Hilfreich bei der Auswahl von Stücken: YouTube-Playlists

Es ist unglaublich wie viel Zeit man als Lehrer in die Unterrichtsplanung investieren kann. Zum Beispiel in die Auswahl von Schülerstücken. Du fängst an zu blättern und zu spielen – und schwupps sind zwei Stunden um und für den bestimmten Schüler hast du kaum etwas gefunden.

Oder du spielst dem Schüler allerlei im Unterricht vor und so richtig begeistern tut kein Stück. Ihr seid noch auf der Suche was ihm gefällt… Kann passieren, doch die Unterrichtszeit ist weg.

Du kannst deine private, aber auch die Unterrichtszeit deines Schülers sparen, indem du einmal eine Auswahl von Stücken triffst und dafür Playlists auf YouTube anlegst.

Das klingt nach viel Arbeit und du siehst noch nicht, wie du Zeit sparen kannst?

In diesem Artikel stelle dir drei Schritte vor, mit denen du alles in Grenzen halten kannst. Und dann sind die zwei oben erwähnten Stunden gut genutzt und du fängst nicht bei jedem Schüler von vorne an!

Mit der Auswahl von Schülerstücken meine ich übrigens klassische Stücke. Was meine Schüler an moderner Literatur mögen weiß ich oft. Doch wenn sie längere Zeit nur Pop etc. gespielt haben finde ich schwer ihnen etwas von Bach, Beethoven und Co vorzuschlagen.

Außerdem möchtest du ja, dass dein Schüler vielleicht mal in unterschiedliche Epochen hinein hört und einen eigenen Geschmack entwickeln kann.

Die Lösung:

YouTube Playlists für die Auswahl von klassischen Stücken

Du suchst Stücke aus, machst daraus eine Liste zum Ausfüllen und suchst passende Videos auf YouTube. Die speicherst du dann als Playlist auf die du immer wieder zugreifen und jederzeit ergänzen kannst.

Es folgen meine Tipps wie du dir eine Playlist erstellen kannst. Am Ende des Artikels findest du übrigens eine Playlist von mir.

1. Schritt: Stücke recherchieren und auswählen

Wie findest du passende Stücke? In Deutschland gibt es leider keine hilfreiche Einteilung der Schwierigkeitsgrade. Um ungefähr gleich schwere Stücke einer Stufe zu finden steht etwas Recherche an.

Hilfe findest du hier:

  • Handbuch der Klavierliteratur zu zwei Händen von Klaus Wolters
  • The Pianists Guide to Standard Teaching and Performance Literature von Jane Magrath.
  • Ein Prüfungsprogramm wie das von Jugend musiziert (ist nicht so genau)

Ich nutze am liebsten das Nachschlagewerk von Magrath, die leichten Stücke sind besser besprochen und feiner beurteilt als im Wolters. Es gibt nur 10 Schwierigkeitsstufen und sie endet bei den Bach Sinfonien und leichtesten Beethoven Sonaten Op.49. Die ganze Profiliteratur, die beim Wolters zu finden ist, wird nicht berücksichtigt.

Sehr hilfreich finde ich auch, dass es von Jane Magrath eine ganze Reihe an Heften in jedem Schwierigkeitsgrad gibt. Vielleicht kennst du die „Masterworks Classics“-Serie? Ich habe einige Anthologien getestet und mich inzwischen für diese Reihe entschieden.

Egal was du nimmst, bitte wähle EIN Nachschlagewerk aus und halte dich erstmal daran.

Schritt 1: Welche Schwierigkeitsstufe

Vermutlich suchst du für einen bestimmten Schüler, also entscheide dich für die Schwierigkeitsstufe, die er gerade bewältigen kann.  

Schritt 2: Komponisten und Stücke auswählen

Suche dir dann aus jeder Epoche 2-3 Komponisten aus und notiere dir welche Stücke in dieser Stufe zu finden ist.

3. Schritt: Reduzieren

Lass die Kompositionen weg, die du nicht magst oder überflüssig findest. Unbekannte Stücke kannst du dir auf YouTube anhören.

Begrenze deine Liste etwa auf 15-18 Stücke. Dein Schüler soll sie komplett anhören können. Und du willst auch nicht ewig Zeit investieren – geh mit deinem Gefühl und deinem Geschmack.

Möglich ist auch, dass du für jede Epoche eine Playlist machst, doch das ist aufwändiger. Und wenn du deinem Schüler erstmal einen Eindruck vermitteln willst, würde ich sie gemischt lassen.

Ich habe momentan nur Playlists für Level 6 und 7, Level 5 und 8 werden folgen. Darunter und darüber werde ich sie wahrscheinlich nicht so schnell benötigen.

2. Schritt: Eine Liste schreiben

Sortiere deine Auswahl an Stücken nach Epochen und Komponist, so fallen deinem Schüler schneller die Unterschiede in Klang auf.

Trage diese Reihenfolge in eine Liste mit drei Spalten ein.

1. Spalte: Komponist und genauer Titel des Stückes

2. Spalte: Wie gefällt es dem Schüler? Er kann „super – geht so – nein“ auswählen.

3. Spalte: Falls es ihm nicht gefällt, kann er hier kurz notieren was ihm nicht gefällt. (Dies finde ich immer aufschlussreich und hilft mir in Zukunft passende Stücke vorzuschlagen.)

Am Ende des Artikels kannst du dir ein Beispiel von mir herunterladen.

3. Schritt: Videos auswählen

Achtung! Hier herrscht großes Potential in den Tiefen von YouTube zu versacken…

Nimm deine Liste und suche für jedes Stück ein gut gespieltes Video aus. Es sollte nah an deiner Interpretationsvorstellung sein. Ich finde besonders die Tempi können oft stark variieren.

Und ich achte darauf, wer es spielt. Ich wähle gern Jugendliche aus, ist mein Schüler jünger ist er stolz, dass er das schon so früh spielen kann. Und ist der spielende Pianist ungefähr im gleichen Alter so bekommt mein Schüler sofort den Eindruck, dass man auch in diesem Alter solch eine Musik spielen kann. Verzichte in jedem Fall auf dreijährige Wunderkinder aus Asien! Demotivierend…

Wenn ich kein passendes Video finde, nehme ich einen professionellen Pianisten. Oder eine Version in der das Notenbild zum Gehörten gezeigt wird. Das hilft visuellen Menschen, aber auch denen, die alles schnell zu schwer finden. So sehen sie schwarz auf weiß wie die Noten aussehen.

Wenn du auf Speichern gehst, gib der Playlist einen sympathischen Namen. Zum Beispiel „Schöne Stücke Stufe 6“, das klingt interessanter als „Repertoire Stufe 6“.

Ich suche die Videos nachdem ich die Liste geschrieben habe, wenn ich diese dann abarbeite und die ausgewählten Videos in der Playlist speichere muss ich hinterher nichts mehr ändern. Möglich ist dies aber jederzeit per drag and drop.

Zu aufwändig? Ist dir das Vorspielen doch lieber?

Meine letzten Argumente, die für die Playlist sprechen:

Meine Schüler – und wahrscheinlich auch deine – sind sehr höflich und sagen nicht immer ob ihnen ein Stück so wirklich gefällt oder nicht. Besonders wenn du es vielleicht gerade in den höchsten Tönen angepriesen hast…

Dann beginnt ihr ein neues Stück und es zieht und zieht sich. Bis das der Schüler irgendwann ganz vorsichtig durchblicken lässt, dass es irgendwie doch nicht sein Stück ist.

Unterm Strich wurde dann viel Unterrichtszeit mit dem Vorspielen unterschiedlicher Stücke und dann auch mit dem halbherzigen Erarbeiten aufgewendet. Das ist dann einfach schade.

Doch da ist noch etwas: Es kann sein, dass sich dein Schüler schlecht fühlt. Er denkt vielleicht, dass er dich enttäuscht hat. Oder er sieht es vielleicht als Misserfolg, da er nicht ins Stück hinein gekommen ist und schlimmstenfalls denkt er, dass die Klassik einfach nichts für ihn ist.

Das ist nicht das Ergebnis was wir uns als Lehrer wünschen, oder?

Mit der Playlist beeinflusst du deinen Schüler weniger und er findet schneller das was ihm gefällt.

Du schickst ihm den Link zur Playlist und die Liste zum Ausfüllen einfach per E-Mail und er hört sich alles an. Dann könnt ihr euch in der nächsten Stunde eine grobe Reihenfolge überlegen.

Meine Playlist von Level 6

Hier ist übrigens meine unperfekte und unvollständige von Stufe 6: Schöne Stücke Stufe 6. Und meine dazugehörige Auswahl-Liste darfst du dir gerne herunterladen – und übrigens auch benutzen!

Also, für welches Level könntest du gerade eine Playlist gebrauchen?

2 Kommentare

  1. Eine super Idee, liebe Carina. Ich werde für meine fortgeschrittenen Schüler auch solche Listen erarbeiten und sie den Schülern zur Verfügung stellen. Das spart im Endeffekt wirklich viel Arbeit. Und man kann diese Listen mit geringem Zeitaufwand für einzelne Schüler anpassen, wenn nötig.
    Liebe Grüße
    Susanne

    1. Liebe Susanne,

      herzlichen Dank für deinen Kommentar!

      Es spart Arbeit – wenn sie einmal gemacht ist – und Unterrichtszeit! Das finde ich auch ziemlich gut.

      Und der Schüler kann sich ganz in Ruhe durch schöne, klassische Stücke hören.

      Übrigens habe ich die Playlist und Liste noch um um Kuhlau und Clementi Sonatinen ergänzt.

      Liebe Grüße
      Carina

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