Wenn unsere Schüler*innen unsicher im Notenlesen sind, hat dies Auswirkungen auf ihre Motivation, ihr Üben und ihren Fortschritt. Was kannst du tun, um ein gutes Notenlesen zu fördern?
Ich habe einige Strategien um mit meinen Schüler*innen das Notenlesen zu üben. Dazu gehören das intervallische Lesen, die jährliche One Minute Challenge und eben auch die Ankertöne, die ich dir heute vorstellen möchte.
In diesem Artikel erfährst du, welche Töne „Ankertöne“ sind, warum sie den Schülern helfen, wann und wie ich sie einführe und übe. Ganz unten findest du außerdem ein Infoblatt, dass du kostenlos downloaden und an deine Schüler*innen verteilen kannst.
Was sind Ankertöne?
Die Ankertöne sind bestimmte Töne, die schnelle Orientierung und Hilfe beim Notenlesen bieten. Im Englischen heißen sie „landmark notes“, also Orientierungspunkte. Der Begriff „Ankerton“ bezieht sich auf einen Anker, der das Schiff vor dem Abtreiben durch Meeresströmungen sichert. Es sind wenige Töne, die Schüler*innen sicher wissen und von denen sie andere ableiten können.
Die obligatorischen C´s werden durch bestimmte G´s und F´s ergänzt. In der rechten Hand ist das g1 der Ankerton, der durch den Beginn des Violinschlüssels (auch G-Schlüssel genannt) markiert wird, dazu kommt das f2 auf der fünften Notenlinie. In der linken Hand ist es das kleine f, dass durch den Bassschlüssel (auch F-Schlüssel genannt) gekennzeichnet ist, dazu das große G auf der ersten Linie im Bassschlüssel.
Auf der Abbildung siehst du wie symmetrisch die Anordnung ist.

Abbildung 1: alle Ankertöne
Siehst du, wie klein die Abstände zwischen den Ankertönen sind? Schülerinnen und Schüler, die diese Ankertöne sicher wissen, haben deutlich kürzere Wege zum Töne abzählen und machen dadurch viel weniger Fehler.
In der folgenden Abbildung kannst du den Unterschied sehen. Üblicherweise würden Schüler*innen von c1 bis a1 abzählen. Das ist es ein weiter Weg, in dem schnell ein Fehler passieren kann. Die wenigsten kommen auf die Idee vom C2 abwärts zu zählen.
Kennen deine Schüler*innen die Ankertöne, können sie vom g1 einen Schritt nach oben zählen oder vom c2 zwei Schritte nach unten. Das ist schneller und sicherer.

Abbildung 2: kurze Wege durch Ankertöne
Ein weiterer Vorteil: Falls deinem Schüler mal ein Ankerton nicht einfällt ist der zweite nicht weit entfernt! Die Wahrscheinlichkeit ist einfach größer, dass er sich an irgendeinen Ton sicher erinnert.
Neben der Erklärung, dass beide Notenschlüssel je einen Ankerton markieren, nutze ich zu einem späteren Zeitpunkt auch die symmetrische Anordnung um meinen Schüler*innen beim Einprägen der Ankertöne zu helfen. Dazu drehe ich das Merkblatt auf die Seite und wir besprechen die Lage der Töne.

Abbildung 3: gespiegelte Ansicht
Wann und wie können die Ankertöne eingeführt werden?
Ich führe die Ankertöne gern dann ein, wenn die Schüler*innen das erste Mal die Position der Hände verändern.
In meinem Unterricht ist es die rechte Hand, die sich aus der mittleren C-Lage in die F-Lage bewegt. Hier entsteht oft Verwirrung, der Daumen liegt plötzlich an einer ganz anderen Stelle, es kommen neue Töne dazu und drei der Töne sehen sich außerdem sehr ähnlich (f1, a1 und c2, alle im Zwischenraum). Hier erkläre ich, dass der Violinschlüssel auch G-Schlüssel genannt wird und der untere Teil auch etwas wie ein kleines g in Schreibschrift aussieht. Alle g´s und c´s werden in ihrer entsprechenden Farbe gekennzeichnet. Bei Bedarf markieren wir außerdem die Terzsprünge. Beides erleichtert den Schüler*innen die Neuorientierung.
Weitere Ankertöne führe ich meistens noch nicht ein, damit sich die Schüler*innen voll auf die neue Lage konzentrieren können. Wenn dann die linke Hand ihre Position verändert, sind die Ankertöne der rechten Hand sicher und ich die Ankertöne im Bassschlüssel über die Symmetrie einführen.
Falls nun einige deiner Schüler*innen bereits etwas weiter, aber noch im Grundschulalter sind, kannst du den Schritten aus dem Artikel über Ankertöne im Grundschulalter folgen. Das ist ein schöner Weg, wenn du alle Ankertöne auf einmal zeigen möchtest.
Größeren Schüler*innen reicht wahrscheinlich die Übersicht und die Erklärungen der Notenschlüsselnamen.
Apropos farbig markieren: Es ist hilfreich, wenn du zuvor für jedem Ton eine Farbe zugeordnet hast. Dieses System gilt immer für alle Schüler*innen in deinem gesamten Unterricht. Bei mir ist das C zum Beispiel immer gelb. Damit du dein Farbsystem immer zur Hand hast, kannst du dir in meinem Artikel „Etwas Musiktheorie zum Auffrischen“ eine Farbkarte zum Anmalen herunterladen.
Ich setzte sehr gerne Farbe ein, doch achte darauf, dass die Schüler*innen nicht davon abhängig werden. Das heißt wir markieren nur dann, wenn etwas neu oder unsicher ist. Nicht aber aus Gewohnheit.

Abbildung 4: Ankertöne innerhalb der zwei Oktaven
Übungen für die Ankertöne
Die Ankertöne wiederhole ich, sobald Schülerinnen oder Schüler Probleme mit dem Notenlesen zeigen. Spätestens aber als Vorbereitung für meine jährliche Notenlese-Challenge: Die „One Minute Challenge„.
Mögliche Übungen können sein:
- Nachschlagen lassen und dann in einem aktuellen Stück markieren,
- aus einem Stapel Notenkärtchen herausgesuchen,
- mit Moosgummistücken auf die Tastatur legen (wie in Ankertöne im Grundschulalter beschrieben),
- aus dem Kopf aufschreiben oder
- Spiele einsetzen, die ich als Mitglied der Vibrant Music Teaching Community (Affiliate) nutzen darf.
Zum Aufschreiben nutze ich eine selbstgebastelte „Tafel“, die eigentlich nur ein DinA4-Bilderrahmen mit einem eingelegten Notenblatt ist. Alternativ geht auch ein laminiertes Notenblatt. Die Schüler*innen schreiben dann mit einem abwischbaren Stift darauf.
Das Nachschlagen lassen übe ich immer wieder mal, wenn meine Schüler*innen ein neue Stück lernen und ihnen gerade ein Ankerton nicht einfällt. Ich halte mich hier bewusst zurück und sage es nicht vor, da ich möchte, dass sie wissen, wo sie beim häuslichen Üben nachschlagen können. Dafür haben alle Schüler*innen eine Übersicht in ihrem Ordner. Daran müssen sie manchmal erinnert werden… 😉

Die Ankertöne sind ein tolles System um schnell und sicher den richtigen Ton zu finden.
Hier findest du die komplette Übersicht über alle Ankertöne.
Hast du schon einmal von Ankertönen gehört? Wie ist deine Erfahrung mit ihnen?
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Hallo Carina,
die Ankertöne sind eine gute Idee. Ich arbeite auch damit. Bei den die C-Noten und die Schlüsselnoten (f und g1) verwende ich die gleichen Ankertöne wie du. Doch bei den Noten am Rand des Systems verwende ich im Basschlüssel das F und im Violinschlüssel das g2. Ich finde, es ist leichter zu merken:
F-Schlüssel >> Schlüsselnote f und Randnote F
G-Schlüssel >> Schlüsselnote g1 und Randnote g2
Liebe Grüße
Susanne
Liebe Susanne,
die von dir beschriebenen Ankertöne hatte ich zuerst auch. Ich denke sie sind auch genau so sinnvoll und logisch wie die im Artikel erwähnten.
Entweder man merkt sich F im Bass- und G im Violinschlüssel. Oder eben, dass in jedem Schlüssel F und G je einmal vorkommen.
Ich bin in der Vibrant Music Teaching Community von Nicola Cantan und die Spiele, die sie dort bereitstellt, verwenden die „jeder Ton einmal im Schlüssel“-Version. Dort habe ich mich also angepasst.
Liebe Grüße und danke für deine berechtigte Frage!
Carina