Popmusik im Klavierunterricht

Es ist nicht so einfach mit der Popmusik im Unterricht, das gebe ich ehrlich zu.

Für uns klassisch trainierten Musiker kann dieser Musikstil im Unterricht unbequem sein… Wir (oder ich zumindest) haben es nie im eigenen Unterricht gemacht, es fehlen also eigene Erfahrungen.

Dann spielen natürlich auch die fachlichen Vorstellungen und persönliche Vorlieben eine Rolle.

Warum ich aber finde, dass Popmusik in den Klavierunterricht gehört und wie du dies umsetzten kannst, erfährst du in diesem Artikel.

Popmusik ist unseren Schülern vertraut

Im Unterricht geht es um unsere Schüler. SIE interessieren sich für die Musik und das Instrument.

Sie sind von Popmusik umgeben. Und sie horchen auf, wenn sie in diesen Songs irgendwo ein Klavier hören.

Sie sind oft auch auf YouTube unterwegs und sehen andere Jugendliche, die gerade ihren Lieblingssong auf dem Klavier covern.

Warum sollen unsere Schüler das nicht auch lernen dürfen?

Es ist egal ob du Popmusik magst oder nicht, deine Schüler freuen sich wahnsinnig über vertraute Songs. Das motiviert sie.

Also ich persönlich wünsche mir motivierte Schüler, die in ihrem Leben nach dem Unterricht die Musik spielen können, die ihnen gefällt. Und ich möchte sie grundlegend darauf vorbereiten, egal für welchen Musikstil sie sich einmal interessieren werden.

Popmusik ist eingängig, doch überhaupt nicht einfach.

Doch vielleicht ist es dir auch schon so ergangen. Du erfüllst den Schülerwunsch und erwartest einen eifrig übenden Schüler. Doch das Erarbeiten zieht und zieht sich. Dein Schüler verliert tatsächlich die Lust an seinem Song. Schlimmstenfalls generell die Motivation am Klavierspielen.

So ging es mir einige Jahre und ich hatte Bedenken auf die Schülerwünsche einzugehen.

Es ist so – unsere Schüler sind oft nicht gut auf diesen Musikstil vorbereitet. Popmusik klingt einfach, die linke Hand ist oft einfach gehalten, doch Rhythmik und Koordination sind oft sehr anspruchsvoll.

Meine Lösung dafür ist ein Mix aus Akkordspiel, Rhythmusschulung, Leadsheet-Spiel (Liedbegleitung) und Popsongs. Dazu kommt moderne Originalliteratur, ich verwende gerne die Hefte von Sandra Labsch und Daniel McFarlane aus dem Zauberklavier-Verlag.

Heute möchte ich mich auf die Suche nach passendem Notenmaterial von Popsongs konzentrieren. Und was du tun kannst, wenn es nichts gibt.

Kommen wir noch einmal zu der oben genannten Situation zurück. Dein Schüler hat dich gerade nach „Faded“ gefragt und schaut dich erwartungsvoll an.

Was kannst du tun?

Gemeinsame Recherche mit dem Schüler

Entweder du notierst dir seinen Wunsch und recherchierst später oder du gehst sofort in der Stunde mit ihm zusammen auf Notensuche.

Je nach Alter deines Schülers kannst ihm die besten Shops zeigen und wie er eine passende Version aussucht. Langfristig kann er dies dann eigenständig übernehmen.

Und wo findest du geeignete Noten? Musicnotes.com!

Meine erste Anlaufstelle zur Notensuche ist musicnotes.com. Einfach den Titel in das Suchfeld eingeben und schon werden dir im Idealfall mehrere Versionen angezeigt. Ich schaue immer bei den „Easy Piano“ – Ausgaben oder den Leadsheets. Es kann sein, dass es mehrere davon gibt, je nach Beliebtheit des Songs.

Das coole an diesem Shop ist, dass du viele Stücke transponieren kannst. Je nach Originaltonart kann das wirklich nützlich sein.

Außerdem gibt es die Möglichkeit, dass du alle Versionen des Stückes sehen kannst. Dafür gehst du auf „See other arrangements of this song“. Das ist richtig toll! Für Faded gibt es zum Beispiel drei Easy Piano Versionen.

Du recherchierst nach den Noten – der Schüler kauft sie

Ich schicke dem Schüler beziehungsweise den Eltern den Link des ausgesuchten Arrangements und bitte sie, den Notendownload zu kaufen und ausgedruckt mit zu bringen. Ein Paypal-Konto oder eine Kreditkarte sind nötig – falls dies eine Hürde ist, kaufe ich die Noten, doch ich bekomme das Geld von den Eltern wieder.

Die Alternative: Noviscore.de

Der zweite Downloadshop ist noviscore.de. Dort findest du oft ein und das selbe Stück in drei Leveln, mit oder ohne Lesehilfe. Letzteres bedeutet, dass dort Notennamen und Markierungen für den Rhythmus eingefügt werden. Dies habe ich bisher nicht genutzt, es ist vielleicht eher für das Selbststudium gedacht.

Um bei unserem Beispiel zu bleiben – du findest hier auch Faded – doch mein Eindruck ist, dass du auf Musicnotes.com einfachere Versionen finden kannst. Das kann aber auch anders herum sein, deshalb recherchiere ich gern in beiden Shops.

As letzte Anlaufstelle möchte ich die Serie „Easy Charts“ aus dem Schott Verlag erwähnen. Es ist die Frage ob sich der Kauf eines Heftes lohnt, außerdem können mich persönlich die Bearbeitungen nicht richtig überzeugen.

Die Lösung für schwierige Fälle: YouTube-Tutorials

Was aber, wenn es keine (passenden) Noten gibt? Oder der Rhythmus einfach viel zu schwer ist? Dann kannst du nach einem Tutorial auf Youtube.com suchen.

Du gibst „Faded Piano Tutorial“ ein und schaust dir ein paar vorgeschlagene Videos an. Die Qualität kann wirklich sehr unterschiedlich sein, versuch das Beste auszuwählen.

Es gibt Videotutorials, in denen die Töne über der Tastatur von oben nach unten als farbige Balken laufen. In anderen findest du teilweise endlose Erklärungen, diese passen nicht immer zum Lerntempo des Schülers. Für mich haben sie allerdings den Vorteil, dass hier das Zusammenspiel schneller zu verstehen ist als mit den Balken.

Es kann passieren, dass nicht alle Teile erklärt werden. Um das herauszufinden kannst du dir den Song auf ultimateguitar.com anschauen. Dort findest du auch den genauen Ablauf.

Es kann zum Beispiel die Bridge fehlen. Entweder dein Schüler lässt sie dann auch weg oder ihr hört die Harmonien aus dem Stück heraus. In der Regel sind die Akkorde ja bereits bekannt. Dann ist es nicht mehr schwer die Melodie zu finden.  

Wenn dein Schüler alles kann, überlegt ihr euch einen Ablauf, der wesentlich kürzer als der Originalsong sein darf und natürlich einen Schluss.

Das Videotutorial wird im Unterricht genutzt!

Ganz wichtig: Das Erarbeiten findet mit dem Schüler in seiner Stunde statt!

Du musst nicht das ganze Stück in deiner Freizeit vorbereiten. Ich schaue mir oft den Anfang an, doch den Rest machen wir gemeinsam im Unterricht.

Das Wichtigste kann ganz schnell auf einem einfachen Zettel notiert werden:

  • Welche Harmonien spielt die linke Hand? Als Akkordsymbole (Buchstaben) aufschreiben.
  • Mit welchen zwei Tönen beginnt die rechte Hand? Ebenfalls als Buchstaben notieren, dazu der Fingersatz.

Und dann werden die einzelnen Hände geübt, zuerst wird immer wieder in das Video geschaut und dazwischen selber ausprobiert. Später kann dein Schüler die Stimmen mit dem Video absichern.

Und ohne das Lesen funktioniert es auch mit dem Rhythmus ziemlich gut.

Zwei Tipps für die Nutzung eines YouTube-Tutorials

Falls das Tutorial zu schnell ist, kannst du das Abspieltempo verlangsamen. Du geht’s zuerst auf die Einstellungen (die drei Punkte) und dann auf Wiedergabegeschwindigkeit. Es klingt definitiv nicht gut, doch erstmal wird es deinem Schüler helfen.

Außerdem empfehle ich dir, die Zeiten wann Strophe, Refrain und die Bridge erklärt werden zu notieren. Das spart eine Menge Zeit bei der Suche danach.

Ich hoffe ich konnte dir ein paar Ideen für das Erarbeiten eines Popsongs schenken und wünsche viel Spaß!

Wirst du sie testen? Welche Erfahrungen hast du bisher mit dem Unterrichten von Pop gemacht?

2 Kommentare

  1. Vielen Dank für die tollen Tipps, Carina! Ich habe mir die vorgeschlagenen Seiten gerade angeschaut – das sieht wirklich gut aus und ich glaube, dass ich dem einen oder anderen Schüler auf der Suche nach einem Pop-Stück damit helfen kann.

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