Wer kennt sie nicht? Unkonzentrierte und unruhige Schüler*innen im Vor- und Grundschulalter. Die Füße baumeln, die Hände sind irgendwo 8 aber nicht auf den Tasten) und irgendwas wird geplappert oder gefragt. Hast du gehört, was ich gesagt habe? Fehlanzeige! Da hat man selbst schon Probleme sich zu konzentrieren…
Es gibt viele Gründe, warum Schüler*innen unruhig und hibbelig sind. Vielleicht sind sie noch sehr jung, müde, hatten zu wenig Bewegung, haben ADHS oder dürfen zu Hause vielleicht immer laut sein und wild toben.
Fragst du dich, wie du diese unkonzentrierten Kinder unterrichten kannst?
In diesem Artikel stelle ich dir fünf Strategien vor, mit denen du sofort mehr Ruhe in deine Unterrichtsstunden bekommen kannst.
Eltern sind DIE unterschätzte Geheimwaffe
In meinen Gesprächen mit Kolleg*innen ist mir eine Sache aufgefallen: Viele unterrichten Grundschulkinder ohne ein anwesendes Elternteil.
Damit verschenkt man eine riesengroße Möglichkeit die Schüler zu beruhigen und schneller am Instrument einzugewöhnen. Sitz ein Elternteil mit in der Stunde, dann verläuft der Unterricht um einiges ruhiger und zu Hause wird außerdem besser geübt.

Ist das Kind in der Stunde hibbelig und unkonzentriert, kann die Mutter viel schneller von hinten an bessere Aufmerksamkeit appellieren. Und Schwupps sitzt der Nachwuchs für ein paar Minuten 😉 etwas ruhiger am Klavier und du kannst besser mit ihm arbeiten.
Viele Eltern möchten aus unterschiedlichsten Gründen gar nicht dabei sein. Doch der Start am Instrument verläuft viel schneller und erfolgreicher, wenn sie in der Stunde anwesend sind. Kläre darüber auf und frage sie, ob sie zumindest für einen gewissen Zeitraum dabeisitzen können.
Welchen Zeitraum du nennst, würde ich nach Gefühl machen. Wenn das Elternteil sehr uninteressiert ist, würde ich erstmal um vier Wochen bitten, damit es eine möglichst kleine Hürde ist. Vielleicht sind sie dann wieder verschwunden, vielleicht haben sie aber auch mitbekommen wie schwer es ist, ein Instrument zu lernen oder wie unruhig ihr Kind ist und bleiben länger.
Ich empfehle meinen Schülereltern bis etwa zur dritten Klasse anwesend zu sein. Damit habe ich seit über 20 Jahren tolle Erfolge und ganz selten mal eine Familie, in der es nicht funktioniert. Darüber spreche ich bereits bei der Anfrage oder in der Probestunde. Inzwischen ist diese elterliche Begleitung sogar Voraussetzung bei mir, damit ich das Kind aufnehme.
Aber reden wir einmal über dich. Es ist gut möglich, dass du es auch unangenehm empfindest, so unter Beobachtung zu sein. Das verstehe ich, doch es wird leichter, wenn du dir über eine Sache klar wirst: Es geht nicht um dich, sondern darum, dass ein kleiner Mensch ein Instrument lernen möchte. Dazu gehört viel Input, damit er gute Gewohnheiten und Grundlagen aufbauen kann. Und dabei hat er jede Form von Unterstützung verdient.
Ja, es ist auch mal etwas anstrengend, da du quasi zwei Personen unterrichtest. Doch es lohnt sich. Manchmal hat es mich richtig angespornt, so dass ich besonders tolle Stunden gegeben habe. Und übergriffige oder nervige Elternteile sind Ausnahmeerscheinungen. Die kann ich an einer Hand abzählen, also keine Angst davor.
Vielleicht erinnerst du dich – in der Suzuki-Methode ist auch immer ein Elternteil dabei… Warum? Weil der Einstieg so viel besser funktioniert.
Bewegung und Stille wechseln sich ab
Kinder sind Kinder und ich finde es voll ok, wenn sie sich auch so verhalten. Es darf immer wieder Unruhe und Bewegung passieren. Trotzdem ist es auch Unterricht und wir als Lehrer*innen sind gefordert, dass dann auch eine gewisse Form von Lernen stattfindet.
Mir helfen dabei zwei grundsätzliche Regeln, die ich sehr empfehlen kann:
- Wir spielen mit ruhigen Füßen. Wenn die Schüler spielen, sollten ihre Füße ruhig auf einem Fußhocker stehen. Das ist für manche eine echte Herausforderung, trotzdem kannst du zumindest bei einem Stück dabei hartnäckig bleiben. Du kannst vor dem Spielen daran erinnern, du kannst mitten im Stück unterbrechen oder du legst einfach zur Erinnerung deine Hand auf ein unruhiges Bein. Dann ignorierst du beim nächsten Stück so gut wie möglich die baumelnden Füße (Damit es nicht zu nervig für die Schüler wird…) und versuchst sie gegen Ende der Stunde noch ein weiteres Mal zu beruhigen. Auch dies ist eine Übungssache. Mit der Zeit wird es besser, versprochen!
- Wenn ich rede, wird nicht geklimpert. Die Füße können sich gern bewegen, die Sitzhaltung kann zusammenfallen, doch wenn du etwas erklärst, wird zugehört. Diese Regel würde ich möglichst zu Beginn einführen. Und wenn trotzdem Tasten angeschlagen werden, kannst du mitten im Satz stoppen und warten, bis dass dies auffällt und klar wird, dass du so nicht weitermachen wirst. Manchmal lege ich auch zusätzlich wortlos meine Hand auf die der Schüler.
Klare und kurze Erklärungen
Wir Lehrer neigen dazu, vieles sehr gründlich zu erklären. In solchen Monologen wiederholen wir uns auch gern mehrmals. (Also ich kann richtig gut…)
Doch wie heißt es: Gut gemeint ist nicht gut gemacht.
Gerade konzentrationsschwache Kinder schalten schnell ab. Da kannst du auch mit der Wand reden…
Besser reagieren sie auf kurze, präzise Ansagen.
In unseren Ohren mag das schnell streng klingen, doch es hilft ihnen, deine „Kommandos“ besser aufzunehmen. Kurz und präzise heißt ja auch nicht, dass es unfreundlich oder böse klingen muss.
Es kann sein, dass dies einiges an Übung von deiner Seite benötigt, doch probiere es bei deinen unruhigen Schüler*innen aus.
Ortswechsel einbauen
Für ein Vorschul- oder jüngeres Grundschulkind können dreißig Minuten Einzelunterricht ganz schön lang sein. Es muss viel zuhören, verstehen und beim Spielen aufmerksam sein. Da tut es richtig gut, wenn ein kleiner Ortswechsel die Stunde auflockert.
Dafür sind nicht unbedingt Tisch und Stühle nötig, eigentlich reicht es, wenn du dich mit den Schülern einfach auf den Boden setzt.
Auf dem Boden lässt sich toll das Rhythmusklopfen üben und neue Töne können aufgeschrieben oder bunt markiert werden. Und Musiktheoriespiele sind hier ein echtes Highlight. Im Artikel „Proaktive Ferienprojekte“ findest du einige Empfehlungen, wo du schöne Spiele kaufen kannst.
Bei den jüngeren Anfängern baue ich eigentlich immer einen Bodenteil ein.
Das Unterrichtstempo erhöhen
Die fünfte und letzte Strategie finde ich besonders spannend: Passe dich den kurzen Konzentrationsphasen deiner Schüler*innen an und sorge für schnellere Wechsel. Damit meine ich, dass du die Stücke nicht zu ausführlich besprichst, sondern lieber kurze Impulse gibst, dann weitergehst und später nochmal darauf zurückkommst.
Ungefähr so könnte der Ablauf sein:
- Dein Schüler spielt dir das geübte Stück A vor. Du korrigierst 1-2 Sachen oder nutzt eine Übe-Strategie. Je nachdem spielt er es noch einmal ganz durch, vielleicht aber auch nur Stellen. Lass es dann so stehen und korrigiere nicht weiter.
- Du hörst dir Stück B an und verfährst genauso.
- Als nächstes macht ihr eine Übung, etwas Technik oder du führst ein neues Stück C ein.
- Ihr wandert auf den Boden, wo ihr Töne von Stück C markiert oder den Rhythmus klopft. Oder eine ganz andere Übung einbaut, die nichts mit dem Stück zu tun hat.
- Geht zurück ans Klavier und frage, was ihr bei Stück A besprochen habt. Dann spielt dein Schüler es nochmal durch.
- Für die letzten Minuten entscheidest du, ob ihr nochmal Stück B oder C durchspielt.
Du setzt Impulse, gehst weiter und wiederholst später nochmal. Und je nach Zeitkontingent kannst du nach Belieben Leseübungen, kleine Improvisationen, das Wiederholen eines Lieblingsstückes oder ähnliches einbauen.
Dadurch vermeidest du ein „Festbeißen“ und das die Schüler*innen sich anfangen zu langweilen. Auch wenn nicht alles geklappt hat, ihr kommt zum Ende der Stunde nochmal darauf zurück.

Zusammenfassung der Strategien für unruhige Schüler*innen
- Ein Elternteil begleitet den Unterricht
- Regeln für mehr Ruhe und Konzentration
- Klare, präzise Erklärungen statt Monologe
- Ortswechsel einplanen
- Schnelle Impulse und Wechsel innerhalb der Stunde
Unruhige und unkonzentrierte Schüler*innen sind eine Herausforderung. Doch du kannst die Unterrichtsstunden mit diesen Strategien entspannter und effektiver machen.
Welche Strategie hat dich als erstes angesprochen? Welche Erfahrungen hast du gemacht? Schreib es gern in die Kommentare.
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