Wünschst du dir manchmal, dass dein Klavierunterricht organisierter wäre? Steckst du viel zu viel Zeit in die Unterrichtsvor- und nachbereitung? Oder lässt es ganz sein, weil dir einfach die Zeit fehlt? Fällt es dir schwer, bei all den tollen Ideen, klare Entscheidungen zu treffen? Verzettelst du dich immer wieder und vermisst du einen roten Faden in deinen Stunden?
Es ist nicht einfach einen Ansatzpunkt für mehr Struktur zu finden. Alles wirkt kompliziert, aufwändig und du hast dich vielleicht schon gefragt, ob du das überhaupt kontinuierlich durchziehen könntest.
Doch es gibt sie! In diesem Artikel findest du vier einfache Einstiege in einen strukturierten Unterricht. Mit ein paar Blättern und einem Ordner kannst du sie umsetzten. Am Computer natürlich auch.
Jede Strategie für sich ist einfach umzusetzen, verschafft dir Erleichterung und Klarheit. Und benötigt wenig Zeit.

Probiere das aus, der dir am praktikabelsten erscheint. Gucke, was du brauchst und dir weiterhilft. Verändere es so, dass es dir nützt. Bei Fragen helfe ich dir gerne weiter.
Später, wenn eine Strategie gut läuft, kannst du eine weitere dazunehmen. Alle Vorschläge machen einzeln, aber auch miteinander kombiniert Sinn. Integriere sie aber nach und nach, damit es nicht zu viel wird. Dann brichst du irgendwann ab, obwohl du auf einem guten Weg warst.
Mache dir Notizen
Notizen klingen etwas besser als Unterrichtsprotokoll. Doch egal, wie du es nennst, durch deine Notizen gewinnst du Klarheit, Durchblick und Übersicht. Du ersparst dir Grübeleien und verbesserst meiner Meinung nach deinen ganzen Unterricht.
Nimm dir für jede Schülerin und jeden Schüler ein weißes Blatt für ein Halbjahr und notiere dir jede Woche, mindestens aber einmal pro Monat zum Beispiel:
- die Reihenfolge der gespielten Stücke,
- wie viele Wochen daran geübt wurde,
- wie sie geübt haben (ng = nicht geübt, wg = wenig geübt, g = geübt, gg = gut geübt),
- alles, was dir so auffällt (z.B. „5. Finger links noch nicht rund“, „Lesen noch unsicher“, „Spielt über Fehler hinweg“ oder „Halbe Noten immer zu kurz“.),
- kommentiere, ob das Stück passend oder zu leicht/ zu schwer war.
Warum ist das wichtig?
Wenn du die Reihenfolge dokumentierst, kannst du den gleichen Weg mit anderen Kindern gehen. Genauso oder angepasst, doch du musst nicht jedes Mal das Rad neu erfinden. Das spart Zeit.
Die Anzahl der Wochen lässt darauf schließen, ob das Stück vom Schwierigkeitsgrad passend war und wenn wochenlang zu wenig geübt wurde, ist auch klar, warum das Kind die Freude verliert oder nicht vorwärtskommt. Dann kannst du das Gespräch suchen oder auf neue Motivation hinarbeiten.
Alle Beobachtungen und Kommentare helfen dir, deine Schüler*innen noch besser zu unterstützen und auszubilden.
Deine Notizen können dir in Zukunft Zeit sparen, da du schnell nachschlagen kannst, welche Stücke oder Abfolge du mit einem anderen Schüler mal gemacht hast. Und wenn du vorhast ein eigenes Konzept zu entwickeln, ist so eine Art Dokumentation Gold wert.
Weitere Infos habe ich im Artikel Stundenprotokoll führen beschrieben. Ebenso findest du dort eine Vorlage mit Erklärung.
Plane die nächsten Stücke
Auch hier reicht pro Schüler ein Zettel. Schreibe oben den Namen auf und darunter die Hefte, die gerade in Verwendung sind. Dann musst du da nicht mehr drüber nachdenken…
Überlege dir nun einmal pro Monat für jede Schülerin und jeden Schüler die nächsten Stücke. Pro Heft würde ich die nächsten zwei bis drei Stücke auswählen. Sollte die Schülerin oder der Schüler noch in einer Klavierschule sein, würde ich die nächsten acht bis zehn Stücke aufschreiben und überlegen, ob dies genug Material für die kommenden Themen ist.
Mache dir dazu Notizen, ob du noch etwas vorbereiten oder ergänzen möchtest.
Hier kannst du Themen und Wege ausprobieren und daraus lernen, so dass du sie immer sinnvoller aufeinander aufbauen kannst.
Du hast alles im Auge und vergisst nichts. Allein das ist schon eine Erleichterung.
Falls du schon eine Art Protokoll führst, könntest du die Planung einfach auf die Rückseite schreiben.
Wenn dir das gut gefällt, kannst du dieses Vorausplanen später gern mithilfe von Tabellen und am Computer machen, doch beginne zuerst möglichst einfach und unkompliziert – und vielleicht reicht dir das ja auch schon.
Mache eine Mini-Evaluation
Wir machen es möglichst einfach: Für die Mini-Evaluation brauchst du kaum Vorbereitung, den Rest erledigst du in der Stunde. Diesen Vorgang kannst du viertel- oder halbjährlich nutzen.
Eine Evaluation ist quasi eine Bestandsaufnahme. Nimm dir ein weißes Blatt und schreibe die Namen deiner Schüler*innen mit etwas Abstand untereinander auf die linke Seite. Am besten in der Reihenfolge wie du sie im Laufe der Woche unterrichtest.
Nimm dies mit in die Unterrichtsstunden und während die Schüler spielen, kannst du sie beobachten und dir auf die rechte Seite kurze Bemerkungen aufschreiben.
Folgende Fragen kannst du dir dabei stellen:
- Wie ist ihre Sitz- und Fingerhaltung?
- Wie sicher wirken sie gerade beim Notenlesen?
- Wie rhythmisch spielen sie? Auch flüssig?
- Wie ist ihr Klang?
- Wie gut ist ihre Koordination der Hände?
- Was würdest du gern mit ihnen machen? Was brauchen sie gerade?
- alles, was dir sonst noch auffällt und wichtig ist.
Wenn du dies die ganze Woche in jeder Stunde machst, hast du hinterher eine gute Übersicht und siehst dann, welche Aktionen genau jetzt hilfreich wären oder auf welche Fähigkeiten du gezielter achten möchtest.
Wer braucht noch mehr Übung in xy? Entscheide dich für ein bis zwei Maßnahmen für jede Schülerin und jeden Schüler und schreibe sie dir auf. Falls du schon Strategie 2 machst, also die Stücke vorausplanst, könntest du es auf diesen Planungszettel schreiben.
Eine Bitte habe ich: Bitte mach dich nicht verrückt, wenn du viele Macken oder „Fehler“ an deinen Schüler*innen bemerkst. Du bist deshalb keine schlechte Lehrerin oder schlechter Lehrer, sondern du bist gerade auf dem Weg, dich weiterzuentwickeln! Auch wir machen stetig Fortschritte und hier finden wir unser Entwicklungspotential. Und das ist toll!
Du kannst gern auch einmal in die „große“ Evaluation hineinlesen, um noch einen besseren Eindruck zu bekommen und es gibt auch ein kostenloses Formular zum Download, doch beginne lieber mit der Mini-Version.
Verschaffe dir einen Überblick über deine Schüler
Weißt du, wo deine Schüler*innen stehen? Wie viele in einer Methode stecken oder wie viele in einem bestimmten Heft? Wie viele Schüler*innen sich in welchem Schwierigkeitsgrad befinden?
Während die Mini-Evaluation bei den einzelnen Schüler*innen mehr ins Detail geht, bekommst du durch die Schüler-Übersicht einen gesamten Überblick, wo alle deine Schüler*innen gerade stehen. In meinem Artikel über die Übersicht über deine Klasse findest du einen Vordruck zum Herunterladen. Auch die Übersicht kannst du viertel- oder halbjährlich zur Hilfe nehmen.

Dies kann dich wunderbar bei der Literatursuche unterstützen und du gewinnst wieder Klarheit. Nach welchen Heften und Stücken solltest du überhaupt suchen? Lohnt es sich gerade wirklich, in deiner Freizeit ein Spiel zu basteln, dass gerade kaum einem Schüler weiterhilft?
Du kannst hier deine im Kopf herumschwirrenden Ideen aufschreiben und sammeln. Das entlastet schon und du siehst, wie viele Schüler*innen davon gleichzeitig profitieren würden. Denn es ist ganz klar – es ist sehr schwer, gleichzeitig mehrere unterschiedliche Themen in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden vorzubereiten. Entweder wird nichts fertig oder dein Energietank ist anschließend komplett leer.
Deshalb: Such dir eine Maßnahme aus, die möglichst vielen Schüler*innen zugutekommt. Daraus könnte zum Beispiel auch ein Aktionsthema werden. Und alle anderen tollen und sinnvollen Ideen, denen du schon begegnet bist, darfst du erstmal ignorieren. Alles zu seiner Zeit.
Wenn du magst, kannst du deine Schüler*innen auch nach Schwierigkeitsgrad sortieren. Auch das sorgt wieder für Klarheit auf einen Blick und hilft dir bessere Entscheidungen zu treffen, was jetzt gerade aktuell ist. Die Anleitung dazu findest du ebenfalls im Artikel über die Schülerübersicht.
Die tollsten Inspirationen können überfordern – Klarheit und Struktur entlasten dich
Wir leben in einer Welt, die uns ständig mit neuen Ideen bombardiert. Ja, auch mein Blog gehört dazu. Doch wenn du Klarheit über deine Schüler*innen und deine Klasse hast, kannst du viel besser das auswählen, was deinen Unterricht gerade am meisten vorwärts bringt.
Ich wünsche dir viel Erfolg dabei, dir etwas mehr Struktur aufzubauen. Eine Struktur, die dich nicht überfordert, sondern dich entlastet und deinen Unterricht weiter bringt.
Nur die Strategie, die du auch regelmäßig umsetzt, ist die richtige für dich.
Diese vier Einstiege in mehr Struktur in deinem Unterricht habe ich vorgestellt:
- Mache dir Notizen (jede Woche oder monatlich),
- plane die nächsten Stücke (monatlich),
- mache eine Mini-Evaluation (viertel- oder halbjährlich) und
- verschaffe dir einen Überblick über alle Schüler*innen (viertel- oder halbjährlich).
Welcher Tipp hat dich am meisten angesprochen und möchtest du ausprobieren? Hast du noch Fragen? Dann schreib mir gerne.
Was wirkt machbar für dich? Schreib es gern in die Kommentare.

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