Meine Unterrichtsziele 2017

Ein frohes und gesegnetes neues Jahr!

Zu Beginn eines neuen Jahres bin ich immer sehr gespannt, was mir in den kommenden Monaten so begegnen und mich beschäftigen wird. Ich mache jedes Mal einen Jahresrückblick und anschließend finde ich es recht leicht, Ziele für das neue Jahr zu formulieren. Egal ob du ein Planer bist oder es auf dich zukommen lässt – bestimmt habe ich ein paar interessante Anregungen für dich! Los geht´s…

Rückblick auf 2016

Mehr Selbständigkeit meiner Schüler durch Übe-Strategien und sicherem Notenlesen

In diesem Jahr haben wir einige wichtige Übe-Strategien so oft wiederholt, dass sie inzwischen (fast) Routine geworden sind. Bis zur Selbständigkeit ist es wohl noch ein Stück, doch der Grundstein ist gelegt.  Es ist so unglaublich süß, wenn sich meine kleinen Schüler ganz ernsthaft und konzentriert nach einem Fehler selbst unterbrechen und korrigieren! Was ich unter Übe-Strategien verstehe, werde ich in einem meiner nächsten Artikel ausführlich beschreiben.

Das sichere Notenlesen haben wir durch die „One Minute Challenge“ trainiert. Nicht jeder Schüler hat sie geschafft, doch alle haben davon profitiert. Da es eine Aktion des gesamten Studios war, begann jede Stunde mit Leseübungen und ich konnte es so auch nicht vergessen. Früher habe ich mir das Training zwar vorgenommen, doch es selten umgesetzt. Wie diese Challenge genau funktioniert, findest du hier.

Meinen Unterricht durch Videoaufzeichnungen verbessern

Zu diesem Zweck habe ich meine Videokamera die ganze Stunde mitlaufen lassen und das Video hinterher nach bestimmten Kriterien ausgewertet. Dies habe ich dreimal im Laufe des Jahres gemacht. Es ist komisch sich selbst zu sehen, doch durch die relativ objektive Beobachtung habe ich folgendes bemerkt.

  •  Es herrscht eine positive und angenehme Stimmung. Es wird gelacht und die Schüler erzählen mir gern von ihren Alltagserlebnissen.
  •  Ich rede zu viel und der Schüler spielt zu wenig Klavier. Arg… In diesen Situationen ist gut sichtbar, an welcher Stelle der Schüler abschaltet.
  •  Meine Zeitorganisation ist nicht optimal, oft arbeiten wir viel zu lange an einem Stück und haben dann für die anderen nur wenig Zeit. Dies mag teilweise effektiv sein, doch es ermüdet den Schüler und stoppt ihn insgesamt in seinem Fortschritt.
  •  Ich habe den Eindruck, dass meine Schüler am Ende der Stunde wissen, was sie wie üben können und mit einem positiven Gefühl aus der Stunde gehen.

Auch zum Thema „Eigene Unterrichtsbeobachtungen“  wird demnächst ein Artikel erscheinen.

Besseres Zeitmanagement in der Stunde

Ich bin die Königin des Überziehens… Ich verliere häufig das Zeitgefühl und widme all meine Konzentration dem Schüler neben mir. Inzwischen habe ich mir eine große Wanduhr gekauft, die quasi über dem Kopf meines Schülers, und damit in meinem Blickfeld liegt. Trotzdem gucke ich nicht immer darauf. Außerdem ist es mir trotz abgelaufener Stunde manchmal einfach wichtiger, dass der Schüler dieses oder jenes nochmal durchspielen kann. Dann verrutschen zum Leidwesen der nachfolgenden Familien alle Stunden um fünf (oder zehn….) Minuten nach hinten. Etwas bewussteres Zeitmanagement würde echt nicht schaden.

Durch die Videoaufzeichnungen meines Unterrichts habe ich übrigens einen weiteren Grund für meine Verspätung entdecken können: Ich versuche, den Stoff einer 45-Minuten-Stunde in eine 30 Minuten Stunde zu pressen. Klar, dass dies nicht gelingen kann…

Metronom- und Rhythmustraining

Tja, das Metronom. Freund oder Feind? Geht es um Geläufigkeit und Gleichmäßigkeit, ist es für mich ein Freund. Die Realität sieht wohl so aus, dass seine Verwendung im Unterricht so lange wie möglich aufgeschoben wird und wenn es dann gebraucht wird, fehlt dem Schüler die Erfahrung. Also empfindet er das permanente Klicken als sehr unangenehm und störend. Hier wollte ich mit einem behutsamen Training gegenwirken, doch das konnte ich (noch) nicht setzen.

Besser hat es mit dem Rhythmustraining geklappt! Hier gab es folgende zwei Maßnahmen:

  1.  Die jüngeren Schüler lasse ich nun alle mit der Rhythmussprache beginnen, die ich von Sandra Labsch übernommen habe. Durch die Verwendung unterschiedlicher Silben werden die Tonlängen viel bewusster und schneller verstanden. Es ist deutlich leichter als das metrische Zählen und deshalb nutzen es meine Schüler auch eher. Wirklich gern zählen wohl die wenigsten Schüler…
  2. Zu Beginn eines neuen Stückes lasse ich meine Schüler den Rhythmus auf den Beinen klopfen (patschen) und laut zählen. Im Prinzip ist dies schon eine grobmotorische Anschlags-Bewegung, die beim Empfinden des Rhythmus und der Koordination beider Hände hilft. Erst klopft jede Hand für sich auf das entsprechende Bein, später dann beide Hände zusammen. Dieser Schritt erleichtert das erste Zusammenspiel ungemein. Meine jüngeren Schüler klopfen oft sehr enthusiastisch auf ihr Bein (Aua!) und haben ihren Spaß dabei. Wenn ich vom „Zählen“ schreibe, meine ich das metrische, als auch das syllabische (Rhythmussprache) Zählen.

Sehr nützlich haben sich die Übungen aus „Rhythm Menagerie“ von Wendy Stevens erwiesen. Diese können zu Unterrichtsbeginn, aber auch später zur Wiederholung von Notenwerten oder Rhythmen verwendet werden. Diese werden ausschließlich geklopft und laut gezählt. Es gibt darin auch einige lustige Aufgaben, in denen man Tierlaute auf bestimmten Zählzeiten macht. Oft begrüßen mich die Schüler dann in der Folgestunde mit der Frage: „Können wir heute wieder das mit dem Klopfen machen?“ Aber sicher!

Alle Schüler spielen Technik

Ich bin mir nicht sicher, ob wirklich alle Schüler technische Übungen hatten, doch ich habe mit vielen in diesem Bereich gearbeitet. Die Kleinsten haben Fingerübungen mit drei Tönen gespielt, um das Spielen mit runden Fingern und lockerem Handgelenk zu lernen. Vielen Schülern spielten Fünfton-Lagen in Dur und Moll, teilweise waren auch Tonleitern dabei.

Mit meinen fortgeschrittenen Schülern habe ich den Technique Trainer von Jackie Sharp begonnen – ein Heft, über das ich mich immer wieder freuen kann. Es sind kurze Übungen, die das Wesentliche behandeln und dem Schüler die richtigen Bewegungen für den gewünschten Klang vermitteln. Es entsteht ein ganz anderes Bewusstsein für das Instrument, einfach fantastisch!

Ziele für 2017

Dieses Jahr wird sehr spannend für mich – ich werde Mama! Meine Tochter wird zwischen den Oster- und Sommerferien kommen und ich plane, im Herbst weiter zu unterrichten. Vorausgesetzt ich finde für diese Zeit eine Betreuung und meine Tochter macht mit.

Damit meine Schüler durch die Babypause nicht total raus kommen, werde ich für alle, die es möchten, Hausaufgaben vorbereiten. Zu jedem Stück möchte ich einen Kommentar vorbereiten und ein Video aufnehmen. Falls nicht bereits ein geeignetes existiert. So wissen sie, worauf im Stück besonders zu achten ist und wie sich ihr Stück anhört. Die Mütter (oder sie selber) können mir zwischendurch Videos von ihrem Spiel schicken und ich werde Tipps und Hilfestellungen zurück senden. So wie es meine Situation zulässt und es ist deshalb auch ein kostenloser Service von mir.

Für diese Herausforderung müssen sie natürlich gewappnet sein und dies beeinflusst meine Ziele…

Gutes Training in Rhythmus und Notenlesen

Damit sie ihre Stücke selbständig erarbeiten können, müssen sie ganz sicher im Notenlesen. Aus diesem Grund läuft seit dieser Woche wieder die „One Minute Challenge“. Außerdem möchte ich einige rhythmische Übungen vorbereiten. Diese sollen praktisch, als auch schriftlich sein.

Selbständiges Üben

Ebenso wichtig ist, dass sie die bereits gelernten Übe-Strategien anwenden können. Welche Strategie wann genutzt wird, hängt von der Erarbeitungs-Phase des Stückes ab. Ich trenne hier zwischen (Kennen) Lernen, Üben und Spielen. Unsere Schüler sind gewohnt, dass wir sie führen und entscheiden, wann sie für den nächsten Schritt bereit sind. Da verlassen sie sich oft auf uns und denken selber nicht weiter. In dieser Zeit müssen sie aber nun einiges selber entscheiden und dafür möchte ich ihnen klare Entscheidungshilfen geben. Dies möchte ich mit meinen Schülern in Form eines „Clever Üben“-Kurses besprechen, den ich an mehreren Samstagen anbieten werde.

Mehr Fragen stellen

Besonders wenn die Zeit knapp wird, erkläre ich viel und „serviere“ die wichtigsten Details, ohne das der Schüler selber Zeit zum Nachdenken hatte. In den nächsten Wochen möchte ich ganz bewusst Zeit einräumen und viele Fragen stellen, damit meine Schüler aktiver mitarbeiten. So kann ich auch nochmal schauen, was wirklich schon bei ihnen angekommen ist.

Weitere Ideen

Es gibt so viele interessante und erstrebenswerte Ziele in unserem Bereich…  Hier noch ein paar Beispiele von Kollegen für dich:

  • Neue Literatur entdecken, damit immer etwas Geeignetes zur Hand ist. das ist ein wunderbarer Vorsatz. Es bedarf einiger Zeit, doch es macht auch als Lehrer viel Spaß neue Stücke zu spielen!
  • Öfter vier- und sechshändige Stücke im Unterricht spielen. Dies ist die einfachste Art für uns Pianisten Kammermusik zu machen – und es macht Schüler und Lehrer oft gleichermaßen viel Spaß! Ich spiele zum Beispiel gern mit meinen Schülern vierhändige Stücke in unseren Konzerten. Da das Lesen der Notation aber oft anders und ungewohnt sein kann, wäre es eine gute Übung, solche Stücke generell in den Unterricht einzubringen. Auch das Hören und aufeinander eingehen ist eine tolle Wahrnehmungsschulung.
  • Eine bestimmte Anzahl von Stücken lernen. Das hat sich meine Freundin Sandra Labsch von „mein-klavier-unterricht.de“ mit ihren Schülern vorgenommen. Diese Idee kommt von der australischen Klavierpädagogin Elissa Milne. Auf diese Art lernen die Schüler viele unterschiedliche Stücke kennen. Die Schwierigkeitsgrade variieren, neue Genres oder ungewöhnliche Taktarten werden entdeckt, es kann transponiert werden – hier bieten sich sehr viele Möglichkeiten! Vor allem aber werden die Schüler dadurch flexibler, sammeln deutlich mehr Erfahrungen und entwickeln ein schnelleres Verständnis für ein neues Stück.
  • Die Wahrnehmung der Schüler anregen. Toll finde ich auch Sandras Idee, den Schüler nach einem schönen Erlebnis der letzten Woche zu fragen. In unserem Beruf geht es nicht nur um die Vermittlung von musikalischen Fähigkeiten, sondern wir dürfen auch an dem persönlichen Leben unserer Schüler teilnehmen. Und können sie auf diesem Wege besser verstehen und erreichen.

Sandras ganzen Artikel findet ihr hier – es sind sehr schöne Gedanken darin!

Jetzt frage ich Dich – welche Ziele hast Du Dir für 2017 vorgenommen? Es wäre toll, wenn du das mit uns in den Kommentaren teilen würdest.

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