Wie deine Schüler superschnell und motiviert ihr neues Stück lernen

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Als Schülerin musste ich die Stimmen jeder Hand perfekt beherrschen bevor ich beide Hände zusammenspielen durfte. Mich hat diese Methode unglaublich ausgebremst, zuerst fand ich es sehr langweilig so lange einzeln zu üben und habe für das Lernen ewig gebraucht. Später, als ich es dann endlich kombinieren durfte, war ich richtig deprimiert, da meine Finger plötzlich nicht mehr wussten  was sie tun sollten und ich eigentlich wieder ganz von vorne anfing.

Heute weiß ich, dass dieser Weg totaler Quatsch ist und es nichts bringt, wenn die einzelnen Hände bis zur Perfektion geübt werden. Für das Gehirn sind es völlig andere Informationen ob die Hände einzeln oder zusammen spielen.

Abgesehen davon – es macht wenig Spaß immer nur die Hälfte der Musik zu hören, das motiviert nicht.

Bei manchen Stücken kann sofort zusammengespielt werden, doch bei anderen ist ein Schüler ganz klar überfordert. Das ist nicht das Gefühl, dass wir im Unterricht erzeugen wollen.

Also doch länger einzeln üben?

Im heutigen Artikel geht es darum, wie du diese beiden Etappen des Übens motivierend und erfolgreich kombinieren kannst. Dein Schüler wird sein Stück sehr schnell lernen, da er früh die nötige Koordination aufbaut und die ganze Komposition hören kann.

Die Lösung:

Das Üben von zwei Seiten

Die Strategie „Üben von zwei Seiten“ bedeutet, dass dein Schüler sein neues Stück mit beiden Händen einzeln UND zusammenspielt. Damit gehört er in die zweite Phase des Lernens, dazu mehr in diesem Artikel.

Spielt er jede Hand einzeln, die erste „Seite“, dann sichert er Töne, Rhythmus und Fingersatz ab. Auf der anderen „Seite“, dem Zusammenspiel, baut er gleichzeitig schon die Koordination beider Hände auf und hat einen ersten Höreindruck von seinem neuen Stück.

Beide „Seiten“ haben also unterschiedliche Fokussierungen. Durch die Konzentration auf jeweils ein Ziel wachsen die Fähigkeiten (oder Seiten) schneller zusammen als wenn dein Schüler lange einzeln üben würde. Durch die zügigen Fortschritte und das Hören des kompletten Stückes ist diese Strategie  sehr motivierend.

Der grobe Zeitablauf:

1. Woche: jede Hand einzeln

2. Woche: von beiden Seiten üben

3. Woche: Hände zusammen

Das kommt auf den Schüler an, oft ist das Üben von zwei Seiten auch schon in der ersten Woche möglich.

Es gibt zwei denkbare Varianten, die für unterschiedliche Ziele hilfreich sind. Je nachdem wie gut dein Schüler seine Stimmen beherrscht, wählst du die passende aus. Ich beziehe auch gern meinen Schüler ein und frage ihn wie er das Stück üben möchte.

Noch recht wackelig: 2x rechts, 2x links, 1x zusammen

Ist der Schüler wackelig, doch hat er im Prinzip die Stimmen beider Hände verstanden empfehle ich „2x rechte Hand, 2x linke Hand und 1x beide Hände zusammen“. Einfach noch eine Runde sicherer werden, doch schon etwas mehr von der Musik schnuppern.

Absichern und/oder Details üben: 1x rechts, 1x links, 2x zusammen

Laufen die Hände einzeln gut, doch er könnte hier und da noch sicherer werden, kannst du ihm „1x jede Hand und 2x zusammen“ aufgeben. Er soll sich nicht langweilen, aber Unsicherheiten und Fehler ausbügeln.

Diese Variante hilft auch wunderbar um ein bestimmtes Detail, zum Beispiel eine Spielbewegung, die Dynamik oder Betonungen zu üben.

Wie war das bei dir?

Ich finde es im Rückblick erstaunlich, dass ich das als Schülerin so mitgemacht habe. Ich wusste ja was kommt und hätte das Spielen mit beiden Händen einfach heimlich probieren können. Von Typ war ich das wohl nicht. Wie war es früher bei dir im Unterricht – wie schnell durftest du beide Hände kombinieren? Und hast du dich an die Übeanweisungen deines Lehrers gehalten? Bitte sag mir, dass nicht nur ich so lammfromm war… 😉

Dieser Artikel ist Teil der „Clever Üben“-Serie. Hier erfährst du mehr darüber, außerdem gehören die Artikel über das Rhythmus Klopfen und die unterschiedlichen Übephasen eines Stückes.

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