Das Rhythmus-Klopfen

Wie lange dauert es, bis dass unsere Schüler*innen ein gutes Rhythmusgefühl entwickelt haben? Meiner Erfahrung nach mit etwas Glück und den richtigen Strategien gar nicht so lange.

Der Rhythmus ist beim Klavierspielen oft ein Problem, da gerade am Anfang den Schülern noch das Gefühl für die Tonlängen fehlt.

In diesem Artikel stelle ich dir eine Strategie vor, die unglaublich effektiv ist und mit der ich regelmäßig arbeite.

Außerdem kann sie helfen, wenn das laute Mitzählen des Rhythmus für Schülerinnen und Schüler eine große Hürde darstellt.

Das Rhythmus-Klopfen im Anfangsunterricht

Mit „klopfen“ meine ich das Patschen der Hand auf den Oberschenkel.

Schon in den ersten Stunden setze ich dies ein, denn das Klopfen hilft nicht nur beim Rhythmus, sondern auch um die Rechts-Links-Wahrnehmung zu festigen. Egal ob Vornotation oder aufgeteilte Melodie, Schüler*innen müssen zuerst verstehen, ob die rechte oder linke Hand dran ist.

Dazu zählen wir mit Rhythmussilben nach Kodaly die Tonlängen. Zu Beginn ist dies „ta“ für die Viertel- und „ta-2“ für die Halbe Note.

Lautes Zählen ist für die meisten eine Überwindung, noch dazu so komische Silben. Doch ich zähle alles laut mit und fordere immer wieder dazu auf, so dass es ganz normal wird.

In den ersten Wochen wird jedes neue Stück zuerst geklopft, und damit gefühlt, bevor es gespielt wird. So ist vieles schon verstanden, bevor überhaupt der erste Ton gespielt wurde.

Dies macht das Erlernen eines neuen Stückes viel einfacher, schneller und nachhaltiger.

Auch sorge ich für zusätzliche Übung durch Rhythmuskarten und Leseübungen. Einige stelle ich weiter unten vor.

Neue Notenwerte führe ich gerne über das Klopfen ein und besonders wichtig und effektiv finde ich es bei der Unterscheidung von Viertel- und Achtelnoten.

Die Konzentration auf den Rhythmus vereinfacht das Lernen enorm und schafft eine erste Vorstellung. Wie fühlt sich der Rhythmus an? An welcher Stelle ist es schwierig beide Hände zu koordinieren? Dies wird verinnerlicht, bevor Fingerposition und Töne ins Spiel kommen.

Es sorgt für einen leichten und damit motivierenden Start.

Sehr hilfreich: Das Klopfen mit beiden Händen gleichzeitig

Wenn Schüler mit dem Zusammenspiel beider Hände beginnen, ist das Rhythmusklopfen wieder eine große Hilfe.

Nachdem sie für eine kurze Zeit die einzelnen Stimmen beider Hände gelernt haben und bevor sie beide gleichzeitig spielen, erarbeiten wir durch das Klopfen die Koordination beider Hände und ihrer Rhythmen.

Es ist wichtig, dass sie verstehen, wie nun der kombinierte Rhythmus gezählt wird. Das laute Zählen und unsere Unterstützung dabei hilft ihnen dies zu verstehen. Sie brauchen noch nicht auf Töne und Finger zu achten, sondern nur auf den Rhythmus.  

Einige Schüler wollen die Tonlängen eines Taktes nacheinander zählen, obwohl sie gleichzeitig passieren.

Ich habe eine Regel, die ich zu Beginn des Zusammenspiels oft sage:

Wir zählen da, wo etwas los ist. So wird aus einer ganzen Note eine halbe Note, da es in der anderen Hand weiter geht. Die Hand mit der Ganzen bleibt aber liegen.

Das Klopfen hilft ihnen aber noch bei etwas anderem: Die Koordination beider Hände zu fühlen und zu verstehen.

Wann spielen beide Hände zusammen? Welche Hand spielt als nächste? Wie schnell schlägt die linke Hand nach der rechten an?

All das können die Schüler beim Rhythmusklopfen fühlen, da sie sich ganz darauf konzentrieren können. Bevor es Probleme mit dem Spielen gibt, das ist für mich proaktiver Unterricht.

Die ersten Stücke mit beiden Händen lasse ich also auch klopfen. Danach kommt es immer dann zum Einsatz, wenn der Rhythmus oder die Koordination beider Hände kompliziert sind.

Lautes Zählen – unbeliebt, aber wirkungsvoll

Egal ob du die Rhythmussprache nach Kodaly oder das metrische Zählen verwendest, entscheidend ist, dass das Zählen laut erfolgt.

Ich weiß – die Schüler*innen sind nicht davon begeistert…

Doch ich erkläre, dass ich nur helfen kann, wenn ich ihr Zählen (und ihre Fehler) höre. Und sie dadurch besonders schnell den Rhythmus verstehen und lernen werden.

Wenn du das erste Mal mitklopfst und mitzählst, kannst du ihnen Sicherheit geben. In der zweiten Runde lässt du sie alleine zählen und kannst so prüfen, wie gut es bereits verstanden ist.

Verlässt sich eine Schülerin oder ein Schüler auf dich und verstummt, höre auch mit dem lauten Zählen auf. Wenn sie nicht darauf reagieren, unterbrichst du und machst darauf aufmerksam.

Einige Schüler*innen wehren sich auch richtig dagegen.

Dann bestehe ich zumindest auf das laute Zählen beim Klopfen und beim Spielen zähle ich allein laut den Rhythmus. Die Grundlagen sind durch das Klopfen gelegt und sie hören mich beim Spielen. Auch das wird sich einprägen.

Vielleicht fordere ich dann in der nächsten Woche erneut zum lauten Mitzählen auf. Oder beim nächsten Stück. Irgendwann haben sie genug Übung darin, dass sie sich überwinden können.

Das laute Zählen ist unbeliebt, doch es wird mit der Zeit zu einer Gewohnheit und fördert Verständnis und ein gutes Rhythmusgefühl.

Dann dauert es gar nicht so lang, bis das Schüler*innen das laute Zählen weglassen können und nur noch in bestimmten Situationen darauf zurückgreifen.

Ich bevorzuge seit vielen Jahren die Rhythmussilben nach Kodaly, da sie für Schüler*innen  intuitiver zu verstehen sind als das metrische Zählen. Falls du dich nicht damit auskennst, empfehle ich dir meinen Artikel „Ti und ta – warum die Rhythmussprache so hilfreich ist“.

Rhythmusverständnis und gutes Notenlesen sind für mich sehr wichtige Baustein für ein gutes häusliches Üben. Wenn Schüler*innen in beidem sicher sind, werden sie viel weniger Unsicherheiten und Probleme beim Üben haben.

Varianten

Es gibt weitere Klopf-Varianten – natürlich alle mit lautem Zählen:

  1. Eine Hand klopft den Rhythmus der Melodie und die andere übernimmt den Puls.
  2. Unterschiedliche Gesten verdeutlichen die Unterschiede von Notenwerten und machen sie fühlbar. Diese Übung nutze ich oft um das Verhältnis von Viertel- und Achtelnote erfahrbar zu machen. Die Viertel werden geklopft, die Achtelnoten geklatscht.

Literaturtipp

Das Rhythmus-Klopfen kannst du auch unabhängig von der Unterrichtsliteratur einsetzten. Zum Beispiel um die Achtelnote oder die punktierte Viertel einzuführen oder zu vertiefen.

Die amerikanische Pädagogin und Komponistin Wendy Stevens hat wirklich tolle Materialien zusammengestellt.

Rhythm Menagerie behandelt die Notenwerte von Ganzer Note bis zur Achtel, die entsprechenden Pausen, die punktierte Viertelnote und den Haltebogen.

Im Folgeheft Rhythm Manipulations werden Sechzehntel, Triolen, punktierte Achtel, Alle-Breve und Taktartänderungen geübt.

Die Rhythm Cups Explorations sind eine witzige Ergänzung, da sie unterschiedliche Bewegungen mit einem ganz normalen Trinkbecher einführen.

Alle Hefte sind in Form einer Studio License erhältlich, dies bedeutet, dass sie einmal gekauft so oft vervielfältigt werden dürfen wie gewünscht.

Diese Materialien eignen sich gut zum Einführen oder Vertiefen neuer Notenwerte oder zur separaten Übung eines Notenwertes oder Rhythmus. Das Menagerie-Heft habe ich lange genutzt, um neue oder unsichere Notenwerte zu üben, inzwischen verwende ich eigene Rhythmuskarten. Die Rhythm Cups können viel Spaß im Gruppenunterricht machen.

Vorteile des Klopfens auf den Punkt gebracht:

  1. Deine Schüler erleben einen positiven Start in ein neues Stück, da sie sich zuerst nur mit dem Rhythmus beschäftigen.
  2. Es verhindert von Anfang an viele unnötige Fehler.
  3. Das Rhythmusgefühl und das laute Zählen werden trainiert.
  4. Das Klopfen hilft Anfängern bei der Trennung von der rechten und linken Hand.
  5. Die Koordination wird bei dem gemeinsamen Klopfen beider Hände sofort geübt. Dies erleichtert das Zusammenspiel.
  6. Zu jeder Zeit kann es eine optimale Lösung für rhythmische oder koordinative Schwierigkeiten sein.

Ist diese Strategie neu für dich oder nutzt du sie bereits? Wie löst du rhythmische Unsicherheiten? Schreib es gern in die Kommentare.

Dieser Artikel erschien zuerst am 15.11.2017 und wurde zuletzt am 04.04.2026 bearbeitet.

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10 Kommentare

  1. Liebe Carina,
    oh ja, da stimme ich dir voll und ganz zu! Das ist wirklich super hilfreich für alle Schülerinnen – egal ob Anfängerinnen oder Fortgeschrittene.
    Manchmal ergänze ich das Ganze noch mit ein bisschen Bodypercussion, Vorklatschen und Nachklatschen, mit auf die Noten gucken und eingebaute Fehler finden etc. Das bringt schöne Abwechslung rein. Die Schüler*innen finden das oft sogar ganz witzig und werden dadurch sofort wacher.
    Und wie du schon sagst: Das Stück startet gleich erfolgreicher und macht mehr Freude, weil der Frustrationsfaktor deutlich geringer ist.
    Super Tipp!
    Liebe Grüße
    Kassandra

  2. Vielen Dank für den Hinwies zu den Materialien von Wendy Stevens! Aus irgendeinem Grund hatte ich den Newsletter von „Compose Create“ abonniert und doch irgendwie nie genauer hingeschaut. Dann hatte ich im Dezmber wieder ein paar kleine Schüler im Online Unterricht und suchte nach etwas, womit man Rhythmus spannender gestalten kann, was auch Online funktioniert und dieser Artikel hat mich motiviert bei Wendy Stevens genauer hinzuchauen und auch eine Studio-Lizenz für die erten Rhythm Cups zu erwerben 🙂 Ich nuzte das dann auch zum Auflockern der Stunde und den Kindern machte es echt Spaß, auch wenn wir durch Corona keine Becher tauschen können. Und bei den „Großen“ konnte ich dann auch gleich das Thema Triolen festigen. Mit den Bechern lassen sich auch sehr gut komplexere rechts-links-Abläufe beim Spiel mit wechselnden Händen vorbereiten. Und zwei meiner Schüler zeigten mir auch total begeistert, daß sie den Becher-Rhythmus vom Cup-Song auch schon können. Vielen Dank also für den super Tipp!

    1. Sehr gerne, liebe Nathalie!

      Ich habe die Rhythm Cups auch gekauft, aber nur einmal benutzt und dann vergessen… Die sollte ich mal wieder ausgraben.

      Rhythm Menagerie nutze ich aber mit allen Anfängern.

      Danke für deinen Kommentar und die Erinnerung an die Cups 😉

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