Eine motivierende Literaturserie: Masterwork Classics

Klassik-Serie von Jane Magrath

Es fühlt sich unglaublich gut an kleine und große Ziele zu erreichen. Daran hat mich neulich der Schwimmunterricht meiner Tochter erinnert. Zuerst hat sie den Pinguin gemacht, dann das Seepferdchen und nun übt sie für das Bronze-Abzeichen. In einigen Schulen wird vorher noch der Seeräuber gemacht.

Das sind drei Abzeichen bevor man in Deutschland als Schwimmer gilt. Wie schwierig wäre es mit der Motivation zum Schwimmen, wenn Bronze (oder der Freischwimmer) die erste Prüfung wäre?

Diese kleinen Zwischenziele machen stolz auf das bereits Erreichte und motivieren Schüler zum Dranbleiben.

Können wir das nicht irgendwie auf den Klavierunterricht übertragen? Ohne Prüfungen und Abzeichen?

Fortschritte sichtbar machen

Die Fortschritte unserer Schüler können wir auf unterschiedliche Arten sichtbar machen:

  • Fertige Stücke mit Sticker abschließen,
  • ein Video vom gerade abgeschlossenen Stück machen und den Eltern schicken,
  • eine Liste der im Schuljahr gelernten Stücke führen,
  • Schülerkonzerte organisieren oder
  • alte Hefte abschließen und neue beginnen.

Heute möchte ich darauf eingehen, wie motivierend es für Schüler ist ein Notenheft zu beenden und ein neues zu starten. Und die Serie vorstellen, die ich genau dafür in meinem Unterricht einsetzte.

Übrigens hat die Serie auch mir als Lehrerin gut getan, dazu später mehr.

Notenhefte können demotivieren

Es war wohl 2015, als ich sehr unglücklich mit meiner verwendeten Unterrichtsliteratur war. Ich hatte Schüler, die seit Jahren in einer Anthologie steckten. Die Hefte sahen immer gezeichneter aus, doch das Abschließen derselben war nicht in Sicht. Und die beginnende Pubertät passte überhaupt nicht mehr zu den Illustrationen. Dabei sollten sie auflockernd und ansprechend wirken.

Ich hatte Zweifel an mir. War mein Unterrichtstempo so langsam weil ich zu gründlich war? Fehlte mir Erfahrung meine Schüler schneller durch die Stücke zu führen? Fehlten ihnen die nötigen Fähigkeiten?

Meine Schüler fanden die Stücke im Heft schwer. Inhaltlich, wie auch klanglich. Alles Klassikstücke… laaaangweilig! Dabei waren es tolle Kompositionen – aber eher die Art, die nur Klavierlehrer toll finden?

Das Heft zog sich über Jahre. Wie Kaugummi. Da musste etwas anderes her!

Ich wusste von englischsprachigen Klavierlehrer-Blogs, dass es eine andere Art von Anthologien gab. Die Stücke wurden nach Schwierigkeitsgrad in aufeinander aufbauende Hefte sortiert. Das fand ich spannend und wollte es mir näher anschauen, so dass ich drei dieser Serien bestellte und zwei mit Schülern testete.

Und ja, genau so hatte ich es mir gewünscht. Meine Schüler konnten genug Erfahrung auf ihrer Leistungsstufe sammeln und das Heft in wesentlich kürzerer Zeit abschließen. Die klassischen Stücke wurden wesentlich positiver angenommen, da sie machbar waren – und Illustrationen werden bis heute nicht vermisst.

Die Serie, die seitdem bei mir im Einsatz ist, möchte ich dir jetzt vorstellen. Doch dazu darf heutzutage der Hinweis nicht fehlen, dass dies ist meine persönliche Meinung und unbeauftragte Werbung ist.

Masterwork Classics von Jane Magrath

Masterwork Classics ist eine Repertoire-Serie, welche die vier Epochen von Barock bis Moderne abdeckt. Sie soll Schüler motivieren und sie gleichmäßig und problemlos von den frühesten Klassikern zu der fortgeschrittenen Literatur führen. So steht es auf dem Umschlag.

Die Serie umfasst neun Hefte, die von Stufe 1 bis 10 führen. Die Schwierigkeitsstufen entsprechen der Einteilung des Nachschlagewerkes von Jane Magrath: „The Pianist´s Guide to Standard Teaching and Performance Literature“. Diesen Wälzer nutze ich häufig und kann ihn wärmstens empfehlen!

Jedem Heft liegt eine CD mit allen Stücken bei und ganz besonders möchte ich auf die „Suggested Order of Study“ hinweisen. Diese Übersicht zeigt dir, in welcher Reihenfolge die Autorin das Erarbeiten der Stücke empfiehlt. Dabei unterteilt Magrath in zwei Listen, einmal Stücke aus der Barock und Klassik und zum anderen Werke der Romantik und Moderne.

Ich finde diese Empfehlungen sind wertvolle Anhaltspunkte, die ich genau prüfe und nach meinem Empfinden und der bisherigen Erfahrung ändere.

Aktuell verwende ich die ersten vier Hefte der Serie und möchte dir diese nun etwas näher vorstellen.

Das erste Heft Masterwork Classics Level 1-2 beinhaltet 29 Stücke der Stufen 1 und 2. Die leichtesten Stücke helfen dem Schüler sehr dabei, den Sprung von der Klaviermethode zu den ersten Originalstücken zu meistern.

Im zweiten Heft, Level 3 sind 38 Stücke enthalten. Die Auswahl der Stücke von Gurlitt, Kabalewski und Gretschaninov treffen nicht ganz meinen Geschmack, da ergänze ich vereinzelt andere Stücke.

Im nächsten Heft Level 4 finden sich 34 Stücke. Zusätzlich habe ich schon den „Jungen Mozart“ und Opus 100 von Burgmüller verwendet. Das hängt vom Arbeitseinsatz und Interesse des Schüler ab, aber auch davon welche Stücke du gern unterrichtest.

Das Heft von Level 5 enthält 25 Stücke. Ich finde es beinhaltet eine gute Mischung aus bekannten und fremden Kompositionen.

Fazit zu Masterwork Classics

Keine Anthologie hat wohl genau die Stücke, die wir persönlich am wichtigsten finden. Du siehst, dass ich hier und da auch gerne Favoriten einfüge. Außerdem unterrichte ich natürlich auch nicht alle enthaltenen Stücke, sondern die, die ich generell und im speziellen für den Schüler interessant und sinnvoll halte.

Insgesamt finde ich die Masterwork Classics-Serie sehr gelungen und hilfreich, dem Schüler tolle Stücke aus vier Epochen nahe zu bringen. Und da er nicht jahrelang im gleichen Heft spielt, nimmt er besser seine Fortschritte war.

Doch eine Anthologie-Serie ist nicht nur für den Schüler interessant…

Eine progressive Ordnung hilft uns Lehrern

Wir Lehrer wollen unseren Schülern die Liebe zur Musik vermitteln. Zeigen, wie wunderschön, abwechslungsreich und berührend sie sein kann.

Doch diese Vielfalt an fantastischen Kompositionen macht uns eine Auswahl nicht leicht.

Das ist vergleichbar mit einem tollen Buffet: Suppen, Vorspeisen, Hauptgerichte und Desserts lassen uns beim Anblick schon das Wasser im Mund zusammenlaufen. Und wir laden uns von allem nur ein bisschen auf den Teller, schließlich sieht alles so lecker aus. Und dann haben wir doch zu viel gefuttert. Die Kleidung kneift und wir werden träge. Schlimmstenfalls nehmen wir noch an Gewicht zu…

Ähnlich ist es, wenn wir uns am Noten-Buffet umsehen. Es gibt so viele spannende Notenhefte und so tolle Kompositionen, die wir mit unseren Schülern spielen wollen. Wir probieren hier ein bisschen und das Heft da drüben sieht auch so toll aus. Schnell sind wir (und unsere Schüler) überfordert, denn wir kennen diese ganzen neuen Stücke ja noch gar nicht. Oder du verlierst den Überblick über all die Stücke und Ideen, die du mit deinen Schülern umsetzten wolltest. Vielleicht zweifelst du dann so wie ich an dir und deinen Unterrichtskünsten.

Mir hat diese progressive Einteilung von Masterwork Classics unglaublich gut getan. Ich merke, dass ich fremde Stücke besser einschätzen und einordnen kann. Es ist ein guter Schritt aus der behütenden Methode heraus, doch bietet noch genügend Orientierungspunkte. Von hier aus werde ich mein Unterrichtsrepertoire nach allen Seiten erweitern. Ohne Frust und Überforderung.

Möchtest du wissen welche andere Serie ich getestet habe? Das ist „Journey through the Classics“ von Jennifer Linn. Sie enthält ebenfalls schöne Originalkompositionen, die teilweise identisch mit Masterwork Classics sind. Das cremefarbene, dicke Papier ist wirklich schön. Doch die Masterworks haben eine größere Auswahl an Stücken, das hat für mich den Ausschlag gegeben.

Kennst du diese Unzufriedenheit mit dem eigenen Unterricht oder die Überforderung durch die Vielfalt an Stücken?

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