Meine Unterrichtsplanung Teil 3: Protokoll und Übe-Liste

In den ersten beiden Teilen von „Meine Unterrichtsplanung“ habe ich die Evaluation und die  Block-Planung vorgestellt. Im letzten Artikel geht es heute um das dritte Puzzlestück meiner Planung, das dir vielleicht am vertrautesten ist: Das Protokoll der Unterrichtsstunde.

Den Überblick behalten

Ein Protokoll – muss das sein? Es geht bestimmt auch ohne, doch ich habe die Erfahrung gemacht, dass mein Unterricht davon sehr profitiert.

Zu Beginn meiner Unterrichtstätigkeit hatte ich sehr viele Klavier-Anfänger. Oft begannen sie zur gleichen Zeit und lernten die gleichen Stücke. Da war ich sehr froh, das Protokoll zu haben, denn ohne Notizen hätte ich wohl den Überblick verloren oder hätte unsicher gewirkt. Da ich genau wusste was ich mit wem wie weit besprochen hatte, merkten meine Schüler, dass ich ihre Fortschritte richtig einordnen konnte. Das hat unseren Stunden gut getan.

Abstand und Planung

Inzwischen unterrichte ich eine bunt gemischte Klasse in allen Leistungsstufen. Doch ich habe viele Schüler (40) und könnte mir aus diesem Grund meine Stunden auch nicht ohne Protokoll vorstellen. Da würden Ereignisse, Schwierigkeiten, Wünsche und Ideen schnell verloren gehen. In der Unterrichtsstunde bin ich genauso beteiligt wie der Schüler, deshalb hilft mir das Schreiben oder Ergänzen des Protokolls am nächsten Morgen, die Stunde mit etwas Abstand zu betrachten. Dann habe ich auch Zeit, über die nächsten Schritte nachzudenken und diese vorzubereiten.

Was kann in einem Protokoll stehen?

  1. Name, Alter und Entwicklungsstand des Schülers
  2. Datum
  3. Titel der Stücke. Dahinter notiere ich, was besprochen wurde.
  4. Dauer der Erarbeitung. Hinter dem Titel halte ich in einer Klammer die aktuelle Anzahl der Wochen fest, z.B. Menuett (3). Daran lässt sich ablesen, wie lange der Schüler für seine Stücke braucht, ob das ausgewählte Stück den richtigen Schwierigkeitsgrad hat, ob es den Schüler anspricht und der Schüler richtig und ausreichend übt.
  5. Anzahl der Übetage in der letzten Woche geübt hat. Ich nutze seit über 10 Jahren diese Übe-Liste (s.unten).
  6. Grundsätzliche Themen/Problematiken der Stunde. Handhaltung, Schwierigkeiten bei Spielbewegungen, unsicheres Lesen etc. Dies gibt mir die Möglichkeit, eine geeignete Übung oder ein Spiel für die Folgestunden vorzubereiten.

Übe-Liste

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In der ersten Spalte „Aufgabe/Stück“ trage ich das Stück und die Anzahl der Wiederholungen ein. Oft erinnere ich mit kurzen Stichworten an die besprochenen Details, die der Schüler bei seinem Üben beachten sollte.  Im Laufe der Woche trägt der Schüler dann in der entsprechenden Spalte des Tages ein wie viel er geübt hat. Besonders jüngere Schüler können den Zeitraum von einer Woche noch gar nicht erfassen. Die Liste hilft ihnen die verbleibenden Tage zu sehen und wie oft sie bereits geübt haben. So kann ich den Schüler für sein Üben entsprechend loben, ermuntern und Tipps für das häusliche Üben geben. Ich habe immer wieder positive Rückmeldungen von den Eltern bekommen und ich bin recht zufrieden, wie gut meine Schüler üben.

Unterschiedliche Protokollarten

Je nach Entwicklungsstand des Schülers eignen sich unterschiedliche Protokoll-Vorlagen. Möchte ich die Stunde eines Anfängers festhalten, brauche ich ausreichend Platz für die vielen kleinen Stückchen, die er spielt. Ein erfahrener Schüler spielt mehrere Wochen die gleichen zwei bis drei Stücke, da ist weniger Platz für das Festhalten der Entwicklungsschritte nötig.

Meine Vordrucke für Anfänger (prot-anfaenger-neu) und Fortgeschrittene (protokoll-fortgeschrittene) kannst du dir gern anschauen und  herunterladen. Beide habe ich bis vor den Sommerferien genutzt.

Als Unterlagen hatte ich also eine Block-Planung (s. Artikel) und ein Protokoll für jeden Schüler ausgedruckt zur Hand. Während des Unterrichtstages befanden sich alle Zettel auf einem Klemmbrett und wenn die Protokolle vollständig waren, wurden alle Unterlagen des Tages in den entsprechenden Hängeordnern abgelegt.

Dies hat für mich viele Jahre sehr gut funktioniert. Manche Tage waren aber so wuselig, dass das Protokollieren zu kurz kam. Schon die Hausaufgaben der Schüler habe ich im letzten Moment hin gekritzelt. Und wenn ich nicht spätestens am nächsten Morgen nachgetragen hatte, gab es durchaus auch mal Erinnerungslücken.

Es war Multitasking und die Anzahl meiner Schüler machte es nicht immer einfach. Deshalb notiere ich nun – wenn möglich während der Stunde – meine Protokolle in Excel. Dort kann ich den Platz für meine Notizen jederzeit problemlos anpassen.

Außerdem muss ich weniger schreiben, da ich die Übe-Liste bereits VOR der Stunde entwerfe. Diese Idee habe ich auf dem Blog der New School of Music Study entdeckt.

Frances Clark und die New School of Music

Die amerikanische Klavierpädagogin  Frances Clark hat 1960 die „New School of Music Study“ als  Forschungs- und Ausbildungszentrum gegründet. Dort werden bis heute die Lehrmethoden bezüglich ihrer Effektivität evaluiert und weiterentwickelt und Lehrer können sich nach dem Abschluss weiter ausbilden lassen. Ihr haben wir u.a. die Vornotation und das Spielen auf schwarzen Tasten zu verdanken. Außerdem die Nutzung der kompletten Tastatur von Anfang an, das intervallische Lesen und das Lesen mit Hilfe von Ankernoten (alle C´s, aber auch F´s und G´s).

Schau doch mal auf die Homepage des Frances Clark Center, dort kannst du das digitale Abo des „Clavier Companion“ (12,99$/ Jahr) bestellen. Ich kenne kein vergleichbares Fachmagazin, das so aktuell, gut verständlich und praxisorientiert ist – Englischkenntnisse vorausgesetzt.

Die vorbereitete, doppelte Übe-Liste

Die Übe-Liste wird von den Lehrern der New School während der Planung zur nächsten Stunde geschrieben. So sind die Ziele der Stunde klar und es bleibt mehr Zeit für den Unterricht. Es gibt zwei Möglichkeiten, entweder wird die Liste in doppelter Ausführung vor der Stunde ausgedruckt oder sie wird mit Hilfe eines PC´s in der Stunde angepasst und dann ausgedruckt. Schließlich kann nicht jede Übeanweisung vorhergesagt werden und die eine oder andere Erinnerung kann noch ergänzt werden.

Ich nutze die erste Variante und lege Karbonpapier zwischen die Duplikate, gut befestigt auf einem Klemmbrett. Während der Stunde wird nach Bedarf ergänzt und diese Änderungen landen durch das Karbonpapier auf meiner Kopie. So schreibe ich nur einmal, habe aber nach der Stunde das Original für den Schüler und ein Duplikat für mich. Die Kopie der Übe-Liste erinnert mich sehr gut an die Stunde, falls ich das Protokoll noch ergänzen muss. Außerdem kann ich so die nächsten Lernschritte planen und vorbereiten – und natürlich die nächste Übe-Liste schreiben.

Meine größten Bedenken waren, ob ich vormittags immer Zeit für die Vorbereitung haben würde und ob noch genügend Flexibilität in der Hausaufgabenstellung vorhanden wäre. Manchmal war es knapp, doch bisher ist mir das Erstellen und Drucken der Übe-Listen immer gelungen. Für den Notfall hätte ich ein paar Blankovorlagen im Schrank. Oder den PC an meiner Seite.

Es ist eine richtige Erleichterung, dort schon etwas stehen zu haben. Läuft uns mal in der Stunde die Zeit weg, gibt es bereits klare Übeanweisungen und ich kann den Schüler bitten, etwas Neues auch einmal allein zu probieren.

Der große Vorteil ist, dass ich mir oft viel mehr Gedanken über die nächsten Lernschritte mache, wie ich sie einführe oder umsetze. Dies lässt mich etwas weiter nach vorne schauen. Ansonsten warte ich immer nur auf den Schüler und seine Fortschritte der letzten Woche. Er bestimmt selbstverständlich das Lerntempo, doch sehe ich es als meine Aufgabe ihn mithilfe meiner Vision vorwärts zu führen.

Hier kannst du dir zwei Versionen herunter laden, die ich mittlerweile für die doppelte Übe-Liste nutze. Die erste ist für Anfänger (uebe-liste-elementary), bzw. die ersten Jahre. Dort habe ich die oben erwähnte, alte Übe-Liste integriert. Die andere ist für Fortgeschrittene (uebe-liste-intermediate), die das Zeitfenster einer Woche besser überschauen können. Auf der DinA4-Seite ist neben den Hausaufgaben genügend Platz für technische Übungen und das Repertoire (Wiederholungsstücke). Dies sind bereits abgeschlossene Stücke, die der Schüler weiterhin gerne spielt und die seine Übezeit noch ein bisschen verlängert.

Abschließende Gedanken

Dies war der letzte Teil von „Meine Unterrichtsplanung“. Mein Ansatz wirkt auf den ersten Blick vielleicht etwas aufwändig, doch ich empfinde ihn auf lange Sicht zeitsparend. Für mich geht es vor allem um die folgenden Fragen:

Was wünscht sich der Schüler von unserem Unterricht?

Welche Fähigkeiten sind mir für einen Klavierschüler wichtig zu erreichen?

Wie kann ich ihn an diese Ziele bringen?

Wie viele Jahre habe ich mit dem Schüler?

Mit einer Unterrichtsplanung habe ich Ziele und Entwicklung im Blick. Das ist für mich  „zielstrebiges, planmäßiges, ökonomisches, systematisches Handeln.“ (A. Ernst: Was ist guter Instrumentalunterricht, S. 22) Die für den Schüler interessanten Lernfelder kann ich so berücksichtigen und fördern.

Ganz allgemein gefasst ist für mich das Ziel erreicht, wenn mein Schüler fähig ist,  innerhalb seiner Möglichkeiten Musik zu verstehen und zu lesen. Kann er sich eine Komposition mit cleveren Übestrategien erarbeiten und mit seinen erworbenen Fähigkeiten umsetzten, bin ich sehr zufrieden. Letztendlich geht es darum, dass der Schüler sein Leben lang Freude am Klavierspielen haben kann.

Während ich diesen Artikel fertig stelle, entdecke ich zwei englischsprachige , aktuelle Beiträge, die das gleiche Thema behandeln. Bei den „Curious Piano Teachers“ geht es hier um inspirierendes Unterrichten, das eine gründliche Unterrichtsplanung voraussetzt und im Folgeartikel um eine 5-Schritte-Formel für eine einfache Unterrichtsplanung.

Ich bin sehr gespannt, was du über Unterrichtsplanung denkst. Wie schreibst du deine Protokolle oder die Hausaufgaben deiner Schüler auf? Vielleicht magst du es in den Kommentaren mit uns teilen. Falls du weitere Fragen zu diesem Thema hast, helfe ich dir gerne weiter.

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