8 Tipps für eine schöne Fingerhaltung

Klavier unterrichten, die richtige Fingerhaltung und Klaviertechnik auf klavierpaedagogikentdecken.de

Wie oft bist du schon verzweifelt, wenn deine Schüler mal wieder die „runden“ Finger vergessen?

Ich habe hier meine besten Tipps für dich zusammengetragen.

Die Finger verbinden uns mit dem Klavier und sind für ein musikalisches Spiel sehr, sehr wichtig.Deshalb sollte das früher oder später einfach gut werden!

Durch eine schöne Fingerhaltung haben unsere Schüler die Chance gut Klavierspielen zu können.

  1. Aktiviere das Fingerbewusstsein: Jeder Finger ist anders

Frage deinen Schüler in der Probestunde ob er die Namen seiner Finger kennt. Das wissen die Kinder und freuen sich, dass sie etwas können. Mütter sind natürlich jedes Mal peinlich berührt, wenn ihr Kind „Stinkefinger“ sagt. Hi hi…

Weiß dein Schüler auch welcher Finger der stärkste ist? Oder der schwächste? Welcher ist der längste?

Damit kannst du ein Bewusstsein für jeden einzelnen Finger aufbauen und nun auch den Fingersatz einführen.

Viele, viele Stunden später erinnere ich zum Beispiel bei einem Dreiklang daran, dass hier der stärkste, der längste und der kleinste Finger zusammenspielen. Und dass dies etwas Übung und Aufmerksamkeit bedarf.

  1. Von Anfang an – erkläre die Fingerhaltung bereits in der Probestunde

Alles ist in der Probestunde neu und sie soll vor allem Lust auf mehr machen. Doch damit dein neuer Schüler auch einen vollständigen Eindruck vom Klavierspielen bekommen kann, solltest du die Fingerhaltung nicht auslassen.

Gerne lasse ich meinen Schüler Cluster auf den schwarzen Tasten spielen. Auf diese Weise wird die Tastatur und das ganze Klangspektrum erfahren und der Schüler kann ein Gefühl für das Instrument und die eigenen Finger entwickeln.

Ich erkläre die optimale Fingerhaltung und wir probieren es aus. Auch wenn es oft noch nicht gelingt -der Grundstein ist gelegt. Wenn dein potenzieller Schüler sich dann für das Klavierspielen entscheidet, weiß er was auf ihn zukommt und du hast gesehen, welche Finger zu bändigen sind.

Nachträglich die Fingerhaltung zu korrigieren ist eine echte Qual.

Egal ob nach einigen Wochen, Monaten oder Jahren – da eine Gewohnheit zu verändern ist sehr, sehr schwer. Wenn du schon mal einen Schüler mit schlechter Haltung übernommen hast, kennst du diese Problematik bestimmt.

  1. Erkläre die Fingerhaltung anhand eines Bildes: Die Römische Rundbogenbrücke

Je besser du die Fingerhaltung erklärst, desto eher haben es deine Schüler verstanden.

„Kennst du die Römer?“ frage ich. Ich erkläre, dass sie sehr klug waren und tolle Sachen erfunden haben. Unter anderem die Rundbogenbrücke. Die Römer wussten, dass ein Halbkreis sehr stabil ist. Ich runde dann einen Finger, schlage damit eine Taste an und lege einen Stift längs darüber, um Brücke und Straße darzustellen. So bekommt mein Schüler ein genaues Bild.

Das hier kannst du ebenfalls zeigen:

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  1. Beginne jede Stunde mit der richtigen Sitzhaltung

Die ganze Körperhaltung ist wichtig.  Wenn der Körper aufrecht ist und Schultern, Arme und Hände locker schwingen, dann können die runden Finger auch differenziert spielen.

Ist irgendwo eine Fehlhaltung, die blockiert, wird ein freies Spiel unmöglich und technische Probleme sind vor programmiert. Auch wenn es natürlich erst viel später um diese Feinheiten geht…

Die richtige Sitzhaltung gehört deshalb auch in die Probestunde. Nachdem sich dein Schüler gesetzt hat, erklärst du die aufrechte Haltung, die richtige Sitzhöhe und angemessene Entfernung. Schüler und Eltern sollten genau Bescheid wissen.

Bei kleinen Kindern kommen noch ein oder mehrere stapelbare Fußhocker dazu. Damit sitzen sie gerade und stabil.

Übrigens:

JEDE meiner Stunden beginnt mit Suche nach der richtigen Sitzhaltung.

Dabei bitte ich meinen Schüler, seine Sitzhöhe und die Entfernung zum Klavier zu prüfen.

Früher habe ich dies bei der Begrüßung immer selber erledigt. Doch so bekommen die Schüler kein eigenes Gefühl dafür und spielen zu Hause in irgendeiner Haltung. Sie wachsen noch und sollten deshalb selbständig die Sitzhöhe und Co anpassen können.

  1. Achte von Anfang an auf möglichst viel Entspannung in den Händen.

Eine entspannte, lockere Haltung ist natürlich auch in den Händen und Fingern wichtig.

Wenn der Schüler zu Beginn des Unterrichts nur mit einem Finger spielt, werden die anderen Finger gern in der Hand versteckt. Hier baut sich unnötige Spannung auf, die schnell bis in die Schultern hinein ziehen kann.

Achte darauf, dass dein Schüler seine Finger beim Spielen alle sehen kann. Ich sage dazu immer „alle Finger gucken zu“, auch wenn nur einer von ihnen spielt. Die anderen Finger wollen ja auch wissen wie es geht… 😉

Beobachte auch ob und welche Finger sich in die Luft strecken, dies ist auch ein Zeichen von Anspannung.

Mache deinen Schüler darauf aufmerksam und probiert aus zu welchem Zeitpunkt sich der Finger hebt. Es dauert natürlich, bis dass er ein Gefühl für die Entspannung entwickelt hat. Pikst der Finger wiederholt in die Luft, erinnere ich oft ohne Worte. Ich streiche dann sanft über den angespannten Finger.

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  1. Starte mit dem 3. Finger

Viele Klaviermethoden gehen vom Daumen aus, doch ich halte ihn für den schwierigsten Finger. Er befindet sich an der Handseite, ist sehr stark und benötigt damit eine etwas andere Haltung als die anderen Finger. Stimmt sie nicht, ist er oft die Ursache für eine verspannte Fingerhaltung und vor allem für ein Verschieben der gesamten Handhaltung.

Da sich der 3. Finger in der Handmitte befindet, ist dies der optimale Finger zum Beginnen. Er ist lang, doch kann sich gut runden und die Hand bleibt gut in der gewünschten Position, da sie eine gewisse Stabilität hat. So lässt sich ein Gefühl für den Anschlag entwickeln.

Das mittlere C muss nicht zwingend mit dem Daumen gespielt werden!

Bei den ersten Stücken kommen so wenige Töne vor, dass sich der Fingersatz ganz einfach verändern lässt. Ich beginne mit dem 3. Finger auf C, anschließend spielt der 2. Finger C wenn H und D dazu kommen. Dann kommt der 4. Finger dazu.

Erst wenn der Schüler in jeder Hand drei Töne spielt, führe ich den Daumen und den 5. Finger ein.

  1. Nutze kleine Fingerübungen

Technik und Rhythmus behandle ich gerne getrennt von den eigentlichen Stücken. So liegt der Fokus immer auf einer speziellen Sache und der Schüler wird nicht überfordert und sieht schnell einen Erfolg.

Unsere Schüler sind oft mit den Herausforderungen ihrer Stücke beschäftigt, da können sie nur wenig an ihre Haltung denken.

Ich setzte oft kleine Übungen, die Spielbewegungen und Fingerhaltung behandeln, an den Beginn der Stunde. Das sind zum Beispiel im Anfängerstadium kleine Finger-Minis, die nur als Fingersatz notiert sind.

Beginnt ein Schüler mit beiden Händen zusammen zu spielen, bekommt er Übungen zur Koordination. Später lernt er dann unterschiedliche Fünf-Fingerpositionen kennen.

Die Übungen sind viel schneller zu lernen als ein Stück, sie werden auswendig gespielt und so hat der Schüler ausreichend Zeit sich um seine Haltung zu kümmern.

Als Anregung kann ich dir die Reihe „Dozen an Day“ von Edna Mae Burnam empfehlen, sie gibt es jetzt auch auf Deutsch: „Ein Dutzend am Tag“.

  1. Gebe nicht auf! Dran bleiben! Und nerven!

Es gibt starke, kompakte, schwache und feingliedrige Finger. Manche stehen von Anfang an, andere müssen immer wieder bewusst aktiviert werden.

Es gibt Finger, die nicht ideal dafür sind, doch auch sie können sich so gut wie möglich aufstellen, damit ein bewusster und differenzierter Anschlag möglich ist.

Unterbreche deinen Schüler jedes Mal, wenn er ohne eine schöne Haltung losspielt.

Jedes Mal!

Er merkt es selber nicht und ist mit dem Stück beschäftigt. Es ist nicht böswillig gemeint. Und von dir auch nicht, wenn du ihn zu Beginn eventuell sogar mehrmals abwürgst.

Die Gewohnheit mit richtiger Fingerhaltung zu spielen kann sich nur einstellen, wenn er es auch tut. Die Macht der Wiederholung.

Manchmal bedarf es aber auch nur einer kleinen Erinnerung. Dann berühre ich den entsprechenden Finger und in der Regel reagiert der Schüler sofort mit einer Korrektur.

Es ist viel woran er denken soll, aber mit deiner Hilfe kann er das schaffen!

Du wirst deine Schüler immer wieder auf die Korrektur ihrer Fingerhaltung aufmerksam machen. Bitte gib nicht auf und sei hartnäckig!

Hier alle Tipps auf einen Blick:

  1. Aktiviere das Fingerbewusstsein: Jeder Finger ist anders
  2. Von Anfang an – erkläre die Fingerhaltung bereits in der Probestunde
  3. Erkläre die Fingerhaltung anhand eines Bildes: Die Römische Rundbogenbrücke
  4. Beginne jede Stunde mit der richtigen Sitzhaltung
  5. Achte von Anfang an auf möglichst viel Entspannung in den Händen.
  6. Starte mit dem 3. Finger
  7. Nutze kleine Fingerübungen
  8. Gebe nicht auf! Dran bleiben! Und nerven!

Ich wünsche dir also einen ganz langen Atem und hoffe, dieser Artikel konnte dich neu motivieren.

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