Weihnachtsmusik in der Unterrichtspraxis

Das Spielen von Weihnachtsmusik kann einen richtigen Motivationsschub auslösen. Endlich einmal Stücke spielen, die alle kennen!

Doch Weihnachtslieder können auch für Frust sorgen, schließlich wurden sie zuerst gesungen und nicht für Klavieranfänger komponiert. So kommt es, dass viele Melodien einen größeren Tonumfang haben als Anfänger spielen können und dies kann einige Herausforderungen mitbringen.

Ich spiele jedes Jahr mit (fast) allen meinen Schüler*innen Weihnachtslieder. In diesem Artikel beschreibe ich meinen jährlichen Ablauf zur Weihnachtszeit. Du erfährst, wann ich mit der Vorbereitung starte, wie viele Stücke meine Schüler*innen spielen und wie ich dafür sorge, dass es eine schöne und motivierende Adventszeit wird.

Zusätzlich fände ich es toll, wenn viele Kolleginnen und Kollegen in den Kommentaren ihre Vorgehensweise beschreiben. Ich bin mir sicher, dass so viele Ideen und Tipps zusammenkommen.

Vorbereitung auf die Weihnachtszeit

Meine Vorbereitung beginnt im Oktober mit dem Aktualisieren der „Weihnachtslieder-Liste„. Meistens mache ich dies in den Herbstferien, anschließend suchen sich meine Schüler*innen ihre Stücke aus und wir legen los. Wenn es nur wenige Wochen bis Weihnachten sind, fange ich auch vor den Ferien an.

Auf meiner Liste stehen die Namen der Schüler*innen und welchen Schwierigkeitsgrad sie gerade bewältigen können. Später in den Stunden trage ich die Wunschstücke meiner Schüler*innen die letzte Spalte ein.

Welche Stücke das waren sind im Folgejahr wichtig, denn die letzten Weihnachtslieder sind ein Jahr gesperrt. Damit nicht jedes Jahr das Gleiche (so wie Jingle Bells…) gespielt wird.

Die Liste des Vorjahres hilft mir auch, schnell den jeweils aktuell machbaren Schwierigkeitsgrad zu bestimmen. In den ersten Jahren kann ich meine Schüler*innen immer ein Level höher einstufen, später bleiben sie auch gern einmal 2-3 Jahre in einem Level und sammeln weitere Erfahrungen.

Der passende Schwierigkeitsgrad ist entscheidend

Schon immer war mir wichtig, dass meine Schüler*innen die Weihnachtslieder positiv empfinden und sie aus diesem Grund Versionen spielen, die auch zu ihrem aktuellen Entwicklungsstand passen.

So fing ich an, alle möglichen Weihnachtslieder zu bearbeiten. Ich bin definitiv keine Komponistin oder Arrangeurin, mir ging es einfach darum, dass sie in ihrem aktuellen Rahmen möglichst schön spielen konnten.

Wenn ich ganz ehrlich bin, mag ich die üblichen Weihnachtshefte nicht. Darin befinden sich alle gängigen Weihnachtslieder, doch oft dann eben nicht im gerade aktuellen Schwierigkeitsgrad. Das kann mal passen und funktionieren, doch es kann dadurch auch einige Motivation verloren gehen. Wie schon erwähnt tauchen in vermeintlich einfachen Weihnachtsliedern plötzlich Inhalte auf, von denen die Schüler*innen noch weit entfernt sind. Man vertröstet die Schüler*innen auf das nächste Jahr oder man gibt nach, ändert und streicht Noten und quält sich irgendwie zusammen durch ein zu schweres Stück.

Natürlich weiß man mit der Zeit, welche Stücke aus welchen Heften gerade möglich sind, doch ich finde, dass die Arrangements zu wenig auf die Entwicklungsschritte von Lernenden zugeschnitten sind. Der Fokus liegt immer eher im gestalterischen oder harmonischen Bereich. Da sind mir persönlich oft zu viele Kompromisse und alles ist irgendwie nichts Halbes und nichts Ganzes…

Dazu kommen dann die erste Erkältungswelle, viele Schularbeiten, Weihnachtsfeiern und Tage der offenen Tür für die weiterführenden Schulen und plötzlich ist es Mitte Dezember und die Stücke stehen noch nicht.

Das ist für mich nicht akzeptabel, denn mein Ziel lautet, dass meine Schüler*innen ihre Stücke zu Weihnachten (und zur Bescherung) ihrer Familien sicher vorspielen können. Dieses Erfolgserlebnis und den damit verbundenen Zuspruch finde ich enorm wichtig.

Aus diesen Gründen entstanden meine eigenen Bearbeitungen, die ich in die folgenden Schwierigkeitsstufen eingeteilt habe:

  • aufgeteilte Melodien,
  • erstes Zusammenspiel in der mittleren C-Lage,
  • F-Lage,
  • C-Lage (Elementary oder Level 1 nach Magrath),
  • C-Lage mit kleinen Erweiterungen, diese können sich auf den Rhythmus, die Spielbewegungen, Spreizungen oder Lagenwechsel beziehen (weiterhin Elementary oder Level 1 nach Magrath),
  • Fortgeschrittene 1 (Late Elementary oder Level 2 nach Magrath)
  • Fortgeschrittene 2 (Early Intermediate oder Level 3 nach Magrath) und
  • Profis (alle Level darüber).

In den ersten Unterrichtsjahren verwende ich also überhaupt keine Hefte, erst ab Level 2 oder 3 empfehle ich den Kauf von ein oder zwei Heften, zum Beispiel die, die ich in Wunderschöne Weihnachtsliteratur für Fortgeschrittene erwähnt habe.

Nach und nach habe ich moderne Stücke für die Fortgeschrittenen Schüler*innen dazugekauft. Auch das wunderbare „Last Christmas“ ist darunter. (Für meine fortgeschrittenen Schüler*innen ertrage ich das…)

Pfiffige und wunderschöne Weihnachtsarrangements von Wendy Stevens

Zusätzlich zu den Arrangements von Jennifer Eklund (siehe oben verlinkten Artikel), die sehr beliebt sind, habe ich in diesem Jahr einige neue Stücke von Wendy Stevens dazugekauft. Es sind amerikanische Weihnachtslieder, doch sie sind oft durch Filme wie „Kevin – allein zu Haus“ und den modernen Grinch-Animationsfilm bekannt.

Die Stücke von Stevens sind (wie die von Eklund) keine Lieder zum Mitschmettern, sondern richtige Klavierstücke. Sie haben Vor- und Nachspiel und die Melodien sind kunstvoll eingewebt.

Um einen Eindruck zu geben und dir einige Recherchezeit zu ersparen, möchte ich ein paar Stücke vorstellen, die ich bereits gekauft habe (unbezahlte Werbung):

  • Ein witziges, leichtes Jingle Bells. Eigentlich in der C-Lage, doch Vor- und Nachspiel wandern durch drei Oktaven. (Elementary)
  • Deck the Hall, sehr fröhlich mit viel Staccato und drei großartigen Glissandi. Gern mit Karteikarte oder Mini-Kuscheltier, damit es nicht so weh tut. (Elementary)
  • Die Melodie von What Child is this? wird von der rechten Hand im Bassschlüssel gespielt, dadurch bekommt es viel Ruhe und Tiefe. Beim Kauf darf man zwei Versionen herunterladen, eine ohne, eine mit punktierten Vierteln. Wunderschön! (Late Elementary)
  • God rest ye merry Gentlemen klingt geheimnis- und später kraftvoll und wandert von F-Dur nach G-Dur. Die Läufe mit gebrochenen Quinten auf der letzten Seite sind eine tolle Möglichkeit dieses effektvolle Element kennenzulernen. (Late Elementary)
  • Im Intermediate-Bereich kann ich O come all ye faithful im Contemporary-Stil sehr empfehlen. Die Rhythmik und das Begleitmotiv sind gut zu bewältigende Herausforderungen und auch der dunkle B-Teil sorgt dafür, dass es nicht einfach nur gefällig plätschert.

Ablauf und Abschluss der Weihnachtslieder

Alle Weihnachtslieder habe ich in einem Ordner zusammengefasst. Dort sind sie nach Entwicklungsstufe sortiert und die Schüler*innen können sich in ihrer aktuellen Stufe zwei bis drei (manchmal auch vier) Stücke aussuchen.

Anschließend drucke ich alle Stücke aus, verteile sie und wir beginnen mit dem schwierigsten Stück. Auf diese Art haben in der Regel alle Schüler*innen ihre Stücke bis Weihnachten fertig.

Wie im Artikel Weihnachtslieder einmal anders versuche ich außerdem immer noch eine kleine Zusatzaktion einzubauen. Das kann ein unbekanntes Weihnachtslied sein (Bildungsauftrag…), das Leadsheetspiel zu einer Melodie, sich Begleitfiguren zu den Harmonien auszudenken, eine Melodie transponieren oder ein Familienmitglied, das ein anderes Instrument spielt, zu begleiten.

Am liebsten mache ich Leadsheetspiel – besonders, wenn dies im ganzen Jahr mal wieder zu kurz gekommen ist… Mit den Anfängern, die dafür noch nicht in Frage kommen, spiele ich vierhändige Stücke.

Unsere Kollegin Elena Yatsula hat übrigens einen kleinen Improvisationskurs zu „Leise rieselt der Schnee“ erstellt. Vielleicht wäre dies ein zusätzliches Element für deine Schüler*innen, dass sie selbst bearbeiten und dann mit in die Stunde bringen. Auch wenn du wissen möchtest, mit welchen Schritten du das Improvisieren in deinen Unterricht einführen kannst, wäre dieser Kurs eine Möglichkeit einer Kollegin über die Schulter zu schauen.

Nach den Weihnachtsferien möchte ich übrigens kein Weihnachtslied mehr hören, deshalb sage ich allen Schüler*innen, dass die Stücke spätestens nach Sylvester automatisch abgeschlossen sind…

Außerdem beginnen wir in der letzten Stunde vor Weihnachten mit mindestens einem normalen Stück, mit dem es dann im neuen Jahr sofort losgehen kann.

Ideenpool: Vorbereitungen und Abläufe anderer Kolleg*innen

Und jetzt seid ihr gefragt, liebe Kolleginnen und Kollegen!

Wann beginnt eure Vorbereitung? Wie viele Stücke spielen eure Schüler*innen? Welche Hefte verwendet ihr gern?

Ich würde mich sehr freuen, wenn wir hier ganz unterschiedliche Meinungen und Ideen zusammentragen und alle daraus dann schöpfen könnten.

Bitte schreibt in die Kommentare wie ihr die Weihnachtslieder in eurem Unterricht einsetzt!

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