Einen Blog schreiben ist wie ein Fass ohne Boden. Die Arbeit hört praktisch nie auf, doch meine Zeit ist begrenzt. In den letzten Jahren gab es immer wieder Situationen, in denen ich über das Aufhören nachgedacht habe.
Doch ich habe eine persönliche Mission, die mir sehr wichtig ist. Diesen Artikel habe ich zum 7. Bloggeburtstag veröffentlicht und nun zum 10. Jahrestag etwas überarbeitet. Meine Formulierungen – nicht aber meine Gründe.
Falls du dich schon einmal gefragt hast, wie ich zum Bloggen gekommen bin und warum ich mir diese zusätzliche Arbeit aufhalse, ist dieser Artikel meine Antwort.
Ich blogge, um meine Erfahrungen zu teilen
Ich blogge, weil ich meine Erlebnisse und Erkenntnisse mit denen teilen möchte, die noch nicht so viele Erfahrungen sammeln konnten. Nicht weil ich mir einbilde, dass ich alles wüsste, sondern weil ich selbst ganz viel von den Erfahrungen anderer lernen durfte. Dies hat mich sehr geprägt.
Lass uns kurz in das Jahr 2003 reisen. Ich hatte gerade mein Musikpädagogikdiplom in der Tasche und auch wenn ich bereits einige Unterrichtserfahrungen vor und während des Studiums gesammelt hatte, wusste ich ehrlich gesagt nicht besonders viel. Zum Beispiel wie eine Probestunde aussehen sollte oder wie ich meinen Schüler*innen helfen konnte eine gute Handhaltung zu lernen.
Ich begann an einer privaten Musikschule zu unterrichten und meine erfahrene Chefin zeigte mir ihr System für den Anfangsunterricht, erklärte genau was ihr wichtig war und wie sie vorging. Zusätzlich hospitierte ich in ihrem Unterricht. Nachdem ich hier und da einzelne Erfahrungen und Wissen gesammelt hatte, war dies eine echte Wohltat.
Zum Glück wollte meine Chefin aber nicht, dass ich genauso wie sie unterrichtete. Sie riet mir dazu, meinen eigenen Weg zu finden. Ich konnte alles ausprobieren und ihre Formulierungen benutzen, doch ich sollte authentisch bleiben. Nur so würde es funktionieren.

Ich war und bin unglaublich dankbar dafür, dass sie mich an die Hand nahm. Schon damals hatte ich den Wunsch, meine Erfahrungen später auch einmal weiter zu geben. Es ist viel zu schade, dass jeder so vor sich hin versucht und wenig Austausch ist.
Erfahrung ist beim Unterrichten unglaublich wichtig. Du kannst noch so gut Klavierspielen oder ein super Händchen mit Menschen haben – nur durch Erfahrungen weißt du, wo du nachgeben kannst und wo du hartnäckig sein solltest. Nur dann kannst du erkennen, womit deine Schülerin neben dir wirklich gerade kämpft.
Diese Ansammlung an Wissen und der richtigen Intuition braucht viel Zeit. Und es geht viel schneller und leichter, wenn du währenddessen auf bereits bestehende Erfahrungen von Kolleg*innen zugreifen kannst.
Ich wünsche mir, dass Klavierpädagogikentdecken.de ein Teil davon sein und Hilfestellung in unbekannten Bereichen bieten kann.

Ich blogge, weil es kaum Austausch gibt
Es gibt wenige Möglichkeiten andere Klavierlehrer*innen zu treffen. In einer privaten oder städtischen Musikschule gibt es natürlich Kolleg*innen, doch oft findet nur ein schneller Austausch auf dem Flur statt und nur wenn man Glück hat, findet man jemanden, der auf der gleichen Welle liegt. Vielleicht schnappt man einen Literaturtipp auf, doch habe ich eine Person, mit der ich über Problemschüler sprechen kann?
Oft liegt es an der Zeit. Viele Kolleginnen sind wie ich Mütter und haben wenig Zeit neben Beruf und Familie. Andere haben vielleicht noch ein zweites Standbein oder konzertieren häufig. Doch ich weiß auch von Klavierlehrer*innen, die wenig Gemeinsamkeiten mit ihren Kolleg*innen teilen und deshalb allein mit ihren Gedanken und Ideen sind.
Es gibt wenige Organisationen, doch oft sind sie nur ein Angebot für studierte Instrumentalpädagogen, nicht für Quereinsteiger. Und auch hier ist die Frage, ob man gemeinsame Themen und Interessen finden kann. Ich habe sie dort nicht gefunden.
Mit Klavierpädagogikentdecken.de möchte ich diese Lücke etwas schließen. Nichts übertrifft einen richtigen Austausch, doch die Recherche im Internet und das Lesen von Blogartikeln kann neue Impulse und Motivation bieten. Und zwar jederzeit abrufbar.
Inzwischen habe ich über den Blog viele wunderbare Kolleginnen und Kollegen aus dem DACH-Raum kennengelernt und biete Austausch in Form von Stammtischen oder anderen Terminen wie Webinare oder Workshops an. Das ist immer richtig schön!
Ich blogge, weil sich der Klavierunterricht verändern sollte
Ich finde, dass es Zeit für neue und frische Ideen im Klavierunterricht ist. Es geht mir nicht darum, alle Traditionen über den Haufen zu werfen. Viel mehr möchte ich anerkennen, dass unsere Welt im Allgemeinen und im Speziellen für unsere Schüler*innen und ihre Familien in den letzten Jahrzehnten viel schneller und komplizierter geworden ist.
Der Alltag von Familien hat sich stark geändert. Mütter sind berufstätig und Kinder sind viele Stunden betreut. Die Erziehung ist nun bindungsorientiert, nicht mehr autoritär. Das Smartphone sorgt für permanente Ablenkung, wenn man nicht darauf achtet. Alles und jeder ist (fast) immer erreichbar.
Ich habe den Eindruck, dass die Schüler*innen immer selbständiger und mündiger werden. oder eben genau das Gegenteil. Ich fühle ich als Lehrerin respektiert und geschätzt, trotzdem merke ich, dass schneller Kritik oder Beurteilungen kommen, wenn etwas als langweilig oder unsinnig empfunden wird. Für mich ist das nicht frech, sondern gesund. Unsere Gesellschaft braucht nicht noch mehr Depressionen und Burnout, sondern es ist gut, wenn Gefühle und Bedürfnisse nicht mehr unterdrückt werden. Es ist aber eine Aufgabe den eigenen Weg zwischen eigenen und fremden Ansprüchen zu bahnen.
Was bedeutet dies für den Instrumentalunterricht? Vom Bildungsanspruch zur Dienstleistung? Ist Popmusik die ultimative Lösung? Ein Instrument lernen ohne Notenlesen zu können? Wir alle haben tief in uns einen großen Anspruch in uns, wir wollen vermitteln was Musik aussagen und bedeuten kann.
Es ist schwer, wenn meine Schüler*innen lieber Popsongs statt Beethoven-Sonaten spielen wollen, doch es ist absolut ok für mich. Mir ist wichtig, dass sie Freude am Klavierspielen haben, und das Wissen und die Fähigkeiten aufbauen, dass sie später eben doch Klassik spielen könnten. Und bis dahin gibt es inzwischen eine große Auswahl an wunderschönen, zeitgemäßen Kompositionen oder Pop-Arrangements.
Der gesellschaftliche Wandel verändert unseren Unterricht. Ob wir wollen oder nicht.
Genau hier auf dem Blog möchte ich deshalb meine Erfahrungen und Ideen mit Kolleg*innen teilen, die auf der Suche nach neuen Ansätzen sind. Meine Definition von modernem Klavierunterricht habe ich gefunden und geteilt. Inzwischen bezeichne ich meinen Unterrichtsstil als proaktiven Klavierunterricht.
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Ich blogge, weil ich Blogs liebe
Über Umwege stieß 2009 ich auf das Bloggen. Ich wollte etwas stricken und stieß zufällig auf englischsprachige Blogs, die fertige Strickprojekte zeigten und ihre Anleitungen veröffentlichten. Bis heute finde ich diese Erklärungen einfacher als die deutschen und ich denke auch immer noch in Englisch, wenn ich Stricke.
Das Internet kannte ich bis dahin nur für Recherchezwecke oder um eine E-Mail zu schreiben. Es eröffnete sich eine ganz neue Welt für mich. Und irgendwann fragte ich mich, ob es wohl auch informative Blogs über Klavierunterricht gab.
Ich entdeckte Klavierlehrer*innen aus den USA, Irland und Australien, die über ihre Unterrichtsideen schrieben. Jeden Morgen surfte ich um die Welt und sog alles in mich auf. Es war einfach großartig von den vielen Kolleg*innen zu lesen und zu lernen.
Irgendwann fand ich den deutschsprachigen Blog von Sandra Labsch und Monate später schrieb ich ihr einfach mal. Ab da schrieben wir unzählige E-Mails hin und her. Der Austausch war herrlich! Ich fand es toll was Sandra auf die Beine stellte. Sie stellte Noten vor und schrieb über eigene Unterrichtsideen. Komponieren tat sie auch, bald darauf entstand ihr Zauberklavier-Verlag.
Ich wollte auch einen Blog zu schreiben! Aber könnte ich das? Ich hatte Deutsch als Leistungskurs gehabt, doch kreativ fand ich mich nicht. Und dann hatte ich natürlich gehörigen Respekt vor der ganzen Technik…
Dank Sandras Ermutigung veröffentlichte ich zwei Artikel auf ihrem Blog. ( Ganz großes Dankeschön an dich, Lieblinssandra!)
Es war nicht so einfach, ungeübt meine Gedanken in einen Artikel zu bringen, doch es machte unglaublich viel Spaß! Ich wollte definitiv mehr und habe es einfach mal mit dem Technik-Kungfu ausprobiert.
Am 8. April 2016 veröffentlichte ich hier auf Klavierpädagogikentdecken.de den ersten Beitrag.

Der Start war eher zäh, 2016 veröffentlichte ich sechs Beiträge. Den ersten Blogartikel schrieb ich über die One Minute Challenge: Notenlesen üben – effektiv und motivierend. In 2017 waren es nur vier – da wurde unsere Tochter geboren. Im Folgejahr schaffte ich sogar nur einen Artikel zu schreiben, aber zumindest ist er bis heute beliebt: 8 Tipps für eine schöne Fingerhaltung.
In 2019 waren es wieder sechs, darunter auch der bisher erfolgreichste: Ti und ta – warum die Rhythmussprache so hilfreich ist. Seit vielen Jahren verwende ich nun das syllabische Zählen – auch wieder ein Tipp von Sandra Labsch. Ich bin absolut begeistert und zähle inzwischen selbst in Silben.
Seit 2020 kommen regelmäßig neue Artikel dazu. Außerdem ein Newsletter, der zuerst monatlich und inzwischen alle zwei Wochen erscheint.
Mit jedem neuen Artikel wächst Klavierpädagogik entdecken.de weiter.
Ich blogge, weil ich wahnsinnig gern schreibe und unterrichte
Ich habe schon immer geschrieben. Fast meine gesamte Schulzeit über hatte ich Brieffreundinnen. Seit 30 Jahren schreibe ich Tagebuch.
Es macht mir unglaublich viel Spaß über meine Leidenschaft Klavierunterricht zu schreiben! Viele Unterrichtserfahrungen werden durch das Schreiben greifbarer und bewusster.
Eine tolle Kombi für mich.
Wenn ich damit dann noch Kolleg*innen inspirieren und ermutigen kann – umso besser!
Herzlichen Dank, dass du hier mitliest, dich für modernen Klavierunterricht interessierst und die Kultur und Tradition des Klavierspielens weiterträgst.

Ich stehe bereit wenn du Fragen hast. Und ich freue mich über Themenwünsche, Kommentare, E-Mails oder Nachrichten auf Instagram.
Das hier könnte dich auch interessieren:

Liebe Carina,
danke, dass du deine Erfahrungen mit uns teilst – so ein wichtiges Thema, mit welchem du allen Mamas, Lehrerinnen und jeder Sängerin aus dem Herzen sprichst!
DANKE und nur das Beste für dich!
Liebe Natalie,
danke für deinen Kommentar! Ich teile sehr gern und freue mich, wenn es jemand liest und damit etwas anfangen kann.
Liebe Grüße in die Schweiz
Carina
Liebe Carina,
Vielen Dank, daß du diesen tollen Blog machst! Mir macht es Spaß über deine Erfahrungen zu lesen und wie du denke ich, daß es viel zu wenig Austausch gibt. An der Musikschule haben wir ein wenig, wenn wir Workshops abhalten, ganz selten zwischen Tür und Angel, weil im ländlichen Raum dann doch eher nur ein Klavierlehrer pro Zweigstelle unterwegs ist etc. Und ich habe auch das Gefühl, daß die Schüler von Generation zu Generation im Fluss sind und manche Dinge anders gehandhabt werden müssen als vor 30 Jahren… Und unsere große Aufgabe besteht darin trotzdem guten und „nachhaltigen“ Unterricht zu machen.
Dann den Mut zu haben und die Zeit zu investieren, einen Blog für uns deutschsprachige Klavierlehrer zu machen finde ich bewundernswert. Ich freue mich auf viele weitere spannende Artikel!
Liebe Grüße von
Nathalie
Ganz herzlichen Dank, liebe Nathalie!
Ich freue mich, dass du hier gerne liest und das meine Artikel interessant sind. Ja, wir haben wenig Austausch – besonders wir Pianisten, denke ich. Wir arbeiten sehr isoliert.
Genau, guter und nachhaltiger Unterricht ist wichtig, egal für welche Generation. Es kann auch ein Gewinn sein, dass unsere Schüler uns direktes Feedback geben.
Danke dir fürs Lesen, Kommentieren und E-Mails schreiben!
Carina
Liebe Carina,
ich danke Dir für Deinen wertvollen Blog und Deine wundervolle Arbeit! Deine strukturierte Art zu denken und zu unterrichten hat mich immer fasziniert, da ich eher der intuitive, chaotische und kreative Typ bin. Von Dir kann ich mir noch so viel abschauen.
Ja, mehr Austausch, wertschätzender und neugieriger Austausch, in Deutschland wäre toll. Das ist in anderen Ländern ganz anders und um so mehr zählt jeder Mensch, der seine Gedanken, seine Erfahrung und sein Wissen teilt. Und das machst Du großartig und zuverlässig.
Ich wünsche dir eine viel größere Reichweite und Erfolg, denn das hast Du beides mehr als verdient. Wenn Du nicht so weit weg wohnen würdest, hätten wir schon längst einen Klavierlehrer*innen-Stammtisch. 🙂
Alles alles Gute aus Mannheim!
Sandra
Liebe Sandra,
oh ja – ein Stammtisch wäre echt cool!
Ganz herzlichen Dank für deinen Kommentar UND für deine Unterstützung.
Ich kann dir nicht sagen ob bei mir Kopf oder Bauch dominieren, ich nutze beides. Ich mag es den Überblick durch eine Struktur zu haben und mich dann rein intuitiv zu entscheiden. Deshalb sage ich ja, dass ich eine flexible Planerin bin. Vielleicht sollte ich mich besser „intuitive“ Planerin nennen.
Ich drücke dich!
Carina