Clever Üben – Tipp # 2: Das Rhythmus-Klopfen

Unsere aktuelle Schülergeneration ist anders als wir. Die kommenden werden anders sein. Und sie brauchen besonders effektive Übe-Strategien.

Für ihre Motivation und eine zunehmende Selbständigkeit am Klavier sollten sie aktiv im Unterricht und Zuhause mitdenken können.

Damit du deine Schüler optimal fördern kannst, stelle ich in der Clever Üben – Serie erprobte und gut nachvollziehbare Übe-Tipps vor.

Warum ich denke, dass unsere Schüler anders sind? Hier kannst du es im einführenden Artikel nachlesen. Zum  1. Teil von Clever Üben: „Die Übe-Phasen eines Stückes“ geht es hier lang.

Das Rhythmus-Klopfen

Das Klopfen kannst du vor allem in der ersten Übephase „Kennen-Lernen“ einsetzten. Dies ist eine einfache, aber sehr effektive Übung, da es den unbekannten Rhythmus schnell verstehen und erleben lässt.

Es bietet sich auch gut als ersten Kontakt mit einem neuen Stück an.

Die Konzentration auf den Rhythmus vereinfacht den Kontakt mit dem Stück. Noten, Fingersätze und Artikulation kommt danach ins Spiel. Es sorgt für einen positiven und damit motivierenden Start.

Wie funktioniert das Klopfen?

Der Schüler schlägt mit der rechten Hand ihren Rhythmus auf das rechte Bein und  zählt dabei laut mit. Die linke Hand übt ihre Stimme genauso.

Oft wird dies auch „patschen“ genannt, doch ich mag „klopfen“ lieber.

Falls der Schüler noch Melodien spielt, die auf beide Hände aufgeteilt sind, werden beide Hände abwechselnd eingesetzt.

Hat dein Schüler die einzelnen Stimmen gut verstanden, erfolgt anschließend das gemeinsame Klopfen beider Hände.

Ein spannender Moment, denn hier kann er das erste Mal fühlen, wie die Koordination beider Hände abläuft. Als Lehrer kann ich oft schon sehen, wie mein Schüler das Zusammenspielen bewältigen wird.

Lautes Zählen – unbeliebt aber wirkungsvoll

Egal ob du die Rhythmussprache nach Kodaly oder das metrische Zählen verwendest, entscheidend ist, dass das Zählen laut erfolgt.

Ich weiß – kein Schüler ist davon begeistert… Doch ich erkläre, dass ich ihm nur helfen kann, wenn ich sein Zählen (und seine Fehler) höre. Und er dadurch besonders schnell den Rhythmus verstehen und lernen wird.

Wenn du das erste Mal mitklopfst und mitzählst,kannst du ihm Sicherheit geben. In der zweiten Runde lässt du ihn alleine zählen und kannst so prüfen, wie gut er es verstanden hat.

Verlässt sich ein Schüler auf dich und verstummt, höre auch mit dem lauten Zählen auf. Wenn er darauf nicht reagiert, unterbrichst du und machst ihn darauf aufmerksam.

Das laute Zählen ist unbeliebt, doch wird mit der Zeit zu einer Gewohnheit und fördert ein gutes Rhythmusgefühl.

Varianten

Es gibt weitere Klopf-Varianten – natürlich alle mit lautem Zählen:

  1. Eine Hand klopft den Rhythmus der Melodie und die andere übernimmt den Puls.
  2. Unterschiedliche Gesten verdeutlichen die Unterschiede von Notenwerten und machen sie fühlbar. Diese Übung nutze ich oft um das Verhältnis von Viertel- und Achtelnote erfahrbar zu machen. Die Viertel werden geklopft, die Achtelnoten geklatscht.

Literaturtipp

Das Rhythmus-Klopfen kannst du auch unabhängig von der Unterrichtsliteratur einsetzten. Zum Beispiel um die Achtelnote oder die punktierte Viertel einzuführen oder zu vertiefen.

Die amerikanische Pädagogin und Komponistin Wendy Stevens hat wirklich tolle Materialien zusammengestellt.

Rhythm Menagerie behandelt die Notenwerte von Ganzer Note bis zur Achtel, die entsprechenden Pausen, die punktierte Viertelnote und den Haltebogen.

Im Folgeheft Rhythm Manipulations werden Sechzehntel, Triolen, punktierte Achtel, Alle-Breve und Taktartänderungen geübt.

Die Rhythm Cups Explorations sind eine witzige Ergänzung, da sie unterschiedliche Bewegungen mit einem ganz normalen Trinkbecher einführen.

Alle Hefte sind in Form einer Studio License erhältlich, dies bedeutet, dass sie einmal gekauft so oft vervielfältigt werden dürfen wie gewünscht.

Diese Materialien eignen sich prima zum Einführen neuer Notenwerte oder zur separaten Übung eines Notenwertes oder Rhythmus. Das erste Heft nutze ich regelmäßig um neue oder unsichere Notenwerte zu üben, die Rhythm Cups setzte ich für den Gruppenunterricht ein.

Vorteile des Klopfens

  1. Dein Schüler erlebt einen positiven Start in ein neues Stück, da es zuerst nur um den Rhythmus geht.
  2. Es verhindert von Anfang an viele unnötige Fehler.
  3. Das Rhythmusgefühl und das laute Zählen werden trainiert. Diese Klopf-Übung ist DER Tipp für Schüler, die sich gerne vor dem lauten Zählen drücken wollen. Das schaffen sie bestimmt!
  4. Du kannst es von Anfang an einsetzten. Anfänger, die oft noch Probleme mit der Trennung von rechts und links haben, profitieren sehr davon.
  5. Die Koordination wird bei dem gemeinsamen Klopfen beider Hände sofort geübt. Dies erleichtert später das Zusammenspiel.
  6. Zu einem späteren Zeitpunkt eingesetzt, kann es eine optimale Lösung für eine Stelle mit rhythmischen oder koordinativen Schwierigkeiten sein.

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