstein und er merkt, dass er die Grundlagen gelernt hat und nun bereit für eine neue Stufe ist.

9. An welcher Stelle tun sich die Schüler schwer?

Falls du die Schule schon eine Zeit verwendest: An welchen Stellen haben deine Schüler häufig Probleme?

Wie schon in der Einleitung erwähnt kann es sein, dass hier ein neues Konzept zu früh kommt, nicht gut vorbereitet ist oder es zu viele neue Lerninformationen auf einmal sind.

Überlege was du hier ändern kannst.

Herzlichen Glückwunsch! Dir schwirrt nun bestimmt der Kopf, doch nun hast du einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur besten Klavierschule der Welt gemacht.

Zuletzt bist du wahrscheinlich auf der Suche nach Stücken, die deine Methode vervollständigen:

Wie du die beste Klavierschule findest

Tipps für ergänzende Stücke

Schau mal bei den Stücken von Karin Gross (Klein, aber fein.) oder Daniel MacFarlane (im Zauberklavierverlag) . Du wirst bestimmt auch im kleinen Tastenungeheuer oder in alten Klavierschulen fündig.

Ich habe meine Methode zum Beispiel mit Stücken aus der alten Schaum-Schule ergänzt. Außerdem nutze ich ein paar Stücke einer Schule, die ich früher mal verwendet habe.

Eine Klavierschule muss nicht alles können.

Für mich muss eine Klavierschule übrigens nicht alles können. Sie soll die Grundlagen im Notenlesen und Klavierspielen vermitteln – und mit möglichst schönen Stücken motivieren.

Vieles andere wie Rhythmus, Theorie, Improvisieren, Technik usw. kann ich durch andere Materialien und Übungen ergänzen.

DU als Lehrer bist wichtig! Die Methode unterstützt und vereinfacht.

Noch einmal: Dies sind meine Meinungen. Du darfst vollkommen andere haben.

Untersuche deine Schule mithilfe der genannten Aspekte und dann ändere und ergänze sie, dass es für dich passt. Geh mit deinem Gefühl!

Dann entwickelst du die beste Klavierschule der Welt, die zu dir passt.

Hast du eine Frage zu einem bestimmten Punkt oder kommst du bei deiner Analyse nicht weiter? Schreibe mir doch kurz, ich helfe dir gern!

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